Im Grunde gut : eine neue Geschichte der Menschheit / Rutger Bregman

Man könnte ja oft verzweifeln, wenn man die Nachrichten verfolgt oder im Alltag entsetzt beobachtet, wie Menschen sich unvernünftig, nicht selten auch asozial und unethisch verhalten. Selbst wer nicht gläubig ist, neigt daher gerne dazu, den großen monotheistischen Weltreligionen recht zu geben, wonach das Tier Mensch grundsätzlich schlecht, ja böse ist. Aber ist das wirklich so? Ist der Mensch nur durch rechtliche Schranken, Zivilisationspatina und religiöse Dogmen im Zaum zu halten – getreu dem Weiterlesen

Das Café der Existenzialisten: Freiheit, Sein und Aprikosencocktails / Sarah Bakewell

Paris im Jahr 1932. Ein Café wird zum Ausgangspunkt einer neuen Philosophie. Aufbauen auf der Phänomenologie Husserls, aber auch auf Kierkegaard und Nietzsche wird dieser Moment die Philosophie revolutionieren und mit dem Existentialismus eine Denkrichtung hervorbringen, die ganze Generationen von Studenten beeinflussen und auf Musik, Kunst und Literatur ebenso Weiterlesen

Gottlos glücklich: Warum wir ohne Religion besser dran wären / Philipp Möller

Ich möchte zeigen, dass ein Leben ohne Gott für extrem viele Menschen absolut selbstverständlich und wunderschön ist, und ein Gegengewicht bieten zu religiöser Werbung, so wie sie heute – im Verborgenen wie im Öffentlichen – absolut wieder üblich ist. (Zitat)«

Philipp Möller, der vor Jahren fast zufällig Pressesprecher der schon legendären Buskampagne wurde, einem breiteren Leserkreis durch seine Lehrererfahrungen („Isch geh Schulhof“) bekannt ist und heute unter anderem als freier Schriftsteller und Pressereferent der Giordano-Bruno-Stiftung arbeitet, setzt sich in seinem aktuellen Buch auf überaus fundierte und zugleich unterhaltsame Weise mit Religion, dem christlichen Glauben und der ganz und gar nicht säkularen Kirchenrepublik Deutschland auseinander.

Neben persönlichen Erlebnissen und Erfahrungen geht Möller dabei auch in die Tiefe, beleuchtet etwa die verfassungsmäßig zweifelhafte Stellung des Religionsunterrichtes an Schulen, die arbeitsrechtlichen Diskriminierungen bei den nahe hundertprozentig durch öffentliche Gelder finanzierten Krankenhäusern, Schulen und Kindergärten in kirchlicher Trägerschaft und die Tatsache, dass Bischöfe und Weiterlesen

Sind Tiere die besseren Menschen? Fairness & Empathie im Tierreich / Marc Bekoff ; Jessica Pierce

In der Debatte um Tierrechte wird ja immer gerne das Argument gezogen, dass nur wir Menschen über Bewußtsein verfügen würden und überdies im Gegensatz zu Tieren neben unseren Kooperationsfähigkeiten über Gerechtigkeitsempfinden verfügen würden sowie über die Fähigkeit, die Empfindungen anderer nachzuvollziehen, um aus all diesen ethische Vorstellungen und Übereinkünfte abzuleiten.

Der Ökologe und Evolutionsbiologe Marc Bekoff und die Bioethikerin Jessica Pierce untersuchen in ihrem Buch, wie Tiere die Welt sehen und empfinden und ob es dabei Gemeinsamkeiten zu uns Menschen gibt. Im Fokus stehen dabei die Fähigkeit zur Empathie, zur Kooperation und der Sinn für Gerechtigkeit und Fairness. Dabei gehen sie von der These aus, dass etliche Tierarten Weiterlesen

Der Geschmack von Laub und Erde : Wie ich versuchte, als Tier zu leben / Charles Forster

Wenn wir alle oft genug über Grenzen hinwegpendeln, wird die Welt vielleicht doch nicht auseinanderfallen. (S. 95)

Der britische Professor für Ethik und Rechtsmedizin, zugleich Tierarzt, Anwalt und Teilnehmer am Marathon de Sable, möchte wissen, wie Tiere empfinden, wie sie Leben und ihre Welt wahrnehmen. Um sich der Gedanken-, Gefühls- und Erlebniswelt von Tieren anzunähern, trifft er den Entschluss für ein kühnes Experiment: er wird versuchen, ihr Leben so genau wie möglich nachzuahmen. Die Tierarten, die er sich dafür aussucht, können unterschiedlicher nicht sein: Dachs, Otter, Fuchs, Rothirsch und Mauersegler unterscheiden sich in ihren Lebensweisen und Habitaten weit voneinander.

