Eine Reise durch das Universum / Kratzenberg-Annies, Volker

[Einfach nur lesen war gestern – dieses Buch entführt die Kinder auf eine unvergessliche Reise ins Weltall! Nach dem Raketenstart machen die Weltraumforscher Halt auf der ISS, experimentieren mit der Schwerelosigkeit, sind auf dem Mond zu Gast und bestaunen Planeten und Sterne, Kometen und Phänomene. Außerdem drehen die Reisenden eine Runde in die Vergangenheit: Zurück bis zum Urknall, mit dem das Universum seinen Anfang nahm. Spannende Sachtexte rund um den Weltraum und aufwändig gestaltete Buchseiten zeigen die Einzigartigkeit und Schönheit unseres Universums. Experimentier-Ideen für Neugierige helfen, auch komplizierte Sachverhalte zu verstehen. Der Countdown läuft – das Raumschiff wartet schon!]

[Auf geht es mit dem Gedankenreisezeitmaschinenraumschiffbuch ins Weltall, beginnend mit dem Raketenstart zunächst zum Mond, dann zu den Planeten unseres Sonnensystems bis hin zu anderen Galaxien. Der Autor, beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt zuständig für Nachwuchsförderung, nimmt nach seinen vorherigen Büchern zur Thematik – „Raumfahrt“ (ID-B 26/06) und „Mission Weltall“ (ID-A 15/07) diesmal Kinder mit auf eine Flugreise ins Weltall. Spannend und flüssig lesbar, ansprechend illustriert und bei herausragender typografischer Gestaltung – so wird die Schrift etwas verschwommen, wenn das Raumschiff wackelt – erfahren Kinder nicht nur etwas über Planeten und Sterne, sondern auch über die Lebenswelt von Astronauten, die Raumstation ISS und zur Geschichte des Universums. Zahlreiche Mitmachexperimente und kindgerechte Vergleiche führen in komplizierte Sachverhalte ein. Wenn überhaupt etwas stört, dann allenfalls die teilweise etwas schulmeisterliche Ansprache. Ungeachtet zahlreicher inhaltlich vergleichbarer, oftmals aber weniger zum Durchlesen gedachter, Titel daher breit empfohlen.]

Ein Rad für alles : Die Allroad-Bike-Revolution : So machst du dein Fahrrad schnell, komfortabel und zuverlässig / Jan Heine

Ein Buch, ein Fahrrad – so könnte man schreiben, wenn man Jan Heines Buch mit wenigen Worten umschreiben möchte. Tatsächlich stellt der Autor, Herausgeber des weltweit rezipierten Bicycle Quarterly, die These auf, dass man eigentlich nur ein Fahrrad braucht für alle erdenklichen Zwecke und führt eine ganze Reihe harter Belege dafür an. Dabei stützt er sich nicht allein auf sekundäre Wissensquellen, sondern die jahrzehntelange Expertise des Bicycle-Quartely-Teams. Wichtig ist Hine zuverlässige, wertige Technik, hoher Komfort und Schnelligkeit.

Während der kurze erste Teil sich mit grundlegenden Frragen zur Auswahl des neuen Fahrrads beschäftigt und dabei auf die einzelnen Komponenten vom Fahrradtyp über den Rahmen bis hin Sattel und Schaltung eingeht, geht der zweite Teil in die Tiefe und beschäftigt sich zunächst mit theoretischen Hintergünden. Hier beleuchtet Heine fachkundig und verständlich die technischen Elementeund physikalischen Regeln, die beim Fahrrad eine Rolle spielen: Rollwiderstand und Rahmensteifigkeit werden dabei ebenso erläutert wie Lenkgeometrie, Biomechanik oder Elemente des Bikefitting.

Im dritten Teil werden sämtliche Bauteile des Rades unter die Lupe genommen. Reifen mit Breite, Druck und anderen Richtgrößen und Bauarten sind unter anderem ebenso Thema wie Laufräder, Speichung, Rahmenmaterial, Bremsen oder Schaltungen bis hin zur Preisfrage, zur Frage nach dem Auffinden guter Rahmenbauer oder der Fahrtechnik an sich. Alle Kapitel werden aufgelockert durch erläuternde Zeichnungen und sind zusätzlich mit Infokästen versehen, die sich Spezialfragen wie Lenkgeometrie, Reifendruck oder Beleuchtung widmen.

