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Zitat am Freitag: Schopenhauer über Nationalstolz

Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen teilt. Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie beständig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen. Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein. Hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit, alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen.

Arthur Schopenhauer, deutscher Philosoph, Autor und Hochschullehrer (1788-1860)

Quelle:
Parerga und Paralipomena, Aphorismen zur Lebensweisheit, Von dem was einer vorstellt. pp. 360. Zitiert nach Wikiquote, Aufruf am 31.08.2018 um 8:00 Uhr

4 Kommentare zu “Zitat am Freitag: Schopenhauer über Nationalstolz

  1. Auf der emotionalen (!) Ebene stimme ich dir zu, Arthur.

    In deinem Beitrag unterscheidest du „richtigen“ von „falschem“ Stolz. Aber was ist, wenn der Stolz als solcher bereits Indiz kindischer Reife ist – ganz unabhängig von Farbe und Fahne?
    .

    Arthur Schopenhauer: „Jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein.“

    Wir können Menschen geringerer Reife weder verurteilen, noch anklagen – andernfalls verhalten wir uns selber wie unreife Kinder (2), denn…

    Wer kann in diesem Moment reifer
    sein, als er in diesem Moment ist ?

    Das ist nicht möglich. Also ist auch unsere Verachtung anderer Menschen mit einer geringen Reife obsolet – ob uns ihr Denken paßt, oder nicht.
    .

    GEISTIGE REIFE

    Zum besseren Verständnis: Ihre Stadien
    am Bild des sich entwickelnden Mannes:

    (7) – Mystiker
    (6) – Weise
    (5) – Lehrer
    (4) – Erwachsene
    (3) – Rebell
    (2) – Kleinkind
    (1) – Baby

    .
    Arthur Schopenhauer: „…der Nationalstolz.“

    In sogenannten Krisenzeiten tauchen plötzlich Menschen auf, die es immer wieder schaffen, die Klaviatur unseres Unterbewußten zu bedienen. Und wir sind äußerst anfällig dafür. Das bißchen Ratio (5%) wirkt da ziemlich hilflos (gegen 95% Unterbewußtem).

    INTELLEKTUALITÄT schützt uns nicht vor Stolz und
    anderer Blindheit, wohl aber unsere Geistige REIFE.

    Beispiel: Es ist die Reife des LEHRERS, die ihn daran hindert, sich auf das albernde Niveau der Kinder herunterziehen zu lassen. Aber er verurteilt sie auch nicht, weil er weiß, daß sich die Geistige Reife der Kinder (2) von der des Lehrers (7) unterscheidet. Er akzeptiert das Reife-Gefälle. Er geht täglich damit um. Er erwartet gar nicht, daß sie sich ständig auf seinem Reife-Niveau verhalten oder äußern. Er hält geduldig die Latte beständig hoch.

    Wenn aber in der Gesellschaft hin und wieder ganze Gruppen ausrasten, stehen wir entsetzt da, weil wir die Psychologie nicht verstehen: „Was wollen die denn? Sie haben doch alles!“

    Intelligenterweise sollten wir akzeptieren*, daß nicht nur individuell, sondern auch in einer Gesellschaft alle Stadien der Geistigen Reife Ausdruck finden. So ist zu akzeptieren, daß es immer auch eine Gruppe geben wird, die eine sehr niedrige Reife repräsentiert.

    Andererseits ist die Gruppe derer, die eine der höheren Stadien repräsentiert, noch kleiner!

    Wir haben Glück, wenn die Erwachsenen-Reife (4) überwiegt; 😊 sie zeigt sich unter anderem… in der Übernahme von VERANTWORTUNG. Es ist keine „Katastrophe“, wenn sich Menschen zu Gruppen zusammenrotten, um gegen den (Vater) Staat zu rebellieren (3), denn auch das ist eine wichtige Phase im Leben eines Menschen und auch in dem einer Gesellschaft. Wie sonst kann sie gesehen werden? Auch Kinder (2) verhalten sich manchmal garstig, wenn sie das Gefühl haben, anders nicht gesehen zu werden.

    *) Verstehen und Verständnis haben… bedeutet aber (selbstverständlich) NICHT das Akzeptieren von Gesetzesbrüchen!

    Einen schönen September-Tag
    wünscht Nirmalo

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  2. Wie passend! Schopenhauer war auch der, der 1851 den Frauen den Sinn für Kunst absprach. Allerdings hat er diesen Irrtum selbst revidiert, nachdem er von einer speziellen Künstlerin persönlich sehr angetan war. Ein Vorbild an Selbstkritik offensichtlich. Vielleicht kann uns in diesen Tagen ein Blick in die zeit der Aufklärung helfen?

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    • Liebe Stefanie,
      Schopenhauer hat auch so seine dunklen Stellen – die von dir genannte kannte ich noch nicht und bin beruhigt, dass er sie revidiert hat. Und mehr Aufklärung (im historischen wie gegenwärtigen Sinne) wäre wirklich gut. Aber leider gehen Fakten in der alltäglich gewordenen Aufregung heutzutage gerne unter. Dabei steht es gar nicht so schlecht um die Menschheit – nur blenden wir das gerne aus. Lese gerade Hans Roslings „Factfulness“, das in dieser Hinsicht sehr erhellend ist. Hoffen wir das Beste!
      Ein in jeder Hinsicht sonniges Wochenende wünscht Dir
      Jarg

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    • stefanieglaschke: „Vielleicht kann uns in diesen Tagen ein Blick in die zeit der Aufklärung helfen?“

      Nein, kann er nicht, Stefanie. 🤗 So wenig, wie uns in diesen und auch in anderen Tagen ein Blick in ein beliebiges andere Märchenbuch helfen kann.

      AUFKLÄRUNG… geschieht nicht durch das Fernbetrachten von etwas Vergangenem (Literatur), sondern indem wir in Echtzeit und mit eigenen Füßen das Feld der Aufklärung betreten.

      Der Aufklärung liegt der ENTSCHLUSS zugrunde, sich aus…
      der selbstgebastelten Unmündigkeit heraus zu emanzipieren.

      * Aufklärung hat einen Anfang – in Form einer (Um-) ENTSCHEIDUNG.
      * Aufklärung ist nichts, das wir erwerben oder sonst wie von außen bekommen könnten.
      * Aufklärung kann nicht angelesen, studiert oder gelehrt werden.
      * Aufklärung ist kein Verfahren, das irgendwann einmal abgeschlossen wäre.
      * Aufklärung ist die permanente BEREITSCHAFT, sich für die Wahrheit offen zu halten.
      * Aufklärung heißt also auch, sich nicht von den eigenen Vorurteilen einfangen zu lassen.
      * Aufklärung bedeutet, die volle VERANTWORTUNG für die eigene Sicht auf die Welt, auf ihre Details und auf sich selbst zu übernehmen.
       
      Das Gegenteil von Aufklärung (in diesem Sinne) sind…
      Manipulation, Propaganda und vor allem Denkfaulheit.

      🌻 Nirmalo

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