Sound of Heimat : Deutschland singt / ein Film von Arne Birkenstock und Jan Tengeler

»Dieselben Menschen, die feuchte Augen bekommen, wenn ein alter Indio in den Anden zum tausendsten Male ›El Cóndor Pasa‹ in seine Panflöte bläst, kriegen Pickel, wenn man sie auf die Melodien ihrer Heimat anspricht.« (Hayden Chisholm)

Ein Cover mit Hirschgeweih, Omasofa und dem Wort „Heimat“ auf Jargsblog? Was soll das denn werden? Ja, ich weiß. Aber es steht „Sounds of …“ über dem Wort Heimat. Und darunter „Deutschland singt!“. Das reicht nicht? Nein, tut es auch nicht. Denn diesen Film muss Weiterlesen

Die Henne und das Ei : auf der Suche nach den Ursprüngen des Lebens / Renée Schroeder. Mit Ursel Nendzig

„Wir erkennen, dass erworbene Eigenschaften sich sehr wohl auf die Gene niederschlagen und vererbbar werden. Dass es ein genetisches Gedächtnis gibt. Dass das Verhalten in der Umwelt, vor allem Essens- und Lebensgewohnheiten, sich auf unser Genmaterial auswirkt. Wenn dem so ist, gibt es eine sehr wichtige Folge: Dass es sich doch lohnt, in unsere Bildung, in unsere Gesundheit zu investieren. Damit sich die richtigen Umweltfaktoren auf unsere Gene niederschlagen. Wir erkennen die Größenordnung der Verantwortung, die daraus erwächst. […] Dass die Dinge nicht von außen – und schon gar nicht von oben – gesteuert werden, sondern dass sie aus uns selbst passieren. Dass wir als Teil der Umwelt für Sie verantwortlich sind.“(S. 134-135)

Es ist eine der ältesten Fragen der Menschheit: woher kommen wir? Verbunden ist sie zumeist mit der Frage nach der Herkunft des Lebens. Seriöse Antworten auf diese Fragen oder zumindest haltbare Hypothesen finden wir erst mit den modernen Wissenschaften, die uns heute mehr Erkenntnisse über den Ursprung und die wahrscheinliche Entwicklung des Lebens ermöglichen als es noch vor ein paar hundert Jahren mit den damaligen Methoden überhaupt möglich war: wir forschen heute mit Instrumenten, die weit über die naturgegebenen Wahrnehmungsmöglichkeiten des Menschen hinausreichen und daher tiefere Einblicke in den Bauplan der Natur und die Evolution des Lebens ermöglichen.

Eine große Rolle spielt dabei in den vergangenen Jahren die Forschung im Bereich der Biochemie. Die 1953 in Brasilien geborene Österreicherin Renée Schroeder leitet den Bereich Biochemie und Zellbiologie am den Max F. Perutz Laboratories in Wien und forscht selbst vor allem im Bereich der Ribonukleinsäure und ist unter anderem bereits Mitglied der Bioethik-Kommission der österreichischen Bundesregierung gewesen.

In „Die Henne und das Ei“ spürt sie zusammen mit ihrer Co-Autorin undogmatisch und mit großer wissenschaftlicher Leidenschaft den großen Fragen nach dem Ursprung und der Entwicklung des Lebens nach, zeigt, welche Erkenntnisse durch die Weiterlesen

Gravity / Regie: Alfonso Cuarón. Darst.: Sandra Bullock, George Clooney […]

Eine Shuttlemission im All: die begabte Medizintechnikerin Ryan Stone fliegt das erste Mal ins All unter dem Kommando des erfahrenen Astronauten Matt Kowalsky geleitet wird, der seinen letzten Raumflug absolviert. Bei einem Ausseneinsatz am Hubble-Teleskop erhalten sie beunruhigende Nachrichten von der Bodenstation: die Zerstörung eines russischen Satelliten im Orbit hat eine Kettenreaktion ausgelöst und ein großes Trümmerfeld rast direkt auf sie zu. Kowalsky und Stone sollen direkt ins Raumschiff zurückkehren. Doch sie Weiterlesen

