Love Alien : Wie findet man mit 30 seine erste Freundin? / Regie: Wolfram Huke

In einer Welt voller Datingportale und Partnerbörsen, in der scheinbar lauter erfolgreiche suchende Singles erfolgreich zueinander finden und Sexualität in allen Spielarten nahezu onmipräsent ist, sind sie nahezu unsichtbar: Menschen, die noch nie eine Liebesbeziehung hatten, geschweige denn sexuelle Erfahrungen sammeln konnten. Mit der Rezension von „Und wer küsst mich?“stellte ich hier bereits ein Buch über das Thema vor, dass in den letzten Jahren etwas mehr Aufmerksamkeit in Medien und Öffentlichkeit bekommen hat.

Der Filmemacher Wolfram Huke, geboren 1981, begibt sich in seinem Film „Love Alien“ auf dünnes Eis, denn er Weiterlesen

Hoffnung Mensch : eine bessere Welt ist möglich / Michael Schmidt-Salomon

Die Kultur steht nicht im Widerspruch zur Natur des Menschen, sondern ist Ausdruck seiner biologischen Veranlagung. […] Sie ist so sehr Teil der Natur, dass wir uns einen Menschen ohne Kultur ebensowenig vorstellen können wie einen Elefanten ohne Rüssel oder einen Schmetterling ohne Flügel. (S.96)

Das Jahr 2014 zähhlt von der Bilanz an menschengemachten Unglücken, Katastrophen und Kriegen nicht unbedingt zu den Jahren, die man zu den Glanzzeiten der Menschheit zählen würde. Insofern mag es manchem vermessen vorkommen, ein Buch mit dem Titel „Hoffnung Mensch“ zu veröffentlichen, wo die Welt doch derzeit scheinbar so düster ausschaut. Und dennoch: das hier vorgestellte Buch des von mir sehr geschätzten Philosophen und Sprechers der Gioardano-Bruno-Stiftung gehört für mich zu den herausragenden Werken zeitgenössischer Philosophie, weil es intellektuellen und sprachlich-ästhetischen Genuss gleichermaßen bietet und die Augen öffnet für das, was man angesichts des Unbills dieser Welt leicht übersieht: die Menschheit ist durchaus weitergekommen und hat das Potential, ihre Welt auch in Zukunft durchaus positiv weiter zu entwickeln.

Schmidt-Salomon setzt im ersten Teil des Fokus auf die besonderen Nöte des „tragischen Tieres“ Mensch, das um die Endlichkeit seiner Existenz weiß und vor der Weiterlesen

Meine wunderbare Weltreise : Das Leben ist bunt! / Lotta Nieminen

In New York geht es los und dann einmal um die ganze Welt: Paris, Afrika, Italien, Russland und Brasilien, Indien, Australien London und Tokio sind die Stationen dieser farbenfrohen Reise, auf der es hinter Weiterlesen

Journey of love : Das wahre Abenteuer ist die Liebe / Regie: Colin Trevorrow. Darst.: Aubrey Plaza ; Mark Duplass ; Jake Johnson […]

Gesucht: Jemand, der mit mir zurück durch die Zeit reist. Du wirst bezahlt, nachdem wir zurückkommen. Du musst deine eigenen Waffen mitbringen. Sicherheit wird nicht garantiert. Ich habe das vorher erst einmal gemacht. (Filmzitat)

Jeff Schwensen arbeitet als Journalist beim Seattle Magazine. Als er auf eine seltsame Zeitungsannonce stösst, über die ein Reisepartner für eine Zeitreise gesucht werden soll, wird er neugierig: zusammen mit den beiden Praktikanten, der frustrierten, aber taffen Halbwaisen Darius und dem indisch-stämmigen Arnau will er der Sache auf den Grund gehen. Gemeinsam fahren sie nach Ocean View. Nachdem Jeff aufgrund seines arrgonten Auftretens scheitert, bewirbt sich Darius zum Schein bei dem leicht paranoid erscheinenden Supermarktangestellten Kenneth, der die Anzeige aufgegeben hat. Darius ist beeindruckt und fasziniert von Kenneth, obwohl Weiterlesen