Es beunruhigt mich, dass ich in der Welt womöglich ganz allein bin: dass das Andere völlig unzugänglich ist. […] Wenn ich eine Beziehung zu einem nicht menschlichen Lebewesen aufbauen kann, besteht Weiterlesen

Fragen Sie Ihren Bestatter: Lektionen aus dem Krematorium / Caitlin Doughty

Tote verankern die Lebenden in der Wirklichkeit. Bevor ich bei Westwind anfing, hatte ich ein mehr oder weniger leichenfreies Leben geführt. Nun aber hatte ich Zugang zu Dutzenden von ihnen – ein kurzer Abstecher in die Kühlkammer genügte. Sie zwangen mich, meinem eigenen Tod ins Auge zu sehen, machten mir bewusst, dass auch die Menschen, die ich liebte, nicht ewig lieben würden. Egal wie sehr uns die moderne Technik auch beherrschen mag – eine einzige Leiche reicht aus, um alles ins Wanken zu bringen, uns zu der unumstößlichen Erkenntnis zurückzuführen, dass wir nichts weiter als höhere Säugtetiere sind, dazu verdammt, über kurz oder lang den Löffel abzugeben. Wir alle sind nur Leichen in der Warteschleife. (S. 182)

Wir sind es gewohnt, den Tod aus unserem Leben auszublenden. Wenn jemand, der uns nah ist, stirbt, überantworten wir ihn einem Bestatter, der sich um alles kümmert bis hin zur Beisetzung von Sarg oder Urne. Was dort beim Bestatter geschieht und wie, wollen wir nicht so genau wissen. Auf gar keinen Fall. Hauptsache, der Bestatter regelt diskret alles und behelligt uns nur mit Weiterlesen

Zivilisierte Verachtung : eine Anleitung zur Verteidigung unserer Freiheit / Carlo Strenger

Im Zeitalter der Globalisierung kommen wir nicht umhin, die Kulturtechnik, Kränkungen zu ertragen, weltweit als Garant des friedlichen Zusammenlebens zu fördern, aber auch einzufordern. (S. 82)

Die Grundthese dieses Essays ist, das mit dem Insistieren auf der politischen Korrektheit ein fundamentales Prinzip der Aufklärung über Bord geworfen wird, nämlich das nichts und niemand über Kritik erhaben sein darf. (S.18)

Es gibt Bücher, die Treffen ihre Zeit ins Mark. Eines dieser Bücher ist der Essay „Zivilisierte Verachtung“ von Carlo Strenger. Der Autor ist ein in Tel Aviv lebender schweizerisch-israelischen Professor für Psychologie und Philosophie, der sich mit den Auswirkungen der Globalisierung auf die Psyche und mit politischer Philosophie befasst und dabei auch die durch kognitive Verzerrungen beeinflusste Meinungsbildung untersucht.

Fundiert und anhand zahlreicher aktueller Beispiele plädiert er dafür, endlich wieder zurückzufinden zu den Werten der Europäischen Aufklärung und Abstand zu nehmen von >einer alles relativierenden Kultur der politischen Korrektheit, die es Demagogen wie Putin und Le Pen oder den rechten Demagogen von Pegida bis Weiterlesen

Über die Toleranz / Voltaire

„Was soll man einem Menschen entgegenhalten, der sagt, er wolle lieber Gott als den Menschen gehorchen, und daher überzeugt ist, in den Himmel zu kommen, wenn er einem den Hals abschneidet?“

Die Philosophie , sie allein, diese Schwester der Religion, hat die Hände entwaffnet, die durch den Aberglauben solange von Blut trieften. Der Menschenverstand erstaunte beim Erwachen aus seiner Trunkenheit über die entsetzlichen Dinge, zu welchem ihm der Fanatismus verleitet hatte. (S. 67)

Intoleranz und Fanatismus scheinen ja in Anbetracht fundamentalistischer Salfisten-Prediger in westlichen Ländern, islamistisch motivierter Anschläge oder dem Morden des Daesh (manchmal auch IS genannt) ein Zeichen unserer Zeit zu sein. Schaut man aber zurück in die Geschichte, erkennt man schnell, dass Weiterlesen

Die Kunst, ein kreatives Leben zu führen : Anregung zur Achtsamkeit / Frank Berzbach