Der verlorene Wolf / Hansjörg Schertenleib. Mit Illustrationen von Katja Wehner

Leo ist im großen und ganzen recht furchtlos. Monster, Spinat oder Wörter, küssende Tanten oder quietschende Luftmatrazen können ihm keine Angst einjagen. Nur vier Dinge mag er nicht: Zähneputzen, Blumenkohl, schlechte Träume und das abendliche Zubettgehen. Denn dann muss er auf Papas Armen über den Flur, der zur gefährlichen gonmolischen Weiterlesen

Eine schöne Wahrheit / Colin McAdam. Aus dem kanadischen Englisch von Eike Schönfeld

Wir reden über globales Bewußtsein, Aufklärung und Fortschritt, sind uns aber nicht der Tatsache bewußt, dass wir sprechende Affen sind. Sie lachen, wenn ich Affe sage. Wir reden nicht davon, den Planeten zu retten, wir reden davon, unsere Spezies zu retten. Fangen wir wenigstens mal damit an und stellen wir das mit unserer Spezies einstweilen zurück. Wir reden über das Überleben von Dingen wie Bäumen, milden Temperaturen uind exotischen Tieren, alles, was unsere Fantasie über Gärten ohne den Tod nährt. S. 220

Vermont, USA. Walt und Judy sind kinderlos – und insbesondere Judy leidet sehr darunter. Sie adoptieren das Schimpansenjunge Looee, das schon bald in Kinderkleidung und mit unbändigem Bewegungsdrang ihr Leben und ihr Haus auf den Kopf stellt. Doch Weiterlesen

Silver Linings : Roman / Matthew Quick

Philadelphia, USA. Der 34jährige Pat Peoples, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird, sehnt nichts mehr herbei als die Wiedervereinigung mit seiner Frau Nikki. Er hat nicht nur sie verloren, sondern auch seine Anstellung als Lehrer für Geschichte, sein Haus und – vor allem – seine Erinnerung. Schnell wird klar, dass der manisch-depressive Pat, der gerade aus der psychiatrischen Klinik entlassen wurde, etliche Jahre Weiterlesen

Alles fliesst? Zwei Zitroneneis und eine Abkühlung

Da schaut man in der kurzen Mittagspause vomn Schreibtisch aus ach draussen, freut sich an der Sonne und könnt sich eine Abkühlung in Form von zwei Kugeln Zitroneneis und hackt nebenbei auf die Tastatur ein, um den Kommentarstau aufzuheben. Zitroneneis wirkt ja bekanntermaßen Weiterlesen

Arthur oder Wie ich lernte, den T-Bird zu fahren / Sarah N. Harvey

Kanada. Der 17jährige Royce musste gerade mit seiner Mutter von der einen Ecke Kanadas in die andere umziehen, weil dort ihr steinalter Vater, der 95jährige ehemalige Starcellist Arthur, lebt und bemüht ist, jede eingestellte Pflegekraft schnell wieder zu vergraulen. Royce weiß gerade mit seinem jungen Leben nicht so viel anzufangen und ist alles andere als begeistert, als er sich den Sommer über um den gebrechlichen, lauischen und streitsüchtigen Großvater kümmern soll und willigt nur ein, weil er hofft, sich von dem Geld ein altes Auto kaufen und zurück zu seiner alten heimat fahren zu können.

Zunächst scheint Royce alles falsch zu machen. Doch er Weiterlesen

Als die Erde eine Scheibe war : die kuriosesten Irrtümer der Wissenschaft / Graeme Donald

„Es irrt der Mensch, so lang er strebt“ heisst es schon in Goethes Faust. Im Irren sind wir Menschen besonders beharrlich, denn der feste Glaube an abstruse, rational oft rasch widerlegte „Erkenntnisse“ ist wohl so alt wie die Menschheit. Donald Graeme widmet ihm ein ganzes Buch und spannt dabei den Bogen weit.

