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Der Herr der Ringe / John R. R. Tolkien. Wolfgang Krege (Übers.)

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Die Heldenreise oder Heldenfahrt ist eine Grundstruktur vieler Erzählungen, Geschichten, Legenden oder Mythen und taucht als typisches Muster auch in modernen Romanen und Filmen auf. Die „Heldenreise“ wird meistens in bis zu zwölf Stationen aufgeteilt, wie etwa im Zyklus der Heldenreise nach Campbell:
1.Ruf: Erfahrung eines Mangels oder plötzliches Erscheinen einer Aufgabe
2.Weigerung: Der Held zögert, dem Ruf zu folgen, beispielsweise, weil es gilt, Sicherheiten aufzugeben.
3.Aufbruch: Er überwindet sein Zögern und macht sich auf die Reise.
4.Auftreten von Problemen, die als Prüfungen interpretiert werden können
5.Übernatürliche Hilfe: Der Held trifft unerwartet auf einen oder mehrere Mentoren.
6.Die erste Schwelle: Schwere Prüfungen, Kampf mit dem Drachen etc., der sich als Kampf gegen die eigenen inneren Widerstände und Illusionen erweisen kann.
7.Fortschreitende Probleme und Prüfungen, übernatürliche Hilfe.
8.Initiation und Transformation des Helden: Empfang oder Raub eines Elixiers oder Schatzes, der die Welt des Alltags, aus der der Held aufgebrochen ist, retten könnte. Dieser Schatz kann in einer inneren Erfahrung bestehen, die durch einen äußerlichen Gegenstand symbolisiert wird.
9.Verweigerung der Rückkehr: Der Held zögert in die Welt des Alltags zurückzukehren.
10.Verlassen der Unterwelt: Der Held wird durch innere Beweggründe oder äußeren Zwang zur Rückkehr bewegt, die sich in einem magischen Flug oder durch Flucht vor negativen Kräften vollzieht.
11.Rückkehr: Der Held überschreitet die Schwelle zur Alltagswelt, aus der er ursprünglich aufgebrochen war. Er trifft auf Unglauben oder Unverständnis, und muss das auf der Heldenreise Gefundene oder Errungene in das Alltagsleben integrieren. (Im Märchen: Das Gold, das plötzlich zur Asche wird)
12.Herr der zwei Welten: Der Heros vereint Alltagsleben mit seinem neugefundenen Wissen, und lässt somit die Gesellschaft an seiner Entdeckung teilhaben.
(Zitiert nach der Wikipedia)

Wer sich etwa die Star Wars Filme und viele Fantasy-Sagas zu Gemüte führt, wird dieses Grundmuster, an dem sich die Handlung orientiert, rasch wiedererkennen.
So natürlich auch in „Der Herr der Ringe“ von John R. R. Tolkien, das sich Jarg nach dem schon etwas zurückliegenden Ansehen der beeindruckenden Filme nun erstmalig zur Lektüre vorgenommen hat. Natürlich liest sich ein Buch von weit über eintausend Seiten nicht mal eben so weg, zumal die schweree einbändige, von Wolfgang Krege übersetzte Ausgabe auch eher zum Lesen am Tisch geeignet ist als zum liegenden Lesegenuss. Aber Jarg hat es geschafft und ist durchaus beeindruckt von Tolkiens Werk: es gelingt dem Autor, eine fantastische Welt voller mythischer Figuren zu erschaffen, die er bis ins Detail ausstattet, so dass schnell beim Leser ein buntes Bild von Mittelerde, seinen Landschaften, Lebewesen und Kulturen entsteht.
Dazu kommt dann eine spannende, an der archetypischen Struktur der Heldenreise orientierte Geschichte, die sich an verschiedenen Schauplätzen und mit verschiedenen, auseinander- und wieder zusammen laufenden Handlungssträngen bis hin zum furiosen Finale und dem Ausklang entwickelt.
Dabei ist bei aller Bewunderung für die Filme natürlich klar, dass ein derart opulentes Werk nur mit Auslassungen verfilmt werden kann, und so entdeckt der geneingte Leser im Buch Figuren, die im Film komplett fehlen oder nur am Rande vorhanden sind: genannt sei hier stellvertretend für andere die interessante Figur des Tom Bombadil.
Die beigefügten Karten ergänzen den von Tolkien geschaffenen literarischen Kosmos hervorragend: schnell kann sich der Leser nochmal über die Lage der verschiedenen Schauplätze orientieren (was im Übrigen auch für die Lektüre am Tisch, vielleicht mit einem feinen Glas Wein daneben spricht).
Worum es geht: nun, siehe Heldenreise. Oder, um es mit wenigen Worten zu sagen: vier Hobbits werden mehr oder weniger freiwillig Teil eines Abenteuers, bei dem es um die Vernichtung eines mächtigen Ringes geht, um die Macht eines mächtigen Herrschers zu brechen. Natürlich hat der Hauptheld, Frodo, etliche Gefährten – und über viele Gefahren und Kämpfe hinweg gelingt natürlich das Vorhaben, auch wenn die zahlreichen grausamen Gegner ihr bestes tun, um den erfolgreichen Ausgang von Frodos Heldenreise zu verhindern.
Ein ausgesprochen spannendes Fantasybuch über den klassischen Kampf zwischen Gut und Böse, über die Versuchungen der Macht und die Kraft der Freundschaft, dessen Lektüre Jarg durchaus nicht zu bereuen brauchte, konnte er sich von der abenteuerlichen Geschichte und der von Tolkien (der damit grundlegend für die sog. High Fantasy war) erschaffenen eigenständigen Welt doch meist nur schwer losreissen. Gleichermaßen ging es übrigens dem sechseinhalbjährigen Zwillingssohn, der unbedingt ein paar Absätze vorgelesen haben wollte und seitdem von Elben schwärmt – auch wenn Jarg hier natürlich während des Vorlesens zensiert hat, da Tolkien für das Alter nun wirklich noch nichts ist.

