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Die Bernsteinstrasse : verborgene Handelswege zwischen Ostsee und Nil / Gisela Graichen ; Alexander Hesse

Globalisierung ist ja bekanntermaßen ein alter Hut und kein Phänomen des sogenannten Anthropozäns, also der Zeit seit 1800 n.u.Z.. Bereits im Mittelalter und in der frühen Neuzeit reichten die Handelswege weit über Ländergrenzen und Kontinente hinweg und auch für die Zeit der Römer, Griechen oder Ägypter sind durch archäologische Funde und schriftliche Überlieferungen weite Handelswege dokumentiert. Überraschend aber dürfte für viele sein, dass es bereits in vor- und frühgeschichtlicher Zeit Handelsverbindungen gab, die vom noch relativ unzivilierten Norden Europas bis hinein nach Südeuropa und Nordafrika reichten.
In „Die Bernsteinstrasse“ gehen Gisela Graichen und Alexander Hesse den zum Teil uralten Handelswegen des Bernsteins nach, jenes in alter Zeit sagenumwobenen und hochgehandelten fossilen Baumharzes, das oft auch als „Tränen der Götter“ oder „Stein der Könige“ bezeichnet wurde: Bernstein wurde zeitweise höher gehandelt als Gold und deshalb von den reichen Vorkommen an der Ostsee durch ganz Europa transportiert. Durch den Bernsteinhandel wurde Menschen mächtig und reich, festigten sich Handelsbeziehungen und Warenströme, kam es zum Austausch von Informationen und Wissen.
Neueste Grabungen, etwa entlang der durch den Bau einer Gaspipeline möglichen 440 km langen Längschnittes durch Deutschland, haben unter anderem neue, faszinierende Erkenntnisse über den Handel mit Bernstein erbracht. Funde von euroäischem Bernstein in Südeuropa, in Ägypten und im Vorderen Orient bestätigen diese neuen Erkenntnisse und geben uns zusammen mit anderen, von Graichen und Hesse zusammengetragenen Informationen ein überaschendes Bild vom Welthandel in der Bronzezeit und den Veränderungen, die Handel damals wie heute mit sich brachte.
Graichen und Hesse ist ein spannend zu lesendes, im besten Sinne populäres Sachbuch gelungen, dass alte Mythen und Sagen um den Bernstein verbindet mit Informationen über seine Entstehung, Förderung und Verarbeitung, den Handel mit Bernstein über die Jahrtausende beleuchtet und all das in den Kontext neuester archäologischer Entdeckungen stellt. Beeindruckend ist auch die dem Buch zugrundeliegende Recherchearbeit, die aktuelle Forschungsregebnisse ebenso mit einbezieht wie altägyptische Texte.
Das farbig bebilderte Buch, dass thematisch an den Terra-X-Zweiteiler im ZDF anschliesst wird im Laufe der Lektüre auch zu einer sachliterarischen Reise durch die Zeitläufte, Jahrhunderte und Kontinente, zu Schlachtfeldern und Handelszentren, archäologischen Grabungen und Schätzen. So alt der Handel mit Bernstein ist, so gegenwärtig ist er, denn auch heute noch wird Bernstein in großen Mengen und mit zum Teil primitiven, zum Teil durch den Einsatz von Großtechnik beförderten Methoden gefördert.
Ein spannenden Buch zu einem faszinierenden Thema, bei dem es Ihnen vielleicht wie mir geht: ich mochte das stellenweise wie einen Krimi zu lesende Buch kaum aus der Hand legen und fühlte mich nach der Lektüre ungemein und angenehm mit Wissen bereichert.

8 Kommentare zu “Die Bernsteinstrasse : verborgene Handelswege zwischen Ostsee und Nil / Gisela Graichen ; Alexander Hesse

  1. Pingback: Die Bernsteinstrasse : verborgene Handelswege zwischen Ostsee und Nil / Gisela Graichen ; Alexander Hesse | Leipzig.Lebensmittel.Punkt.

  2. Es wundert mich nicht wirklich, aber die Vorstellung ist faszinierend, dass in Zeiten vor dem Mittelalter Menschen die Beschwernisse des Reisens auf sich genommen haben. Da war der Rhein als Fernhandelsverkehrsweg in früheren Zeiten doch geradezu bequem zu befahren.
    Grüße aus Köln, Franka

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    • Es ist eine schöne Vorstellung, sich die Welt vernetzt durch Handelswege zu denken – und uns alle über die Zeitläufte mehr verbunden, als wir es manchmal wahrnehmen wollen oder können.
      Viele Grüsse aus Hamburg von
      Jarg

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  3. Guten Morgen, Jarg,
    das hört sich nach einem spannenden Buch an.
    Bernstein hat heute auch noch etwas mystisches. An der Ostsee hofft glaube ich jeder Spaziergänger ein Stück Bernstein zu finden.
    Interessant ist auch das Bernsteinzimmer in Petersburg, dass ja rekunstruiert wurde.
    Ich setze das Buch auf meine Wunschliste, die bald so lang ist wie zwei Toilettenpapierrollen….
    Einen schönen Montag wünscht dir Susanne

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    • Guten Morgen Susanne,
      wenn man sich für Archäologie und Geschichte interessiert, ist das auf jeden Fall ein ausgesprochen lesenswertes Buch … und die Dimensionen der gegenwärtigen industriellen Bernsteinförderung, die in den Buch ebenfalls Erwähnung finden, haben mich schon sehr überrascht. Ich selbst bin ja schon ganz zufrieden mit dem kleinen Marmeladenglas mit selbstgesammeltem Ostseebernstein, dass in unserem alten Schrank steht … 😉
      Liebe Grüsse von
      Jarg

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      • Guten Morgen, Jarg,
        ich finde sowohl Geschichte als auch Archäologie sehr spannend. Ich kann aber beide Themen nur flüchtig streifen, denn sonst besteht für mich und die Kunst die Gefahr, mich zu verlaufen.
        Aber gerade solche populären Sachbücher sind dann genau das richtige…..
        Ich bin zu ungeduldig zum Bernsteinsammeln. Ich sitze lieber mit meinem Skizzenbuch und zeichne die Bernsteinsammler.
        Eienn schönen Tag wünscht dir Susanne

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      • Hallo Susanne,
        ja, Bernsteinsammeln ist mühsam … es hat auch gedauert, bis das Glas voll war, und zwar nicht nur einen Urlaub lang … 😉
        Ebenfalls einen schönen Tag wünscht Dir
        Jarg

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