Die rote Olivetti: Mein ziemlich wildes Leben zwischen Bielefeld, Havanna und dem Himalaja / Helge Timmerberg

1970. Der 18jährige Helge Timmerberg zieht sich in einer Londoner Wohnung LSD rein, verwandelt im Rausch unzählige Plastikbecher in psychedelische Skulpturen und bricht am Tag darauf aus einer sauber rauchgeschwärzten Bude nach Indien auf. Jimi Hendrix ist in der gleichen Nacht zwei Häuser weiter gestorben – was im weiteren Fortgang der Reise nach Indien nicht ohne Folgen bleibt, glaubt der bedröhnte Timmerberg doch nach der Begegnung mit einem belgischen Ex-Professor und LSD-Adepten bald, das Hendrix Seele in ihm wiedergeboren wurde. Über viele Tausend Kilometer bleibt das so, bis ihm in einem Ashram an den Füßen des Himalaja eine Stimme zuflüstert: „Geh nach Hause und werde Journalist“.

36 Jahre und viele Reportagen und Bücher später legt Timmerberg, dieser furiose Reisereporter mit dem Nimbus des ewigen Hippies, sein Leben Revue passieren in seiner ganzen Bandbreite zwischen den Untiefen des Lokaljournalismus, burlesken Erfahrungen als Veggierestaurantbesitzer, seinen Erfolgen als unkonventioneller Reporter für Weiterlesen

Die Geschichte meines Lebens / Charles Chaplin

Die Zuneigung der Welt hat mich verwöhnt, die Welt hat mich geliebt und gehasst. Ja, sie hat mir ihr Bestes gegeben und nur wenig vom Schlimmsten. Was auch die Wechselfälle des Lebens mir Böses gebracht haben, ich glaube, daß Glück und Unglück aufs geratewohl über uns dahinziehen wie Wolken. Da ich das weiß, lasse ich mich durch die schlimmen Dinge nie zu sehr erschrecken und von den guten gerne überraschen. Ich besitze keinen Plan für das Leben, keine Philosophie – ob Weiser oder Narr, wir alle müssen mit dem Leben ringen. (S. 497-498)

Wer die unsterblichen Filme von Charles Chaplin liebt und ihn wie ich für einen der bemerkenswertesten Künstler des 20. Jahrhunderts hält, wird sich früher oder später auch mit seiner Biografie beschäftigen.

Besonderes Augenmerk verdient dabei seine Autobiografie, die Chaplin 1964 im Alter von 75 Jahren schrieb. Das Buch war seinerzeit ein Bestseller und lohnt noch heute die Lektüre, gibt Chaplin doch Weiterlesen

Meine geheime Autobiographie / Mark Twain. Übersetzt von Hans-Christian Oeser

„Was für einen winzigen Bruchteil des Lebens machen die Taten und Worte eines Menschen aus. Sein wirkliches Leben findet in seinem Kopf statt und ist niemandem bekannt außer ihm“ (Mark Twain, Meine geheime Biographie. Aufbau Verlag, 2012. – S. 45)

„Was einen innerlich am meisten beschäftigt, sollte das sein, worüber man schreibt“ (S. 145)

Angenommen, Sie müssten jemandem Ihr Leben erzählen: auf welche Art und Weise würden Sie das tun? Klassisch in chronolgischer Reihenfolge? In strikter Auswahl nur der wesentlichen und gegebenenfalls vorzeigbaren Lebenstationen, Begegnungen, Erlebnisse? Würden Sie Dinge auslassen – und wenn ja, warum? Gäbe es Dinge, die Sie für zu banal erachten würden, um von Ihnen zu erzählen – und woran bemessen Sie diese Banalität?
Vom eigenen Leben zu erzählen dürfte auch heute im Zeitalter der permanenten Selbstbespiegelung nicht einfacher sein als vor einhundert Jahren, erzwingt doch eine solche Erzählung immer eine Reduktion auf das vermeintlich Wesentliche, dass aber zu gegebenen Augenblicken sowohl vom Erzähler als auch vom Zuhörer jeweils unterschiedlich in seiner Bedeutung für das jeweilige Leben bewertet werden dürfte. Dazu kommt, dass die Erinnerung oft trügerisch ist, wir dazu neigen, Dinge auszublenden, zu vermischen oder in größere Entferungen voneinander zu stellen. Fraglich ist auch, ob wir es immer ehrlich mit uns meinen würden, wenn wir aus unserem Leben erzählen ; vielleicht, weil es Dinge gibt, die uns, vielleicht, weil es Dinge gibt, die andere, noch lebende Menschen in einem seltsamen Licht erscheinen lassen mögen.

Mark Twain hat es sich nicht leicht gemacht mit seiner Autobiographie, einem Projekt, dass ihn viele Jahre mit wechselnder Intensität und Intension beschäftigt hat. Grundsätzlich hatte er Weiterlesen

Momentum / Roger Willemsen

null

„Jeder, der in der Nacht trunken über das Kopfsteinpflaster nach Hause geht und den Schatten betrachtet, der vor ihm nach Hause schwankt, und die Häuserwände, die zu beiden Seiten aufragen und die schlafenden Brüstchen der Vögel fühlt, die unter den Dachvorsprüngen sitzen, wie sie sich heben und senken und so weiter, der muss sich sagen, das bist du schon lange nicht mehr, sondern es ist die mitgeführte Vorstellung deiner selbst, du Geisel einer Neigung, in Sätzen zu sehen. Doch dann hat die Nachtbäckerei schon geöffnet, ich trete, satt wie ich bin, in den warmen Geruch des Gebäcks, kaufe zwei heiße Brioches und habe das Fassbare gleich als schmelzenden Zuckerguss an meinen Fingern“ (Roger Willemsen: Momentum, S. 249)

Es gibt Bücher, bei denen es schwer fällt, sie einem Genre zuzuordnen, Bücher, denen die mehr oder weniger passende Schublade, in die man sie aus verständlichen, menschlichen Erwägungen nach Einteilung und Verständnis der Welt heraus geneigt ist zu stecken, nicht gerecht wird. Nun gibt es eine Menge Bücher, bei denen das Weiterlesen