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Masala Highway : Abenteuer Alltag in Indien / Gabriel A. Neumann

Die kleine Testreihe mit E-Book-Readern in Verbindung mit der Onleihe führt mich gegenwärtig zu Büchern, an denen ich bisher vorbeigegangen bin bzw. die meinem nach Besonderheiten auf dem Buchmarkt suchenden Auge entgangen sind. So lud ich mir im Januar das Buch „Masala Highway“ von Gabriel A. Neumann auf den Kobo Mini, später auf den Kobo Glo – und war beeindruckt.
„Masala“ hat er sein Buch genannt und so nennen sich indische Gewürzmischungen, die es in einer Vielzahl von regionalen und persönlichen Varianten in diesem riesigen Land gibt, dessen Kultur der unseren auf den ersten Blick ziemlich fremd erscheinen mag. Neumann zeichnet allein sich aufgrund der Tatsache, dass er bisher mehr als zehn Jahre in Indien verbracht hat, als ausgesprochen guter Kenner des Landes aus. Die Beschreibungen des Autors sind dabei frei von jeglichem esoterischen Kitsch, der einem in anderen, von westlich geprägten Menschen gechriebenen Büchern über das Land gerne begegnet.
Obwohl Neumann einen eher nüchternen, mit einigem Humor angereicherten, reportageartigen Schreibstil pflegt, ist dem Buch anzumerken, wie fasziniert er von Indien und seiner verwirrenden Vielfalt der Kulturen, Regionen und Mentalitäten ist. Ob es um Religion oder Politik, Geschichte oder Sozialstruktur, die indische Küche, Familienleben oder Bestattungsriten, Bollywood, Indiens schwierigen Weg zwischen Kastenwesen und Moderne – stets erweist sich der Autor als ausgesprochen gut informiert, stellt er differenzierte Betrachtungen an und lässt erkennen, dass er dem Land und seinen Widersprüchen so nahe gekommen ist wie er einzelnen, im Buch vorgestellten Menschen nahezukommen versucht, ohne dabei jedoch je bleibende Fremdheit zu leugnen.
Faszinierend ist zum Beispiel das Kapitel über die Effizienz der 5000 Dabbawallas in Mumbai, die jeden Tag an Angestellte und Arbeiter über 200.000 Essensboxen ausliefern und die Versorgungskette vom Heim der Angestellten bis zum Arbeitsplatz ohne Computer und sonstige moderne Hilfsmittel so gut wie nie abreissen lassen bei einer Fehlerquote von maximal 1 zu 16 Millionen. Neumann reflektiert auch über die westlichen Klischees bezüglich Goa und das Bemühen der Region und ihrer von der portugiseieschen Besatzung geprägten Bewohner, aus dem Rucksacktouristenimage herauszukommen. Der indische Verkehr mit Reportagen über Abenteuer it bahn, Bus und Auto beschäftigt ihn ebenso wie die einmalige Film- und Kinokultur des Landes, die mit dem von Neumann eingehend in Aufbau und Inhalt beleuchteten Bollywoodschinken ein eigenes Genre hervorgebracht hat.
Auch die immensen und zum Teil wie festbetoniert erscheinenden sozialen Unterschiede in Indien, die zum Teil elenden Verhältnisse sind Thema des Buches, dass auch die Schattenseiten des Landes nicht ausspart und sich auch damit wohltuend von klassischen Reiseführern abhebt. Aus den bei seinen Recherchen gewonnenen Einblicken mag auch kommen, dass von jedem verkauften Buch 50 Cent an denn Verein Deutsch-Indische Zusammenarbeit, der gemeinsam mit lokalen Partnern die Lebensbedingungen der armen Bevölkerung Indiens verbessert.
Ich weiß nicht, ob ich jemals Indien bereisen werde: Neumanns spannendes Buch jedoch macht neugierig auf dieses Land und würde für mich unverzichtbar zur Reisevorbereitung gehören, hat man doch nach der Lektüre das Gefühl, einen tiefen Einblick in indische Mentalitäten und die Besonderheiten seiner Kulturen gewonnen zu haben.

3 Kommentare zu “Masala Highway : Abenteuer Alltag in Indien / Gabriel A. Neumann

  1. Pingback: Rezension: Gabriel A. Neumann, Masala Highway | Leipzig.Lebensmittel.Punkt.

  2. Guten Morgen, Jarg,
    eine interessante Vorstellung.
    Ich kenne von Indien auch nicht viel mehr als das Essen, was ich sehr mag, und die Weisheiten aus „In 80 Tagen um die Welt“, Bollywood und die Presse über das Leben der Frauen dort.
    Ich setze das Buch auf meine Wunschliste.
    Einen schönen Tag nach Hamburg sendet Susanne

    Liken

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