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Grenzerfahrung Grönland: Mein Expeditionsthriller / Birgit Lutz

Ihr Buch „Unterwegs mit wilden Kerlen“, in dem sie über die hohe Arktis, ihre faszinierenden Landschaften, von ihr in den Bann geschlagenen Menschen berichtet und über die Gefährdung dieser Region durch den Menschen, habe ich vor einem knappen Jahr gelesen und in sehr guter Erinnerung. Jetzt legt die spät zu ihrer Arktisleidenschaft gekommene Birgit Lutz, die 2010 und 2012 mit dem Schweizer Thomas Ulrich Expeditionen zum Nordpol über den Last Degree durchführte, ein weiteres Buch vor: „Grenzerfahrung Grönland“.

Tatsächlich wird ihre Grönlanddurchquerung mit zwei weiteren Teilnehmern im Mai 2013 über eine Distanz von 560 Kilometern zu einer Grenzerfahrung der besonderen Art, stellt sich doch rasch heraus, dass die Reise nicht nur wie erwartet ungemein anstrengend ist, sondern sich auch einer der beiden Begleiter nicht wirklich in das Team einfinden will oder kann. Damit geraten alle drei schnell an den Rand der Erschöpfung, denn in diesen extremen Regionen ist der Erfolg einer gemeinsamen Expedition extrem abhängig von der guten Kooperation der Expeditionsteilnehmer miteinander. Im Nachhinein erkennt Lutz, dass es bei den Vorbereitungen mehr gemeinsamer Vorbereitungen und Abstimmungen bedurft hätte, um diese Situation zu vermeiden.

Zum Glück treffen sie nach zwanzig Tagen auf die ebenfalls Grönland durchquerende Expedition des Norwegers Bengt Rotmo, den sie bei früheren Zusammentreffen kennen- und schätzen gelernt hat. Gemeinsam machen sie sich an den Abstieg nach Isortoq im Osten Grönlands, wo sie sechs Tage später eintreffen.

Birgit Lutz neues Buch beschreibt anschaulich und spannend die Reise durch eine extreme Landschaft, die des Menschen nicht bedarf, gleichgültig ist gegenüber seinen Anstrengungen und doch von eindringlicher Schönheit und Faszination. Dabei erschöpft sich ihr Bericht nicht in den Beschreibungen der Landschaft und den beobachtbaren, durch den Klimawandel verursachten Veränderungen des grönländischen Inlandeises. Lutz geht eingehend und sehr persönlich auf die Vorbereitungen, die technischen und logistischen Schwierigkeiten sowie die physischen und psychischen Belastungen ein, die eine solche Reise mit sich bringt, hier negativ gesteigert durch die unglückliche Wahl eines der Reisepartner.

Lutz gerät mehr als einmal an die Grenze ihrer Belastbarkeit und beschreibt anschaulich die Reaktionen des Körpers, die von extremer Erschöpfung bis hin zu Halluzinationen reichen können und nicht nur durch die extreme Eiswüstenlandschaft und die Anstrengung, sondern auch durch die besondere Art von Leere gesteigert werden. Mehrmals steht sie kurz vor der Entscheidung, die Expedition abzubrechen und sich und ihr Team – sofern überhaupt möglich – ausfliegen zu lassen. Erstaunlich sind die Mengen an hochkalorigen Lebensmitteln, die für so eine Extremtour nötig sind und den Tagesbedarf eines normalen Menschen um ein mehrfaches überschreiten. Erstaunlich sind aber auch die Belastungen für Muskeln und Material für Strecken, die vergleichsweise kurz anmuten, auf den unwegsameren Abschnitten des grönländischen Inlandeises aber den Körper an die Grenze des Leistbaren führen.

Wer wie ich gerne Reiseberichte der etwas anderen Art liest, eine Leidenschaft für die extremen Regionen unseres Planeten hat und gerne im Kopf auf Reisen geht, die er im realen Leben vielleicht nie antreten würde, wird von Birgit Lutz Buch sehr angetan sein. Ihr ehrlicher, packender Bericht lässt einen ganz nah dabei sein bei dieser extremen Reiseerfahrung – und steckt einen zugleich nachhaltig mit der Begeisterung der Autorin für die Arktis an. Sehr empfohlen: eines der schönsten Reisebücher des Jahres.

6 Kommentare zu “Grenzerfahrung Grönland: Mein Expeditionsthriller / Birgit Lutz

  1. Danke für diese schöne Rezension, die Lust auf das Buch macht. Ich interessiere mich sehr für Grönland und dieser Reisebericht hört sich wirklich spannend an. Meinen Respekt haben die Teilnehmer der Reise auf jeden Fall.
    LG
    Yvonne

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    • Liebe Yvonne, gern geschehen und viel Spaß bei der Lektüre! Die arktischen Regionen faszinieren mich auch immer wieder, auch wenn ich so eine extreme Reise wie die hier beschriebene lieber nur im Kopf per Buch mache.
      Liebe Grüße von Jarg

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