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Afrika : mit dem Fahrrad in einer andere Welt / Joachim Held

Afrika und insbesondere der afrikanische Westen und Zentralafrika sind für viele von uns Terra incognita: die Nachrichten, die wir aus Afrika erhalten, zeichnen das Bild eines armen, von Gewalt, Ausbeutung und Korruption geprägten Kontinents. Der Journalist, Autor und erfahrene Tourenradler Joachim Held, der mit dreizehn Jahren seine erste Fahrradreise durch Südfrankreich machte, radelt im August 2008 in Deutschland los mit dem vagen Ziel, nach Afrika zu fahren. Ohne seinen Weg akribisch zu planen, gelangt er unter teilweise abenteuerlichen und exotischen Umständen über Frankreich, Spanien, Marokko und Mauretanien nach Senegal und schliesslich in die heterogen entwickelten Staaten Westafrikas, um von dort unter anderem durch den Kongo bis nach Südafrika und schliesslich in den Osten des Kontinents zu fahren und nach zwei Jahren und 33.000 Kilometern seine Reise zu beenden.
Sein lebendig geschriebener Reisebericht zeugt von der Begeisterung für Landschaften und Menschen, aber auch von Armut, Gewalt und politischen Unruhen, die er zum Teil hautnah miterlebt. Anschaulich beschreibt er die Strapazen, denen er sich in Landschaften ausgesetzt sieht, die kaum Infrastruktur haben, in denen Straßen so breit wie ein schmaler Pfad sind und in denen die Menschen von der modernen Welt und ihren Verlockungen und Möglichkeiten weit abgeschieden scheinen. Die physische und psychische Kraft, die er aufbringen muss, um landschaftliches Unbill wie kilometerweite Sandstrecken und Steigungen ebenso zu meistern wie die allgegenwärtige Bestechungskultur durch echte oder vermeintliche Beamte, bringt ihn oft an die eigene Grenze. Seinem ehrlichen, selbstkritischen und humorvollen Bericht ist die Faszination über die Lebensfreude der afrikanischen Menschen, ihre Hilfsbereitschaft und Neugier ebenso anzumerken wie die Verzweiflung, wenn er als reicher Europäer bedrängt, begafft und permanent um Geld und Unterstützung angegangen wird, als sei er die Lösung für ein Problem, dessen drastische Ausmaße den gewöhnlichen Empfindungs- und Erfahrungshorizont eines europäischen Bürgers weit übersteigen.
Dabei verliert er nie den Respekt vor den Menschen und ihrem hartem Leben. So macht er den Bericht über die sonnigen und schattigen Seiten einer extremen Fahrradreise zu einer lesenswerten Mischung aus Reisebericht und Reportage, die mit Vorurteilen aufräumt und den Blick für Afrika, seine Menschen, ihre Lebenskunst, ihre Nöte und Möglichkeiten öffnet. Wer nicht die reiseliterarische Kraft eines Bruce Chatwin, Wolfgang Büscher oder Helge Timmerberg erwartet, dafür aber einen authentischen, ehrlichen Bericht über eine extreme, Augen öffnende und spannend geschilderte Reiseerfahrung, dem sei dieses mit elichen Fotos in Farbe und Schwarzweiß illustrierte Buch wärmstens ans Herz gelegt. Auf der Webseite des Autors (http://www.joachimheld.de) finden sich übrigens einige bemerkenswerte Reportagen und Fotos nicht nur aus dem vorliegenden Buch

6 Kommentare zu “Afrika : mit dem Fahrrad in einer andere Welt / Joachim Held

  1. Danke Jarg, hört sich fast wie ein Bericht zu Gregor Sieböcks Buch (Der Weltenwanderer-3 Jahre 20Tausend km zu Fuß) an, dass habe ich gelesen und >>diese B-Vorstellung<< finde ich interessant.
    salut Claude

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    • Hi Claude,
      danke für den Kommentar. Sieböcks Reisebericht war mir bisher entgangen – „zu Fuß“ klingt für eine alte Wandertsocke wie mich natürlich extrem interessant. Da werde ich mir doch gleich mal das Exemplar aus der hiesigen öffentlichen Zentralbibliothek reservieren lassen …
      Danke und liebe Grüsse von
      Jarg

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