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Zitat am Freitag : Heine über Bücherverbrennung

„Das war ein Vorspiel nur. Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“ (Almansor, Vers 243f)

Heinrich Heine, deutscher Dichter, Schriftsteller und Journalist (1797-1856)

Im Gedenken an die Bücherverbrennungen in Deutschland 1933, die sich heute zum 80. Mal jähren und denen damals rasch weitere, unvorstellbare Schrecken folgten. Damals verbrannte man auch Heinrich Heines Werke und verbannte seine und die Bücher vieler anderer aus den Bibliotheken und Buchhandlungen. Viele von diesen Schriftstellerinnen und Schriftstellern sind heute nahezu vergessen.
Bibliothekare spielten eine ungute Rolle 1933: sie vollzogen den Willen des Regimes teilweise im vorauseilenden Gehorsam – und es waren die im März 1933 entstandenen Listen eines Bibliothekars aus Stettin, die zur Vorlage für die offiziellen Aussonderungslisten wurden. Wer je Gelegenheit hat, Zeitungs- und Filmausschnitte, Dienstbesprechungsprotokolle und offizielle Verlautbarungen aus dieser Zeit zu sichten, dem läuft es kalt über den Rücken angesichts der Effizienz der Aussonderung und der Brutalität der Sprache, sei es der kalte Jargon der Bürokraten oder seien es die fanatischen „Feuersprüche“ derjenigen, die damals ab dem 10. Mai die Bücher in die Flammen warfen. Auch mit Verspätung in Hamburg. Am Kaiser-Fridrich-Ufer und wenig später am Lübeckertorfeld.
Die verwendete Sprache war bezeichnend und warf Schatten voraus: es ist von „Giftbüchern“ die Rede, von „geistiger Fäulnis“, von „ausrotten“, vom „wahren Charakter“ des „deutschen Menschen“ und dergleichen mehr.
Bücherverbrennungen gab es in vergangenen Zeiten und es gibt sie noch immer (wie kürzlich durch Islamisten in Timbuktu). Und noch immer ist dieses Zitat sehr, sehr wahr.

13 Kommentare zu “Zitat am Freitag : Heine über Bücherverbrennung

  1. Hallo!
    Buecher sind das wichtigste Gut der Menschen. Man darf ueber die Inhalte urteilen, aber niemand hat das Recht sie zu vernichten – oder zu verbieten.
    Wen es interessiert:
    Die erste Buecherverbrennung der Geschichte erfolgte in China, durch den „ersten Kaiser“ Qin (259-210 BC, Unifizierung der ‚Kaempfenden Staaten“). Er liess die Konfuzianische Literatur verbrennen um die Familien-Traditionen zu vernichten, die ihm bei bei der Kontolle ueber seine Buerger im Wege standen.
    Wer eine noch fruehere (dokumentierte!) Gegebenheit kennt, bitte schreiben.
    Interessanter Blog, dem ich folgen werde.
    Gruesse.

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    • Hallo zurück,
      Bücherverbrennungen wohnt immer etwas zutiefst symbolisches, körperliches inne – und stets der Gedanke, mit dem Verbrennen des Buches auch den zu treffen und zum Schweigen zu bringen, der es geschrieben hat. Dafür standen die von Dir erwähnten Bücherverbrennungen im alten China, dafür stehen die aktuellen Bücherverbrennungen 2012/13 in Timbuktu/Mali. Der Schritt ist meist nicht weit von der Bücherverbrennung selbst zum Mord …
      Vielen Dank fürs Kommentieren, für das Kompliment und für das Folgen – und viele Grüsse von
      Jarg

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  2. Volker Weidermann schreibt in seinem „Buch der verbrannten Bücher“, dass für die deutschen Autoren das Verbot und das Verbrennen ihrer Bücher existenzbedrohend gewesen sei : „Die meisten von ihnen verloren ihr Publikum, verloren ihre Heimat und oft genug ihr Leben.“ Er kommt daher zu dem Schluss, dass die Bücherverbrennungen während des „Dritten Reichs“ das erzielt hätten, „was die Brandstifter von damals bewirken wollten: Das Vergessen für immer.“
    Das Buch ist wirklich großartig, vielleicht kennst du es aber auch schon?
    Liebe Grüße
    Petra

