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Sieben Welten – Seven Summits : Mein Weg zu den höchsten Gipfeln aller Kontinente / Geri Winkler

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Der 26 Jahre junge Geri Winkler bekommt 1984 die niederschmetternde Diagnose: Diabetes Typ 1. Die Ärzte machen ihm keine Hoffnung, dass er seine weitgreifenden Reiseträume jemals wird verwirklichen können. Im Gegenteil. Doch Geri Winkler gibt nicht auf. Auch nicht, als ihn knapp zwanzig Jahre später ein Krebsleiden ereilt …
Was klingt wie ein weiterer mehr oder weniger spannender, eher langatmiger Bericht eines Kranken, der es allen trotz gesundheitlichen Unbills mal so richtig gezeigt hat und dabei höhere Erkenntnisse über das Leben an sich und seines im speziellen gewonnen hat, ist doch anders – und sehr viel mehr: denn in „Sieben Welten – Sieben Summits“ treten die kaum erwähnten Beeinträchtigungen durch eine chronische Krankheit nicht nur in den Hintergrund, sondern kommen nahezu nicht vor.
Gerade dadurch aber überzeugt der Autor, denn er lässt uns an seiner Faszination für die Ferne, für extreme Gegenden, hohe Berge, tiefe Urwälder und fremde Völker teilhaben. So gelingt es Winkler, als erster Diabetiker alle ‚Seven Summits‘ (die jeweils höchsten Berge auf allen Kontinenten) zu besteigen, sich durch verbotende Dschungelgebiete Papua-Neuguineas zu isoliert lebenden Völkern durchzuschlagen, allen landschaftlichen, bürokratischen und kulturellen Herausforderungen zum Trotz den Weg vom tiefsten Punkt der Kontinente (Totes Meer) zum höchsten (zum Chomolungma/Mount Everest) mit dem Rad und zu Fuß zu bewältigen.
Aber das ist nicht alles: Winkler schildert seine Erlebnisse unerhört lebendig und lebensnah: man spürt deutlich seine Begeisterung und Faszination für die Begegnung mit anderen Kulturen und Lebensweisen, für die Kälte der Antarktiks und die Hitze Afrikas, die Weiten von menschenfernen, kaum berührten Landschaften: durch seine packende und anschauliche Beschreibung ist man förmlich dabei, ist atemlos von den physischen Anstrengungen, die er auf sich nimmt, gebannt von den bAusblicken und Einblicken, die er gewinnt. Im Gegenzug beschönigt er nichts, weder den elend mühsamen Weg durch die schlammigen Dschungel Irian Jayas noch die Herausforderungen der Aklimatisation an extreme Höhen und Temperaturen, so wenig wie er das Scheitern verschweigt. So schreibt Winkler Unsentimental, doch einfühlsam, packend, doch nie angeberisch.
Im Kapitel über die Besteigung der Carstensz-Pyramide etwa schafft er es, mit wechselnden Perspektiven sowohl seine Reiseerlebnisse als auch die Sicht weitgehend noch steinzeitlich lebender Einwohner zu einer feinfühligen Annäherung zwischen dem 20. Jahrhundert und einer aus unserer Sicht primitiven, in Wahrheit aber äußerst angepassten Lebensweise werden zu lassen: so werden wir mit allen technischen Finessen ausgestatteten modernen Menschen bei der Lektüre und selbst fremd, betrachtet durch die Augen zweier Ureinwohner, deren Gedanken bei der Begegnung mit der Moderne Winkler hervorragend assoziiert. Es ist nicht selten ein trauriges Bild, dass er hier zeichnet: von uns, die wir für Geld zerstören, und von urspünglich lebenden Menschen, die wir mit unserer Lebensweise zu überfahren drohen, weil wir einen Lebensraum vernichten, in dem sie sich sehr viel besser bewegen können als wir.
Winklers Neugier auf andere Kulturen räumt auf mit Vorurteilen über „den“ Iraner, „den“ Inder, „den“ Türken – und so, wie er schreibt, scheint er auch den Menschen begegnet und seine überwiegend positiven Erfahrungen gemacht zu haben mit Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft. Ja, Geri Winler hat eine chronische Krankheit: aber sein Lebensmut, seine unermüdliche Bereitschaft, an seine Grenzen zu gehen und dabei jegliche heroische Atitüde zu vermeiden, beweisen, dass es keinen typischen Verlauf einer chronischen Krankheit gibt, sondern nur den eigenen Weg, den man finden, den man mit ihr gehen muss.
Ein bemerkenswertes Buch für alle, die Reiseberichte lieben von weiten Reisen, hohen Bergen, fremden Menschen und Kulturen.

2 Kommentare zu “Sieben Welten – Seven Summits : Mein Weg zu den höchsten Gipfeln aller Kontinente / Geri Winkler

  1. Mir begegnen aus beruflichen Gründen täglich Menschen mit einer chronischen Erkrankung. Darunter sind auch etliche mit einem insulinpflichtigen Diabetes oder einem Carcinom im Heilungsstadium. Immer wieder erfahre ich durch sie, dass Ihnen von ihrer Umwelt, auch von Arbeitgebern, eine geringere Leistungsfähigkeit oder -bereitschaft attestiert wird. Nicht selten ist das Gegenteil der Fall. Vielen Dank, Jarg, für diese Rezension, die mich gänzlich anspricht.
    mb

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    • Keine Ursache. Ich hoffe sehr, dass wir von Geri Winkler noch mehr lesen werden. Die „Sieben Welten“ habe ich jedenfalls sehr ungern aus der Hand gelegt …

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