Pferde stehlen : Roman / Per Petterson

„Wir waren gleichzeitig draußen und drängten uns eng aneinander, Körper an Körper, durch die schmale Türöffnung, um möglichst vor dem anderen draussen zu sein, und wir bleiben unter dem Dachvorsprung vor der Tür stehen und sahen das Wasser überall um uns herum auf den Boden prasseln. Es war beeidnruckend und fast abschreckend, und einen Augenblick lang standen wir dort und glotzten. Dann holte mein Vater tief und demonstrativ laut Luft und rief:
‚Jetzt oder nie!‘, bevor er mitten auf den Hof rannte und triefnaß, die Arme in der Luft, zu tanzen begann, während im das Wasser auf die Schultern klatschte. Ich lief hinterher in den herabstürzenden Regen und stellte mich dorthin, wo er stand, hüpfte und tanzte und sang Norwegen so rot, weiß und blau, und dann fing auch er an zu singen und im Nullkommanichts war die Seife von unseren Köroern gespült und die Wärme ebenso, und unsere Haut war blank und glänzend, als wären wir zwei Seehunde, und sie war vermutlich ebenso kalt, wenn man sie berührte.“ (S.90-91)

Norwegen. Der 67jährige Trond Sander zieht drei Jahre nach dem Unfalltod seiner Frau und dem Tod seiner Schwester aus der Stadt hinaus aus Land in ein kleines, reparaturbedürftiges Häuschen nahe der schwedischen Grenze, in dem er den Rest seines Lebens verbringen will. Das ruhige, zurückgezogene Leben auf dem Land und die Begegnung mit einem alt gewordenen, ebenfalls die Einsamkeit suchenden Jugendfreund lässt ihn melancholisch an den weit zurückliegenden Weiterlesen

Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry / Rachel Joyce

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Harold Fry ist seit einigen Monaten in Rente. Seine Frau und er haben sich nicht mehr viel zu sagen und leben routniert ihren südenglischen Ehealltag wie seit vielen Jahren. Da erreicht ihn ein Brief seiner ehemaligen Kollegin Queenie Hennessy, die im Norden Schottlands in einem Hospiz im Sterben liegt. Harold schreibt einen knappen, bedauernden Antwortbrief: aus dem Weg zum Briefkasten wird unmerklich der Aufbruch zu einem Weiterlesen

Die Ballade von Trenchmouth Taggart / Glenn Taylor

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Es gibt Geschichten, denen man sich nicht entziehen kann, die einen regelrecht fesseln und dem weiteren Fortgang der Handlung, der Erlebnissen des oder der Protagonisten entgegenfiebern lassen: und nicht selten sind es Geschichten, bei denen man nicht weiss, ob man lachen oder weinen soll.
Der 1903 geborene Trenchmouth Taggart ist 108 Jahre alt und beginnt seine Geschichte zu erzählen: er ist ein Aussenseiter, der mit zwei Monaten in den Fluss fiel und von der Witwe Dorsett aufgezogen, geschlagen mit extremer Weiterlesen

Sehnsucht nach Elena / Joel Haahtela

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Nehmen Sie sich Zeit für dieses Buch in einer störungsfreien, ruhigen Atmosphäre, denn wie bereits bei „Der Schmetterlingssammler“ gibt es neben dem sprachlichen Genuss etwas zu entdecken. Der namenlose Erzähler in „Sehnsucht nach Elena“, von dem wir wenig mehr wissen als dass er viel Zeit zu haben scheint, sitzt jeden Morgen auf einer Bank im Park, um eine junge Frau auf dem Weg zur Arbeit an sich vorbeigehen zu sehen. Er stellt sich vor, dass er aufsteht, sie anspricht – und tut es doch nie. Er kennt nur ihren Namen – und weiss doch, dass ihr Gesicht die Welt für ihn „zu einem besseren Ort macht“. Die Zuneigung zu Elena wächst mit jedem Tag … bis sie eines Tages Weiterlesen