Wenn ihr abwascht, denkt ihr vielleicht an den Tee danach und versucht, es so schnell wie möglich hinter euch zu bringen, damit ihr euch setzen und Tee trinken könnt. Das bedeutet aber, dass ihr in der Zeit, in der ihr abwascht, nicht lebt. Wenn ihr abwaschtm muss der Abwasch das Wichtigste in Eurem Leben sein. Und wenn ihr Tee trinkt, dann muss das Teetrinken das Wichtigste auf der Welt sein. (Thich Nhat Hanh, Zitat auf S. 28 im vorgestellten Buch)

Es klingt wahrscheinlich ein bisschen verschroben, vielleicht gar spießig: aber seit unserem kleinen Umbau ist es üblich, dass der letzte Duscher in unserer Familie die Dusche trocken wischt. Das wäre nicht weiter erwähnenswert, denn Marotten haben viele. Fakt ist, dass es mir meistens sogar Spaß macht – und zwar genau dann, wenn ich mich auf nichts anderes konzentriere als eben dies: Dusche sorgfältig trockenwischen. Das gleiche funktioniert übrigens auch beim Fegen, Wändestreichen, Möhrenschnippeln, beim Pflanzenschnitt oder dem reinigen meiner geliebten Espressomaschine … und ist ungemein befriedigend, wenn man es in den Fokus stellt und nicht gleichzeitig noch telefoniert oder Hörbücher anhört. Kennen Sie alles?

Stimmt. Hat was mit Achtsamkeit zu tun und das ist ja eh seit ein paar Jahren in aller Munde. Trotzdem ist das hier vorgestellte Buch von Frank Berzbach bemerkenswert – und zwar nicht nur für die im Titel angesprochenen Kreativen, sondern für alle Menschen, die in ihrem Beruf Dinge bewegen Weiterlesen

Glaube / Ansgar Beckermann

So wie kein möglicher Zweck es rechtfertigen kann, ein unschuldiges Kind zu töten, kan auch kein möglicher Zweck zur Rechtfertigung einer unterlassenen Hilfeleistung herangezogen werden. Unterlassene Hilfeleistungen können nur durch Unvermögen entschuldigt werden, und das kann es bei Gott nicht geben. (S. 131)

Ich habe ja schon einige Bücher zum Thema gelesen, aber Ansgar Beckmanns „Glaube“ war ein besonderes intellektuelles Erlebnis. Der Philosoph, der sein Buch Demokrit, Epikur und Lukrez „mit seinem wunderbaren Lehrgedicht De rerum natura“ gewidmet hat, untersucht in seinem Buch akribisch Gründe, die für oder gegen Glauben sprechen. Im Gegensatz zu manchen Theologen, die Glaubensdinge generell der Überprüfbarkeit naturwissenschaftlichen Denkens entzogen sehen, ist Beckermann davon überzeugt, dass alles Weiterlesen

Hoffnung Mensch : eine bessere Welt ist möglich / Michael Schmidt-Salomon

Die Kultur steht nicht im Widerspruch zur Natur des Menschen, sondern ist Ausdruck seiner biologischen Veranlagung. […] Sie ist so sehr Teil der Natur, dass wir uns einen Menschen ohne Kultur ebensowenig vorstellen können wie einen Elefanten ohne Rüssel oder einen Schmetterling ohne Flügel. (S.96)

Das Jahr 2014 zähhlt von der Bilanz an menschengemachten Unglücken, Katastrophen und Kriegen nicht unbedingt zu den Jahren, die man zu den Glanzzeiten der Menschheit zählen würde. Insofern mag es manchem vermessen vorkommen, ein Buch mit dem Titel „Hoffnung Mensch“ zu veröffentlichen, wo die Welt doch derzeit scheinbar so düster ausschaut. Und dennoch: das hier vorgestellte Buch des von mir sehr geschätzten Philosophen und Sprechers der Gioardano-Bruno-Stiftung gehört für mich zu den herausragenden Werken zeitgenössischer Philosophie, weil es intellektuellen und sprachlich-ästhetischen Genuss gleichermaßen bietet und die Augen öffnet für das, was man angesichts des Unbills dieser Welt leicht übersieht: die Menschheit ist durchaus weitergekommen und hat das Potential, ihre Welt auch in Zukunft durchaus positiv weiter zu entwickeln.

