2:33 / Philipp Dittberner

Das ist dein Leben, das ist wie du lebst.
Warum du liebst und lachst und dich selbst nicht so verstehst.
Warum du dir wieder so fremd bist, in einer doch so hellen Zeit.
Warum du den wieder vermisst, der dich sicher nicht befreit.
Ja genau, das ist dein Leben; das ist wie du lebst.
Warum wir manchmal fliegen; nichtmal wissen wie es geht.
Und wir immer wieder aufstehen und anfangen zu gehen.
Ja genau, das ist dein Leben und du wirst es nie verstehen.

(Aus: Philipp Dittberner, „Das ist Dein Leben“)

Ein ganzes Album voller Lieder über Liebe und Trennung, Sehnsucht und Schmerz. Das kann ganz fürchterlich in die Hose gehen und die Ohrschnittstelle drastisch mit Schmalz überlasten. Das kann aber auch so wunderbar werden wie das Debütalbum von Philipp Dittberner: fein arrangierte, zum Teil sehr Weiterlesen

Keine Gefahr / Dota Kehr

Ich melde mich ab / Ich will einen Pass, wo Erdenbewohner drin steht / Einfach nur Erdenbewohner / Sag mir bitte wohin man da geht
Zitat aus: „Grenzen“

Nach dem wunderbaren, eher zurückhaltend instrumentierten Wo soll ich suchen“ legt Dota Kehr mit ihrer Band ein neues Album vor, dass sich am Puls der Zeit bewegt und zugleich aus ihr herausfällt. Erneut stellt sie unter Beweis, dass Singer/Songwriter-Pop auch in Deutschland eindrucksvolle Weiterlesen

Flüssiges Glück / Enno Bunger

Wieder einmal gilt es hier Musik vorzustellen, die unverzeihlicherweise bisher komplett an meinem Ohr vorbeigegangen ist. Trotzdem der Künstler, den es hier zu würdigen gilt, seinen Lebensmittelpunkt derzeit in meiner Heimatstadt Hamburg hat.

Nun könnte man mir natürlich daraus den Vorwurf machen, aufgrund sentimentaler Verblendung das aktuelle Album „Flüssiges Glück“ hier – wie bereits jetzt anzukündigen ist, in höchsten Tönen zu loben: schliesslich findet sich auf dem Album eine etwa zehnminütige melancholische Liebeserklärung an Weiterlesen

Wo soll ich suchen / Dota und die Stadtpiraten

Und bei Gewitter geh ich nicht baden.
Und bei Sturm schwimm ich nicht zu weit raus.
Und meide die Eichen und finde
den anderen unter den Gleichen.

Wo soll ich dich suchen? Wo soll ich dich suchen?

Da wo die feinen Bläschen aufsteigen?
Da wo die Vögel plötzlich aufgeflogen sind?
Da wo die Weiden sich übers Wasser neigen?
In den Wellentälern bei Wind?
Da wo der Wald am allertiefsten ist am Steilhang?
Beim südlichen Weg zu der Burg?
Am Himmelsstrand auf meinem Badetuch im warmen Gras?

Wo soll ich dich suchen?

Es gibt sie zum Glück immer wieder: Musik, die man fast beiläufig entdeckt in der ganzen Fülle dessen, was es heute so an Musik gibt, sich zunächst ohne große Erwartungen anhört, um dann überrascht innezuhalten und nach dem ersten Durchgang noch einmal genauer hinzuhören, Details zu entdecken, tiefer zu geniessen und sich zu freuen, dass man ganz offensichtlich auf eine musikalische Perle gestoßen ist – vielleicht gar eine, in denen ein feines lyrisches Ich durch sorgfältig gemachte Texte schimmert und einen nahezu direkt anzusprechen scheint. Wenn mir das passiert, neige ich ja bekanntermaßen zu akustischen Exzessen und das entsprechende Album wird zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit über die Ohrschnittstelle konsumiert.

So ging es mir auch mit dem Album „Wo soll ich suchen“ von Weiterlesen

Zwischen den Runden / Kettcar

Und du spürst es, es wir nichts mehr werden,
du fühlst es, wie tausende Scherben,
und siehst, wie der große Plan zerfällt.
Kommt zusammen, nach schlaflosen Nächten,
kommt zusammen, nach letzten Gefechten,
im allergrößten Club der Welt.

