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The Golden Age / Woodkid

Ein wenig erinnert mich der Gesang von Woodkid aka Yoann Lemoine schon an Antony Hegarty von Antony and the Johnsons, aber da endet der Vergleich schon. Denn wo Antony Hegarty ungemein zerbrechlich, subtil und zart daherkommt, wird es bei Woodkid schnell ausgesprochen opulent. Was nicht unbedingt zu kritisieren ist.

Woodkids Songs auf diesem Album drehen sich insbesondere um das Erwachsenwerden und seine Irrungen und Wirrungen, besungen aus der Warte des Beobachters und des Protagonisten zugleich: “Es geht um die Zeit des Übergangs vom Jugendalter hinüber ins Erwachsenensein, in die verwirrende Hyperrealität“, konstatiert Woodkid, “ich erzähle von der spürbaren Veränderung des Körpers, von der ersten Sexualität, vom Nichtsoseinwollen, wie es die Norm verlangt, so lautet etwa eine Textzeile in ‚Run Boy Run’, ‘Run Boy Run/This world is not made for you’“. (Zitiert nach amzaon.de). Allen Krikiken zum Trotz, die dem Album schlichtweg nur Kitsch unterstellen wollen, darf und muss das auch durchaus so sein: wer in der Jugend zu keinerlei Sentimemntalität fähig war, dürfte das Album also aus der Warte des abgeklärten Mitvierzigers, den seine erste und einzige Lebenskrise mit Anfang Dreissig (Gehalt reicht nicht für Porsche Panamera, nur für Dacia Logan) heute zur unhinterfragbaren Haltung befähigt, stets und immer zu wissen, wo der Hammer hängt, eher ablehnen.

Alle anderen aber, denen der eigene Sturm und Drang noch gegenwärtig ist, trotzdem es ruhiger geworden ist und die Partner- und Liebschaften nurmehr nach Jahrzehnten, nicht mehr nach Stunden gewechselt werden (wenn überhaupt), können an diesem opulent orchestrierten Werk durchaus ihre Freude haben: kraftvolle, epische und üppige Musik, unterlegt mit Blech und Streichern und manch spürbarem Einfluss klassischer Musik, durchaus verbunden mit pathetischem Anspruch, die einem in Verbindung mit dem eigenwilligen Timbre des Sängers auch den üblen Regentagen Ende Dezember 2014 widerstehen lassen getreu dem zwischen den Klängen schwebenden Motto, das noch die übelste Lebenskrise eigentlich positiv zu werten ist, da sie einen letztlich zu sich selber führt. Was kann uns also schon der Dauerregen dieser Tage?

9 Kommentare zu “The Golden Age / Woodkid

  1. Schöne Sätze, lieber Jarg! Auch wenn Woodkids Musik durchaus zum Pathos neigt, habe ich etwas derartiges noch nie gehört, sie löst bei mir auch nach einem Jahr noch Gänsehaut aus. Nicht zuletzt, weil Woddkid mir das beste Konzert meines Lebens beschert hat. Solltest du irgendwann man die Gelegenheit haben, sieh dir unbedingt seine Live-Shows an – eine Wucht!

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    • Live muss das gigantisch sein trotz Pathosneigung. Kennst du eigentlich Anthony and the Johnsons? Könnte Dir gefallen … muss man sich aber Zeit für nehmen!

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      • Kennen ja – d.h. der Name ist mir ein Begriff, und auch die Stimme habe ich präsent (der Sänger hat mal ein paar Songs mit CocoRosie zusammen gemacht). Wirklich befasst habe ich mich mit ihrer Musik aber noch nicht – ich fürchte, auf Dauer würde ich die Stimme nicht ertragen.

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      • Man braucht schon Zeit dafür und die richtige Stimmung. Für jeden Tag ist das ganz sicher nichts … !
        Und ich forsche jetzt mal nach CocoRosie – wieder was Neues 😉

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      • Ha, gefunden! Mehrere Alben!! Jetzt muss ich nur noch meiner Frau den Ausweis der großen Bibliothek abschnacken – denn in meiner kleinen gibt es das nicht. Bin gespannt …

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  2. Ich liebe Woodkid. Es lohnt sich in jedem Fall auch auf Youtube nach den Songs zu suchen. Die Videoclips sind ebenso absolut imposant.
    Lieben Gruss – sonja

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    • Liebe Sonja,
      Youtube nutze ich bezüglich Songs offensichtlich zu selten: danke daher für diesen Tipp mit den wirklich opulenten Videos auf dem Kanal.
      Liebe Grüsse von
      Jarg

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