So beschäftigt er sich mit der obskuren Phrenologie oder „Schädelkunde“, die sich mit Rückschlüssen von der Schadelform auf den Charakter der Menschen beschäftigte und mittelbar ursächlich war für den Völkermord in Ruanda in den 1990er Jahren. Schon hundert Jahre vorher hatte Mark Twain die Phrenologie als Humbug entlarvt, als er inkognito in Weiterlesen

Warum landet Ihr Kommentar nicht? Über Zeit, Verdichtung und den ganz normalen Alltag

Geht es Ihnen auch manchmal so? Auf der Arbeit haben Sie mehrere Projekte am Laufen, die Arbeitsgruppensitzungen häufen sich alle in einem kurzem Zeitraum und die beiden neuen Teammitglieder wollen auch beachtet und angemessen eingeführt werden? Dann ist da noch die Familie, die auch berechtigt Aufmerksamkeit fordert, vollen Einsatz und jenen Grad von Wachheit, der einem nach einem 10stündigen Arbeitstag manchmal trotz eines abendlichen Espressos schwer zu halten fällt.

Es gibt es da noch die Weiterlesen

Sommersprossen auf den Knien / Maria Parr. Deutsch von Christel Hildebrandt. Illustrationen von Heike Herold

Glimmerdal ist ein besonderes Tal und Sommers wie Winters wunderschön. Mitten im Glimmerdal wohnt die fast zehnjährige Tonje, der Wirbelwind vom Glimmerdal, der mit allen Erwachsenen gut auskommt. Außer vielleicht mit dem miesepetrigen Klaus Hagen von Campingplatz. Besonders aber liebt Tonje ihren besten Freund, den alten, etwas schrulligen Gunnvald mit seiner Geige, der etwas weiter oben im Tal wohnt und alle Verrücktheiten mitmacht, die Tonje sich ausdenkt.

Aber dann bekommt Gunnwald eines Tages einen Weiterlesen

Mars Attacks / Regie: Tim Burton. Darst.: Jack Nicholson, Glenn Close, Annett Benning, Pierce Brosnan, Martin Short …

Die Marsbewohner: Sie sind klein, fies, brutal, technisch überlegen und schön sehen sie auch nicht aus mit ihren riesigen sichtbaren Gehirnen. Und sie greifen die Erde an mit dem Ziel, die Menschheit zu vernichten. Der amerikanische Präsident steht mächtig unter Druck, stellvertretend für die ganze Erde die Situation unter Kontrolle zub bringen. Rasch erweist, dass der Angriff der Marsianer kein Mißverständnis ist, und Politik, Wissenschaft und Militär scheinen keine Chance zu haben, die bösartigen und sadistischen Marsianer zu besiegen, die bald überall auf der Erde auftauchen und Tod und Vernichtung bringen. Bis in einem Altersheim ein (Achtung, Spoiler!) Weiterlesen

Der Duft der Dinge : die Geschichte eines Diebes / Silvana D’Angelo ; Antonio Marinoni

“Ja, Häuser verbergen nichts vor mir. Ich weiß den rechten Zeitpunkt zu wählen, die geeignete Jahreszeit. Ich liebe es, zu vorgerückter Stunde zu erscheinen. Und am liebsten im Spätfrühling. Dann ist der Geruch eines Hauses am intensivsten, genau wie der Duft der Blüten.” (Zitat)

Jährlich schwappt eine Flut von Kinder- und Jugendbüchern auf den Markt. Viele sind darunter, die lieblos gemacht sind, platte, klischeehafte Geschichten erzählen und mehr oder weniger kitschige, nichtssagende Illustrationen enthalten: Bücher, die beim Lesen nicht selten tiefes Unbehagen auslösen und zu recht rasch wieder vergessen sein werden.

Zum Glück gibt es aber auch immer wieder Bücher, die herausragen aus der Masse des kinderliterarischen Einheitsbreies. Bücher, die alle Sinne anzuregen scheinen, mit Bildern aufwarten, die ihren ganzen zauber erst beim dritten oder vierten Betrachten enthüllen, deren Geschichten sich nicht in Oberflächlichkeiten bewegen, sondern tiefer gehen, einen berühren und vielleicht auch manchmal sanft irritieren, gar ein bisschen verstören: solche Bücher wirken fort, wenn die Lektüre schon längst vorbei ist.

