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Genug gesagt / Regie & Drehbuch: Nicole Holofcener. Darst.: Julia Louis-Dreyfus, James Gandolfini, Catherine Keener, Tracey Fairaway, Toni Colette

Eva, eine alleinerziehende Masseurin, die ihre Dienste ambulant bei Hausbesuchen anbietet, deren Tochter demnächst wegen ihres Studiums ausziehen wird, ist zusammen mit ihrer Freundin und deren Mann Will zu einer Party in Pacific Palisades, einem wohlhabenden Teil von Los Angeles, eingeladen. Dort lernt sie die Schriftstellerin Marianne kennen – und will stellt sie seinen Freunden Jason und Albert, einem Filmarchivar vor.

Marianne wird kurze Zeit später Kundin bei Eva – und schnell freunden sich die beiden Frauen an. Zeitgleich erfährt Eva, dass der ebenfalls geschiedene Albert nach der Party nach ihrer Telefonnummer gefragt hat. Obwohl sie den korpulenten Albert eher unattraktiv findet, treffen sich beide kurz darauf zum Essen. Schnell findet sie Gefallen an Albert, der ebenfalls eine Tochter hat, die demnächst ausziehen wird, und fühlt sich von ihm und seinem Humor so angezogen, dass sie eine Beziehung beginnen.

Doch als Marianne von ihrem Ex-Mann erzählt und seiner – in ihren Augen abstoßenden – besonderen Art, Guacamole zu essen, entdeckt Eva, dass Albert Mariannes Mann gewesen sein muss, denn die gleiche Geschichte hat sie unter einem anderen Vorzeichen von ihm gehört. Jetzt betrachtet sie Albert in einem anderen Licht – und als Mariannes abschätzige Bemerkungen nach und nach Evas eigenes Empfinden überlagern, spitzen sich die Dinge unschön zu: plötzlich sitzt Eva zwsichen allen Stühlen.

Regisseurin und Drehbuchautorin Holofcener ist ein wunderbarer, feiner Film gelungen, der unaufgeregt und mit viel Gespür für den Augenblick seiner Geschichte Zeit gibt, sich zu entfalten. Besonders zu würdigen ist die Leistung der beiden Hauptdarsteller Julia Louis-Dreyfus und James Gandolfini, die sehr überzeugend ihre Charaktere entfalten und der Geschichte um eine an übernommenen Urteilen zu scheitern drohender Liebe genug Raum geben, ohne in pathetisches Overacting zu verfahren. Im Gegenteil: sie spielen mit großer Subtilität und starkem Gespür für den Augenblick, für das Ungesagte und den stillen, wirkungsvollen Moment und geben so ihren Figuren große Authentizität.

Positiv fallen auch die „supporting actors“ auf, allen voran Toni Collette als Freundin von Eva und Tracey Fairaway, die in einer die Haupthandlung unterstützenden Nebenhandlung die von ihrer Mutter entfremdete Tochter spielt.

Ein wunderbarer, tief berührender Film voll von feinem Humor, der gerade durch seine stillen Momente lebt und zeigt, dass auch im Blockbuster-Amerika das gute Kino noch nicht tot ist. Für mich eines der schönsten (Heim)Kinoerlebnisse in diesem Jahr.

4 Kommentare zu “Genug gesagt / Regie & Drehbuch: Nicole Holofcener. Darst.: Julia Louis-Dreyfus, James Gandolfini, Catherine Keener, Tracey Fairaway, Toni Colette

  1. Da stimme ich zu, ein wundervoller Film. Leider ist James Gandolfini letztes Jahr viel zu früh gestorben, mit nur 51 Jahren. Ich mochte ihn sehr, er ist mir in seiner Rolle als Tony Soprano ans Herz gewachsen, genauso wie Philip Seymour Hoffman, der mit „Jack goes boating“ einen ähnlich leisen, allerdings schrägeren (die Figuren sind schon etwas schrullig) Film gedreht hatte.

    Wenn Du noch Platz für Tipps hast, empfehle ich Dir die Filme mit Brit Marling von Mike Cahill oder Zal Batmanglij. Die 3 haben alle an der gleichen Uni studiert und wie ich finde, faszinierende Filme gedreht. Die Titel sind „Sound of my Voice“, „Another Earth“ und „The East“. Ich freue mich schon auf den neuesten Film, „I Origins“, der im September ins Kino kommt.

    Viele Grüße

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    • Echt ein Jammer, dass diese zwei wunderbaren Schauspieler so früh sterben mussten. Danke für die vielversprechenden Filmhinweise … da werde ich doch gleich mal wieder den Bestand unserer städtischen Zentralbibliothek dem Stresstest unterziehen, zumal ich zwei Wochen lang allein das Dvd-Programm unseres Heimkinos bestimmen darf.
      Liebe Gruesse von Jarg

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    • Ich sehe Filme ja zumeist dann, wenn sie mir als DVD über den Schreibtisch laufen – und war angenehm überrascht von dem mir bisher unbekannten Film und der Leistung aller Akteure. Und ja, da ist in der Rezension ein Fehlerchen durch Jargs Schnell schreibe … habe es schnell korrigiert und danke vielmal für den Hinweis. Ist halt blöd, dass der bloginterne Lektor gerade mit der Praktikantin nach Wanne-Eickel durchgebrannt ist.

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