Schmidt-Salomon setzt im ersten Teil des Fokus auf die besonderen Nöte des „tragischen Tieres“ Mensch, das um die Endlichkeit seiner Existenz weiß und vor der Weiterlesen

Was Atheisten glauben / Franz M. Wuketits

Diejenigen von uns, die ihre geringe Bedeutung im Universum mit Heiterkeit betrachten, haben zweifellos eine bessere Chance, ein zufriedenes Leben zu führen als alle diejenigen, die sich krampfhaft an obskure Vorstellungen von einem sinnvollen Universum klammern und zu „beweisen“ suchen, dass sie in diesem vorgesehen waren und in ihm einen ausgezeichneten Platz einnehmen. Solche Leute haben fürwahr nichts zu lachen. (S. 118)

Der österreichische Biologe, Hochschullehrer und Wissenschaftstheoretiker Frank M. Wuketits beschäftigt sich in „Was Atheisten glauben“ mit den grundlegenden, existentiellen Fragen, denen sich Menschen im Angesicht des Lebens und seiner Endlichkeit ausgesetzt sehen. In fünf Kapitel, die durch zahlreiche Quellenangaben und einen kleinen Anmerkungsapparat ergänzt werden, schreibt er über den Atheismus als „lebenswerte Daseinsform“ und legt nüchtern dar, warum sie jeder Art Strenggläubigkeit letztlich sowohl Weiterlesen

Artgerecht ist nur die Freiheit : eine Ethik für Tiere oder Warum wir umdenken müssen / Hilal Sezgin

Wir dürfen das Tier nicht von vornherein als „Nutztier“ ansehen und auf dieser Grundlage überlegen, wie wir ihm sein derzeit unzumutbares Los ein wenig erträglicher machen können. Sondern jedes Tier hat a priori das Recht auf den Vollzug seines eigenen Lebens. Wenn wir über Einschränkungen und Zumutungen, Wohl und Schutz sprechen, dürfen wir nicht vom „Nutztier“, sondern müssen vom freien Tier her denken. (S. 189)

Die Diskussionen um Tierrechte und eine Ethik für Tiere sind in den letzten Jahren – nicht nur aufgrund der üblichen Mißstände und Skandale in der Lebensmittel- und Agrarindustrie – immer wieder aufgeflammt und haben mittlerweile weite Teile der Gesellschaft erreicht. Dabei ist eine immer stärkere Ausdifferenzierung der verschiedenen Aspekte der Diskussion zu beobachten, verbunden mit einer größeten Argumentationsschärfe und einer umfassenderen Einbeziehung unterschiedlichster Tierarten vom Fisch über den Schimpansen bis hin zum sogenannten Nutz- oder Haustier.

Hilal Sezgin, die Philosophie studierte, als Buchautorin und Journalistin arbeitet und einen Gnadenhof in Norddeutschland betreibt, setzt sich in „Artgerecht ist nur die Freiheit“ auf sehr differenzierte Weise mit Weiterlesen

Die Stein-Strategie : von der Kunst, nicht zu handeln / Holm Friebe

„Viele kamen allmählich zu der Überzeugung, einen großen Fehler gemacht zu haben, als sie von den Bäumen heruntergekommen waren. Und einige sagten, schon die Bäume seien ein Holzweg gewesen, die Ozeane hätte man niemals verlassen dürfen“ (Douglas Adams: Per Anhalter durch die Galaxis.“ Zitiert nach: Holm Friebe: Die Stein-Strategie, S. 158)

Unsere Zeit postuliert den permanenten Wandel auf allen Ebenen. Ob in Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft: wer sich nicht bewegt, hat verloren und dem aktiven Macher gehört die Stunde. Aber ist das wirklich der richtige Weg? Müssen wir immer Handeln, immer aktiv eingreifen, stets den Fortschritt im Auge haben, um als Menschen glücklich zu sein, ein sinnvolles Leben zu leben und als Menschheit insgesamt voranzukommen? Alle stehen permanent unter Strom und der Burn-out (den man vor 100 Jahren Neurasthenie nannte) feiert fröhliche Urstände. Dabei zeigt uns doch schon die statistische Analyse typischen Torhüterverhaltens im Fußball, dass es im Zweifel beim Elfmeter besser ist, einfach stehen zu bleiben, statt in die linke oder rechte Torecke zu hechten.

Holm Friebe legt mit seinem überaus klug aufgebauten Buch „Die Stein-Strategie“ den Finger in die Wunden, die unser täglicher Aktionismus mittlerweile schlägt: ein Aktionismus, der vom Weiterlesen

Alle im Wunderland : Verteidigung des gewöhnlichen Lebens / Matthias C. Müller

„Wie auf einmal die Straße – in einem Coup der frühen Tage – wieder zu einem begehrenswerten Ort, zu einem Platz im Sinne der Lichtung wurde! Lichtung in der Zeit. Kinder spielten wieder Murmeln, hüpften Seil und gingen auf Stelzen“.
(Botho Strauß, Vom Aufenthalt, a.a.O., S. 44)

