Fragen Sie Ihren Bestatter: Lektionen aus dem Krematorium / Caitlin Doughty

Tote verankern die Lebenden in der Wirklichkeit. Bevor ich bei Westwind anfing, hatte ich ein mehr oder weniger leichenfreies Leben geführt. Nun aber hatte ich Zugang zu Dutzenden von ihnen – ein kurzer Abstecher in die Kühlkammer genügte. Sie zwangen mich, meinem eigenen Tod ins Auge zu sehen, machten mir bewusst, dass auch die Menschen, die ich liebte, nicht ewig lieben würden. Egal wie sehr uns die moderne Technik auch beherrschen mag – eine einzige Leiche reicht aus, um alles ins Wanken zu bringen, uns zu der unumstößlichen Erkenntnis zurückzuführen, dass wir nichts weiter als höhere Säugtetiere sind, dazu verdammt, über kurz oder lang den Löffel abzugeben. Wir alle sind nur Leichen in der Warteschleife. (S. 182)

Wir sind es gewohnt, den Tod aus unserem Leben auszublenden. Wenn jemand, der uns nah ist, stirbt, überantworten wir ihn einem Bestatter, der sich um alles kümmert bis hin zur Beisetzung von Sarg oder Urne. Was dort beim Bestatter geschieht und wie, wollen wir nicht so genau wissen. Auf gar keinen Fall. Hauptsache, der Bestatter regelt diskret alles und behelligt uns nur mit Weiterlesen

Der Tod auf dem Apfelbaum / Kathrin Schärer

Der Fuchs will nicht sterben, obwohl er und seine Frau schon alt geworden sind und alles beschwerlicher ist. Als er von einem Zauberwiesel einen Wunsch geschenkt bekommt, wünscht er sich, dass alle auf dem Apfelbaum kleben bleiben mögen, die ihm seine Äpfel klauen wollen. Zwar befreit er sie wieder, aber der Zauber wirkt. Als dann plötzlich der Tod Weiterlesen

Dankbarkeit / Oliver Sacks

Oliver Sacks, der im vergangenen Jahr verstarb, hat in den zwei Jahren vor seinem aufgrund der Schwere seiner Krankheit absehbaren Tod vier Essays geschrieben, die sich mit dem Altern, der Krankheit und dem Tod, zugleich aber mit der Faszination für Weiterlesen

An guten Tagen fahren wir rückwärts : Roman / Alex Shearer

Wir stolpern in die Welt, ohne eine andere Wahl zu haben. Wir lieben die, die wir antreffen – Eltern und Geschwister. Irgendwie müssen wir sie einfach lieben, wir können nichts dagegen machen. Vielleicht passen sie gar nicht zu uns oder sind nicht nach unserem Geschmack oder inkompatibel oder komplett falsch. Am Ende hassen wir sie vielleicht sogar oder sind ihnen böse. Aber nie endgültig, nie ohne Aussicht auf eine mögliche Vergebung und Wiedervereinigung. Zuerst lieben wir, wen wir lieben müssen. Dann werden wir erwachsen und lieben, wen wir lieben wollen. Aber wir bleiben trotzdem gefangen wie ein Fisch, der einen haken verschluckt hat. Fast unser ganzes Leben lang können wir flussabwärts schwimmen und werden doch wieder zurück in die Vergangenheit gezogen, in unsere Kindheit, hin zu unserem schutzlosen Ich. Und dann werden wir an Land gezogen. (S. 138)

Früher war Louis, der große Bruder von Alex, immer der Stärkere, Schlauere. Bevorzugt vom Vater, schien ihm alles zu gelingen, war er schneller, gewitzter und stets vorne dran. Er war zur Stelle, wenn Alex Hilfe brauchte … und sie nicht gerade miteinander stritten.

Jetzt ist Louis, der vor 30 Jahren nach Australien auswanderte, schwer krank: ein Weiterlesen

Sohnemänner / Regie u. Drehb.: Ingo Haeb. Darst.: Peter Franke, Marc Zwinz, Renate Delfs …

Der rebellische, in die Jahre gekommene Edgar ist konsterniert: plötzlich ist seine hochbetagte Mutter Hilde aus dem heruntergekommenen Altenheim verschwunden, in dem er sie kurzfristig unterbringen musste. Schnell stellt sich heraus, dass sein Sohn Uwe dahintersteckt: der wohnt mit seinem gut betuchten Lebensgefährten Johannes in einem opulent ausgestatteten Schwarzwaldhof und hat sie aus Hamburg entführt, um seiner geliebten Oma, bei der er aufgewachsen ist, einen angenehmeren Lebensabend zu bieten.

