Süskind, Patrick: Die Taube

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„Ich hoffe aber, eines Tages ein Zimmer zu finden, das so klein ist und mich so eng umschließt, dass es sich beim Verlassen selbst mitnimmt“ (aus: Patrick Süskind, Die Taube). Jonathan Noel will ein ereignisloses Leben: die Deportation seiner Eltern in ein Konzentrationslager und die gescheiterte Ehe waren für ihn drastische Erlebnisse genug. In Paris findet er eine Arbeit als Wachmann einer Bank und beginnt, ein karges, ihm ein verlässliches Zuhause bietendes Zimmer abzubezahlen. Sein Tagesablauf ist routiniert, pünktlich, immer gleich in seinen Abläufen und einsam.

Doch eines Morgens, kurz vor der letzten Rate für die Wohnung, geschieht etwas Unerwartetes, Unerhörtes: eine Weiterlesen

Parks, Tim: Träume von Flüssen und Meeren

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John James erfährt durch Helen, seine Mutter, vom Tod seines Vaters, Albert. Er fliegt nach Indien zur Bestattung des berühmten Sozialanthropologen, der sein Leben der Erforschung des sozialen Miteinanders im Zeichen der Globalisierung verschrieben hat, ohne je eine Synthese seiner Forschung zu formulieren. Indien befremdet den erfolgsorientierten, verzogenen John, und während seine Mutter sich ihm entzieht und in ihre ehrenamtliche Tätigkeit als Ärztin flüchtet, beginnt er sich zu Weiterlesen

McCarthy, Cormac: Die Strasse

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Vater und Sohn kämpfen sich durch ein vor Jahren verwüstetes Amerika, durch zerstörte Städte und Landschaften, Kälte und Asche, ohne Tiere und Pflanzen. Nichts besitzen sie mehr ausser ihrer Kleidung, einem Einkaufswagen mit der nötigsten Habe und einer Pistole mit zwei Kugeln, um notfalls ihrem Leid ein Ende setzen zu können. Ihre größte Sorge gilt der Beschaffung von Essen und den anderen Überlebenden, die dieses Problem dadurch lösen, dass sie Weiterlesen

Buten, Howard: Burt oder als ich fünf war, bin ich mich umgebracht

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Burton Rembrandt, genannt Burt, ein Junge kurz vor der Pubertät, kommt in ein Heim für verhaltensgestörte Kinder, weil er „etwas“ mit Jessica gemacht haben soll. Der Roman, wechselnd zwischen der Perspektive des Kindes und der weitgehend verständnislosen Sicht der Erwachsenen, erzählt seine Geschichte – er hat sich in Jessica aus der anderen Schulklasse verliebt und sieht sich von seinen Gefühlen schier überwältigt. Seine Eltern reagieren verstört, als Jessica und er von Jessicas Mutter Weiterlesen

Vielleicht lieber morgen : [Das also ist mein Leben] ; Stephen Chbosky

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Der 15jährige Charlie schreibt Briefe an eine nicht näher benannte Person und berichtet tagebuchartig darin von seinen Erlebnissen, Gefühlen und Ängsten als Teenager, der erwachsen wird. Charlie hört Nirvana, liebt Kühlschrankpoesie und seine Freundin Sam, an die er nicht „so“ denken soll. Er schätzt seinen Englischlehrer, der ihm Bücher empfiehlt, und liest viel (Salingers „Der Fänger im Roggen“, Kerouacs „Unterwegs“), trinkt manchmal zuviel, entschuldigt sich ständig und immer und wird oft als seltsamer , etwas verschrobener Weiterlesen

Suter, Martin: Der letzte Weynfeldt

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Adrian Weynfeldt, gutsituierter Junggeselle, Kunstexperte und Sammler, lebt mitten in der Stadt allein in einer mehr als großzügigen Wohnung. Freunde hat er nicht, lediglich einen Kreis jüngerer, hauptsächlich an seinem Geld interessierter Bewunderer. Liebe gibt es für ihn nicht mehr, bis eine junge Frau ihn überredet, sie mit zu sich nach Haus zu nehmen. Doch am nächsten Morgen droht die Frau, sich umzubringen – Weynfeldt verhindert dies und scheint ab jetzt unabdingbar für das Leben der Weiterlesen

Melville, Hermann: Bartleby der Schreiber

Ein Rechtsanwalt, dessen Büro unweit der Wallstreet in lichtlosen, hausumstellten Räumen liegt, nimmt eines Tages den Schreiber Bartleby in seine Dienste. Bartleby verrichtet seine Arbeit, die im Kopieren von Verträgen besteht, still und klaglos. Andere Arbeiten lehnt er jedoch stets zur Überraschung und zum Ärgernis seines Dienstherrn beharrlich mit den Worten „Ich möchte lieber nicht“ (Engl.: „I would prefer not to“). Schliesslich lehnt er jede Arbeit ab, wohnt aber Weiterlesen

