Cautionary Tale / Dylan LeBlanc

Leider braucht es ja manchmal ein paar Alben, bis man auch hierzulande auf bemerkenswerte, außerhalb des Mainstreams musizierende Musiker aus Übersee aufmerksam wird. So auch bei Dylan LeBlanc, den ich erst mit seinem dritten, hier vorgestellten Album für mich entdecke. LeBlanc, 1990 geboren in Shreveport, Louisiana, wuchs dort und in Muscle Alabama auf. Er kam bereits früh über seinen Vater, zu dem er mit zehn Jahren zog, mit Musik in Berührung und begann im Alter von 15, selbst Songs zu schreiben und aufzutreten. Über verschiedene Bands aus den Bereichen Rock und Punk Rock gelangte er zu den Alabama Shakers, bei denen er heute noch spielt.

Sein erstes Album „Paupers Field“ erschien 2010 und er spielte als Opener für Künstler wie Laura Marling, Lucinda Williams und andere zu spielen. Mit „Cautionary Tale“ legt er ein bemerkenswertes drittes Album vor, in dem er Weiterlesen

To The North / Kari Rueslåtten

„Mich interessiert es, den Hörer mit Emotionen auszustatten und ihm mentale Ruhezonen anzubieten, in denen er die Augen schließen und sich an einen anderen Ort begeben kann. Ich mag Musik, die Bilder im Kopf heraufbeschwört und diese neuen Geschichten und neuen Welten werden mein Zuhause. Die Landschaften des Nordens.“ (Kari Rueslåtten, zitiert nach JPC)

Die 1973 geborene Sängerin Kari Rueslåtten wurde 1993 mit der Metal-Band The 3rd and the Mortal bekannt, die heute als stilbildend für den Frauengesang im Gothic Metal gelten. Nach diesem kurzen Ausflug in die härteren gesanglichen Gefilde zog es sie bald mehr in den Bereich Folk mund Pop, gefolgt von einer fast zehnjährigen Pause.

Nach dem 2014-Album „Time To Tell“ legt sie Weiterlesen

Epitaph / Moriarty

Natürlich ist es mal wieder peinlich. Da existiert eine Band seit mehr als zwanzig Jahren und ich entdecke sie erst jetzt. Andererseits habe ich vor zwanzig Jahren auch deutlich andere Musik gehört, so dass es wohl verzeihlich sein mag, wenn ich Moriarty erst jetzt entdecke. Nach dieser Entdeckung hoffe ich aber nun in Anbetracht des aktuellen Albumtitels „Epitaph“ (Grabesinschrift) natürlich, dass der Albumtitel nicht wörtlich gemeint ist und man weitere Musik dieser multikulturellen franco-amerikanischen Band mit ihrem breiten instrumentalen und musikalischen Spektrum erwarten darf.

Begründen lässt sich diese Hoffnung allein schon aufgrund der Qualität dieses Albums: „Epitaph“ erwischt einen faktisch von der ersten Note an. Die Multiinstrumentalisten um Sängerin Rosemary Standley, die sich nach einer Romanfigur aus Jack Kerouacs „Unterwegs“ zum Bandnamen inspirieren liessen, fesseln einen bereits vom ersten Song an. Ein Album voller Weiterlesen

Didn’t He Ramble / Glen Hansard

Bisher kannte ich Glen Hansard nur als Hauptdarsteller aus „Once“ von John Carney – und ich wusste, dass er Musik zu „Can A Song Save Your Live“ beigetragen hatte. Mit „Didn’t He Ramble“ legt der Sänger von The Frames sein zweites Soloalbum vor. Wer je gelaubt hat, es gäbe mittlerweile genug Singer und Songwriter, wer denkt, da gäbe es nichts Neues, Besonderes mehr – der hat sich getäuscht. Hansard bezaubert mit einem ganz eigenen Klang.