Das kann Edgar nicht auf sich sitzen lassen: er fährt in den Schwarzwald, um klar Schiff zu machen. Das ist gar nicht so einfach, denn Weiterlesen

Frida – Im blauen Haus meines Herzens / Bjørn Sortland ; Hilde Kramer [Ill.] ; Christel Hildebrandt [Übers.].

„… ich male niemals Träume. Ich habe meine eigene Wirklichkeit gemalt. das einzige, was ich weiss: ich male, weil ich es muss. Ich male immer das, was in meinem Kopf geschieht, ohne viel darüber nachzudenken.“ (Frida Kahlo. Zitat a. d. vorgestellten Buch)

Eines der wunderbaren Dinge an Büchern ist, dass man sie liest und draussen der im Buch gespiegelten, verwandelten oder verfremdeten Wirklichkeit begegnet – und umgekehrt. So kann es einem auch mit diesem Buch ergehen.

Nachhaltig beeindruckt waren die Zwillinge im letzten Jahr nach dem Besuch der Frida-Kahlo-Austellung in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall. Dann begegnete uns in den von uns besuchten Bibliotheken über Winter und Frühjahr das eine oder andere Buch über die aussergewöhnliche Malerin mit ihrem Leidensweg und den untrennbar damit verbundenen Bildern: die in der Ausstellung entstandenen Fragen und Gedanken kamen durch das Betrachten der Bilder und das Lesen immer wieder an die Oberfläche.

Besonders gefallen hat mir und den Zwillingen das von Hilde Kramer collagenartig illustrierte Buch, in dem Bjørn Sortland ein Mädchen namens Leonarda der schwer kranken Weiterlesen

Das Schicksal ist ein mieser Verräter / John Green

Ich kann nicht von unserer Liebe sprechen, also spreche ich von Mathematik. Ich bin keinn Mathematiker, aber ich weiß so viel: Es gibt unendlich viele Zahlen zwischen null und eins: 0,1 und 0,12 und 0,112 und eine unendliche Zahl anderer. Zwischen 0 und 2 gibt es natürlich noch viel mehr unendlich viele Zahlen und zwischen 0 und einer Million erst recht. Manche Unendlichkeiten sind größer als andere Unendlichkeiten […]. Es gibt Tage, viele Tage, an denen ich bedaure, dass die Unendlichkeit meiner Zahlen so klein ist. Ich hätte gern mehr, als mit wahrscheinlich zusteht […]

Erwachsen zu werden an sich ist schon nicht einfach, und zahllose bekannte und weniger bekannte Romane widmen sich eindrücklich und auf unterschiedliche Weise diesem spannenden, von großen physischen und psychischen Veränderungen begleitetem Lebensabschnitt wie etwa der oft erwähnte J.D. Salinger („Fänger im Roggen“) und beispielhaft einige der bereits auf Jargsblog besprochenen Bücher wie etwa von Stephen Chbosky („Vielleicht lieber morgen“), Dirk Witteborn („Unter Wilden“), Steve Toltz („Vatermord …“), Finn-Ole Heinrich („Räuberhände“) und andere.

„Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ stellt Protagonisten in den Mittelpunkt der Handlung, die schwer an Krebs erkrankt sind: die sechzehnjährige Hazel leidet an den Folgen einer Krebserkrankung der Schilddrüse mit Metastasen in der Lunge. Durch ein neues Medikament konnte das Wavhstum des Tumors gebremst werden. Trotzdem ist ihr Leben starken Einschränkunegn unterworfen wie der permanent notwendigen zusätzlichen Sauerstoffversorgung ihrer Lunge. Hazel, einziges Kind ihrer Eltern, geht Freundschaften aus dem Weg, hasst es, bemitleidet zu werden und geht nur widerwillig zu einer Selbsthilfegruppe von an Krebs erkrankten Jugendlichen.

