Allein in der Wand – Free Solo / Alex Honnold mit David Roberts

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht im Bezug auf Klettern, hohe Berge und Schwindelfreiheit: meine seit jeher vorhandene Höhenangst hat mich zwar nicht davon abgehalten, mir bei langen einsamen Rucksack-Wanderungen einige ausgesetzte Wege in den Alpen zu erarbeiten oder mich mittlerweile komplett angstfrei durch Kletterparks zu bewegen. Aber es gibt Grenzen, auch wenn ich offenbar durchaus in der Lage bin, Klettersteige neben Abgründen durchzusteigen wie dieses Jahr in den Vogesen. Mit beiden Händen an der im Feld verankerten Eisenstande natürlich. Weit hinter den anderen.

Bouldern geht und Klettern in einer Kletterhalle könnte ich mir vielleicht noch vorstellen – Klettern am Fels dagegen scheint mit außerhalb meiner Möglichkeiten zu liegen, selbst wenn mich jemand professionell am Seil sichern würde. Klettern am Fels ohne Seil, wie es Alex Honnold macht, ist Science Fiction für mich. Trotzdem bin ich wie auch bei anderen Extremsportlern fasziniert darüber, was Alex Honnold tut – und so lag es nahe, nach dem überaus beeindruckenden, zu recht mehrfach ausgezeichneten Film „Free Solo“, der seine Besteigung der 1000 m hohen Wand des El Capitan ohne Weiterlesen

Sommer 1927 / Bill Bryson

Die Ironie ist, dass Charles Lindbergh zu dem Zeitpunkt, als Amerika bereit war, sich in die Lüfte zu schwingen, niemandes Held mehr war

Bill Bryson hatte eigentlich nur vor, ein Buch über den legendären Atlantikflug von Charles Lindbergh im Jahr 1927 und den bizarren, elf Todesopfer fordernden Wettkampf um diese erste Überquerung des Meeres per Flugzeug zu schreiben. Doch im Laufe der Recherche entdeckt er, dass sich in diesem Jahr sehr viel mehr bündelt als ein Meilenstein der modernen Verkehrsgeschichte. So wurde daraus ein Buch über Weiterlesen

Drift : besiege die Welle / Regie: Morgan O’Neill. Darst.: Myles Pollard ; Sam Worthington ; Xavier Samuel ; Lesley-Ann Brandt…

Margaret River, ein Provinznest in West-Australien, in den frühen 1970er Jahren. Nachdem sie vor ihrem gewalttätigen Vater geflohen sind, lassen sich die Kelly-Brüder Andy und Jimmy mit ihrer Mutter an der rauhen australischen Westküste nieder. Jimmy entdeckt als Teenager das Surfen und wird schnell zu einer lokalen Größe. Sein smarter Bruder entdeckt schnell, dass der Surfsport einen riesigen Markt bietet für ihre speziellen kurzen Surfboards und die durch seine Mutter handgenähten Sufanzüge. Schnell mischen sie damit die lokale Sufszene auf und erhalten dabei Unterstützung von JB, einem nomadisierenden, auf Surfer spezialisierten Fotografen und Filmer mit dezidierter Anti-Establishment-Attitüde und seiner Mitreisenden, der attraktiven Lani.

Doch die Polizei hat Weiterlesen

Mavericks – Lebe deinen Traum / Regie: Curtis Hanson. Darst.: Gerald Butler; Jonny Weston; Elisabeth Shue …

Wir können alles nur einmal erleben – und das nicht mal für eine lange Zeit. Also geniesst es (Jay Moriarity)

Santa Cruz (USA, Kalifornien). Der aus nicht gerade einfachen Verhältnissen stammende 9jährige Jay rettet den Hund einer Freundin vor dem Ertrinken – und wird selbst von einer Welle ins Meer gespült. Gerettet wird er von dem Surfer Rick „Frosty“ Hessen, einer lokalen Surflegende, der gerade an dem Küstenabschnitt Wellen reitet: fasziniert durch den charmismatischen Frosty, schnappt sich Jay ein altes Surfboard seines oft getrennt von der Familie lebenden Vaters und entdeckt seine Leidenschaft für Surfen.

Mit 16 Jahren, längst gewandt auf seinem Bord, folgt er heimlich Weiterlesen

Weglaufen beim Zuhören? Über Hörbücher, Lauftraining und vergessene Zeit.