Eine Streitschrift für das „gewöhnliche Leben“? Eine Buch, in dem der negativ besetzte Begriff „Spiesser“ einmal positiv gewendet und dem allgemein als langweilig empfundenen Alltag Glückspotentiale zugeschrieben werden? In Zeiten der Selbstoptimierung, des allgemeinen Starkultes, des Arbeitens von einem Projekt zum nächsten und der gesamtgesellschaftlich verankerten Haltung, immer das Maximum aus allem und vor allem aus sich selbst herausholen zu wollen, in einer Zeit, in der so lange gesucht wird, bis endlich der Weiterlesen

Irrtum Unser! oder Wie Glaube verstockt macht / Peter Henkel

Wenn es um Zeus, Apollo, Ra, Wotan, das Goldene Kalb oder das Fliegende Spaghettimonster geht, sind Sie doch auch ein Atheist. Ich setze eben nur einen weiteren Gott auf die Liste. (Richard Dawkins. Zitiert nach: Irrtum unser!, S. 174)

Peter Henkel fiel bereits mit dem scharfsinnigen Ach, der Himmel ist leer – Lauter gute Gründe gegen Gott und Glauben ausgeprochen positiv auf, in dem er fundiert die Gottesfrage diskutiert und schlüssig nachweist, dass auch ohne Gott und Religion moralisches, sinnhaftes Leben in eben diesem einen, endlichen Leben möglich und lebenswert ist, ohne auf eine jenseitige Erlösung hoffen zu müssen.

Ohne Gottesglauben ist die Welt bitter. Mit Gottesglauben ist die Welt bitter und absurd. (Johannes Kahl, a.a.O. S 7)

„Irrtum unser!: Wie Glaube verstockt macht“ diskutiert auf hohem Niveau die Verweigerungshaltung von vielen Gläubigen, über Glauben und Glaubensbegründungen jedweder Art ernsthaft Weiterlesen

Mama, wo ist eigentlich das Gestern hin? / Maja Bohn

„Das gestern, Loretta, ist in dir drin, in deinen Gedanken und Erinnerungen. Und jeden tag kommt ein neues Gestern hinzu. Und wenn du so alt bist wie ich, ist aus allen Gestern ein ganzes Leben geworden“ (Bl. 16)

Das ist gar nicht so einfach mit der Zeit. Wo zum Beispiel bleibt der gestrige Tag? Das fragt sich auch die neugierige Loretta, die eines Morgens mit dieser Frage aufwacht und sie nicht mehr aus dem Kopf bekommt.

Schnell findet sie heraus, dass es auf diese Frage keine einfachen Antworten gibt und ihre Mutter als Erwachsene nicht viel mehr weiß als sie. Loretta aber lässt ihre Frage keine Ruhe und sie macht sich auf die Suche nach Antworten: ob Haushering, Hamster oder Eintagsfliege, Zauberer, Schmetterlingsdame oder Polizeiwachtmeister – sie alle scheint das Gestern nicht Weiterlesen

Wir haben es satt! : Warum Tiere keine Lebensmittel sind / hrsg. v. Iris Radisch, Eberhard Rathgeb

„Denken Sie manchmal über den Wert eines Tierlebens nach – falls dieser Wert überhaupt existiert? Denken Sie auch darüber nach, dass diese Tiere leiden müssen – falls sie denn leiden? Und welche ethischen Grundsätze erlauben es Ihnen, das Fleisch dieser Tiere nicht nur zu essen, sondern sogar zu genießen […]? Falls Sie aber schon meine Einwände nicht verstehen und die vorangegangene Überlegung eher für eine törichte Nabelschau halten, wo seheh Sie die innere Berechtigung für diese Gleichgültigkeit? Genauer gesagt, ist Ihre Weigerung, darüber nachzudenken, das Resultat eigenen Denkens oder nur der schlichte Unwille, darüber nachzudenken?“ (aus David Foster Wallace: Am Beispiel des Hummers. -Zitiert nach: Wir haben es satt!, S. 186)

Die Frage, ob man Fleisch essen solle, ob es rechtens ist, ein Tier seines Lebens zu berauben, ist uralt. Iris Radisch udn Eberhard Rathgeb haben sich zu einer Zeit, in der Vegetarismus und der Verzicht auf Fleisch längst gesellschaftsfähig, sich die Verbrechen an Tieren aber keineswegs gemindert haben, ein Buch geschrieben, dass sich gegen den Fleischverzehr wendet und über viele mit dem Töten und Verzehren von Tieren verbundene Fragen reflektiert (wie viele andere) und gleichzeitig ihr Thema geschickt mit Weiterlesen

Wie soll ich leben? oder Das Leben Montaignes in einer Frage und zwanzig Antworten / Sarah Bakewell. Aus dem Englischen von Rita Seuß

„Wir bestehen alle nur aus buntscheckigen Fetzen, die so locker und lose aneinanderhängen, dass jeder von ihnen jeden Augenblick flattert, wie er will“ (aus: Montaigne: Essais. Ziziert nach Bakewell, Sarah: Wie soll ich leben?, S. 312).