Brussig, Thomas: Helden wie wir

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Klaus Uhltzscht, 21 Jahre alt, Einzelkind, behauptet von sich, er allein hätte die Berliner Mauer zu Fall gebracht – und zwar mit seinem „Gemächte“ höchstselbst. Einem amerikanischen Journalisten berichtet er in den folgenden Kapiteln von seinem Leben und Erwachsenwerden im real existierenden Sozialismus, von seiner überfürsorglichen Mutter und seinem ewig schlecht gelaunten, muffligen Vater, der offensichtlich für die Stasi arbeitet. Klaus fühlt sich, obwohl intelligent, minderwertig, sieht sich als Versager und Außenseiter – und beschäftigt sich in seinen Teenagerjahren wie die meisten seines Geschlechtes vor allem mit seiner Sexualität und im Speziellen der Angst, „ER“ könnte zu klein sein. Er flüchtet in den Traum, eines Tages berühmt zu sein, und wünscht sich nichts sehnlicher, als Weiterlesen

Pehnt, Annette: Insel 34

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Eine Studentin hegt seit Kindertagen eine Leidenschaft für die letzte von 34 namenlosen, durchnummerierten Inseln vor ihrer heimatlichen Küste: die Insel wurde noch nie betreten, doch die Erzählerin fühlt sich auf geheimnisvolle Art von ihr angezogen. Sie bricht „bei Nacht und Nebel“ auf, um ihren Sehnsuchtsort zu erreichen. Dabei begegnet auf den Inseln Stätten des Weiterlesen

Suter, Martin: Lila, Lila : Roman

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Der Kellner David ist unglücklich verliebt in die Schaufensterdekorateurin Marie. Doch die beachtet ihn nicht. Da findet David bei einem Trödler einen alten Nachttisch, in dessen verklemmter Schublade er das vergilbte Manuskript eines Romans findet, der von einer unglücklichen Liebe handelt. Marie entdeckt das Manuskript, hält David für den Autor und bietet es ohne sein Wissen einem Verlag an. Der Roman wird zum Weiterlesen

Paasilinna, Arto: Der wunderbare Massenselbstmord

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Direktor Olli Rellonen, gescheiterter Unternehmen, hat genug und will sich am Johannistag in einer alten Scheune erschiessen. Als er sie betritt, stört er Oberst Kempainnen, der sich gerade erschiessen will, und rettet ihm das Leben. Die Männer schliessen als Schicksalsgenossen Freundschaft, beschliessen, gleichgesinnte Lebensmüde zu suchen und geben eine Anzeige auf unter dem Kennwort „Gemeinsamer Versuch“. In kurzer Zeit melden sich Weiterlesen

Numminen, Mauri Antero: Tango ist meine Leidenschaft

Wer bisher nicht wusste, dass in Finnland der Tango mindestens ebenso beliebt ist wie in Argentinien, ja dem finnische Tango ein ganz eigenen Rhythmus, ein eigenes Tempo eigen ist, wird nach diesem Roman um einiges schlauer sein.

Numminens Roman, gewürzt mit Essays über die finnische Tangokultur, dreht sich um Virtanen, der gerade 35 geworden ist, neben dem Tangotanzen Platon über alles verehrt und deshalb schon mit 15 Jahen beschlossen hat, diesen zu besiegen: da Platon dem Mann empfiehlt, sich erst mit 35 auch körperlich der Frau zuzuwenden, will Virtanen noch ein weiteres Jahr unberührt bleiben.

Das Problem: Virtanen liebt auch den Tango, und er tanzt ihn mit derart viel Leidenschaft und Können, dass er Weiterlesen

Winter, Leon de: Hoffmanns Hunger

Prag. Eine Nacht im Juni 1989. Der überfettete Amerikaner Freddy Mancini liegt schlaflos und hungrig in einem Prager Hotelbett neben seiner Frau, die ihn aus Diätgründen zu einer Europareise überredet hat. Er macht sich auf die Suche nach einem Restaurant und beobachtet, wie ein Mitreisender Weiterlesen

Larsen, Reif: Die Karte meiner Träume

Durch seine Übergrösse und die grafische Gestaltung des Buchumschlages fiel mir während einer kurzen Städtereise Larsens „Die Karte meiner Träume“ in den Auslagen des Buchhandels auf: als ich es aufschlug, wurde mir schnell klar warum, und die Neugier auf das Buch stieg – vielleicht auch, weil ich selbst gerade auf Reisen war und mich beim Reisen manchmal gedanklich über eine Landkarte bewege.

