Der Vater, der vom Himmel fiel : Roman / J. Paul Henderson

England. Lyle Bowman, 83jähriger Vater der seit sieben Jahren nicht mehr miteinander redender erwachsener Söhne Billy und Greg, wollte eigentlich nur eine Pause von den Malerarbeiten in seinem Haus machen. Doch leider greift er statt zum Wasserglas zum Glas mit dem Pinselreiniger, wankt daraufhin mit Süßhunger zum Supermarkt und wird kurz darauf in deutlich alkoholisiertem Zustand überfahren. Jetzt treffen sie alle wieder aufeinander: Greg, schwarzes Schaf der Familie, der nichts recht machen konnte und als Professor für Geschichte in den USA arbeitet, Billy, der Verlagsvertreter und Fußphobiker, der Weiterlesen

Die Zweisamkeit der Einzelgänger : Roman (Alle Toten fliegen hoch ; 4) / Joachim Meyerhoff

Vielleicht, dachte ich später einmal, trägt jeder Mensch so ein paar Sätze in sich, von denen er gar nichts weiß, die unbemerkt in ihm schlummern und das ganze Leben verändern können. So einen kleinen handlichen Trommelwortrevolver, dessen Kugeln sich unerwartet lösen und unleugbar, unumstößlich ins Dasein knallen.

Ein erfolgloser Jungschauspieler, den gelegentlich der Furor packt und der am Ende drei Frauen liebt, bis er grandios sein gewohntes Leben an die Wand fährt und alles sich ändert. Joachim Meyerhoff, der bereits drei Teile seines autobiografischen Zyklus „Alle Toten fliegen hoch“ vorgelegt hat, widmet sich in „Die Zweisamkeit der Einzelgänger“ seinen jungen Jahren an Weiterlesen

Die Birken wissen’s noch : Roman / Lars Mytting

So war es mit unserer Geschichte, immer wieder und wieder. Ich erhoffte mir die Wahrheit, fand aber nur Asche. Stand alleine da und musste mir meinen Reim auf schwer zu deutende Zeichen machen.

Der Wald maß nicht mehr als 30 Hektar, war aber dichter bombardiert worden als jedes andere Gebiet an der Somme. In den hektischen Momenten wurde er von sieben Artilleriegranaten pro Sekunde beschossen. In den wenigen Pausen des Bombardements hörte man die Schreie von Hunderten Sterbenden.

Norwegen. Der 24jährige Edvard Hirifjell ist bei seinem Großvater Sverre auf einem einsamen Bauernhof im abgelegenen Gudbrandstal aufgewachsen. Gemeinsam pflanzen sie Kartoffeln und treiben im Frühjahr die Schafe auf höhergelegenen Weiden. Verwandte gibt es nicht mehr: Einar, ein höchst begabter Tischler und der ungeliebte Bruder von Sverre, fiel im Krieg auf der Seite der Alliierten, Sverre, der für dieFeutschen kämpfte und seither als Nazi verschrien ist, überlebte und übernahm den Hof.

An seine 1971 bei einem Unfall in Frankreich ums Leben gekommenen Eltern hat Edvard kaum Erinnerungen: nur der Duft der Mutter und ihre Wärme haben sich tief in sein Gedächtnis gegraben. Das wenige, was er Weiterlesen

Die Schatten von Race Point / Patry Francis

Blind vor Tränen stand Hallie auf und stapfte durch den Sand davon. Gus rief ihren Namen nur einmal. Sie schleuderte ihre Sandalen von den Füßen und ging schneller. Sie spürte den Sand, den sie hinter sich aufwirbelte, und Gus‘ Augen, die ihr nachsahen. Und mit jedem Schritt spürte sie, wie die Wahrheit an Macht gewann: Gus würde nicht hinter ihr herkommen. Diesmal nicht.

Massachusetts, Cape Cod: Der 9jährige Gus ist schwer traumatisiert, nachdem seine Mutter von seinem Vater ermordet wurde. Seitdem wohnt er im Haus seiner Tante und spricht nicht mehr. Die 9jährige Hallie Costa, Tochter des angesehenen portugiesischstämmigen Arztes Nick, beschliesst, ihn zu retten. Über Wochen liest sie ihm aus „David Copperfield“ vor, bis er eines Tages wieder beginnt zu sprechen. Etliche Jahre später ist aus dem leicht aufbrausenden, wilden Jungen ein Mädchenschwarm geworden, der eines Tages Hallies große Liebe wird. Die Zukunft scheint vorgezeichnet, beide haben große Pläne.

