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De la Musique à la Folie / Mad Dodo

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Bald zwanzig Jahre liegen sie jetzt zurück, diese wunderbaren sechs Monate in Winterthur in der Schweiz. Leider ist es aufgrund verschiedener und durchaus glücklicher Zufälle niemals etwas mit der einige Zeit nach dem Schweizaufenthalt und nach Studienende erträumten Existenz als „Grenzgänger“ geworden, der vorzugsweise in basel gearbeitet und in Freiburg i. Br. gewohnt hätte. Egal, aus der Schweizerzeit habe ich einige schöne Erfahrungen, Erinnerungen und Vorlieben mitgebracht, seien es Gottlieber Hüppen, Raclette du Valais, Bergwanderungen, Freude am Genuss Schweizerdeutscher Dialektvariationen oder die Schweizer Bundesbahn, die man als Deutscher durchaus vermissen kann. Ja, und Musik, denn es gibt sehr, sehr gute Musiker und Bands in der Schweiz, die man in Deutschland doch ein wenig mehr zur Kenntnis nehmen sollte.
Da ist zum Beispiel dieses wunderbare Scheibe von Mad Dodo, gegründet 1982, bestehend aus Dodo Hug mit Gina Günthard, Andrej Togni, Marc Hänsenberger, die 1992 und damit just in meinem Schweizerjahr erschien, mit von einem sehr geschätzten Handschriftenbibliothekar empfohlen wurde und nichts von ihrer musikalischen Frische verloren hat. Auf „De la Musique à la Folie“ reicht die Bandbreite der Songs von traditionellen Liedern aus Bulgarien (u,a. „Zaspala e fida“) oder England (mit dem Trinklied „Who’s the fool now“), Patti Smiths „Jackson Song“ und wunderbaren französischen (das elegant-humorvolle „Salade de fruits“), italienischen (das geschmeidige „La Cicoria“, das schwungvolle, romantisch gebrochene „Sta Zitto“, das mein Sohn mittlerweile öfter vor sich hinsingt) und englischen (herrlich verschachtelt und witzig etwa:“Istanbul“) Kompositionen.
Dazu kommt neben deutschsprachigen Eigenkompositionen, etwas Kurt Schwitters („Lanke trr gll“) und den „Drei Orchideen“ von Julius Schwittenholm auch ein wenig Schweizer Mundart, etwa mit dem traditionellen „Dr Ätti“, das mittlerweile neben den besagten „Orchideen“ zum Lieblingslied meiner Kinder geworden ist.
Doch nicht allein die Vielzahl an Sprachen und musikalischen Traditionen, der sich Mad Dodo auf diesem Album bedient, ist das Besondere: ausgezeichnet sind die Arrangements, ist das virtuose Zusammenspiel aller beteiligten Musiker und die sprachlich-gesangliche Delikatesse, die dieses Werk zu einem echten akustischen Erlebnis machen.
Fazit: es gibt viele schlechte Musik für Erwachsene und für Kinder. Aber so, wie es immer wieder Kindermusik gibt, die qualitativ hochwertig ist und auch Erwachsenen Spaß macht, so gibt es auch immer wieder „Erwachsenenmusik“, die auch den Kleinen Spaß macht. In diesem Falle dürfen die Kleinen gerne achon 5 bis 6 Jahre alt sein – sofern sie an richtig guter Musik Spaß haben, dürften sie an diesem Album trotz seines Alters von fast zwanzig Jahren ebenso viel Spaß haben wie Jarg und seine Familie.

2 Kommentare zu “De la Musique à la Folie / Mad Dodo

  1. Das ist aber schön, dass mal jemand Schweizer Musik vorstellt 🙂
    Wenn du Dodo Hug’s Musik magst, gefällt dir vielleicht auch die Musik von Peter Reber? Zur Zeit tourt der Ausnahmekünstler mit seiner begabten und nicht minder musikalischen Tochter Nina durch die Konzertsäle der Schweiz.

    Musikalische Grüsse aus der Schweiz

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    • Gute Musik muss man einfach vorstellen … und leider sind manche guten Musiker aus der Schweiz hierzulande wenig bekannt. Danke für den Tipp mit Peter Reber & Tochter … da hör ich doch gerne mal hin!
      Ebenfalls musikalische Grüsse aus Norddeutschland in die schöne Schweiz von
      Jarg

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