
Wieviele Schicksale der vor den Nationalsozialisten ins Ausland geflohenen Deutschen sind in Vergessenheit geraten, wieviele faszinierende Menschen – Autoren, Wissenschaftler, Künstler – durch das erzwungene Exil in ihrem Heimatland völlig aus dem öffentlichen Bewusstsein zumindest in Deutschland verschwunden, teils bewusst verdrängt als Teil der ungeliebten Erinnerung an ein düsteres Kapitel deutscher Geschichte, teils gleichgültig übersehen im wirtschaftwunderlichen Deutschland.
Manfred Flügge gelingt es, eines dieser Schicksale u nd ein herausragendes dazu i n einer gut zu lesenden, respektvollen und hervorragend recherchierten Biografie zu erzählen. Marta Feuchtwanger, Münchener Jüdin, mit Lion Feuchtwanger verheiratet, selbstbewusst, schön, sportlich und elegant, durchlebt an der Seite ihres Mannes nach erfolgreichen Jahren in München und Berlin die Emigration nach Sanary-sur-Mer und schliesslich nach Los Angeles. Viele bekannte Literaten und Künstler kreuzen die Wege der Feuchtwangers, und noch nach Lions Tod ist sie in der Villa Aurora der Mittelpunkt deutscher Kultur im westamerikanischen Exil. Sie überlebt ihren Mann, dessen Kritikerin und Muse sie war, um viele Jahre, bis sie mit 96 Jahren stirbt.
Eine hervorragende Biografie über eine faszinierende, mutige Frau, deren Kraft und Souveränität auch heute noch beeindrucken. Zugleich ist es ein Buch über ein anderes, toleranteres, kulturell und sozial unerhört bewegtes und fortschrittliches Deutschland, das zum Teil für immer versunken ist durch die Zeiten des Terrors und die verdrängte Erinnerung in den Jahren danach.