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Heart of Memphis / Robin McKelle & The Flytones

Die 38jährige Robin McKelle, die in der 2000er Jahren mit Bigband-Jazz und später mit Jazz und Soul-Jazz erste Erfolge hatte und bereits früh mit Sarah Vaughn und Ella Fitzgerald verglichen wurde, war bisher an meiner Ohrschnittstelle völlig vorbeigegangen. Mit dem 2014er Album „Heart of Memphis“, das menühaft in „Apetizers“, „Main Course“ und „Desserts“ gegliedert ist, geriet sie nun endlich spät, aber nicht zu spät auch auf mein Medienradar: was für eine ohrkulinarische Entdeckung!

Das Album, dass bis auf zwei Coverversionen („Please don’t let me be misunderstood“ und „Forgetting you“) aus eigenen Songs besteht, widmet sich ganz dem Soul und – siehe Titel – dem Sound von Memphis. Schon mit dem Opener „About to be your baby“ zieht sie den geneigten Hörer in den Bann, der bei dem bewegten „Good time“ schon munter mitwippt, um bei „Please don’t let me be misunderstood“ in Ehrfurcht vor dieser meisterhaften Neuinterpreatation des fünfzig Jahre alten Klassikers zu erstarren.

Zum akustischen Hauptgang serviert sie eine Reihe wunderbarer Soul-Nummern aus eigener Feder, gewürzt mit dem blueslastigen Klassiker „Forgetting you“ und dem titelgebenden, mit Lokalkolorit spürbar aufgeladenen Song „Heart of Memphis“: spätestens an dieser Stelle ist man dem rauhen, kernigen Gesang von McKelles Altstimme hoffnungslos verfallen.

Assoziationen von Joplin bis Fitzgerald, von Turner bis Frabklin weckt McKelle und hat doch einen ganz eigenen Stil entwickelt, der ihre Stimme wunderbar zur Geltung kommen lässt. Bei diesem Album, dass einen tief in die 1960er und 1970er Jahre entführt und trotzdem erstaunlich modern ist, stimmt alles: der Gesang vor allem, dazu zu jedem Stück die richtigen Gitarrenriffs, fein abgestimmte Elektro-Orgeln, Trompete, Bass, Saxophon, Flügelhorn und die eine oder andere Geige, in jeder Hinsicht gut abgemischt von Scott Bomar, der schon Isaac Hayes und Al Green abgemixt hat.

„Heart of Memphis“ eignet sich sowohl zum gepflegten Genuss bei einem Glas Tennessee Whiskey als auch als Begleitsound bei einer Fahrt im rostigen hellblauen 1962er Ford Fairlane V8 durch die US-Südstaaten. Alternativ geht auch ein zerbeulter beigefarbener 1976er Opel Rekord mit losem Auspuff auf der Nordstrecke um den Selenter See (Schleswig-Holstein).

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