
Wer wie John Lanchester als Restaurantester und – kritiker gearbeitet hat, mag prädestiniert sein für ein Buch, das sich zunächst wie eine Erzählung des mittelalten, feingeistigen Gourmets und Snobs Tarquin Winot über seine kulinarischen und kulturellen Entdeckungen in Frankreich liest. Im Laufe seiner Reise beschreibt Winot nicht nur seine gastronomischen Erfahrungen und lukullischen Genüsse, sondern lässt grosszügig, aber auch ein wenig arrogant sein Wissen, seine Erfahrungen und seine Betrachtungen über Kunst, Ketchup, Kultur, gute und schlechte Fischsuppen und andere gehobene gastrosophische und bildungsbürgerliche Erkenntnisse einfliessen. Und doch schleicht sich beim Leser bei so manchem Nebensatz das Gefühl ein, dass hier zwischen den Zeilen noch ganz andere Wahrheiten lauern. Der Leser beginnt sich zu wundern, warum Winot öfter als nötig seine Kleidung wechselt, ein Handbuch über Survival und Observationsgeräte mit sich führt und Menschen mit Geräten observiert, die Geheimdiensten zur Ehre gereichen würden. Was sollen all die scheinbar beiläufigen Beschreibungen von Familienmitgliedern und anderen Gestalten? Bis die dunkle Wahrheit ans Licht kommt.
Schöne Sprache, feine Ironie, genial aufgebaut. Für dieses Buch sollte man sich – am besten bei einem guten Wein – Zeit nehmen und merken, wie man mehr und mehr in die dunkle Welt zwischen den Zeilen eintaucht, bis die Wahrheit ans Licht kommt. Genial und spannend bis zur letzten Seite.