(Im Club / Kettcar. Zitiert nach: songtexte: http://www.songtextemania.com/im_club_songtext_kettcar.html)

Die 2001 gegründete Band Kettcar aus Hamburg ist aus unerfindlichen Gründen bisher komplett an mir vorbeigegangen: mit „Zwischen den Runden“ legten sie 2012 ihr viertes Album vor, dass ich mir vor Kurzem auf den MP3-Player lud, bevor ich zum Joggen aufbrach. Seitdem habe ich das Album mehrfach gehört und bin jedes Mal erneut begeistert und beglückt zugleich über diese für mich neue musikalische Entdeckung, die nicht nur das „musikalische“, sondern auch das „lyrische Ich“ anzusprechen vermag
Auf „Zwischen den Runden“ stellen sich Texte und Melodien trotzig und mit subkutaner Weiterlesen

Wie schön wir waren / William Wahl

Im Sommerurlaub in Angeln lief diese CD auf Permanent-Repeat im Auto-CD-Spieler – nur leider versäumte ich bisher, sie auf Jargsblog zu rezensieren. Das soll nun unbedingt nachgeholt werden, denn William Wahl, Mitbegründer der A-Capella-Band Basta, hat für mich mit „Wie schön wir waren“ eines der schönsten und lyrischsten Musikalben deutscher Sprache in diesem Jahr vorgelegt.
Die auf diesem Album versammelten, überwiegend Weiterlesen

Wartesaal / Bosse

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„Ich schau Dich an, wenn du da sitzt / Jeden Tag von 9 bis 10 / du siehst aus, als würdest Du auf irgendjemand warten / Bis du dann aufstehst und alleine gehst / und du stützt deinen Kopf / wenn er wieder zu voll ist / und ich stütz meinen Kopf / wenn er wieder zu voll ist …“

Melancholisch startet so dieses Album mit dem titelgebenden Weiterlesen

Melancholie & Gesellschaft / PeterLicht

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Gesellschaftskritik im Lied kann ja ganz schön nervend sein, oberlehrerhaft und ätzend. Nicht so bei PeterLicht, dem seit 2001 unter diesem Namen bekannten Kölner, der immerhin Träger des vornehmlich in Literaturkreisen bekannten Ingeborg-Bachmann-Preises ist: mit „Melancholie & Gesellschaft“ hat der Musiker und Dichter, von dem keinerlei Fotos bekannt sind, nun erstmals ein Album mit einer kompletten Band aufgenommen. Und das sind nun wirklich wunderbare, akkurate Wort- und Satzkonstruktionen mit feinem Wortwitz, die hier aus der deutschen Sprache gewoben werden, unterlegt mit Weiterlesen

Die Mathematik der Anna Depenbusch / Anna Depenbusch

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Eigentlich sollte das eine ganz intime Platte werden: Anna Depenbusch mit Klavier. Sonst nichts. Was daraus geworden ist, ist schwer auf eine Formel zu bringen: aber da ist jetzt ein ganzes Orchester dabei und ein Haufen extravaganter Instrumente und Geräusche. Aber es irrt, wer hier einen wilden Stilmix ohne roten Faden erwartet: „Die Mathematik der Anna Depenbusch“ überzeugt vor allem durch Weiterlesen

No. 1 Hits / Erdmöbel

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Ich neige ja beim Musikhören zugegebener Weise zu Extremismus. Das war bei den Kings of Convenience so, die mir mehrere Wochen nicht aus den Ohren gingen, auch wenn ich die Kopfhörer nicht aufhatte. Und das wird bei Erdmöbel so sein. Nachdem ich die Band mit „Krokus“ in den letzten Tagen für mich entdeckt habe, musste natürlich nach-erdmöbliert werden, da die Neugier auf bisherige Alben der Band mit jedem gehörten Ton stieg. Und da kamen mir die „No. 1 Hits“ entgegen. Nun ist ja oft nichts schlimmer, als bereits hinlänglich bekannte Lieder zu covern. Aber was Erdmöbel aus den Chartstürmern vergangener Jahre in deutscher Übersetzung und Nachinterpretation macht, ist Weiterlesen

Krokus / Erdmöbel

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Erdmöbel sind leider bisher komplett an mir vorbeigegangen. Mit „Krokus“ habe ich heute auf der in der Morgenfrühe begonnenen Zugfahrt zum Samstagsdienst die 1995 in Münster gegründete Band für mich entdeckt und bin sehr positiv überrascht: hier gibt es ausgesprochen kreativ Weiterlesen