Bei der Lektüre der letzten Monate ist mir Montaigne immer wieder begegnet, etwa in Stephen Greenblatts fulminantem Buch „Die Wende : wie die Renaissance begann“. Doch noch immer habe ich die Essais von ihm noch nicht gelesen, obwohl ich das sichere Gefühl habe, dass sie eine unvergessliche Lektüre bereiten werden.
Sarah Bakewell hat sich Montaigne und damit den Essais auf ungewöhnliche Weise angenähert und macht damit einmal mehr Lust, diesen von jeder Generation neu und anders für sich entdeckten Autor und sein berühmtes Werk endlich zu lesen. Dabei gelingt es ihr auf bemerkenswerte Weise, den Leser intensiv und plastisch in das Leben Montaignes und in seine Zeit zu entführen und gleichzeitig in die Essais einzuführen, in ihre Entstehungsgeschichte, ihre verschiedenen, umfänglich wachsenden Ausgaben, die Verleger und Herausgeberkontroversen in den Jahrhunderten nach Montaignes Tod sowie ihre Rezeption bis in die heutige Zeit.
Gerade beim säkularen Skeptiker und Humanisten Montaigne ist das Werk von seinem Leben und seiner für seine Zeit besonderen Art, die Welt zu betrachten, kaum zu trennen. Die Essais, die zugleich einer neuen Literaturgattung ihren Namen gaben, sind geprägt von Weiterlesen

Tiere klagen an / Antoine F. Goetschel

In den vergangenen dreissig Jahren hat sich durchaus für Tiere etwas bewegt: sie gelten rechtlich seit 1990 nicht mehr als „Sachen“, der Tierschutz selbst ist seit 2002 als Staatsziel in Artikel 20 a verankert. Auch Haltungsbedingungen geraten immer wieder in den Blick des Gesetzgebers – doch auf Druck von einflussreichen Lobbyverbänden kommt es meistens nur zu minimalen Verbesserungen für die betroffenen Tiere. Gleiches gilt für die Grenzen, die Züchtern und ihren Interessen im Tierschutz formal gesetzt werden, jedoch kaum jemals zu Anwendung kommen. Daher scheinen sich viele erreichte Fortschritte bei genauer Betrachtung eher als Lippenbekenntnisse zu entpuppen: im Verhältnis von Zier und Mensch ist also noch einiges zu klären und neu zu bewerten.

Der 1958 geborene schweizer Jurist Antoine F. Goetschel war von 2007 bis 2010 Tieranwalt in Zürich und hat in dieser Funktion die Rechte von Tieren vor Gericht vertreten. Die Schweiz ist bisher das einzige Land der Welt, in dem die Würde des Tieres Verfassungsrang hat.

Goetschel beleuchtet in seinem Buch zwar immer wieder rechtliche Fragen zum Thema Tierschutz, geht jedoch weit darüber hinaus, setzt er sich doch vor allem mit ethischen Fragen auseinander, die sich im Verhältnis Mensch-Tier stellen. Nach einer kurzen Begründung, warum er rechtliche Regelungen im Bereich des Tierschutzes für immens wichtig hält, beschäftigt er sich mit einzelnen Aspekten seines Themas:

Zunächst widmet er sich dem Wert, den Menschen Tieren zumessen, der regional und kulturell höchst unterschiedlich vorgenommenen Abgrenzung zwischen Schoßtier und Nutztier sowie dem in Form von Weiterlesen

Das hier ist Wasser : Anstiftung zum Denken ; [This is water] / David Foster Wallace

„There are these two young fish swimming along and they happen to meet an older fish swimming the other way, who nods at them and says, ‚Morning, boys. How’s the water?‘. And the two young fish swin on for a bit, and the eventually one of them looks over at the other and goes, ‚What the hell is water?'“ (S. 39)

Wir alle leben in unseerem „winzigen, schädelgroßen Königreich“ und sind in unserer Grundeinstellung geneigt, uns für den Mittelpunkt des Universums zu halten. Unseres Universums. So können wir geneigt sein, jeden Tag zu leben in der Welt des „Siegens, Leistens und Blendens“ und nehmen für Freiheit, was eigentlich nur noch aus den immer gleichen Abläufen besteht, die wir täglich neu durchlaufen: äußerlich lebendig doch innerlich tot.
David Foster Wallace plädiert in dieser 2005 gehaltenen Abschlussrede vor Absolventen eines amerikanischen Colleges, aus diesen Weiterlesen

