Die Schneiderin der Träume / Regie: Rohena Gera. Darst.: Tillotama Shome, Vivek Gomber, Geetanjali Kulkarni, Rahul Vohra […9

Nach dem Tod ihres Mannes ist die junge Witwe Ratna vom Dorf in die Großstadt Mumbai gegangen: dort verdient die aus einer niederen Kaste stammende Frau ihren Lebensunterhalt als Hausmädchen bei Ashwin, einem studierten, literarisch interessierten jungen Mann, der mit seinem Leben als designierter Nachfolger seines Vaters, eines Baumagnaten, unzufrieden ist. Ratna hat einen großen Traum: sie möchte Schneiderin werden und Mode entwerfen.

Ashwin lässt schon zu Beginn der Geschichte die Hochzeit mit einer Frau, die er schätzt, aber nicht liebt, platzen und erschüttert damit seine konservative Familie. Ratna, die sich Weiterlesen

Die sieben Leben des Arthur Bowman : Roman / Antonin Varenne

Wenn man sich nur unter Lebenden aufhält, vergisst man zu schnell, wie wichtig der Tod ist. Die Verbindung zwischen Körper und Geist ist ein Problem. Das haben wir dort erfahren. Man kann seine Haut nicht den Wellen oder den birmanischen Soldaten überlassen, sich nach Belieben davon trennen. Wenn man seine Haut verlässt, kriegt man sie nicht zurück. (S. 469)

Birma, 1852. Der etwa 30jährige Arthur Bowman ist Söldner der skrupellosen Ostindienkompanie. Der schweigsame, zu äußerster Härte fähige Mann erhält einen Geheimauftrag und soll einen Trupp Soldaten tief in den Dschungel führen. Doch die Aktion endet im Fiasko: alle Zehn Überlebenden werden gefangen genommen und mit großer Brutalität gequält, bis sie schließlich freigelassen werden.

Ein paar Jahre später schlägt sich der heruntergekommene, mittlerweile Weiterlesen

In den Bergen der Kopfjäger : Indiens wilder Nordosten / Peter van Ham

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Der aufgrund seiner Forschungsarbeiten über Indien international anerkannte Peter van Ham bereist seit vielen Jahren die hierzulande kaum bekannte Region der „Sieben Schwestern Indiens“: im Nordosten des Subkontinents gelegen, zeichnen sich diese nahezu vergessenen Bundesstaaten zwischen Tibet und Burma, die lange Sperrgebiet war, nicht nur durch ihre urtümlichen, schwer Weiterlesen

Road, Movie / Regie: Dev Benegal. Darst.: Abhay Deol, Mohammed Faisal, Satish Kaushik, Tannishtha Chatterjee

Bei indischen Filmen kommen dem durchschnittlichen Filmfreund meistens opulent inszenierte, kitschige und schablonenhaft nach dem immer gleichen Muster ablaufende Bollywoodstreifen in den Sinn, die inhaltlich weit von der indischen Realität entfernt sind und in denen immer wieder an scheinbar unmotivierten Stellen getanzt und gesunden wird. Diese Filme können auch für westliche Zuschauer durchaus einen gewissen Reiz haben, erschöpfen aber bei dauerhaftem Konsum zumeist, hat man doch bald den Eindruck, es handele sich eigentlich immer um den gleichen Film in wechselnden Besetzungen und Kulissen.
Das Indien auch ambitioniertes Kino hervorbringt, das eigenständig indisch scheint und doch über die Grenzen des Landes hinauszuragen vermag, zeigt beispielthaft der Film „Road, Movie“ des indischen Regisseurs Dev Benegal. Der Titel dieses indischen Films darf im übertragenen und doppelten Sinn als Aufforderung verstanden, geht es doch um einen Roadmovie im besten Sinne, der eine innere Wandlung des Protagonisten über eine Reise zum Thema hat, als auch um die Straße als Metapher in Verbindung mit dem Kino und der Kraft der bewegten Bilder.
Worum es geht, ist schnell erzählt: der junge Vishnu will um keinen Preis der Welt in die Fußstapfen seines Vaters treten, der ein Haarölgeschäft betreibt und davon ausgeht, dass sein Sohn den Laden übernehmen wird. Als der alte 43er-Chevrolet-Laster seines Onkels, der eine komplette Weiterlesen