Es geht um den zwölfjährigen T.S. Spivet, ein untypisches Farmerskind, Sohn einer Käferforscherin und eines knorzigen Ranchers, der in Butte, Montana aufwächst. Seine Neugier gilt der Wissenschaft, und seine Leidenschaft und seine Begabung ist das Zeichnen von Karten und Diagrammen, in denen er seine Erlebnisse und seine Ängste ebenso dokumentiert wie Weiterlesen

Ransmayr, Christoph: Die letzte Welt


In Ransmayrs 1988 veröffentlichtem Roman vermischen sich die Zeitebenen der Gegenwart mit der Vergangenheit, genauer der Antike zu Zeiten des klassischen, für seine Metamorphosen bekannten Dichters Ovid. Cotta verehrt Ovid und reist aufgrund eines Gerüchtes in das winterliche Tomi am Schwarzen Meer, da Ovid sich dort im Exil aufhalten soll. Doch er begegnet nicht dem Dichter, sondern einem Weiterlesen

Lanchester, John: Die Lust und ihr Preis : Aufzeichnungen eines reisenden Gentleman

Wer wie John Lanchester als Restaurantester und – kritiker gearbeitet hat, mag prädestiniert sein für ein Buch, das sich zunächst wie eine Erzählung des mittelalten, feingeistigen Gourmets und Snobs Tarquin Winot über seine kulinarischen und kulturellen Entdeckungen in Frankreich liest. Im Laufe seiner Reise beschreibt Winot nicht nur seine gastronomischen Erfahrungen und lukullischen Genüsse, sondern lässt grosszügig, aber auch ein wenig arrogant sein Wissen, seine Erfahrungen und seine Betrachtungen über Kunst, Ketchup, Kultur, gute und schlechte Fischsuppen und andere gehobene gastrosophische und bildungsbürgerliche Erkenntnisse einfliessen. Und doch schleicht sich beim Leser bei so manchem Nebensatz das Gefühl ein, dass hier zwischen den Zeilen noch ganz andere Wahrheiten lauern. Der Leser beginnt sich zu wundern, warum Weiterlesen

McEwan, Ian: Schwarze Hunde

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Mit dem Anfang der 80er auf Deutsch veröffentlichten „Zementgarten“ wurde Ian McEwan auch hierzulande einem grösseren Leserkreis bekannt. In „Schwarze Hunde“ geht es um June und Bernard, ein junges, idealistisches und verliebtes englisches Paar, dass kurz nach dem zweiten Weltkrieg seine Hochzeitreise in Frankreich verbringt. Doch das Glück ist nur von kurzer Dauer: im Languedoc wirft die Begegnung mit zwei bedrohlichen schwarzen Hunden aus der Bahn und lässt sie ihren Glauben an das Gute verlieren. Der nüchterne Bernard kann ihre Aufgefühltheit nicht nachvollziehen. Es beginnt sich Weiterlesen

Olmstead, Robert: Amerika landeinwärts

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Ein Mann, eine Frau, eine Harley. Raymond Redfield hat sein Studium abgebrochen und fährt auf seiner Harley vom äußersten Nordosten der USA nach New Mexiko, zu seiner Cousine Juliet, die ihm fehlt. Juliet hat gerade das Kind eines Mannes geboren, der ihr nichts bedeutet, und es zur Adoption freigegeben. Zwei Menschen, die sich aus ihrem Alltag losgesagt haben, beginnen darauf mit Baby eine Reise zusammen: der durch einen Unfall verletzte, speedsüchtige, überspannte Redfield und Juliet, die von Weiterlesen

Olmstead, Robert: Spuren von Herzblut, wohin wir auch gehen

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Ort: Inverawe, ein Kaff in New Hampshire. Hauptdarsteller: Eddie Ryan, einziger Bestattungsunterehmer der Stadt, der eigentlich Schriftsteller werden wollte und den Toten vor der Bestattung Zettel mit selbstverfassten Haikus in die Tasche steckt. Cody, fährt einen Bulldozer, ist Holzfäller und rastloser Herumtreiber. Zeit: Heiligabend. Ryan und seine Familie werden mitten in der Stillen Nacht von einem bizarren Weiterlesen

Melville, Hermann: Moby Dick oder: Der Wal

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„Call me Ismael“ lautet im englischen, 1851 erschienenen Original der erste Satz dieses monumentalen Romans, und fortan begleitet man den des Festlandes überdrüssigen Ismael auf seinem Weg, der ihn schliesslich zusammen mit seinem späteren Blutsbruder und Südseeinsulaner „Queequeg“ nach Nantucket und auf den Walfänger „Pequod“ führt. Der Kapitän Ahab macht sich zunächst rar an Deck, doch schliesslich ruft er in einer pathetischen Rede auf zur Weiterlesen