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Babybeschiss : Wie Eltern über den Wickeltisch gezogen werden / Julia Heilmann ; Thomas Lindemann

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„Wohltuend anders und vor allem wohltuend ehrlich UND witzig“ – so urteilte Jargsblog über das erste Buch von Thomas Lindemann und Julia Heilmann (s.a. „Kinderkacke“). Die beiden Autoren, Eltern von mittlerweile zwei Kindern und Betreiber der Internetseite „Babybeschiss.de“, haben nun nachgelegt und beschäftigen sich in ihrem aktuellen Buch mit den Marketingtricks der Industrie, die gezielt die Unsicherheit von Eltern ausnutzt, mit ihren Ängsten und ihrer Sorge um die Zukunft ihres Nachwuchses spielt, um Produkte zu verkaufen, die niemand braucht oder die nicht die überzogenen Versprechungen einhalten, die für sie abgegeben werden.
Da werden scheinseriöse Studien eingesetzt, um für das Einfrieren von Nabelschnurblut viel Geld zu nehmen, und den Eltern ein schlechtes Gewissen gemacht, denn auch ihrem Kind könnte ja angeblich mal mit Stammzellen aus der Nabelschnur geholfen werden. Kinderwagen werden zu technisch aufgerüsteten Lifestyleprodukten, errreichen aber bei der Schadstoffprüfung der Stiftung Warentest bestenfalls ein befriedigend, obwohl sie 800 € kosten. Und während Mama mit dem SUV unter gefährlicher Mißachtung aller Verkehrsregeln ihren Sprössling zum Kindergarten bringt, wird für das Baby natürlich eine mit allerlei Sensoren ausgestattete, vollommen sinnfreie Schlafüberwachungsmatte angeschafft, die auch die Herztöne überwacht und letztlich nur dazu da ist, die Eltern durch Fehlalarme auf Trab zu halten.
Derweil redet die Fleischindustrie Eltern geschickt ein, ihre Produkte schon ab dem 4 Monat zuzufüttern, weil Studien angeblich zeigen, dass ohne „Fleischgläschen“ Mangelerscheinungen zu befürchten sind: natürlich hat die CMA die entsprechende, für Marketingzwecke recht großzügig ausgelegte Studie ganz uneigennützig mitfinanziert. Vermeintlich private Blogs, die von persönlichen Erfahrungen berichten und scheinbar neutral Firmenprodukte und – Dienstleistungen empfehlen, sind bei genauer Betrachtung geschickte, gut getarnte Marktinginstrumente der entsprechenden Firmen. Auch der Förderwahn, dem viele Eltern heute verfallen sind, wird gezielt gesteuert. Und weiterhin ist es im Gegensatz zu anderen Ländern in Deutschland üblich ist, Quengelware direkt an der Kassenzone anzubieten.
Und als wäre das alles nicht genug, scheint vielen der Produkten, die Eltern angedreht werden, auch noch die mangelnde Qualität als Alleinstellungsmerkmal mitgegeben: getreu dem Motto, dass müde, erschöpfte Eltern sich wahrscheinlich eher selten mit Reklamationen rumärgern, bekommen Vater und Mutter so nicht nur Ware angedreht, die man nicht braucht, sondern erleben auch, das sie nicht lange hält und bereits bei normaler Benutzung rasch kaputt geht. Das gilt für Spielzeug, aber auch für andere spezifische Kinderprodukte.
Während es für alles mögliche in Deutschland feste Grenzwerte, Normen und Vorschriften gibt, scheint dies für Kinderprodukte in den seltensten Fällen zu gelten, egal ob es um Sicherheitsaspekte, Nährstoffgehalt, Zusatzstoffe oder gesundheitschädliche Substanzen geht. Da mit Kindern und ihren Eltern viel Geld zu verdienen ist, schafft es die Industrie regelmäßig, sich aus der Verantwortung zu ziehen und den Versuch, Normen und Standards zu setzen, mit guter Lobbyarbeit aufzuweichen.
Heilmanns und Lindemanns Buch zeichnet sich durch Sachkenntnis und Humor gleichermaßen aus – und hilft Eltern, gelassener und distanzierter den Marketingstrategien zu begegnen, denen sie sich permanent ausgesetzt sehen, sinnvolle Dinge von dem vielen Unsinn zu unterscheiden und lieber mehr als einmal kritisch zu fragen: Cui bono? Wem nutzt es wirklich? Dem Kind – oder dem, der daran verdienen will?

Ein Kommentar zu “Babybeschiss : Wie Eltern über den Wickeltisch gezogen werden / Julia Heilmann ; Thomas Lindemann

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