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Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry / Rachel Joyce

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Harold Fry ist seit einigen Monaten in Rente. Seine Frau und er haben sich nicht mehr viel zu sagen und leben routniert ihren südenglischen Ehealltag wie seit vielen Jahren. Da erreicht ihn ein Brief seiner ehemaligen Kollegin Queenie Hennessy, die im Norden Schottlands in einem Hospiz im Sterben liegt. Harold schreibt einen knappen, bedauernden Antwortbrief: aus dem Weg zum Briefkasten wird unmerklich der Aufbruch zu einem eintausend Kilometer langen Fußmarsch in Segeltuchschuhen nach Norden – ohne Ausrüstung, ohne Handy, ohne Plan. Angetrieben wird Harold von dem Gedanken, Queenie mit seinem Fußmarsch retten zu können. Doch im Verlauf der Reise verändert sich Harold, wird die Reise für ihn immer mehr zu einer Reise zu sich selbst und zu vergessenen, verdrängten Teilen seiner Persönlichkeit, seines Lebens und den Gründen, warum es diesen einen Verlauf nahm. Unter Aufbietung all seiner Kräfte, schliesslich unter Anteilnahme einer zum Teil hysterisch reagierenden Öffentlichkeit treibt es ihn Norden, für Queenie, für seine Frau, seinen Sohn David und sich selbst.
Da will einer eigentlich nur einen Brief einstecken an eine lange verschollene, jetzt im Sterben liegende Kollegin – und bricht spontan zu einem Fußmarsch quer durch England auf, weil er hofft, sie damit vor dem Sterben bewahren zu können. Was sich zunächst wie literarische Erbauungsliteratur anhört, großspurig als „unvergesslicher Roman, der die ganze Welt erobert“ beworben wird und in der Tat in Romanform an viele unsägliche veröffentliche Pilgergeschichten hätte erinnern können, entpuppt sich beim Lesen trotz einiger (weniger) Längen im zweiten Drittel schliesslich als warmherziger, humorvoller Roman.
Rachel Joyce ist ein unterhaltsamer, humorvoller und doch von einiger Tiefe gekennzeichneter Roman über einen alternden Mann und seinen späten Weg zu sich selbst gelungen. Dabei gelingt es ihr, die Handlung geschickt an den Klippen Klische, Kitsch und pseudoreligiöser Botschaft vorbei zu lenken. Natürlich rettet Harold Queenie nicht … aber er findet für sich und letztlich auch für seine Frau einen Weg, mit dem Leid der Vergangenheit leben u können. Die Art und Weise, wie Rachel Joyce diese von der Realität (ihr Vater lag im Sterben) inspierierte Geschichte gemeistert hat, nötigt einigen Respekt ab, vermag ihre Geschichte doch zu verzaubern und gleichzeitig mit feinem Humor zu unterhalten. Ein gut erzählte, den Leser nicht so leicht loslassende Geschichte über eine (fast) zerbrochene Liebe, über Verlust, Schmerz, Entfremdung, über Verzweiflung, Mut und Kraft.

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