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Auf der Jagd : Wem gehört die Natur / Regie: Alice Agneskirchner

Zur Jagd und Jägern kann man durchaus ein ambivalentes Verhältnis haben – auch wenn man nicht – wie ich – Vegetarier ist und das Töten von Tieren aus verschiedenen Erwägungen heraus grundsätzlich ablehnt. So hielt ich die Jagd in Deutschland bisher für ein weitgehend überflüssiges Vergnügen, dass vor allem aufgrund fehlender Prädatoren sowie aufgrund der Anforderungen der modernen Land- und Forstwirtschaft eine eher durch Fehlentwicklungen begründete Notwendigkeit zeitigt.

Tasächlich ist die Sache nicht ganz so einfach, wie man es sich vielleicht denkt. Der Dokumentarfilm „Auf der Jagd“ begibt sich in den deutschen Wald, zeigt mit berührenden, zuweilen verwunschen schönen Bildern verschiedenste Tierarten vom Reh bis zur Gams, von Hirsch bis zum Wolf in ihren Lebensräumen. Zugleich dokumentiert der Film Jagd und Jäger im Spannungsgfeld von manch überkommen und archaisch erscheinender Tradition, von Naturschutz, Umweltbewusstsein, den Anforderungen der Agrar- und Forstwirtschaft und den Eigenschaften einer Welt, die auch in unseren Wäldern weitestgehend von Menschen gestaltet und geformt worden ist.

Dabei stellt der Film entscheidende Fragen: die Frage nach der richtigen Anzahl von Tieren oder der Existenzberechtigung lange verschwundener Prädatoren wie dem Wolf gehört ebenso dazu wie die Diskussion über die Folgen einer Abschaffung der Jagd. Ohne die Jagd oder den Jäger zu idealisieren, schafft es der Film dabei, auf beeindruckende Weise die Meinungen und Ansichten von Jägern, Förstern, Umweltschützern, Landwirten und Biologen einzufangen. Dabei zeigt sich, dass bei aller archaisch erscheinenden Jagdleidenschaft bei vielen Jägern durchaus ein differnziertes Selbstbild vorhanden ist, die Lust am Töten zumindest für die Jäger und Jägerinnen im Film nicht im Vordergrund steht, sondern vielmehr die Liebe zur Natur und zum Wild.

Deutlich wird auch, dass es nicht so einfach ist mit der Schuldzuweisung, die hier den bösen Jägern und dort das zu schützende Tier sieht: dabei verschweigt der Film keineswegs, dass es etwa bei der Gamsjagd durchaus auch innerhalb der Jägerschaft umstrittene Abschussquoten gibt. Der Film enthält sich dabei einer direkten Wertung, lässt Raum dafür, sich ein eigenes, differenziertes Urteil zu bilden. Dabei wirft er kritische Fragen auf und stellt die durchaus beeindruckende Zahl von Jägern getöteter Tiere den um ein Vielfaches höheren Zahlen an Tieren gegenüber, die in der industrialisierten Tierhaltung ein kurzes, schreckliches Leben haben, damit der Verbraucher billiges Fleisch aus dem Supermarkt bekommt: hier scheint etwa die im Film porträtierte Jägerin, die nach Vorgaben des Naturschutzes Bestandsmanagement in ihrem Revier betreibt, eine durchaus naturnähere Haltung zu haben, wenn sie in der Tiefkühltruhe letztlich nur Fleisch von Tieren hat, die durchaus noch ein Leben gehabt haben. Wer also ist der „Naturfeind“? Der Jäger, der kontrolliert sein Revier bejagt, oder der Fleischproduzent, der Tiere zu blossen Produkten verkommen lässt und ihr Leid ignoriert, und der Verbraucher, der von all dem nichts wissen will.

Fazit: ein bemerkenswerter, mit zum Teil wunderschönen, zum Teil erschütternden Bildern und sensiblen Beobachtungen und Porträts aufwartender Film, der mit manchem Vorurteil aufräumt, wohltuend zurückhaltend Bilder und Worte wirken lässt und so zu einer differenzierten Diskussion über sein komplexes Thema einlädt.

5 Kommentare zu “Auf der Jagd : Wem gehört die Natur / Regie: Alice Agneskirchner

  1. Schnell mal Wort 4 korrigieren. „Jägern“ klingt besser als „Jähern“ – auch wenn es mit „Waidmanns Heil!“ eigentlich passen würde. Dank Konsonantverschiebung ist „Waidmanns geil!“ aber auch schön.

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