Fazit: ein ausgesprochen informatives, faktenreiches und seine Themen gut und plastisch vermittelndes Buch, dass auch Einsteigern in die Welt der Fahrradtechnik wesentliche Grundfragen zu Technik und Fahrphysik vermitteln kann. Nabenschaltungen kommen für meinen rohloffverwöhnten Geschmack gegenüber Kettenschaltungen etwas zu schlecht weg und manche Fahradvarianten wie Lastenräder oder Falträder kommen gar nicht vor. Das tut dem guten Eindruck vom Buch in seiner Gesamtheit jedoch keinen Abbruch. Fazit: gerne empfohlen allen, die ihr Wissen zum Thema fundiert bereichern wollen.

Mein Blind Date mit dem Leben / Regie: Marc Rothemaund. Datsr.: Kostja Ullmann ; Jacob Matschenz ; Anna Maria Mühe […]

[Der Film erzählt die beeindruckende Lebensgeschichte von Saliya Kahawatte (gespielt von Kostja Ullmann), der als Jugendlicher sein Augenlicht verlor, aber sich seine Träume und den Blick für das Wesentliche bewahrt hat. Mit Hilfe seines besten Freundes (gespielt von Jacob Matschenz) überwindet er viele Hindernisse. Doch als er sich in Laura (gespielt von Anna Maria Mühe) verliebt, muss er sich der Wahrheit stellen. Regie führte der Oscar-Nominierte Marc Rothemund („Sophie Scholl“, „Mann tut was Mann kann“), der mit Kostja Ullmann schon in „Groupies bleiben nicht zum Frühstück“ erfolgreich zusammengearbeitet hat.

„Romantisch, witzig, herzerwärmend: Hier kommt ein toller, weil wunderbar inspirierender Feelgood-Film, der uns lächelnd durch die kalte Jahreszeit hilft.“(Bild.de)

„MEIN BLIND DATE MIT DEM LEBEN fühlt sich gut an, ist witzig, optimistisch, nie platt – und noch dazu über große Strecken wahr“ (Kino.de)

„Ebenso witzige wie berührende Geschichte.“ (Sueddeutsche.de)

Der Deutsch-Singhalese Saliya Kahawatte bereitet sich in der deutschen Provinz auf das Abitur vor. Dabei bemerkt er, dass er zunehmend Probleme mit dem Sehen hat. Nach einer ärztlichen Untersuchung erfahren seine Eltern und er, dass es sich um eine seltene Augenerkrankung handelt. Nur durch eine sofortige Augenoperation kann seine Sehkraft auf niedrigstem Niveau erhalten werden. Trotzdem möchte er auf seiner Schule das Abitur machen, was seine Umwelt und auch sein Vater für ausgeschlossen halten. Er schafft das Abitur dennoch mit Fleiß und einer ausgeprägten Merktechnik.

Anschließend möchte Saliya seinen Traum von einer Hotelfachausbildung verwirklichen, bekommt aber auf seine zahlreichen Bewerbungen, in denen er ehrlicherweise seine eingeschränkte Sehkraft angibt, nur Absagen. Frustriert beschließt er, sich in München beim Hotel Bayrischer Hof ohne Angabe seiner Seheinschränkung zu bewerben. Er bekommt ohne großes Zögern die Stelle und schließt mit dem ebenfalls neu eingestellten Auszubildenden Max Freundschaft. Max ist anfangs der einzige, der von seinen Sehproblemen erfährt. Er unterstützt Saliya und übt mit ihm alle Arbeitsschritte und Laufwege sowie die notwendigen Handgriffe so lange, bis Saliya sie auswendig kennt. Gemeinsam durchlaufen sie die verschiedenen Ausbildungsstationen. Max hilft ihm, indem er ihm in manchen schwierigen Situationen zur Seite steht.

Im Hotel lernt Saliya die alleinerziehende Laura kennen, die die Hotelküche mit Waren vom Bauernhof ihrer Eltern beliefert. Beide kommen sich näher. Auch ihr verheimlicht er seine Seheinschränkungen. Während der Ausbildung im Hotelrestaurant gerät Saliya in Konflikt mit dem Restaurantleiter Kleinschmidt, der ihn nicht leiden kann.

In dieser Situation verlässt Saliyas Vater die Mutter. Um ihr finanziell beizustehen, übernimmt Saliya ohne Wissen seiner Ausbilder eine weitere Beschäftigung als Pizzabäcker in den Nachtstunden. Doch zur fortlaufenden Bewältigung beider Arbeiten putscht sich Saliya mit Tabletten auf. Die Schlaflosigkeit bringt ihn weiter in Bedrängnis, da er den Wecker eines Tages überhört und dadurch verspätet zur Arbeit im Hotel erscheint. Eine Abmahnung ist die Folge.