Was Atheisten glauben / Franz M. Wuketits

Diejenigen von uns, die ihre geringe Bedeutung im Universum mit Heiterkeit betrachten, haben zweifellos eine bessere Chance, ein zufriedenes Leben zu führen als alle diejenigen, die sich krampfhaft an obskure Vorstellungen von einem sinnvollen Universum klammern und zu „beweisen“ suchen, dass sie in diesem vorgesehen waren und in ihm einen ausgezeichneten Platz einnehmen. Solche Leute haben fürwahr nichts zu lachen. (S. 118)

Der österreichische Biologe, Hochschullehrer und Wissenschaftstheoretiker Frank M. Wuketits beschäftigt sich in „Was Atheisten glauben“ mit den grundlegenden, existentiellen Fragen, denen sich Menschen im Angesicht des Lebens und seiner Endlichkeit ausgesetzt sehen. In fünf Kapitel, die durch zahlreiche Quellenangaben und einen kleinen Anmerkungsapparat ergänzt werden, schreibt er über den Atheismus als „lebenswerte Daseinsform“ und legt nüchtern dar, warum sie jeder Art Strenggläubigkeit letztlich sowohl Weiterlesen

Die Großrussin : Roman / Stefan Schwarz

Es könnte eigentlich alles wunderbar sein im Leben des leicht hypochondrischen, etwas klein geratenen Dr. Ullrich Hasselmann, eines strunzlangweiligen Altphilologen mit zwei Kindern (Zwillingen!) und einer um seine Gesundheit sorgenden Frau, die stets weiß, wo das beruhigende Bärchenkissen liegt. Gut, mit der Habilitation läuft es gerade nicht so gut wegen einiger unbedachter Bemerkungen über die Kelten in einer Gastvorlesung vor einem Jahr – aber das kann sich ja noch einrenken.

Aber dann kommt eines Tages der Brief vom Jugendamt und teilt ihm unmißverständlich mit, dass das Wohl seines Kindes gefährdet sei. Zunächst von einem Irrtum ausgehend, wird es bald für Hasselmann Weiterlesen

Wie werde ich ein guter Diktator : schnell aufsteigen, lange bleiben, viel Geld machen / Mikal Hem

Leider wird es immer schwieriger, sich internationale Wahlbeobachter vom Leib zu halten. Die UN und andere zwischenstaatliche Organisationen fühlen sich verpflichtet, Wahlen unter autoritären Regimen zu kontrollieren. Doch machen Sie sich nicht zu viele Sorgen. Durch aktiven Lobbyismus können Sie freundlich gesinnte Observatoren gewinnen. Gut geeignet sind Kontrolleure aus Ländern, die selbst ein Interesse daran haben, dass Wahlbetrug nicht auffliegt. Dies können andere Diktaturen sein oder Länder, die vom Wohlwollen Ihrer Regierung oder den Rohstoffen Ihres Landes abhängig sind. (S. 44)

Vor einigen Jahren sah es ja noch so aus, als würde der altehrwürdige Beruf des Diktators langsam aussterben. Auch fand man bisher keinerlei Handreichung für die Ausbildung in diesem vergleichsweise seltenen, dafür meist mit langjährig guten Beschäftigungsaussichten und Verdienstmöglichkeit ausgezeichneten Beruf, der aus unverständlichen Gründen in den Angeboten der Agentur für Arbeit bisher fehlte. Was unverständlich ist: halten sich Diktatoren doch im Schnitt länger an der Macht als demokratisch gewählte Politiker, was die Sozialkassen doch erheblich entlastet.

Das könnte sich jetzt ändern, denn der norwegische Journalist und Blogger Mikal Hem legt mit „Wie werde ich ein guter Diktator“ eine Berufskunde vor, die anhand zahlreicher Best-Practice-Beispiele aktueller Weiterlesen

Echo : Roman / Jan Christophersen

Flensburg im Jahr 1989. Gesa fährt mit ihrer Schule tief ins spätsozialistische Polen. Dabei ist auch Tom, der eigentlich aus einer niedrigeren Klassenstufe kommt, aber Gitarrist der Schulband ist. Hier, in Polen, nimmt die Geschichte der beiden ihren Anfang, deren Wege sich in den folgenden Jahren immer wieder kreuzen werden. Gesa, zunächst genervt von der Aufpasserrolle für den Sohn von Freunden seiner Eltern, finanziert ihm ein exotisches Effektgerät namens „Echo“ für seine Gitarre. Während Tom nach der Scheidung seiner Eltern ein unstetes Leben als Musiker lebt und an dem Erfolg seiner Band arbeitet, bleibt Gesa in Flensburg verwurzelt, bekommt Weiterlesen