Jenseits von Gut und Böse : warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind / Michael Schmidt-Salomon

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„… gerächt ist nicht gerecht, Rache nicht Gerechtigkeit … Je primitiver ein Mensch, je ahnungsloser, unbelehrter, und sei er noch so gelehrt, desto lauter das berüchtigte Rübe-ab-Gebrüll, ohne tieferes Verständnis für die Gründe und Abgründe eines jeden von uns, des Glücklichen wie des Unglücklichen“.
(Karlheinz Deschner, 2004, zitiert nach: Jenseits von Gut und Böse, S. 277)

Wir alle kennen das: jemand hat etwas getan, das unseren Vorstellungen zuwiederläuft, und schon ordnen wir ihn als „böse“ ein. Ob es ein schlechtgelaunter Mensch ist, ein Straftäter, ein Terrorist oder ein Demagoge. Wir sind gewohnt, in Kategorien von „Gut“ und „Böse“ zu denken und daraus fast zwingend Schuld, Strafe und Sühne – mithin: Rache – abzuleiten. Ohne Moral, so denken wir, ohne diese Zuweisung von „Gut“ und „Böse“ geht es nicht. Aber gibt es DAS „Böse“ überhaupt. Und ist es so klar zu definieren, wie wir meinen? Können wir überhaupt so handeln, wie wir wollen, ja können wir wollen, was wir tun? Ist ein Mensch wirklich schuldig, wenn er etwas „Falsches“ tut. Ist es richtig, wenn eine Zeitung bei einer drastischen Mordtat vom „bösen“ Täter spricht? Wer bestimmt, was richtig und falsch ist – und ist das immer und zu jedem Zeitpunkt, von jedem Standpunkt aus klar? Muss es Schuld geben und Sühne für gesellschaftlich nicht akzeptables Verhalten, muss es von religiösen ode politischen Dogmenbestimmte Moralvorstellungen geben, damit Menschen überhaupt miteinander leben können? Oder gibt es einen anderen Weg? Einen Weg, der die Menschheit zugleich freier macht von moralinsauren Wertediskussionen und überkommenen Schuldkomplexen und zugleich zur Weiterentwicklung der Gesellschaft und des Individuums beiträgt?

In seinem Hauptwerk „Jenseits von Gut und Böse“ wendet sich Michael Schmidt-Salomon zunächst gegen das archaische Denkmuster von „Gut und Böse“, das die Existenz beider Kategorien als gegeben voraussetzt und daraus die moralischen Konsequenzen wie „Schuld“ und „Strafe“ ableitet. Dem Beharren vieler Menschen auf der Unterscheidung und Kategorisierung von „Gut“ und „Böse“ geht dabei die irrige Annahme voraus, dass der Mensch als einziges Lebewesen über einen freien Weiterlesen

Manifest für einen evolutionären Humanismus : Plädoyer für eine zeitgemäße Leitkultur / Michael Schmidt-Salomon

„Während wir technologisch im 21. Jahrhundert stehen, sind unsere Weltbilder noch von Jahrtausende alten Legeneden geprägt. Diese Kombination von höchstem technischem Know-how und naivstem Kinderglauben könnte auf Dauer fatale Konsequenzen haben. Wir verhalten uns wie Fünfjährige, denen die Verantwortung für einen Jumbojet übertragen wurde.“ (Michael Schidt-Salomon)

Wir leben in einer erstaunlichen Zeit: einerseits leben wir (zumindest in den westlichen Ländern) hochtechnisiert in vorwiegend säkularen, aufgeklärten Gesellschaften, die über ausdifferenzierte Strukturen, ausgleichende, sich fortwährend entwickelnde Rechtssysteme, Meinungsfreiheit und freie Wissenschaft verfügen. Andererseits erleben wir einen Rückfall in religiös-fundamentalistische Denkweisen, die darüber hinaus eine gefährliche Weiterlesen

Walden / Henry David Thoreau


„Ich war reich, wenn auch nicht an Geld, so doch an sonngen Stunden und Sommertagen, und ich gab sie aus mit offener Hand“ (H. D. Thoreau, „Walden“).

