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The road / Regie: John Hillcoat. Darst.: Viggo Mortensen ; Kodi Smit-McPhee ; Robert Duvall ; Guy Pearce ; Charlize Theron …

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„Wenn nichts mehr bleibt, versuche ich, mit der Fantasie eines Kindes zu träumen“.
Vater und Sohn kämpfen sich durch ein vor Jahren verwüstetes Amerika, durch zerstörte Städte und Landschaften, Kälte und Asche, ohne Tiere und Pflanzen. Nichts besitzen sie mehr ausser ihrer Kleidung, einem Einkaufswagen mit der nötigsten Habe und einer Pistole mit zwei Kugeln, um notfalls ihrem Leid ein Ende setzen zu können. Ihre größte Sorge gilt der Beschaffung von Essen und der Angst vor den anderen Überlebenden, die dieses Problem dadurch lösen, dass sie Menschen essen. Vater und Sohn folgen der Straße, denn irgendwo an der Küste soll es anders sein, irgendwo an der Küste hoffen sie, den Winter zu überleben. Doch dem Vater schwinden die Kräfte …
Wer die hochliterarische Romanvorlage von Cormack McCarthy kennt und schätzt, weiß um die Schwierigkeit, diese Geschichte zu verfilmen, ohne sich in vordergründigen Handlungen oder oberflächlichem Kitsch zu verlieren. „The Road“ der amerikanischen regisseurs John Hillcoat setzt die tragische, tief verstörende Geschichte von McCarthy in eindrucksvolle Bildern um: er zeigt ein zerstörtes Amerika, in dem es keine Farben mehr zu geben, die Welt in Auflösung zu sein scheint. Durch diese postapokalyptischen Kulisse schleppt sich ein ausgezehrter Vater (eindrucksvoll: Viggo Mortensen) mit seinem Sohn (Kodi Smit-McPhee), dem einzigen, was ihm geblieben ist. Verzweifelt versucht er, mit ihm nach Süden zu gelangen, einer vagen Hoffnung entgegen, allen Widrigkeiten und Gefahren zum Trotz, und in ihm den Überlebenswillen und die Menschlichkeit wach zu halten:
„Sind wir noch die Guten? – Ja. Wir sind die Guten. – Werden wir es immer sein? – Immer. – Okay.“
Und obwohl sie versuchen, nicht zu verrohen, sich ihre Menschenwürde zu bewahren, scheint für Mitleid kaum Platz, in der die Gefahr der Kannibalismus der anderen ist und das wenige gefundene Essen gerade für einen selber reicht. Kraft finden sie nur in der Liebe zueinander, dem einzigen Licht, das in diesem düsteren Epos immer wieder aufglimmt.
Der Film ist bis in die Nebenrollen (Charlize Theroux und Robert Duvall) hervorragend besetzt: Mortensen und der zum Zeitpunkt des Drehs 13jährige McPhee bilden ein glaubwürdiges Vater-Sohn-Paar und setzen den Kampf ums Überleben, die Verzweiflung an der Einsamkeit, aber auch die große Liebe zwischen den beiden eindrucksvoll in Szene. Wie überhaupt der Film sich Zeit lässt für seine Geschichte: die Wucht des Films wird selbst in Gefahr und tiefer Not nicht durch hektische, die Emotionalität der Geschichte überlagernde Action überlagert: existenziell sind die Bilder des Film in jeder Sequenz, gleichsam am Puls der letzten, überlebenden Menschen. Der Film wird kongenial unterstützt durch die eindringliche Musik von Nick Cave und Warren Ellis.
Wer das Buch gelesen hat, mit seiner kargen Sprache, mit Sätzen, wie in Stein gemeisselt, mit Bildern, die sich machtvoll aufdrängen, wird sich vielleicht ein wenig gefürchtet haben vor einer Verfilmung. Tatsächlich ist mit „The Road“ jedoch eine angemessene Umsetzung des Romans gelungen: ein tragischer, tief bewegender und verstörender Film.

5 Kommentare zu “The road / Regie: John Hillcoat. Darst.: Viggo Mortensen ; Kodi Smit-McPhee ; Robert Duvall ; Guy Pearce ; Charlize Theron …

    • Das kann ich gut verstehen. Gerade auch bei diesem Buch, obwohl ich die Verfilmung letztlich ziemlich gut fand … und mich Verfilmungen grundsätzlich reizen, da ich es spannend finde, welche Bilder der Regisseur findet, welche Akzente er setzt und wie sich sich von meinem Empfinden unterscheiden.
      Da mir aus beruflichen Gründen viele Filme durch die Hand gehen, liegt der Griff auch zur Literaturverfilmung vielleicht manchmal näher als bei anderen Leserinnen und Lesern …
      Liebe Grüsse von
      Jarg

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  1. Ich habe das Buch vor zwei Jahren gelesen. Ich kann mich nicht erinnern, so etwas schlimmes jemals vorher gelesen zu haben. Und als ich ausgelesen hatte, dachte ich, jetzt sei alles weitere Lesen sinnlos. Alles ist gesagt. Vor dem Film habe ich Angst. Ich habe ihn bis heute nicht gesehen.

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    • Trotzdem bietet es Hoffnung, gerade in diesen beiden Protagonisten Vater und Sohn, die die Flamme der Menschlichkeit weiterzutragen versuchen. So ist das Ende zwar kein wahrhaft glückliches, bietet aber doch die vage Aussicht, dass die „Flamme“ nicht ganz erloschen sein könnte. So erschütternd das Buch und auch der Film – das immerhin bietet Trost und hält uns den Spiegel vor, was wirklich zählt in unserer übersättigten, egoistischen Welt, was es zu bewahren gilt.

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