Alle Welt : Das Landkartenbuch / Aleksandra Mizielinska und Daniel Mizielinski

Bekanntermaßen schätze ich schöne Bücher über andere Länder, lese gerne Reiseberichte und habe ein gewisses Faible für ansprechend gestaltete Landkarten und Atlanten. „Alle Welt“ von den beiden polnischen Buchgrafikern Aleksandra Mizielinska und Daniel Mizielinski fiel mir in der Bibliothek in die Hände – und ich mochte es nach dem Ausleihen bald nicht mehr loslassen, so sehr fesselte mich das in jeder Hinsicht schön gestaltete und gemachte Buch.

Insgesamt 51 Karten von allen Kontinenten und 51 Ländern, darauf über 4000 kleine Vignetten und Symbole, knapp erklärt mit eigens für das Buch entworfenen Schrifttypen, machen „Alle Welt“ zu einem wahren Stöber-Schatz durch die Vielfalt der Welt. Man mag kaum den Blick von den Buchseiten heben, staunt, wundert sich, ist amüsiert und beeindruckt zugleich: für die vorgestellten Länder und Regionen der Welt wurden typische Dinge, Menschen, Stile, Landschaftsformen, Tiere, Pflanzen und andere besondere Merkmale auf kleinen Miniaturen in das jeweilige, vereinfachte gestaltete topografische Umfeld gesetzt, so dass dem Betrachter eine optisch unterstützte Tour de Force durch die Besonderheiten unseres Planeten, seiner Bewohner und seiner sonstigen Merkwürdigkeiten möglich wird.

Beispiel Kanada: Da sehen wir eine Zuckerhütte in Kanada (Erläuterung: „Hier wird Ahornsiup gekocht“), daneben den Oka-Käse. von dem aus der Blick zu einer Landmarke namens „L’anse aux meadows“ schweift („Hier landeten um das Jahr 1000 die ersten isländisch-grönländischen Seefahrer in Nordamerika“). Eine Fingerlänge weiter erfahren wird, auf welcher Insel die Kinderbuchheldin „Anne auf Green Gables“ lebte („Prinz-Edward-Insel“), fliegen mit der Fingerkuppe über die Niagarafälle, sehen kurz darauf, wo die Irokesen lebten und landen vielleicht beim Flachs, der in Saskatchewan angebaut wird.

Die auf das Wesentliche reduzierten, schönen Darstellungen und die knappe, pointierte Beschriftung machen das Buch zu einer Mischung aus Wimmelbuch und erstem Atlas. Die Verbindung von grafisch hervorragender Umsetzung und einer schönen, auf festen Papier umgesetzten Buchgestaltung machen das Buch zu einem echten Hingucker für Kinder und für an schönen Büchern interessierte Erwachsene. Ab 8 Jahren und für alle ein echter Buchschatz mit guten Aussichten auf einen Platz bei Jargsblogs Beste 2014!

August in der Tonne: über Beeren, fliessendes Wasser an ungewöhnlichen Orten, Schadenfluten und warum man sich Jarg trotzdem als glücklichen Menschen vorstellen sollte

Sitzt Du im Loch hör auf zu graben!! (Martin Baltscheit: Der Tag, an dem die Musik verboten wurde)

Nein, natürlich kann der August nichts dafür. So ein Monat ist ja grundsätzlich schuldlos an menschlichem Unbill. Dennoch war spätestens ab Mitte letzter Woche klar, dass der Jahrgang 2014 dieses grundsätzlich für ein Sommerkind wie mich mit angenehmen Erwartungen und Erinnerungen verbundenen Monats insgesamt eher einen sauren Abgang haben würde.