„Der Duft der Dinge“ ist ein solches Buch, das sich an Kinder ebenso richtet wie an Erwachsene, die sich für grafisch anspruchsvoll gestaltete und hintergründig erzählte Geschichten interessieren. Es geht hier um Weiterlesen

Darm mit Charme : alles über ein unterschätztes Organ / Giulia Enders

Grummelige Stimmungen, Freude, Unsicherheit, Wohlbefinden oder Sorgen kommen nicht nur isoliert aus dem Schädel. Wir sind Menschen mit Armen und Beinen, Geschlechtsorganen, Herz, Lingen und Darm. Die Verkopfung unserer Wissenschaft hat uns lange blind dafür gemacht, dass auch unser Ich mehr als das Gehirn ist. Die Forschung am Darm hat in letzter Zeit einiges dazu beigetragen, den Spruch „ich denke, also bin ich“ vorsichtig zu hinterfragen. (S. 148)

Über den Darm, dieses im Untergrund seine Arbeit verrichtende Organ, von dem wir nichts hören, spüren oder anderweitig wahrnehmen wollen, redet man doch nicht, oder? Jedenfalls hatte ich bisher nicht das Gefühl, dass der Darm zum Smalltalk-Repertoire auf Partys oder in Weiterlesen

Das Licht zwischen den Meeren / M. L. Stedman

Tom gehört nicht zu den Männern, deren Beine nur noch von Sehnen am Körper gehalten wurden oder denen die Eingeweise wie glitschige Aale aus dem Leib quollen. Seine Lunge und sein Gehirn sind nicht vom Gas aufgeweicht worden. Doch er trägt dennoch Narben mit sich herum, denn er muss in der Haut des Mannes weiterleben, der das getan hat, was damals nötig war. Es ist ein Schatten, der nach innen fällt.
Er gibt sich Mühe, darüber nicht ins Grübeln zu kommen. Er hat nämlich viele Männer erlebt, die auf diese Weise sich selbst verloren haben. Also lebt er weiter am Rande dieses Gefühls, für das er keinen Namen hat. Wenn er von jenen Jahren träumt, ist der Tom, der sie durchlebt und Blut an seinen Händen hat, ein etwa achtjähriger Junge. Ein kleiner Junge, der sich gegen Männer mit Gewehren und Bajonetten zur Wehr setzen muss und dem es zu schaffen macht, dass die Kniestrümpfe seiner Schuluniform verrutscht sind und er sie nicht hochziehen kann, weil er dazu sein Gewehr fallen lassen müsste. Und dabei ist er ohnehin kaum groß genug, um es zu tragen. Außerdem kann er seine Mutter nirgendwo entdecken“.
(S. 13)

„Männer haben ihr Leben gelassen, nur damit ein paar Meter Schlamm als „unser“ anstelle von „ihrs“ bezeichnet werden konnte – um sie am nächsten Tag wieder zu verlieren“. (S. 55)

Australien, 1920er Jahre. Nach traumatischen Erfahrungen im 1. Weltkrieg lässt sich der Kriegsheimkehrer Tom Sherbourne zum Leuchtturmwärter ausbilden und bekommt nach wenigen Jahren eine feste Stelle auf Janus Rock, einer abgelegenen (und fiktiven) Insel vor der Küste Australiens. Tom verfolgt seine Arbeit sehr akribisch und effizient: die Verantwortung und sein genau strukturierter Alltag scheinen ihm zu helfen, mit den ihn weiterhin verfolgenden schrecklichen Kriegserlebnissen fertigzuwerden.

„Er richtete sich zu voller Größe auf, suchte sich einen Fixpunkt an der Tür des Leuchtturms – ein gelockertes Scharnier – und beschloss, damit anzufangen. Mit etwas Greifbarem. Er musste sich mit etwas Greifbarem befassen, denn wer konnte wissen, wohin sein Verstand und seine Seele sonst geweht werden würden wie ein Ballon ohne Ballast. Nur so hatte er vier Jahre Blut und Wahnsinn überstanden: Wenn man im Schützengraben einnickte, musste man wissen, wo seine Waffe lag; immer die Gasmaske kontrollieren; sichergehen, dass die Untergebenen ihre Befehle bis auf den letzten Buchstaben verstanden hatten. Man dachte nicht in Kategorien von Jahren oder Monaten, sondern nur an diese Stunde und vielleicht die nächste. Alles andere war Spekulation.“ (S. 37. Alle Zitate beziehen sich auf die E-Book-Version)

Auf Landurlaub lernt er Weiterlesen

Die fliegenden Bücher des Mister Morris Lessmore / William Joyce & Joe Blum. Übersetzt von Hardy Krüger Jr.