Doch eines Tages sitzt ihr in der Selbsthilfegruppe Gus gegenüber, der durch Knochenkrebs ein Weiterlesen

Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry / Rachel Joyce

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Harold Fry ist seit einigen Monaten in Rente. Seine Frau und er haben sich nicht mehr viel zu sagen und leben routniert ihren südenglischen Ehealltag wie seit vielen Jahren. Da erreicht ihn ein Brief seiner ehemaligen Kollegin Queenie Hennessy, die im Norden Schottlands in einem Hospiz im Sterben liegt. Harold schreibt einen knappen, bedauernden Antwortbrief: aus dem Weg zum Briefkasten wird unmerklich der Aufbruch zu einem Weiterlesen

Sieben Minuten nach Mitternach / Patrick Ness. Nach einer Idee von Siobhan Dowd

„Geschichten sind wichtig […]. Sie können wichtiger sein als alles andere. wenn sie die Wahrheit in sich tragen.“ (S. 151)

Jede Nacht hat Connor ihn, den Albtraum, der immer wiederkehrt und von dem er niemandem etwas erzählen kann. Dieser Albtraum voller Dunkelheit und Schmerz, stets mit einem Schrei endend, der ihn verfolgt, seit seine Mutter mit der Behandlung ihrer schweren Krebserkrankung begonnen hat. Seither kapselt Connor sich ab von der Wirklichkeit und den Menschen, wird zum Außenseiter, um nachts seinen eigenen, inneren Dämonen um so schlimmer zu begegnen.
Daher vermag ihn das Monster, zu dem sich die Weiterlesen

Die Ballade vom Tod / Koos Meinderts ; Harrie Jekkers ; Piet Grobler (Illustrator).


„Es war einst ein König, mächtig und groß, den ließ seine Furcht vor dem Tod nicht mehr los.“
Wer Kinder hat oder sich mit Kindern beschäftigt, mag überrascht sein, wie selbstverständlich Kinder die Frage nach dem Tod stellen und sich mit dem Tod beschäftigen. So selbstverständlich, dass so mancher Erwachsener, der in seiner Sozialisation auch eher die Verdrängung des Todes erlebt hat, ins Schleudern kommt und sich plötzlich mit einem Thema konfrontiert sieht, dem gerne mit Scheu und Abwiegeln begegnet wird.
Nicht selten kommt dann auch bei Kindern, die mit dem Tod zunächst unbefangen umgehen, die Angst davor auf, womit es für den verdrängungsgewohnten Erwachsenen, der dieser Angst eine adäquate kindgerechte Antwort geben muss, nicht einfacher wird.
In „Die Ballade vom Tod“ geht es um einen König, der große Angst vor dem Sterben und dem Tod hat und deshalb kaum noch zur Ruhe kommt. Natürlich widmen sich fortan alle möglichen schlauen Leute dieser Angst des Königs und versuchen eine Lösung zu finden. Tatsächlich hat einer der Weiterlesen

Papas Arme sind ein Boot / Stein Erik Lunde ; Oywind Torseter

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Der Verlust von Vater oder Mutter ist so ziemlich das Schlimmste, was einem Kind passieren kann. „Papas Arme sind ein Boot“ nimmt sich auf besondere Art dieses Themas an: der kleine Junge hat seine Mutter verloren und es so still wie nie. Doch zum Glück gibt es seinen Papa. Abends, wenn es still ist und der Verlust besonders schmerzt, ist er da und Weiterlesen

Wo bleibt die Maus? : Vom Kreislauf des Lebens / Mark Benecke ; Lisa Fuss

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Man könnte als Erwachsener, der gelernt hat, den Tod zu verdrängen, leicht verstört reagieren, wenn der kleine Sohn plötzlich nach der Lektüre eines Sachbilderbuches Buches über Dinosaurier und die Fossilienentstehung meint: „Komm, lass uns mal Deinen Papa ausgraben, dann Weiterlesen

Schössow, Peter: gehört das so??! : Die Geschichte von Elvis

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Wütend rennt ein Mädchen durch den Park und schnauzt alle an mit der Frage: „Gehört das so??!“ Nach und nach folgen die angeschnauzten Parkbesucher dem Mädchen – Hund, Teddy, eine lange Frau, ein dicker Mann, ein Mann mit Koffer und einer mit Flügeln. Bis sie herausfinden, welchen Grund die Wut des Mädchens hat: sie ist verzweifelt darüber, dass Weiterlesen