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    • Hallo Petra,
      das Buch kannte ich noch nicht. Intensiv habe ich mich zuletzt vor 20 Jahren im Rahmen eines Proseminars inklusive Ausstellung und bei der Vorbereitung eines Fachartikel mit dem Thema auseinandergesetzt. Daher ist mein internes Literaturverzeichnis ein wenig veraltet. Das Buch von Weidermann scheint sehr interessant zu sein und sein Fazit trifft leider ganz sicher zu, wir ich gerade bei der Vorbereitung einer aktuellen Ausstellung und Veranstaltung sehen konnte. Ich werde es mir auf jeden Fall mal besorgen.
      Liebe Grüsse von
      Jarg

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    • Ich habe damals auch in einem großen Archiv recherchiert – da lief es einem schon kalt den Rücken herunter: einerseits die kühlen Dienstbesprechungsprotokolle einer großen, sehr großen öffentlichen Bibliothek zu den Aussonderungen, die pikanterweise auch noch einer später natürlich entlassenen Mitarbeiterin mit jüdischen Wurzeln auferlegt wurde, und dann die brutale Sprache in den Zeitungen.

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      • Furchtbar und unvorstellbar ist das alles … Kann ich mir denken, dass es dich bei der Recherche schauderte … Traurig: Die Bücherverbrennungen während des „Dritten Reichs“ waren weder die größten noch die ersten oder letzten.

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      • Komme gerade von unserer Gedenkveranstaltung zum Thema. U.a. hat eine Schulklasse eben das, was du ansprichst, zum Thema ihrer Präsentation gemacht – und damit die Verbindung gezogen zwischen Bücherverbrennungen in der Geschichte als solches: das Gemeinsame daran ist immer, dass die Freiheit des Gedankens, der Wortes, der Idee zerstört werden und nur noch eine Sicht der Dinge gelten soll. In diesem Motiv gleichen sich die Bücherverbrennungen in der Geschichte. Es bleibt ein aktuelles Thema, leider. Und die Fanatiker auf diesem Planeten sterben nicht aus (s. NSU-Morde etc.).
        Das Buch von Weidermann scheint Jürgen Serke gut zu ergänzen mit dem Fokus auf dem von Dir erwähnten „Vergessen“ der Autoren nach Verbrennung und Verbot, was auch bei dem Gedenkabend heute Thema war. Schätze, die öffentliche Bibliothek meines Vertrauens hat einen Auftrag …
        Liebe Grüsse von Jarg

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  3. Der „Gefällt mir“- Button in diesem Zusammenhang führt uns leicht aufs Glatteis. Was mir gefiel, war das Zitat und Deine Bemerkungen. Was ganz klar eine Schande und unmenschlich war, ist der kackfarbene Teil unserer Vergangenheit.
    Zwar denke ich, daß wir davon heute prinzipiell als unbelastet gelten sollten, aber unser Erbe ist auch ein wichtiger Auftrag mit einer Botschaft an alle Menschen: „Nie wieder!“

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    • Das denke ich auch so. So wieder jeder Mensch auch zu den dunkleren Seiten seiner Selbst – so es welche gibt – stehen sollte, so sollte jedes Land auch zu den düsteren Seiten seiner Geschichte stehen und dafür Verantwortung übernehmen, dass solche Dinge nie wieder geschehen. Wenn es denn so etwas wie Patriotismus braucht, wäre das die aufgeklärte Variante, die auch zu der Verantwortung für Schrecken und Verbrechen steht und daraus immer aufs Neue zu lernen versucht.
      Leider blenden gerade nationalistisch-diktatorische Systeme so etwas gerne aus – weil das erstrebte dumpfe Herdengefühl der Masse im Sinne des totalitären Systems keine Schatten zulässt.

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