8 Kommentare zu “Der Herr der Ringe / John R. R. Tolkien. Wolfgang Krege (Übers.)

    • Die Heldenreise als grundlegende Struktur findet sich ja bei vielen Büchern und Filmen, ob in Fantasy oder SciFi … und ist übrigens auch ein schönes Gerüst für eigene Geschichten, die gut funktionieren – ob auf dem Papier oder auf der Bühne (zB beim Improtheater).
      Andererseits arbeitet Tolkien bei „Der Herr der Ringe“ auch mit dem klassischen und arg überholten Gut/Böse-Schema, deren sich auch Religionen und Ideologien bedienen, und damit mit einer sehr konservativen, einfach gestrickten Moralvorstellung, die an einer zeitgemäßen, differenzierten Ethik völlig vorbeigeht – eigentlich das Einzige, aber meines Erachtens nach durchaus etwas Wesentliches, was sich an dem Buch kritisieren liesse, so spannend es auch ist. Aber der Kritikpunkt gilt ja für die meiste Fantasy …

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  1. Ich kam zu HdR Anfang der 90er Jahre über die Rollenspiele, welche im Groben auf den Strukturen/Figuren von Tolkiens Gesamtwerk (auch zu empfehlen „Der kleine Hobbit“ und „Nachrichten aus Mittelerde“) beruhen. Später sah ich mir begeistert die Kinofilme von Peter Jackson an (die bisherigen Verfilmungen sind leider nicht so gut geraten) und spielte „Schlacht um Mittelerde“. So hat sich der Kreis wieder geschlossen.

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    • Die anderen genannten Werke von Tolkien habe ich leider noch nicht gelesen – aber „Der kleine Hobbit“ steht schon auf der Leseliste.
      Rollenspiele nach Tolkien sind bestimmt auch eine schöne Erfahrung!!

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      • „Roverandom“ von Tolkien ist ein sehr schönes Kinderbuch. Es handelt von dem kleinen Hund Rover, der frech zu dem Magier Atraxerxes war und von ihm in ein Spielzeug verwandelt wird und dann natürlich gerne wieder „groß“ werden möchte.
        Vielleicht ist der Zwillingssohn ja auch dafür zu begeistern 🙂

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  2. HdR fand ich auch super! Auch wenn die Filme ganz gut umgesetzt wurden, sind die Bücher noch besser. Aber gut, dass ist ja meistens so 😉
    Die Herleitung der Heldenreise kannte ich übrigens noch nicht. Ist ja sehr interessant und trifft tatsächlich den Kern.

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    • Ich kam auf die „Heldenreise“ als Grundstruktur von Geschichten auch erst durch einen Improvisationstheaterkurs, an dem ich teilnehme. Auf „Herr der Ringe“ passt das natürlich supergut!!

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