Masala Highway : Abenteuer Alltag in Indien / Gabriel A. Neumann

Die kleine Testreihe mit E-Book-Readern in Verbindung mit der Onleihe führt mich gegenwärtig zu Büchern, an denen ich bisher vorbeigegangen bin bzw. die meinem nach Besonderheiten auf dem Buchmarkt suchenden Auge entgangen sind. So lud ich mir im Januar das Buch „Masala Highway“ von Gabriel A. Neumann auf den Kobo Mini, später auf den Kobo Glo – und war beeindruckt.
„Masala“ hat er sein Buch genannt und so nennen sich indische Gewürzmischungen, die es in einer Vielzahl von regionalen und persönlichen Varianten in diesem riesigen Land gibt, dessen Kultur der unseren auf den ersten Blick ziemlich fremd erscheinen mag. Neumann zeichnet allein sich aufgrund der Tatsache, dass er bisher mehr als zehn Jahre in Indien verbracht hat, als ausgesprochen Weiterlesen

Tiger fressen keine Yogis: Stories von unterwegs / Helge Timmerberg

„Ich hab’ festgestellt, dass die besten Geschichten immer hinter der Angst lagen. Wenn ich Angst vor Aids in Afrika Mitte der 80er Jahre oder vor der Pest in Indien Mitte der 90er Jahre verspürte, solche Themen meinetwegen. Dann hatte ich vorher unheimlich viel Angst, dahin zu fahren. Wenn ich Angst spüre, dann weiß ich: Hey, geh durch, dahinter wird’s geil.“ (Helge Timmerberg inm Radiointerview auf SWR1, zitiert nach Wikipedia)

Helge Timmerberg zeichnet nicht nur seine ausgesprochen subjektive Art zu schreiben aus, die drastisch, respektlos, manchmal gar polemisch oder sarkastisch, doch immer mit jener Haltung daherkommt, dass „nichts Menschliches ihm fremd ist“. Er geht ausserdem dorthin, wo der gemeine Tourist nicht hinkommt, um Dinge zu sehen und über sie zu schreiben, die der touristisch reisende, nach Zerstreuung und Entspannung suchende Mensch gar nicht wissen will. Statt uns Altbekanntes, längst Entdecktes zu beschreiben, sucht er nach dem Verborgenen in unserer Weiterlesen

Von japanischen Brotbüchsen, indischen Göttern, komischen Alpendialekten, süßen Südstaaten, afrikanischen Kriechtieren und der Köstlichkeit des langsamen Reisens / Kristian Ditlev Jensen

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Kristian Ditlev Jensen ist Journalist. Und hat an diesem einen Tag besonders schlechte Laune, als ihn die Redakteurin der dänischen Bahnzeitschrift Ud & Se fragt, ob er ein Interview mit dem Kronprinzen führen will. Nein, hat er nicht. Aber die Redakteurin lässt nicht locker, und so wird ein Brainstorming daraus und letztlich der Auftrag, für Ud & Se Reiseberichte über extreme Eisenbahnstrecken und -reisen weltweit zu schreiben. Und da die Danske Statsbaner das Ganze zu finanzieren bereit ist, geht es schon bald los. Mit seinem zerbeulten Rimowa-Koffer und einem iPod mit von einem Freund extra für jede Strecke zusammengestellten, passenden Playlists reist er mit dem Shinkansen in Japan, mit der Glacier-Express in der Schweiz, dem superluxuriösen Blue Train in Südafrika, dem Amtrak-Zug „The Crescent“ von New York nach New Orleans.
Was er daraus macht, ist mehr als eine bloße Reportage: Jensen zeigt und eine Art zu Reisen und ihre Vorzüge und Besonderheiten, die im Zeitalter der schnellen Überwindung von Distanzen mit dem Flugzeug zu oft in Vergessenheit gerät. Wo die Flugreise normiert scheint, die Flughäfen ewig gleich und die Passagiere gleichermaßen gehetzt wie distanziert, begegnet Jensen auf seinen scheinbar anachronistischen Reisewegen den Menschen und der Kultur des jeweiligen Landes vielleicht intensiver und wahrhaftiger als so mancher vom Flugzeug in den touristisch relevanten Regionen abgesetzte Urlauber.
So weckt er die Sehnsucht, auch diese Ruhe in Weiterlesen