Bekanntermaßen sind Hörbücher (im Gegensatz zu Hörspielen) ja nicht so ganz meine Welt: ich brauche meistens doppelt so lang, weil ich dabei gerne einschlafe (für weitergehende Informationen hier klicken), was zudem deutlich die Gefahr erhöht, mit dem Zug an meiner jeweiligen persönlichen Endhaltestelle vorbeizufahren oder gar – Horrorvorstellung jedes Pendlers – auf dem Abstellgleis zu landen. Beim zweiwöchentlichen Bügeln meiner Hemdenausstattung kommt Hörbuchhören ebenfalls nicht in Frage, weil aus dem CD-Spieler in dem einen Zwillingskinderzimmer bereits „Star Wars – Die dunkle Bedrohung“ und aus dem anderen die kürzlich von meiner Tochter in meinem CD-Regal entdeckten „Gesänge von Buckelwalen“ zu hören sind.

Hörbuchhören beim Duschen scheidet ebenfalls aus, weil ich bekennender Kurzkaltduscher bin (irgendwie muss der Sommerurlaub ja finanziert werden) und im Auto geht es auch nicht, weil es meistens meine Frau hat, um damit zur Arbeit oder zum Pferd zu fahren und ich auch nicht einfach mal so nur wegen der schönen Stimme von Gerd Heidenreich nach Berlin und zurück fahren will. Beim gelegentlichen Kochen für die Kinder ist es ebenfalls unmöglich, konzentiert zuzuhören, weil es erstens schnell gehen muss und zweitens immer wieder eingeworfene skeptische Kommentare der Kinder („Was ist das Grüne?“ … „Riecht gut, schade, dass ich sowas nicht esse!“ … „Ich will Müsli!“) ebenfalls nicht hörförderlich sind.

Trotzdem ich zumindest im Winterhalbjahr, wenn mich mein Lauf-Rundkurs aufgrund der Dunkelheit nur mehrfach um den Zoo führt, gelegentlich beim Joggen Musik höre, bin ich bisher auch nicht auf die Idee gekommen, einmal beim Laufen einem Hörbuch zu lauschen. Wenn ich die große Runde durch den nahen Wald laufe, verzichte ich sowieso grundsätzlich auf die Mitnahme des MP3-Players, weil ich dann lieber offene Ohren für die Natur um mich herum habe.

Doch jetzt ist es doch passiert: ich habe mir bei einem abendlichen Lauf um den Zoo ein Hörbuch auf die Ohrschnittstelle gelegt. Prompt bin glatt zwanzig Minuten länger gelaufen als geplant und vorgesehen, weil es so unglaublich spannend war, dass ich nicht aufhören konnte. Bedeutet das jetzt, dass

a) Hörbücher bald zu den Dopingmittel zu rechnen sind?
b) der nächste Hamburg-Marathon für mich problemlos zu bewältigen ist und ich mich schon mal für den Iron-Man auf Hawai im Oktober bewerben kann?
c) ich mir niemals die komplette Lesung von Herman Melvilles „Moby Dick“ beim Laufen anhören sollte, weil ich dann vermutlich nicht mehr nach Hause komme, sondern irgendwann Tage später erschöpft und verwirrt in München aufgegriffen werde und auf die Frage, wer ich bin, nur noch „Nennt mich Ismael!“ stammeln kann?

Man weiß es einfach nicht. Vielleicht lag es auch am Thema des Hörbuches, nämlich der „gelbflügeligen Grabwespe“. Oder an Gerd Heidenreich. Vielleicht beeindrucken mich Erzählungen über gelbflügelige Grabwespen, die Gerd Heidenreich heissen – pardon: von ihm vorgelesen werden – derart, dass ich – ähnlich emsig wie dieses Tier gräbt – nicht mehr aufhören kan zu laufen. Zum Glück für mich: unaufhörliches Graben wäre nicht so gut gewesen in Anbetracht der naheliegenden U-Bahn-Schächte.

Fest steht, dass die Schilderungen Jean-Henri Fabres über das erwähnte Insekt, die Gerd Heidenreich gewohnt schön vorliest, mich dermaßen beeindruckt haben, dass an dieser Stelle in Kürze die Rezension zu diesem dopingverdächtig beeindruckenden Hörbuch zu finden sein wird und ich beim nächsten Laufen „Der heilige Pillendreher“ (gleicher Autor, gleicher Vorleser) auf die Ohrschnittstelle lege. Hauptsache, ich schiebe danach nicht völlig versunken rückwärts Autos durch die Gegend und vergrabe sie im Garten.

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