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Ein Zug voller Hoffnung : Roman / Viola Ardone. Aus dem Italienischen von Esther Hansen

Neapel, 1946. Amerigo Speranza ist fast 8 Jahre alt und lebt mit seiner alleinerziehenden Mutter in großer Armut im Spanischen Viertel der Stadt. Seinen Vater hat er nie kennengelernt, sein älterer Bruder starb früh. In der Schule kommt er nicht zurecht, hat oft Hunger und verdient sich mit dem Sammeln von Lumpen ein wenig dazu. Oft streunt er mit seinem ebenfalls aus armen Verhältnissen stammenden Freund Tommasino durch die Gassen der Stadt. Wie ihm geht es vielen Kindern im wirtschaftliche schwachen, durch den Krieg zusätzlich benachteiligten Süden Italiens.

Die Kommunistische Partei Italiens ergreift die Initiative: fast 100.000 Kinder werden aus dem Süden Italiens vorübergehend in den Norden verschickt, um ein Jahr in wohlhabenderen Familien zu verbringen.Auch Amerigos Mutter stimmt seiner Verschickung zu: zusammen mit vielen anderen Kindern aus der Stadt reist er mit zwischen Angst und Neugier widerstreitenden Gefühlen mit dem Zug nach Bologna und wird von der Familie Bienvenuto aufgenommen. Er kann es kaum fassen, dass er nicht mehr hungern muss – und lernt außerdem über die Vermittlung seines Gastvaters, eines Instrumentenbauers, Geige zu spielen. Er ahnt noch nicht, dass sein Leben sich dadurch für immer verändern wird (…).

Viola Ardone ist ein atmosphärisch dichter Roman um ein hierzulande wenig bekanntes Kapitel italienischer Nachkriegsgeschichte gelungen: rasch schliesst man den unbedarften, stets hungrigen Protagoisten ins Herz, dessen Erzählung einen spüren lässt, wie es sich anfühlt, wenn man für so lange Zeit sein gewohntes Umfeld verlassen muss. Auch wenn Amerigo im Fokus steht, streift die Geschichte auch das Schicksal der anderen Kinder und lässt einen ahnen, welche Not die Eltern zu dieser Entscheidung trieb, welche Hoffnung darin lag und welche potentielle Enttäuschung stets damit verbunden war. Am Ende blickt Amerigo aus der Sicht des gealterten Erwachsenen auf diese Zeit zurück und man ahnt, welchen Spannungen Kinder ausgesetzt sind und sein können, die aus armen Verhältnissen stammen – selbst dann, wenn man ihnen versucht zu helfen.

„Ein Zug voller Hoffnung“ ist eine wundervolle, feinhumorige, ebenso melancholische wie berührende Geschichte eines Jungen, der einen Weg aus der Armut sucht und findet, letztlich aber auch einen Preis dafür zahlt. Der Roman zählt zu jenen Büchern, die man am Ende traurig aus der Hand legt: zum einen, weil einen die Geschichte seines Protagonisten und der anderen Schicksale bewegt und berührt hat – zum anderen, weil man Amerigo auf seinem weg gerne noch weiter gefolgt wäre. Ein überaus lesenswertes Buch, dass ich wärmstens empfehle.

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