Seine stark akustisch geprägte Musik ist ebenso Weiterlesen

Flüssiges Glück / Enno Bunger

Wieder einmal gilt es hier Musik vorzustellen, die unverzeihlicherweise bisher komplett an meinem Ohr vorbeigegangen ist. Trotzdem der Künstler, den es hier zu würdigen gilt, seinen Lebensmittelpunkt derzeit in meiner Heimatstadt Hamburg hat.

Nun könnte man mir natürlich daraus den Vorwurf machen, aufgrund sentimentaler Verblendung das aktuelle Album „Flüssiges Glück“ hier – wie bereits jetzt anzukündigen ist, in höchsten Tönen zu loben: schliesslich findet sich auf dem Album eine etwa zehnminütige melancholische Liebeserklärung an Weiterlesen

Angus & Julia Stone / Angus Stone ; Julia Stone

If I ever, ever did stray
Would you come back
Come back to me?
But you can’t follow a dog home
No you can’t call a dog home
If you don’t know his name

Just as long as you gon‘ get home
You get home
Just as long as you gon‘ get home
You get home

(Aus dem Lied: Get Home)

In Australien sind die Geschwister Angus & Julia Stone bereits recht bekannt. Bereits 2011 gingen sie auf Europatournee, unterliefen aber sträflicherweise mein damals von anderen Dingen okkupiertes musikalisches Radar. Bis jetzt.

Mit „Angus & Julia Stone“ legen sie ihr mittlerweile sechstes Album vor und trafen mich mit dem Zauber Weiterlesen

Goodnight / William Fitzsimmons

Kennen Sie das? Sie hören Musik. Eher nebenbei, denn Sie sind mit etwas anderem beschäftigt. Doch die Musik, eigentlich sehr zurückhaltend, gerät in den Fokus Ihrer Aufmerksamkeit. Etwas daran ist besonders, obwohl die Musik eher zurückhaltend, ja zart ist – vielleicht eine Klangfarbe, ein wiederkehrender Akkord. Dann lauschen Sie genauer, Ihre Beschäftigung unterbrechend, und merken, dass auch der Weiterlesen

Babel / Mumford & Sons

Als vor einigen Jahren mit „Sigh No More“ das erste Album von Mumford & Sons erschien, hatte ich es für einige Wochen gewissermaßen auf Dauerrepeat im Mp§-Player und im inneren Songgedächtnis. Der Folk-Pop von Mumford & Sons aus Großbritannien spielte sich damals in die Herzen vieler überraschter Zuhörer – auch jenen, die bei Folk bisher eher an Holzfällermusik oder banjospielende Althippies dachten. Schon „Little Lion Man als erste Singleauskopllung erwies sich damals als einer jener Ohrwürmer, die man gerne im Ohr wohnen lässt, auch wenn gerade mal keine Kopfhörer oder Lautsprecher die Schnittsteller zur Musik bilden.
Mit Babel haben Mumford & Sons im September 2012 ihr mit Spannung erwartetes zweites Album vorgelegt und Weiterlesen

Election special / Ry Cooder

Wenn Künstler bei anstehenden Wahlen Position beziehen, muss die gute Absicht nicht zwingend zu guter Kunst führen. Aber natürlich gibt es auch Beispiele, wo das politische Bekenntnis eines Künstlers trotzdem ein gutes ergebnis zeitigen kann.
So auch bei Ry Cooder: der amerikanische Gitarrist und Songwriter, bekannt für seine musikalische Virtuosität und die Zusammenarbeit mit traditionellen Musikern in der USA und in anderen Ländern, hat zur US-Wahl 2012 ein klares Bekenntnis zu Obama und zu den Demokraten in Form des Albums „Election days“ vorgelegt. Schon der „Mutt Romney Blues“ reisst einen mit dem unverwechselbaren Klang von Cooders Weiterlesen