Der Kurzfilm mit dem gleichen Titel, zu dem auch eine erfolgreiche interaktive E-Book-App erschien, bekam 2012 einen Oscar. Im gleichen Jahr erschien die Geschichte auch als konventionelles Buch.

Erzählt wird die Geschichte des jungen Morris Lessmore, der Weiterlesen

Schnitzeljagd : Geheimtipps für Schatzsucher / Benoît Delalandre ; Caroline Koehly und Mathieu Binand (Illustration)

Kindergeburtstage zu feiern ist ab einem bestimmten Alter, dass wir etwa um den siebten Geburtstag herum verortet haben, gar nicht mehr so leicht. Man kann es sich natürlich leicht machen und die ganze Feieraktion outsourcen: man erspart sich einen Teil der Organisation, hat Betreungsverstärkung und vor allem einen Plan, wie das Ganze abläuft und damit auch Beschäftigung für die Kinder. Da wir mittlerweile wegen der großen Freundeskreise zwei Zwillingssomerfeste feiern, haben wir das mit dem ersten Fest, zu dem Schulfreunde der beiden geladen waren, auch so gemacht: den Auftrag bekam die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald mit ihrem Standort im Niendorfer Gehege – eine etwa einstündige Rallye wurde verbunden mit abschliessendem Stockbrotgrillen an dem von mir entzündeten und bei Sommerhitze erfolgreich und schweisstreibend in Gang gehaltenen Feuer.

Der Nachteil ist natürlich, dass es Geld kostet – und dem Ganzen naturgemäß ein wenig der Charme des persönlichen Engagements abgeht. Da ist eine selbst geplante Schnitzeljagd Weiterlesen

Vorläufige Chronik des Himmels über Pildau : Roman / Max Scharnigg

„Es war dieser Sommer, der mir bis heute immer in den Sinn kommt, wenn jemand das Wort Sommer mit jener schwärmerischen Langsamkeit ausspricht, es war so eigentlich bis heute mein erster Sommer. Wenn man die Zeit noch nicht kennt, weil man keinen Kalender und keine Uhr lesen kann, hat man die allerbesten Voraussetzungen für einen richtigen Sommer, in dem sich irgendwann in den ersten Anfängen eines überhitzten Nachmittags und zwischen den winzigen Blütenblättern eines Gänseblümchens nichts mehr bewegt und das Flimmern über dem Dach der Scheune zu einem Flimmern der ganzen Welt wird. So ein Sommer war das.“ (S. 143)

Jasper Honigbrod wächst auf einem abgelegenen, nur über einen Feldweg erreichbaren Einsiedlerhof bei seinem Vater und seinem Großvater auf. Die seit Jahrzehnten stetig in den Himmel wachsende, jährlich zu längende Hofstange gehört zu den auffallensten Merkmalen auf dem Hof neben einem unsichtbaren, uralten Fisch. Der Großvater Ludwig kümmert sich um den Mangold und anderes Gemüse und entwickelt absurde, aber erfolgreiche Pflegemaßnahmen wie Mangoldstreicheln und Gemüseduschen: der Hof ist nahezu autark und die wenigen nötigen Geldeinnahmen kommen hauptsächlich aus den Lizenzeinnahmen für ein vor langer Zeit entwickeltes Erntegerät, den „Orginial Pildauer“. Der hochintelligente Vater Max widmet sich seinen Forschungen. Dann gibt es da noch die rätselhafte Lene-Mama, die immer mal wieder auftaucht und die gefährtin des Vaters zu sein scheint – und fern des Hofes den Blick auf die tief unten liegende Landstrasse als einzige, sich über die Jahre veränderndes Zeugnis der Außenwelt.

An eben dieser Landstrasse geschieht eines Tages ein Weiterlesen