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Planet Ocean / Regie: Yann Arthus-Bertrand ; Michael Pitiot

Über zwanzig Jahre sind vergangen seit der UNO-Konferenz über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro 1992 – und wenig hat sich verändert. Noch immer verbraucht die Menschheit mehr, als ihr in ökologischer Hinsicht anzuraten wäre. Der Planet erwärmt sich weiter und auch ein vollständiges Abschmelzen der Arktis und damit eine klimabezogene Rückkehr ins Pliozän sind nicht mehr auszuschliessen.
Weitgehend unbemerkt, dafür umso dramnatischer verändert sich einer der Lebensräume, die uns am unbekanntesten sind, und der dennoch für das Klima auf der Erde und ihre Ökosysteme eine ungeheure, oft unterschätze Bedeutung hat.
In „Planet Ocean“ zeigen Yann Arthus-Bertrand und Michael Pitiot nicht nur einen Ausschnitt aus der faszinierenden Vielfalt der Meere: zugleich machen sie die Zusammenhänge offensichtlich zwischen den Meeresströmungen auf der einen Seite und den klimatischen Bedingungen an Land sowie den Nahrungskreisläufen im Ozean. Die Menschheit dreht hier mittlerweile am großen Rad, zeigen sich doch erste Veränderungen in der Zusammensetzung und Temperatur des Wassers, dass um unseren Planeten kreist und tausend Jahre braucht, bis es einen Zyklus vollzogen hat.
Der Film beginnt in der Shark Bay Australiens: dort, im Hamelin Pool Marine Nature Reserve, leben Stromatolithen, die ältesten bekannten Lebenwesen der erde, von denen es 3,5 Milliarden Jahre alte Fossilien gibt. Bewußt wird hier die Verbindung allen heutigen Lebens inklusive des menschlichen zu den ältesten Lebensformen auf unserem Planeten gesucht, stammen wir so wie alle heute bekannten Pflanzen und Tiere von vergleichbar alten Lebensformen aus dem Präkambrium ab. Der Film betont damit schon in den Eingangssequenzen mit hochsymbolischen Bildern, dass wir und alle derzeitigen Lebewesen und Ökosysteme Teil dieser größten und faszinierensten aller bekannten Geschichten sind.
Von hier an geht es im Wechsel von wunderschönen Aufnahmen und drastischen durch verschiedene mit dem Ozean verbundene Themen, wird an einzelnen Beispielen die Schönheit und das diffizielle Wechselspiel von klimatischen Bedingungen, Meeresströmungen, Winden und allen ozeanischen Pflanzen- und Tierformen beschworen, um parallel die Zerstörungen durch den Menschen dagegenzustellen, die zum Teil aus kühlem wirtschaftlichem Kalkül, zum Teil aber auch aus großer Sermut und Not erfolgen.
Auch die Überfischung der Weltmeere, die drastische Ausmaße angenommen hat und in der nachgerade perversen Verfütterung von gefangenen Hochseefischen in Fischfarmen gipfelt, verändert die Nahrungskreisläufe udn die Nahrungskette massiv: damit hat sie direkten Einfluß auf das Leben ganzer Tiergattungen, ihr langsames Aussterben oder – wie im Falle verschiedener Quallenarten – das massive Anwachsen ihrer Bestände. Der Ozean wird zu Gelee, wenn man dem Film glauben darf, denn natürlich profitieren auch Arten von den globalen geologischen Folgen, die das derzeitige Lebenskonzept einer dominierende Spezies auf der Erde hat: des Menschen.
Die opulenten, schönen, zum Teil aber auch sehr drastischen Bilder werden dabei von einer weiblichen Stimme begleitet, die über die Bilder zu in der ersten Person Singular zu reflektieren scheint und damit den Zuschauer als Subjekt direkt mit dem Thema des Films verbindet. Ein geschickter dranaturgischer Schachzug, der die Wirkung der Bilder und den Appell des Films, endlich zu handeln, stark unterstützt. Kleine Übersetzungsfehler in der übersetzten Version der Stimme sind dabei leicht zu verschmerzen.
Weder politische Sonntagsreden noch religiöse Überzeugungen, weder wohlfeile Absichtserklärungen noch endlose Konferenzen können – so der Film – das Ökosystem Meer jetzt noch retten und damit letztlich die Menschheit selbst, deren Überleben weit mehr als allgemein bekannt vom Meer abhängt. Es sei Zeit zu handeln so der Appell am Ende des Film, der schlaglichtartig einige wesentliche Handlungsfelder aufzeigt, zu denen unter anderem die Ausweisung von Schutzzonen, aber auch die überfällige internationale Verwaltung aller Meerengebiete gehört, die nicht in den Hoheitsgebieten der Küstenanrainer liegen.
Ich kenne mittlerweile eine Reihe von Dokumentationen über diesen uns weitgehend immer noch unbekannten, faszinierenden und für unser aller Überleben so wichtigen Lebensraum. „Planet Ocean“ zählt ganz sicher zu den besten Dokumentationen, verbindet er doch die Information über die wichtigsten Zusammenhänge mit der Wucht seiner Bilder mit der Aufforderung zum Tun. Ein beeindruckender Film, der fasnziniert und einen doch den Tränen nahe sein lässt angesichts des globalen Dramas, für das die Menschheit verantwortlich zeichnet aus Profitsucht, Gier und Unwissenheit.

2 Kommentare zu “Planet Ocean / Regie: Yann Arthus-Bertrand ; Michael Pitiot

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