Startseite » Scheibenwelt » Film » Spielfilm » Drama » Last Ride / Regie: Glendyn Ivin. Drehb.: Mac Gudgeon n. d. Roman „The Last Ride“ von Denise Young. Darst.: Hugo Weaving ; Hugo Weaving, Tom Russell [u.a.]

Last Ride / Regie: Glendyn Ivin. Drehb.: Mac Gudgeon n. d. Roman „The Last Ride“ von Denise Young. Darst.: Hugo Weaving ; Hugo Weaving, Tom Russell [u.a.]

Ein düsterer Film über Vater und Sohn auf der Flucht – in dieser Kurzversion der Geschichte klingt es, als läge dem Film „Last Ride“ ein ähnliche Geschichte zugrunde wie der beeindruckenden Literaturverfilmung „The Road“ (nach dem Roman von Cormack McCarthy). Doch die grenzenlose Vaterliebe, die wir in der filmischen Dystopie „The Road“ sehen und den Vater mit letzter Kraft seinen Sohn in den vermutlich rettenden Süden bringen lässt, ist hier in einem zeitlosen Gegenwartsdrama vielfach gebrochen und tritt auf verstörende, widersprüchliche Weise zutage.

Wir wissen zunächst nicht, warum Kev mit seinem 10jährigen Sohn Chook unterwegs ist und was das Motiv für die Flucht ist. Erst als er sich an einer Tankstelle die Haare stutzt und danach den weißen Pickup mit abmontierten Nummernschildern zwischen alten Autos stehen lässt, wird offensichtlich, dass es einen düsteren Grund gibt für das rastlose Unterwegssein: Chook fragt Kev nach Max und ob es ihm gut gehe: wir ahnen bereits, dass etwas mit Max geschehe sein könnte, den wir ab diesem Moment in kurzen Rückblenden aus der Erinnerung des Jungen sehen, die deutlich machen, dass Chook Max sehr mochte. Sein größter Schatz scheint ein orangefarbenes Spielzeugauto zu sein (offensichtlich ein Geschenk von Max), dass er fast immer in der Hand hält.
Die beiden suchen Kevs Ex-Freundin Maryanne auf, wo die beiden frühstücken und Maryanne ihn zur Rede stellt, als Chook draußen spielt: sie ahnt, das etwas passiert sein muss und Kev mit seiner kriminellen Vergangenheit vielleicht eine Kurzschlußhandlung begangen haben könnte. Doch Kev weicht aus, drängt sie, mit ihm zu schlafen, worauf sie eingeht unter der Prämisse, dass er danach verschwindet. Chook badet noch bei ihr und erinnert sich mit ihr der guten Zeiten, die sie hatten. Er bittet Maryanne, Max anzurufen und zu fragen, ob es ihm gut geht.
Sie reisen weiter und brechen in ein kleines, verlassen scheinendes Museum ein, um dort zu übernachten. Chook fragt, warum er Max geschlagen habe, aber Kev weicht aus, beruhigt ihn und behauptet, dass es Max gut gehe. Wenig später lässt er den Jungen unter dem Vorwand, Essen holen zu wollen, allein im Museum zurück. In einer Bar betrinkt er sich und macht sich aus dem Staub, als ein Fernsehbericht ihm klar macht, dass Max seinen Verletzungen erlegen ist. Beim Abgang aus der Bar fängt er einen Streit an, wird zusammengeschlagen und wacht erst am frühen Morgen wieder auf.
Im Museum wurde Chook inzwischen von einer Frau des Flying Doctor Service entdeckt, die er bittet, zu Max zu fliegen und zu sehen, ob es ihm gut gehe. Als Kev dazukommt, fesselt er die Frau und flieht zusammen mit Chook in ihrem Auto. Sie landen in einem Nationalpark, wo sie verbotenderweise campen und ihnen die Ranger, von denen sie aufgestöbert werden, ausnahmsweise eine weitere Nacht genehmigen. Kev zeigt sich hier in seiner ganzen Widersprüchlichkeit: zunächst schlägt er seinen Sohn, nachdem dieser sich nachts mit im Auto gefundenen Make-up geschminkt hat.Stunden später bringt er Chook, der nicht schwimmen kann, mit großer Geduld bei, sich auf dem Wasser treiben zu lassen.
Doch als sie zum Auto zurückkehren, ist die Polizei da und die beiden fliehen mit einem auf einem nahegelegenen Campingplatz geklauten Geländewagen in die Wildnis. Auf einem Salzsee enthüllt Kev seinem Sohn, dass Max tot sei: es kommt zum Streit und Kev setzt seinen Sohn mitten auf dem Salzsee aus. Als er ihn Stunden später wieder aufsammelt, hat sich der Junge nachhaltig verändert. Als die beiden, nachdem Kev Lebensmittel und ein Gewehr geklaut hat, in der Nähe eines Umspannwerkes campieren, werden Chooks Sorgen über ihre Lage deutlich, auf die Kev jedoch nicht eingeht. Chook trifft eine Entscheidung …