Lieder von Liebe und Tod / Bobo

Ein Album mit deutschen Volksliedern und vertonten klassischen und romantischen Gedichten weckt nicht unebdingt hohe Erwartungen: viele Volkslieder kennt man in den unterschiedlichsten klassischen Interpretationen. Auch das vertonte Gedicht lässt einen zunächst eher an die klassisch-strenge, von zumeist zeitgenössischer Musik inspirierte und umspielte Variante denken.
Bobo (In White Wooden Houses) alias Christiane Bobolina Hebold, der ausgewiesene Theatermusiker Sebastian Herzfeld (präpariertes Klavier) und Annette Kaftan (Saxophon und Bassklarinette) wagen mit „Lieder von Liebe und Tod“ eine Neuinterpreation, die gekennzeichnet ist von extrem Weiterlesen

La Grande / Laura Gibson


La Grande ist eine Stadt in Orgegon, USA, an der man „normalerweise vorbeifährt“. Für die Singer-/Songwriterin Laura Gibson, die dem Alternative Country zuzuordnen ist und deren Musik starke Einflüsse aus Delta Blues, Jazz und Appalachian Folk anzumerken sind, ist dort aber eine eigenartige Energie zu spüren, weshalb sie ihrem aktuellen Album den Namen dieser Stadt gab.
Beginnend mit der wundervollen titelgebenden Hymne, fährt sie fort mit dem ausgesprochen soulig-zärtlichen „Milk-Heavy, Pollen-Eyed“, nach dessen akustischem Genuss der Hörer dem Album nicht mehr entrinnen kann. Die fragile, vom Weiterlesen

You can’t teach an old dog new tricks / Seasick Steve

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Nein, einem alten Hund kann man keine neuen Tricks beibringen. Oder doch? Jedenfalls ist man ersten Lied „Treasures“ schon erstaunt, wie der zart der spät vor allem durch selbstgebaute, knarzende Gitarren und mit rauher Stimme vorgetragene Songs bekannt gewordene Musiker Seasick Steve alias Steve Wold singen kann, sanft die Gitarre zupfend und nur sacht von Geige begleitet. Bei „You can’t teach an old dog new tricks“ geht es dann mit rohen Sounds wie gewohnt zur Sache, wenn auch folkiger als gewohnt und unerhört kraftvoll, was auch an der Begleitung von Basslegende Weiterlesen

Unvollkommen / Maike Rosa Vogel


„Und hier bin ich und will so viel geben / Und hier bin ich und glaube an ein wunderschönes Leben / Und daran, dass in den allerschwersten Zeiten das Gefühl zu teilen / Einen überleben lässt / Und egal was sie sagen, das werd ich niemals verneinen“ („Faule Menschen“).
Gitarre, Klavier, hin und wieder etwas Perkussion und dazu diese glockenhelle, glasklare Stimme: Maike Rosa Vogels neues Album begeistert damit, Alltägliches treffend und humorvoll-beiläufig mit schönen, ungekünstelten Weiterlesen

Paper Airplane / Alison Krauss & Union Station

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Alison Krauss, die amerikanische Sängerin, Songwriterin und Violinistin, hat der Bluegrass-Countrymusik ja schon in den 90er Jahren neue Frische verliehen und mit eigenen Alben, aber auch musikalischen Beiträgen zu Filmen wie „Cold Mountain“ und „O brother where art thou“ für Aufmerksamkeit gesorgt. Nach sieben Jahren hat sie jetzt zusammen mit Union Station ihr vierzehntes Album vorgelegt: perfekt arrangierte, anspruchsvoll getextete Songs, farbig, authentisch und Weiterlesen

Pilgrim / Fjarill

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Da müssen sich manchmal zwei begegnen, und schon wird etwas Neues, Wunderbares daraus. Fjarill (schwedisch für „Schmetterling), bestehend aus der schwedischen Sängerin und Pianistin Aino und der Geigerin Hanmari aus Südafrika, sind sich in Hamburg begegnet und haben bereits mit ihrem ersten Album „Stark“ einen wunderbaren Beweis ihrer Kreativität und ihres musikalischen Mutes vorgelegt. Mit „Pilgrim“ haben sie 2008 nochmal nachgelegt und vereinen wiederum Elemente aus Weiterlesen

