Zwischen zwei Sternen : Roman / Becky Chambers. Aus dem Amerikanischen von Karin Will

„Eigentlich ist es ganz leicht zu verstehen“, sagte Pepper. Sie streckte die Beine aus und legte die Fußknöchel übereinander. „Es ist das Gleiche, was die Verbesserten uns Fabrikkindern angetan haben. Es ist das Gleiche, was die Harmagianer den Akaraks angetan haben oder den Felasens oder einer der anderen Spezies, die sie unterjocht haben. Und ihr Äluoner, ihr habt die KIs doch überhaupt erst erfunden. Empfindungsfähigen Code gibt es erst, seit ihr ihn geschrieben habt.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Leben ist etwas Beängstigendes. Keiner von uns hier besitzt das Regelbuch. Keiner von uns weiß, was wir hier eigentlich machen. Und all das Beängstigende kann man noch am ehesten aushalten, wenn man glaubt, die Kontrolle zu haben. Wer glaubt, die Kontrolle zu haben, der meint, er wäre ganz oben, und wenn man ganz oben ist, dann sind die Leute, die anders sind als man selbst … nun, die müssen dann irgendwo unter einem stehen, nicht wahr? Alle Spezies tun das. Sie tun es immer und immer wieder. Es spielt keine Rolle, ob sie es sich gegenseitig antun oder einer anderen Spezies oder jemandem, den sie erschaffen haben.“ Sie nickte zu Tak. “ Du hast doch Geschichte studiert. Du weißt Bescheid. Die ganze Geschichte ist eine endlose, unüberschaubare Abfolge der schrecklichen Dinge, die wir einander angetan haben.“
„Nicht die ganze Geschichte“, wandte Tak ein. „Vieles davon, ja. Aber es gibt auch Dinge, die gut sind. Es gibt Kunst und Städte und Wissenschaft. All das, was wir entdeckt haben. All das, was wir gelernt und verbessert haben.“ (S. 414)

Als KI-System des Raumschiffs Wayfarer war Lovelace praktisch mit allem verbunden: mit ihrem Schiff, den Raumfahrern, für deren Schutz und Wohl sie da war und mit allem Wissen der Welt. Sie war gleichzeitig in allen Räumen des Schiffes und für die Besatzungsmitglieder mehr Vertraute als künstliches System. Doch als die Wayfarer in Not geriet, konnte nur ein Reboot sie retten (zur Vorgeschichte vgl. „Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten“).

Jetzt ist alles anders: sie findet sich in einem Weiterlesen

Der Vater, der vom Himmel fiel : Roman / J. Paul Henderson

England. Lyle Bowman, 83jähriger Vater der seit sieben Jahren nicht mehr miteinander redender erwachsener Söhne Billy und Greg, wollte eigentlich nur eine Pause von den Malerarbeiten in seinem Haus machen. Doch leider greift er statt zum Wasserglas zum Glas mit dem Pinselreiniger, wankt daraufhin mit Süßhunger zum Supermarkt und wird kurz darauf in deutlich alkoholisiertem Zustand überfahren. Jetzt treffen sie alle wieder aufeinander: Greg, schwarzes Schaf der Familie, der nichts recht machen konnte und als Professor für Geschichte in den USA arbeitet, Billy, der Verlagsvertreter und Fußphobiker, der Weiterlesen

Everland : Roman / Rebecca Hunt

Der Marsch zum Strand hinunter hatte sie fehlerfrei bis zum Gletscher geführt, wo sie die Moräne wiedergefunden hatte, doch jetzt brach Chaos aus. Der Rucksack war weg, sie war allein in einem Schneesturm und hatte keine Ahnung, was sie tun sollte. Das Bewusstsein der verstreichenden Sekunden war zu einer deutlichen, fast körperlichen Empfindung geworden.