Die Geschichte von Kev (Hugo Weaving) und Chook (Tom Russell) erzählt von einer problematischen Vater-Sohn-Beziehung, die von unterschwelliger und zuweilen offen zutage tretender Gewalt und einer schwer zu überbrückenden emotionalen Distanz erzählt. Der Film, der ganz auf die beiden Hauptdarsteller fokussiert, arbeitet mit ungewohnt langen Einstellungen, nur kurz unterbrochen von schnelleren Bilderwechseln, und entfaltet die Geschichte in ruhigen, meditativen Sequenzen von existenzieller Kraft.
Kev flieht vor den möglichen Folgen seiner Tat, erkennt zu spät, dass er sich ihr hätte stellen müssen, um seiner Verantwortung als Vater wirklich gerecht werden zu können. Erst langsam kommt es im Verlauf des Films zu einer Wiederannäherung zum Sohn, der nicht aufhört, Fragen zu stellen und damit unter die rauhe Schale des Vater dringt. Vage schimmert die Möglichkeit des Glücks, die Chance auf einen anderen Ausgang der Geschichte auf.
Die Bildsprache, die Glengyn Ivin in seinem düsteren Roadmovie findet, ist einfach und doch hochsymbolisch aufgeladen. Sorgfältig arbeitet er mit Motiven und Metaphern, gibt dabei einzelnen Gegenständen wie dem orangen Spielzeugauto eine tiefere Bedeutung, die im Verlauf des Filmes symbolisch die Eskalation des Dramas unterstreicht.
Gelingt es in „The Road“ dem Vater, seinen Sohn in düsterer Zeit unter Aufopferung seiner Kraft und letztlich seines Lebens in den Süden zu retten, so flieht in „Last Ride“ der Vater vor seinen eigenen Dämonen, denen er sich am Ende nur durch seinen Sohn und dessen trotz Gewalt und Flucht anhaltende Liebe stellt. So unterschiedlich beide Geschichten sind, so berührend sie sich doch am Punkt der Vaterliebe, die im erstgenannten Film offen zutage tritt und in „Last Ride“ erst unter dem Geröll eines offensichtlich mehrfach gscheiterten Lebens neu entdeckt werden muss. Wie in „The Road“ bleibt es am Ende ungewiss, ob es Rettung für den Jungen gibt – aber die Fantasie des Zuschauers hofft es im Angesicht der letzten Filmbilder, ja wünscht es sich herbei.
Tom Russel, der australische Nachwuchsschauspieler, zeigt hier neben dem großen Hugo Weaving eine äußert beeindruckende Leistung, die hohe schauspielerische Begabung offensichtlich werden lässt
Ein trauriger, tief berührender und bewegender Film und ein erstaunliches Debüt des australischen Regisseurs, von dem man hoffentlich bald noch mehr sehen wird.

2 Kommentare zu “Last Ride / Regie: Glendyn Ivin. Drehb.: Mac Gudgeon n. d. Roman „The Last Ride“ von Denise Young. Darst.: Hugo Weaving ; Hugo Weaving, Tom Russell [u.a.]

Datenschutzhinweis zur Kommentarfunktion und zum "Gefällt mir"-Button: Kommentare und "Gefällt mir"-Likes werden an die Wordpress-Entwickler Automattic Inc. 60 29th Street #343 San Francisco, CA 94110 United States of America, weitergeleitet und auf Spam überprüft. Mailadressen werden an den Wordpress-Dienst Gravatar weitergeleitet zur Prüfung, ob ein Profilbild vorliegt. Sofern Sie nicht mit Ihrem Wordpress-Konto online sind, können Sie selbst entscheiden, ob Sie Ihre Mailadresse und einen Namen oder ein Pseudonym angeben möchten. Die Freischaltung erfolgt manuell durch Jargsblog nach inhaltlicher Überprüfung. Auf Wunsch werden Ihre Kommentare gerne wieder gelöscht. Bitte beachten Se auch die Datenschutzerklärung.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.