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O’Nan, Stewart: Das Glück der anderen

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USA. Eine Kleinstadt in Wisconsin. kurz nach dem Bürgerkrieg, im heissen Sommer 1880. Der nüchterne, besonnene Bürgerkriegsveteran Jacob Hansen lebt mit seiner geliebten Frau Marta und dem Baby Amelia in der Stadt. Hansen ist Prediger, Sheriff und Bestatter in dem kleinen Kaff und versucht, diese drei Berufe so gewissenhaft wie möglich auszuführen, auch wenn ihre Inhalte sich zum Teil widersprechen und der Prediger nicht unbedingt das Gleiche tun würde wie der Gesetzeshüter oder der Bestatter im gleichen Moment. In diesem heissen Sommer wird er zur Leiche eines Soldaten auf einem Feld gerufen. Als er die Leiche in die Stadt bringt, trifft er die verwirrte Lydia Flynn und nimmt beide – den Toten und Flynn – mit zum Doktor. Doch damit bringt er unwissentlich die Seuche in die Stadt. Obwohl er wegen seiner zunehmenden Erinnerungen an die Schrecken des Bürgerkrieges zu beten begonnen hat, hilft sein Gott ihm nicht und lässt ihn im Grauen allein. Er muss sich entscheiden zwischen seinem privaten Glück und seiner Verantwortung für die Gemeinschaft. Am Ende ist Hansen ohne Schuld, doch die Befreiung vom Schrecken des allgegenwärtigen Todes bleibt aus. Stewart O’Nan ist eine düstere Parabel, in kraftvoller, karger Sprache geschrieben. Der bald atemlose Leser wird unaufhaltsam in den Sog des Buches hineingezogen und die nachgerade apokalyptischen Ereignisse, denen sich Hansen ausgesetzt sieht. Der Kunstgriff, dass Jacob Hansen durchgehend per „Du“ angeredet wird, verstärkt diese Identifikation des Lesers. Ein verstörendes, meisterhaft geschriebenes Buch. Literatur im besten Sinne, wie bisher nach meiner Meinung alles, was Stewart O’Nan geschrieben hat.

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