Doch dann ist da noch Neill, der beste Freund von Gus: heimlich ist er seit langer zeit Weiterlesen

Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war : Roman (Alle Toten fliegen hoch; 2) / Joachim Meyerhoff

Es kommt mir mehr und mehr so vor, als wäre die Vergangenheit ein noch viel ungesicherterer, weniger verbürgter Ort als die Zukunft. Das, was hinter mir liegt, soll das Gesicherte sein, das Abgeschlossene, das Gewesene, das nur darauf wartet, erzählt zu werden, und das vor mir soll die sogenannte zu gestaltende Zukunft sein?

Was, wenn ich auch meine Vergangenheit gestalten muss? Was, wenn Weiterlesen

Über den Winter : Roman / Rolf Lappert

Eine Weile stand er da und sah auf das helle Rechteck, das sich vom Rest der Wand abhob, hörte das leise Knarren des Parkettbodens im Wohnzimmer und das unendlich weit entfernte Geräusch der Welt vor den Fenstern. Er meinte das Gewicht des Gebäudes auf sich zu spüren, das Gewicht all der vergeblichen Worte, die darin gefallen waren, die Last der enttäuschten Hoffnungen, das schwerwiegende Glück, das am Ende des Tages so leicht war, dass es verflog. Er fühlte die Anwesenheit seines Vaters, der über ihm am Küchentisch saß und mit einem Bleistift sorgfältig kleine Buchstaben in Quadrate schrieb und gegen das Vergessen ankämpfte, indem er sich an Surinam erinnerte, obwohl er nie dort gewesen war, und an Maniok, das er nie gegessen hatte. Während er im Türrahmen stand, dem angeblich sichersten Ort beim Einsturz eines Hauses, drückte das riesige Dach auf ihn, und jeder Balken war ein falscher Entschluss, jeder Ziegel ein nicht getaner Schritt ins Freie. (S. 356)

Als Lennard Salm, weltweit erfolgreicher Konzeptkünstler, vom Tod seiner älteren Schwester erfährt, reist er fast widerwillig nach Hamburg zu seiner Familie, mit der er den Kontakt so weit es ging über viele Jahre auf das Notwendigste beschränkt hat. Doch statt rasch wieder in das eigene Leben zurückkehren zu können, verliert er Weiterlesen

Süßer König Jesus: Roman / Mary Miller. Übersetzt von Alissa Walser

Sie sagte nichts. Ich saß einen Moment lang da, schaute sie an, dann zog ich mich aus und stieg hinein, wartete, dass das Wasser sich um mich herum auffüllte. Ich tauchte den Kopf unter und hielt den Atem an, und mein Ring streifte am Porzellan entlang – man hatte mir Gott zum Mann bestimmt. Ich sollte mit Gott verheiratet werden. ich stellte mir vor, wie ich meine Handgelenke aufschlitzte, rot auf weiß. Es wäre so grell, so schön. Ich hörte mein Herz schlagen und erinnerte mich, dass es nur begrenzt schlug. Es schien so grausam, man pflanzte uns eine kleine Bombe ein, und wir mussten immer neue Wege finden, sie zu ignorieren. (S. 147)

Die Vereinigten Staaten sind ein merkwürdiges Land, gespalten zwischen Moderne und religiösem Fundamentalismus, zwischen Aufklärung und Restauration, zwischen Frömmigkeit und Bigotterie. Es ist soweit und der Weltuntergang steht bevor: Die 15jährige Jess und ihre 17jährige Schwester reisen auf dem Rücksitz des Familienautos mit ihren religiös-fundamentalistischen Eltern quer durch die Staaten und am Bible-Belt entlang Richtung Westen, der bevorstehenden, vom Propheten Marshall angekündigten Entrückung entgegen. Vier Tage dauert die Fahrt, in der sie auf Interstate-Highways und Nebenstrecken unterwegs sind, in heruntergekommenen Motels übernachten und schliesslich mit dem letzten Geld und kurz vor dem Ziel in einem Weiterlesen