Ein Mann geht in den Wald, baut sich eine einfache Blockhütte aus Holz und verbringt darin Sommers wie Winters insgesamt zwei Jahre, zwei Monate und zwei Tage. Was klingt wie eine einfache, banale Aussteigergeschichte, ist doch wesentlich mehr, reicht es doch mit seinen Weiterlesen

Der Schwarze Schwan: Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse / Nicholas Taleb

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Noch im 17. Jahrhundert war ganz klar: Schwäne sind weiss, andere Farben gibt es bei Schwänen nicht. Dann entdeckte Cook Australien – und damit auch schwarze Schwäne. Für Nicholas Taleb ist das plötzliche Vorhandensein der nie oder selten in Betracht gezogenen Existenz schwarzer Schwäne der Ausgangspunkt: er wirft einen ungemein spannenden Blick auf unsere Welt und die starke, doch von uns stets Weiterlesen

Schwarmintelligenz : Wie einfache Regeln Großes möglich machen / Len Fisher

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Sicher haben Sie solche Beobachtungen auch schon gemacht und staunend davorgestanden: ganze Wolken von Vögeln, die sich gemeinsam im schnellen Flug bewegen ; Fische, die sich zu riesigen Schwärmen formieren und synchron und mit ausserordentlicher Eleganz einem Hindernis oder einem Fressfeind ausweichen ; Tausende von Ameisen, die einen perfekt erscheinenden, komplexen Staat organisieren.
Len Fisher ist Physiker an der Universität Bristol und Träger des IgNobelpreises für seine Untersuchungen über die optimale Eintunkzeit von Keksen. Bekannt wurde er unter anderem auch durch sein Buch „Die Reise zum Mittelpunkt des Frühstückseis“. Er beschäftigt sich in „Schwarmintelligenz“ mit der Schönheit und Effizienz von Tierschwärmen. Doch das Buch geht weit darüber hinaus: Fisher untersucht Weiterlesen

Glück und Schicksal : Philosophische Betrachtungen / Lucius Annaeus Seneca (Seneca der Jüngere)

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Senecas philosophische Betrachtungen wollte ich schon immer mal lesen, doch erst als mir diese schöne Ausgabe aus dem Reclamverlag unter die Finger kam, habe ich den gedanken in die Tat umgesetzt. Im Gegensatz zu vielen Philosophen ist Seneca ausgesprochen Weiterlesen

Der Philosoph und der Wolf : was ein wildes Tier uns lehrt / Mark Rowlands

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Auf den ersten Blick mag man hinter dem Buch des britischen Schriftsteller und Philosophen Mark Rowlands ein Buch über Wolfsverhalten vermuten, welches vielleicht Tierliebhaber und den einen oder anderen Hundfreund interessieren könnte Doch „Der Philosoph und der Wolf“ ist weit mehr als der Bericht über das elf Jahre währende Zusammenleben von „Affe“ und „Wolf“, von Rowlands und seinem mächtigen Wolfsrüden Brenin in Alabama, Irland, England und Frankreich. Rowlands berichtet von einer tiefen Freundschaft und von den Anregungen und Erkenntnissen über das menschliche Weiterlesen

Camus, Albert: der Mythos des Sisyphos

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„Der Mythos des Sisyphos “ zählt zu den wichtigsten Werken von Albert Camus. In seinem noch während des Zweiten Weltkrieges erschienenen Essay beschäftigt sich Camus mit der Absurdiät der menschlichen Existenz und entwickelt eine eigene Philosophie dazu. Für Camus sieht sich der Mensch mit seinem tiefen Verlangen nach Sinn, nach Ewigkeit hineingeworfen in eine Welt der Sinnlosigkeit, in der nichts Weiterlesen

Dawkins, Richard: Der Gotteswahn

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Der Evolutionsbiologe Richard Dawkins bringt in seinem Buch zahlreiche Argumente gegen Religion und Gott vor. Dawkins stellt seinem Buch ein Zitat von Douglas Adams voraus („Genügt es nicht zu sehen, dass ein Garten schön ist, ohne dass man auch noch glauben müsste, dass Feen darin wohnen?“ ). Er bietet dabei einen Überblick über die Entwicklung der „Gotteshypothese“, diskutiert gängige Argumente für und wieder die Existenz Gottes und Weiterlesen

Henkel, Peter: Ach, der Himmel ist leer : Lauter gute Gründe gegen Gott und Glauben

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Frankreich hat Michel Onfray („Wir brauchen keinen Gott“), Amerika Christoper Hitchens („Der Herr ist kein Hirte“) und England Richard Dawkins („Der Gotteswahn“). Mit Peter Henkel hat nun auch der deutsche Sprachraum einen überzeugenden und klar analysierenden Autor gefunden, der den üblichen Begründungen für Glauben und Religion an die Wurzel geht und sie als Weiterlesen