Die Zweisamkeit der Einzelgänger : Roman (Alle Toten fliegen hoch ; 4) / Joachim Meyerhoff

Vielleicht, dachte ich später einmal, trägt jeder Mensch so ein paar Sätze in sich, von denen er gar nichts weiß, die unbemerkt in ihm schlummern und das ganze Leben verändern können. So einen kleinen handlichen Trommelwortrevolver, dessen Kugeln sich unerwartet lösen und unleugbar, unumstößlich ins Dasein knallen.

Ein erfolgloser Jungschauspieler, den gelegentlich der Furor packt und der am Ende drei Frauen liebt, bis er grandios sein gewohntes Leben an die Wand fährt und alles sich ändert. Joachim Meyerhoff, der bereits drei Teile seines autobiografischen Zyklus „Alle Toten fliegen hoch“ vorgelegt hat, widmet sich in „Die Zweisamkeit der Einzelgänger“ seinen jungen Jahren an Weiterlesen

Auto Focus / Regie u. Drehbuch: Paul Schrader. Darst.: Greg Kinnear, Willem Dafoe, …

USA, 1960er Jahre. Der Radiomoderator Bob Crane, gläubiger Katholik, verheiratet und Vater von drei Kindern, will ganz nach oben. Nach anfänglichem Zögern nimmt er die Hauptrolle in der Sitcom Hogan’s Heroes (dt.: Ein Käfig voller Helden) an, die in einem deutschen Kriegsgefangenenlager im Zweiten Weltkrieg spielt und ihre Komik aus den vor dem Hintergrund der Töffeligkeit der Nazi-Bewacher ausgeübten Sabotageakten der alliierten Kriegsgefangenen unter der Führung von Colonel Hogan bezieht. Die Serie wird ein Riesenerfolg und Crane zum gefeierten Hauptdarsteller. Bereits jetzt beginnt seine Ehe zu kriseln, findet seine Frau doch Pornohefte in der Garage.

Dann lernt Crane am Rande von Dreharbeiten den Hifi- und Videotechniker John Carpenter kennen. Mit dessen Einladung in einen Stripclub beginnt eine Weiterlesen

Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war : Roman (Alle Toten fliegen hoch; 2) / Joachim Meyerhoff

Es kommt mir mehr und mehr so vor, als wäre die Vergangenheit ein noch viel ungesicherterer, weniger verbürgter Ort als die Zukunft. Das, was hinter mir liegt, soll das Gesicherte sein, das Abgeschlossene, das Gewesene, das nur darauf wartet, erzählt zu werden, und das vor mir soll die sogenannte zu gestaltende Zukunft sein?

Was, wenn ich auch meine Vergangenheit gestalten muss? Was, wenn Weiterlesen

On the move : Mein Leben / Oliver Sacks

And now, weak, short of breath, my once-firm muscles melted away by cancer, I find my thoughts, increasingly, not on the supernatural or spiritual, but on what is meant by living a good and worthwhile life — achieving a sense of peace within oneself. I find my thoughts drifting to the Sabbath, the day of rest, the seventh day of the week, and perhaps the seventh day of one’s life as well, when one can feel that one’s work is done, and one may, in good conscience, rest. [Quelle: Sabbath. In: The New York Times. Sunday Review, 14. August 2015

Was habe ich seine Bücher verschlungen! Der britische Neurologe, Schriftsteller und Essayist Oliver Sacks, der am 30. August verstarb, vermochte mit seinen Fallgeschichten wie kaum ein anderer zeitgenössischer Autor das Interesse an den Hintergründen komplizierter Krankheitsbilder zu wecken und an der Neurologie im Allgemeinen. Im Fokus standen dabei neurologisch bedingte Erkrankungen, die sich in Wahrnehmungsstörungen, besonderen Fähigkeiten oder psychischen Beeinträchtigungen manifestierten. Seine anekdotenhaften Essays waren dabei spürbar von ungemein großer wissenschaftlicher Neugier, zugleich aber auch Weiterlesen

Das Lächeln meiner Mutter / Delphine de Vigan

Eines Morgens stand ich auf und dachte, ich müsse schreiben, selbst wenn ich mich dazu auf einem Stuhl festbinden müsste, und ich müsste weitersuchen, selbst in der Gewissheit, dass ich nie die Antwort finden würde. Dieses Buch wäre vielleicht genau das, der Bericht über diese Suche, der sein eigenes Entstehen enthält, seine erzählerischen Irrwege, steckengebliebenen Versuche. Aber es wäre dieser zögernde, unvollenedte Impuls von mir hin zu ihr. (S. 41)

Die französische Autorin Delphine de Vigan (auf Jargsblog: No und ich) findet eines Morgens ihre 61jährige Mutter tot in deren Wohnung. Schnell wird klar, dass diese sich das Leben genommen hat. Die Schriftstellerin geht zunächst wie betäubt ihren Verrichtungen nach, nimmt ohne bewusste Erinnerung den Prix des Libraires entgegen, schreibt ihr aktuelles Buch zuende. Doch dann Weiterlesen

Die Geister, die uns folgen : eine Geschichte von Liebe und Krieg / Janine di Giovanni

Im Unterschied zu Frauen suchen sich Männer andere Schwerpunkte, schreiben viel über militärische Strategie und Waffen, immer wieder Waffen. Wer sie kauft, wer sie verkauft, woher das Geld stammt. Mich interessiert mehr, wie sich eine Mutter fühlt, die an der Front lebt und ihr Kind unter Kugelhagel zur Schule bringt. (SZ-Magazin 49/2011)

Janine di Giovanni schreibt seit über 20 Jahren unter anderem für die Times und die Herald Tribune aus Kriegs- und Krisengebieten. In „Die Geister, die uns folgen“ berichtet sie über ihre Arbeit, vor allem aber über die psychischen Folgen, die sie lange unterschätzt hat.

1993 lernt sie in Sarajevo den Weiterlesen

Fräulein Jacobs funktioniert nicht : als ich aufhörte, gut zu sein / Louise Jacobs

Ich saß wie ein Neutrum auf einem der Hocker. Ich blickte auf die Menschen und konnte nicht glauben, dass ich auch von ihrer Sorte war. Ich könnte auch anstoßen, könnte ins Gespräch kommen, könnte glänzende Augen haben, eine rauchen und genüsslich Wein oder Bier trinken. Aber ich konnte es nicht. Ich befand mich ganz weit weg vom Ufer, ich trieb auf offener See und scheute mich, an Land zu gehen. (S. 249)

Louise Jacobs wächst in der Schweiz mit sechs Geschwistern in sehr begütertem Haus auf, zählt ihre Familie doch zur reichen Brener Kaffeerösterdynastie Jacobs. Die Eltern kümmern sich um ihre Kinder, fördern und sind großzügig. Nur Louise macht es ihnen nicht leicht, denn durch die früh Weiterlesen