Threadbare / Port O’Brien

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So kann es gehen: der Freund (Van Pierszalowski) arbeitet 100 Tage im Jahr in Alaska: ein Knochenjob an Bord eines grossen Lachsfängers, 20 Stunden am Tag gegen gutes Geld. Irgendwann beschliesst die Freundin (Cambria Goodwin) aus Kalifornien, für die 100 Tage auch nach Alaska zu gehen und verdient ihr Geld in einer Konservenfarbrik. Und den Rest des Jahres leben sie von dem verdienten Geld. Und beginnen, in der vielen freien Zeit Folksongs zu machen. Gründen eine Band namens Port O’Brien. Und haben Erfolg.
Threadbare ist das zweite Album von Port O’Brien – von der Musik und der bevorzugten Lebensart her erinnern Van Pierszalowski und Cambria Goodwin an die Weiterlesen

Nathalie Merchant: Leave your sleep

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Selbst komponierte Schlafliedern für ihre kleine Tochter standen am Anfang dieses Albums. Doch was anfangs als Sammlung von Wiegen- und Kinderliedern begonnen wurde, ist nach fünf Jahren ein grosses Projekt geworden, an dem weit über 100 Musiker beteiligt waren. Und das nur, weil Natalie Merchants Tochter fragte, was passiert, wenn Menschen Weiterlesen

Seasick Steve: Man from another time

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Jetzt ist Seasick Steve nach dem Sprung über den großen Teich und dem Erfolg seines zweiten Albums in Großbritannien endlich auch der Sprung mach Deutschland gelungen. Mit „Man from another time“ erlangte er erstmals größere Aufmerksamkeit Weiterlesen

Winston, Charlie: Hobo

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Charlie Winstons musikalische Karriere wurde ab 2006 durch Peter Gabriel entscheidend befördert. Winston, aus einer musikalischen Familie stammend, legt mit „Hobo“ seine zweite Platte nach „Make Way“ vor, dass trotz seiner mitreissenden Weiterlesen

White, Simone: Yakiimo

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„Yakiimo“ steht im Japanischen für „gegrillte Süsskartoffel“. Was kulinarisch recht schmackthat klingt, trifft in akkustischer Hinsicht auf das hörenswerte Album gleichen Namens zu: Simone Whites zweites Album ist zwar von Country und Folk beeinflusst, entfaltet aber mit einer reduzierten, zurückhaltenden Instrumentierung – Geige, Bass und die von White gespielte Gitarre – einen ganz eigenen Weiterlesen

Kings of Convenience: Declaration of Dependence

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Norwegen muss ein besonderes Klima haben, oder warum wachsen da so viele interessante und gute Musiker. Auch die seit 2001 existierenden Kings of Convenience kommen aus diesem Land, und was die beiden 1975 geborenen Musiker Øye und Bøe machen, ist wirklich hörenswert. Die Musik auf „Declaration of Independence erinnert stark an die erste Zeit von Weiterlesen

Bowerbirds: Hymns for a dark horse

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Wenn man weiss, dass die Bandmitglieder Phil Moore, Beth Tacular und Mark Paulson lange in einem Caravan in den Wäldern und mittlerweile in einer selbstgebauten Blockhütte leben, wird einem klar, warum das Album so nach Lagerfeuer und Landleben klingt. Trotzdem vermeiden die Bowerbirds alle Weiterlesen

Spiro: Lightbox

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Spiro war mir leider in den vergangenen 16 Jahren nicht begegnet, aber es ist ja nie zu spät: das dritte Album erreichte jetzt meine begeisterten Ohren. Streicher, Mandoline, Akkordeon, Gitarre – mehr braucht es für die vier Musiker aus Bristol nicht, um Weiterlesen

Cooder, Ry: Anthology – The Ufo has landed

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Seit über dreissig Jahren ist Ry Cooder, vom Blues her kommend, dabei und begeistert mit der Virtuosität und Verwandlungsfähigkeit seiner Musik, die sich aus vielen Einflüssen speist. Seine Werke haben über die Jahre eine Unmenge von Stilen aufgenommen – vom Vaudeville über Weiterlesen