Saliya lernt unterdessen Lauras Sohn kennen. Auf einem Spielplatz soll Saliya kurz auf Lauras Sohn aufpassen. Ein Moment der Unachtsamkeit führt dazu, dass der Sohn aus Saliyas Achtsamkeitsradius und sogar gänzlich vom Spielplatz verschwindet. Laura ist verzweifelt und versucht ihren Sohn wieder zu finden, während Saliya keine Anstalten zur Mithilfe bei der Suche macht. Nachdem der Sohn wieder auftaucht, bleibt ihm als Erklärung für seine unterlassene Hilfe nur ein Geständnis der Wahrheit: Er gesteht seine Seheinschränkung. Verletzt trennt sich Laura von ihm.

Wieder im Hotel passiert während einer Hochzeit im Hotelrestaurant das Missgeschick, dass der völlig schlaflose und gestresste Saliya zunächst ein Tablett mit Sektgläsern fallen lässt und anschließend noch mit der Hochzeitstorte kollidiert. Er wird entlassen.

Saliya kommt nun total von der Bahn ab und betrinkt sich immer öfter. Nach einem schweren Sturz kommt er ins Krankenhaus, wo er mit Hilfe seiner Schwester und Max wieder zurück ins geordnete Leben findet. Gemeinsam mit Max besucht er seine Ausbilder im Hotel und bittet um Entschuldigung sowie um die Chance, nun doch bei der Abschlussprüfung anzutreten, die er überraschenderweise erhält. Nach erfolgreichem Abschluss seiner Ausbildung beendet er die Arbeit im Hotel und macht gemeinsam mit Max ein Lokal auf. Hier trifft er auf Laura, die ihm verziehen hat und den beiden fortan im Lokal unterstützend unter die Arme greift. 9

Letzte Runde Geisterstunde / Nadia Budde

„Urlaub machen sie fast nie
aber woher kommen sie?“

An Büchern von Nadia Budde kann ich schon seit ihren Klassikern „Trauriger Tiger toastet Tomaten“ und „Flosse, Fell und Federbett“ nicht mehr vorbeigehen: Budde versteht es, sprachlichen Ausdruck und herrlich schräge Bildern zu einem einzigartigen gesamtkunstwerk zu verbinden, das aus der Masse banaler Bilderbücher heraussticht. So gelingt ihr auch mit „Letzte Runde Geisterstunde“ wieder ein echter Hingucker: Auf 32 ausdrucksstarken bunten Seiten beschäftigt sie sich mit Geistern, ihren vielfältigen Erscheinungsformen, ihrer Herkunft, ihren Namen und natürlich auch mit der Frage, wie fies denn manche von ihnen wirklich sind und ob sie nun bleiben oder vertrieben werden sollen oder vielleicht ganz und gar zu unrecht verkannt und verpönt sind.

Von gewöhnlichen Poltergeistern über Muffelgeister, Plundergeister, Zwiebelgeisrter und Schluftgeister bis hin zu Brausegeistern, von namen wie Schlurchi, Schchlotter oder Bleichi ist alles dabei in diesem geisterhaften Kaleidoskop. All diese wunderbaren Geister verbindet Budde wieder mit furiosen Reimen, die auch einen lyrisch hochsensiblen Leser wie mich von Anfang bis Ende bei der Stange halten:
„[Geister] seufzen mit versteckten Stimmen,
lassen ihre Augen glimmen
schleichen nachts durch Geisterschiffe
kennen Geisterjudogriffe,
jammern über morsche Knochen
können Geistergulasch kochen“.

Fazit: wieder einmal ein echtes und sehr empfehlenswertes Budde-Bilderbuch für kleine und große Leute, die ein Herz für Geister haben und sich in Bild und Wort auf eine virtuose Jagd begeben mögen. Ab ca. 2 Jahren.

Quallen altern rückwärts : Was wir von der Natur über ein langes Leben lernen können / Nicklas Brendborg. Übersetzung aus dem Dänischen von Justus Carl

Wenn man bedenkt, dass Grönlandhaie nach neuesten Forschungen mehrere hundert Jahre alt werden können, mutet die maximale weltweite durchschnittliche Lebenserwartung gegenwärtig lebender Menschen von 73,4 Jahren geradezu lächerlich an. Selbst wenn man die mehr als achtzig Jahre berücksichtigt, die in wohlhabenden Ländern mit guter medizinischer Versorgung erreicht werden, gehört der Mensch nicht unbedingt zu den langlebigsten Lebewesen. Manche Baumarten erreichen zehntausend Jahre und bei Bakterien wurden sogar Endosporen entdeckt, die einige Millionen Jahre im Ruhestadium verbrachten, bevor sie aufgeweckt wurden.

Nicklas Brendborg, Postdoc für Molekularbiologie an der Universität Kopenhagen, geht in seinem Buch der Frage nach, welche Bedingungen ein hohes Alter fördern, zieht dabei Beispiele aus Weiterlesen