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Glad Rag Doll / Diana Krall

Und nun, nach vielen Büchern und einigen Filmen, zu etwas völlig anderem: Musik. Die kam nämlich in letzter Zeit etwas zu kurz auf Jargsblog.

Würde man die kanadische Jazzpianistin und Sängerin Diana Krall nicht als talentierte Musikerin aus dem Jazzbereich kennen, die seit ihrem Albumdebüt 1993 mit ihren Interpretationen von Jazzstandards ebenso glänzte wie später mit Eigenkompositionen und in Kooperation mit anderen Musikern, man könnte in Anbetracht des doch eher offenherzigen Albumcovers vorschnell auf eines jener gealterten Popsternchen schliessen, deren One-Hit-Wonder die Musiksender und die Ohren verstopfen. Aber der zweite Blick lohnt sich: denn mag das Cover auch sicher verkaufsfördernd auf den männlichen Teil der Hörerschaft gerichtet sein, soll es doch auf Hinweis auf den Inhalt des Album sein, auf dem eine Diana Krall zu hören ist, die man so nicht kennt.
Für dieses Album hat Krall mit T Bone Burnett als Produzentem und mit Musikern wie dem Tom-Waits-Gitarristen Marc Ribot, Keyboarder Keefus Green von den Red Hot Chili Peppers, Dennis Crouch am Bass sowie Jay Bellerose am Schlagwerk zusammengearbeitet, die zusammen etwas geschaffen haben, was sich hören lassne kann: auf „Glad Rag Doll“ entführt uns die von manchen Kritikern ungerechterweise oft dem „Easy Listening“ zugeordnete Musikerin vorwiegend in die 1920er und 1930er Jahre, die Zeit des Varietes, der verrauchten Nachtclubs und Spelunken, der Prohibition und der Goldenen Zwanziger. Die zum Teil bekannteren, zum Teil neu entdeckten Songperlen werden dabei ohne Sentimentalität und bar jeglicher Süßlichkeit von Diana Krall interpretiert, begleitet vom eigenen Klavierspiel auf einem alten Steinwayflügel und Musikern, denen man den entspannten Spaß am Spiel anhört.
Der Gesang von Krall, lasziv, warm und voller Selbstbewußtsein, schmeichelt dem Ohr des entzückten Hörers und macht doch zugleich den Abstand klar, als säße man selbst im Nachtclub vor der Bühne, gebannt vom Gesang und doch gefangen in einem deutlich vernehmbaren, doch nie ausgesprochenen „Lass dich einfangen von meinem Gesang, aber komme mir nicht zu nahe!“. Die Bandbreite von „Glas Rag Doll“ reicht von direkt in die Beine gehenden Songs wie „You Know – I Know Ev’rything’s Made For Love“ bis hin zum melancholisch-düsteren Klassiker „Lonely Avenue“ von Ray Charles, mit dem uns Krall akustisch in einen zwielichtigen Nachtclub in einer dunklen Seitengasse entführt.
Ein wunderschönes Album, dem man sich gerne anvertraut, und das besonders gut an einem nasskalten Winterabend bei flackerndem Kerzenlicht und draußen heulenden, regenpeitschenden Winden gefällt.

3 Kommentare zu “Glad Rag Doll / Diana Krall

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