Hörst du, wie die Bäume sprechen? Eine kleine Entdeckungsreise durch den Wald / Peter Wohlleben (Autor), Stefanie Reich (Illustrator), Dagmar Herrmann (Illustrator)

Spätestens nach der Lektüre von Peter Wohllebens Bestseller „Das geheime Leben der Bäume“ habe ich mich nicht nur eine illustrierte Ausgabe gewünscht (die 2016 als Bildband erschien), sondern auch eine kindgerechte Ausgabe, die Wohllebens faszinierende und ansteckende Leidenschaft für sein Thema altersgerecht aufbereitet. Mit dem vorliegenden Buch liegt Weiterlesen

Der Gesang der Bäume : Die verborgenen Netzwerke der Natur / David G. Haskell

Wenn wir glauben, dass die Natur das Andere ist, ein angeblich reines Gefilde, verleugnen wir unser eigenes wildes Wesen. Doch die gepflasterten Gehwege, die Sprühfarben der Lackierereien oder die Stadtplanungsunterlagen in Denver verdanken sich der hochentwickelten Fähigkeit von Primaten, auf ihre Umwelt einzuwirken und sind darum genauso natürlich wie das Rauschen der Pappeln, der Schrei der jungen Wasseramsel nach Futter oder das Nest der Klippenschwalbe“ (S. 202).

Man kann Bäume wissenschaftlich betrachten, mit Messinstrumenten ausstatten, zählen, wiegen, analysieren, ihre Netzwerke mit anderen Organismen beobachten. Man kann sie in Beziehung zu den Menschen setzen, die sich in der Stadt unter Bäumen treffen, sich auf dem Land um ihr Wohlergehen im Interesse einer guten Ernte kümmern, im Wald unter ihnen Erholung suchen. Man kann sie poetisch und sinnlich betrachten, sich in ihre Wipfel setzen, um den Stadtgeräuschen und dem Klang der Regentropfen zu lauschen und sich im Anblick ihrer Borke oder einer zu verlieren. Und natürlich kann man den grossen Bogen über 400 Millionen Jahre ziehen und die wunderbare Unverzichtbarkeit von Bäumen für unter Öko- und Klimasystem aufzeigen.

Der Biologe David G. Haskell macht all dies – und noch viel mehr. Anhand von zwölf Baumarten – genauer: zwölf einzelnen Bäumen – spürt er nicht nur der Biologie der Bäume nach, sondern verdeutlicht auch ihre Rolle im jeweiligen Ökosystem, die Gefahren, denen sie durch Veränderungen wie Ölförderung, Stadtleben, politischem Streit um Wasser oder Vernachlässigung durch den Menschen ausgesetzt sind. Dabei bleibt Haskell nicht bei kurzer oberflächlicher Beobachtung stehen, sondern sucht etwa eine Pappel in ddggh immer wieder auf zu den unterschiedlichsten Jahreszeiten, verfolgt ihr vom Menschen beeinflusstes Wachstum und das städtische Leben um sie herum. Er spricht mit unterschiedlichsten Menschen und lässt den Weiterlesen

Der Mann, der einen Baum fällte und alles über Holz lernte / Robert Penn

Jeder dieser Gegenstände sprach für sich vom Geschick und Idealismus der Kunsthandwerker und Handwerker, die sie geschaffen hatten. Das Wissen dieser Menachen deutete auf eine Zeit hin, zu der das Verhältnis zwischen Mensch und Natur noch etwas sensibler und enger war. Gemeinsam sprachen die Gegenstände von der langen und kreativen Beziehung zwischen Menschheit und Esche, von einer Übereinkunft, die sich über Jahrtausende hinweg bewährt hatte und von einer Kultur an die andere weitergegeben worden war. Ich hatte eine Esche gefällt und das Beste aus ihrem Holz gemacht. Was könnte einfacher sein? Es war ein tief befriedigendes Unterfangen gewesen, das mich in einer sich ständig verändernden Welt fest an einem Ort verwurzelt hatte. (S. 247).

Der britische Autor und Journalist Robert Penn, einigen vielleicht bereits bekannt durch seinen fahrradleidenschaftlichen Bestseller „Vom Glück auf zwei Rädern“, lebt mit seiner Familie fern großer Städte in einer waldigen Gegend von Wales, hat zwei Hunde und eine Menge Äxte. Seit zehn Jahren lebt er auf dem Land und hat mit der Zeit auch gelernt, den zum Grundstück gehörigen Wald naturnah zu nutzen und wieder zu einer von Lichtungen durchzogenen, artenreichen Oase zu machen. Er lernt die Arbeit im Wald zu schätzen, die seinen Körper auf besondere Art fordert:

Was mich jedoch am meisten und längsten fesselt, ist die körperliche Aufrichtigkeit des Aktes selbst – einen Klumpen Stahl mit achtzig Stundenkilometern durch die Luft zu schwingen und ihn in einem Holzklotz zu versenken. Wenn ich ein großes, knotiges Stück vom unteren Stamm einer Eiche abschlagen will, die Schneide der Axt zurückprallt und nur eine kaum sichtbare Kerbe hinterlässt, flutet der gescheiterte Versuch über den Axtstiel aus Eschenholz in meine Arme bi sind meine Schultern hinein zurück. Dann spüre ich die Kraft eines Baumes, der sich dem Willen unzähliger Stürme widersetzt hat. Durchdringt die Axt andererseits die Oberfläche eines Eschenblocks, fahren die Wangen des Axtkörpers durch die Spalte im Holz wie Wasser, das an Felsen brandet, und fallen zu beiden Seiten des Hackklotzes zwei cremig weiße Holzstücke hinunter – dann wird mein ganzer Körper von dem unvergleichlichen Gefühl erfüllt, etwas vollbracht zu haben. […] Als scheinbare banale Alltagstätigkeit ist das Hacken von Eschenholz einfach unschlagbar. (S. 55-56)

Als er im Laufe der Jahre auch Eschen freischneidet und ihren Wuchs bewundert, erinnert er sich Weiterlesen