Im Jahr 1913 geht das britische Schiff Kismet unter dem ehrgeizigen Kapitän Lawrence auf Forschungsreise in die Antarktis. Als eine schroffe, unbekannte Insel entdeckt und auf den Namen „Everland“ getauft wird, werden drei Männer ausgerüstet, um mehrere Wochen auf der Insel zu verbringen, darunter auch der junge Wissenschaftler Decker, der durch Protektion für die gefährliche Mission ausgewählt wurde. Doch der Aufenthalt mündet in einer Katastrophe, für den die Nachwelt im Weiterlesen

Doctor Who – Die Hand des Omega (Doctor Who Romane, Band 1) / Ben Aaronovitch

London, England. Der Siebte Doktor reist zusammen mit seiner jugendlichen Assistentin Ace zurück in das Jahr 1963 an die Coat Hill School. Er will ein mächtiges Instrument bergen, dass er einst hier zurückgelassen hat: die sogenannte Weiterlesen

Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten : [Wayfarer 1] / Becky Chambers

Ashby war ein toleranter Mensch, aber wer Port Coriol nicht mochte, sank ein wenig in seiner Achtung. [..] Endlos lange Straßen mit offenen Ladenfronten, die von Klamotten, Tand und allerlei Ramsch überquollen. [..] Kalte unterirdische, mit Bots und Elektronikchips vollgestopfte Bunker, in denen sich rund um die Uhr euphorische Techs und Modder mit allen nur vorstellbaren Implantaten drängten. [..] Eine Menagerie aus Geschöpfen, die sich in einer schwindelerregenden Vielfalt von Sprachen unterhielten, Hände schüttelten, Pfoten packten und über Tentakel strichen. [S.132 ]

Science-Fiction hat ja eine durchaus große Bandbreite: das reicht von mit techniklastigen, einfach gestrickten Action-Abenteuern über anspruchsvolle wissenschaftsdurchsetzte Raumfahrtgeschichten, den literarisch imaginierten Kontakt mit fremden Zivilisationen bis hin zu literarischen Adaptation möglicher Entwicklungen in Technik und Gesellschaft oder dem leeren, gleichgültigen All als dunkler Spiegel für das Menschsein an sich. Die weniger lesenswerten Geschichten setzen dabei auf Raumfahrt, Zukunftstechnik, exotische Wesen und viel Krawumm als beliebige Kulisse seichter Geschichten. Andere nutzen das Genre und vermögen es, mittels einer spannenden Geschichte anregende Reflexionen über die Zukunft und das Menschsein, das Leben an sich in Szene zu fassen. Ausschliesslich letztgenannte Variante interessiert mich und findet immer mal wieder in Form ungewöhnlicher Geschichten auf meine Leseliste.

Die Geschichte spielt in einer fernen Zukunft, in der Menschen längst die verwüstete Erde verlassen haben und sich zusammen mit anderen galaktischen Spezies um ein halbwegs friedliches Miteinander bemühen. Rosemary Harper hat mit einer gefälschten Identität auf einem billigen Kapseltransport aus zunächst Weiterlesen

Das Schlimmste kommt noch oder Fast eine Jugend [Orig.: Ham on Rye] / Charles Bukowski

Man kann sich kaum eine üblere Kindheit und Jugend vorstellen als die von Henry Chinaski, dem Protagonisten und Alter Ego des Autors. Er wächst als Sohn eines US-Amerikaners mit deutschen Wurzeln und einer deutschen Mutter in Los Angeles auf. Der Vater schlägt sich als Milchfahrer durch, verliert wegen der Wirtschaftskrise der 1920er Jahre sein Job und verlässt trotzdem jeden Morgen das Haus, um den Schein zu bewahren. Er betrügt seine Frau. setzt seinen Sohn unter Erfolgsdruck und lässt seine Aggressionen ungehemmt Weiterlesen

Die Zweisamkeit der Einzelgänger : Roman (Alle Toten fliegen hoch ; 4) / Joachim Meyerhoff

Vielleicht, dachte ich später einmal, trägt jeder Mensch so ein paar Sätze in sich, von denen er gar nichts weiß, die unbemerkt in ihm schlummern und das ganze Leben verändern können. So einen kleinen handlichen Trommelwortrevolver, dessen Kugeln sich unerwartet lösen und unleugbar, unumstößlich ins Dasein knallen.

Ein erfolgloser Jungschauspieler, den gelegentlich der Furor packt und der am Ende drei Frauen liebt, bis er grandios sein gewohntes Leben an die Wand fährt und alles sich ändert. Joachim Meyerhoff, der bereits drei Teile seines autobiografischen Zyklus „Alle Toten fliegen hoch“ vorgelegt hat, widmet sich in „Die Zweisamkeit der Einzelgänger“ seinen jungen Jahren an Weiterlesen