Dabei fing alles so vielversprechend an an jenem ersten Tag des Monats: mit dem noch zu patentierenden Brombeerhaken und mit der – nervige Bremsen und Waldspaziergänger fernhaltenden – Schutzkleidung gerüstet, konnte ich im Schwabenurlaub in meiner hohenlohischen Beerenbonanza, diesem Shangri-La des modernen Weiterlesen

Journeyman : 1 Mann, 5 Kontinente und jede Menge Jobs / Fabian Sixtus Körner

Fabian Sixtus Körner ist studierter Innenarchitekt sowie Fotograf und Designer. Er beschliesst mit 29 Jahren, auf die Walz zu gehen, seine Kenntnisse und Fähigkeiten gegen Kost und Logis anzubieten und setzt sich dabei ein Zeitlimit von zwei Jahren. Kein Limit setzt er sich bezüglich der Geographie: er will dorthin reisen, wo sich ihm Arbeit bietet, dabei möglichst alle Kontinente bereisen und nur für die Flugtickets Geld ausgeben.

Was man eigentlich nur aus dem Handwerk und dann auch mit einer gewissen regionalen Begrenzung kennt, entwickelt sich bei Körner zu einer Tour de Force um den Globus. Mit 255 € auf dem Konto steigt er mit einem großen Rucksack, Laptop und Fotoausrüstung ins Flugzeug. So geht über sechzig Stationen unter anderem nach Shanghai und Koala Lumpur, nach Addis Abeba und Kopenhagen, nach Brisbane und Bangalore, San Francisco, Havanna, Santo Domingo und das berüchtigte Medellín. Schon bald beginnt sich sein Reisetagebuch zu füllen, ergänzt von einem regelmäßig gefüllten Youtube-Kanal.

Dabei hat er vorab nie Weiterlesen

Zitat am Freitag: Modersohn-Becker über das Glück

Ja, so sind die meisten Menschen. Die Unglücksfälle schreiben sie sich ins Gedächtnis und memorisieren sie fleißig; aber das Glück, das viele Glück, beachten sie nicht… arme, arme Welt.

Paula Modersohn-Becker, deutsche Malerin (1876-1907)

Aus: Paula Modersohn-Becker, Briefe, 19. Februar 1899

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty / Regie: Ben Stiller. Darst.: Ben Stiller, Kristen Wiig, Shirley MacLaine, Adam Scott [u.a.]

Walter Mitty (Ben Stiller), ein notorischer Einzelgänger, arbeitet im Fotoarchiv des Magazins LIFE. Immer wieder taucht er aus der Gegenwart ab und verliert sich in abenteuerlichen und romantischen Träumen, in denen er unglaubliche Dinge vollbringt. Heimlich ist er in seine Kollegin Cheryl Melhoff (Kristen Wiig) verliebt.

Von einem Tag auf den anderen wird LIFE aufgekauft. Die Investoren wollen die Printausgabe einstellen und das Magazin komplett ins Internet überführen. Auf dem Titelbild der letzten gedruckten Ausgabe soll ein bestimmtes Bild des legendären LIFE-Fotografen Sean O’Connell (Sean Penn) erscheinen. Doch Walter muss seinen nervigen arroganten Chef Ted Henricks (Adam Scott) immer wieder vertrösten, bis dieser ihm ein Ultimatum stellt. Als Walter mit Hilfe von Cheryl in den Fotos von Weiterlesen

All is lost / Regie & Drehb.: J. C. Chandor. Darst.: Robert Redford. Musik. Alex Ebert.

Mitten auf dem Indischen Ozean. Ein vom Schiff gestürzter 40ft-Container treibt langsam durch die sanfte Dünung, während eine Stimme aus dem Off den Abschiedsbrief eines Mannes an seine Hinterbliebenen vorliest. Nach diesem Prolog erfolgt die Rückblende um acht Tage: ein namenloser alter Segler wird auf seinem Segelboot plötzlich aus dem Schlaf gerissen, als es plötzlich rummst und Weiterlesen

Im Café der möglichen Träume / Paola Calvetti

Von einem Augenblick zum anderen ändert sich für die 33jährige Olivia alles: ihr Arbeitgeber entlässt sie überraschend und so findet sie sich kurze Zeit später mit einem Pappkarton ihrer dientlichen habseligkeiten in der Bar Tabacchi wieder, reflektiert über ihr Leben, ihre Familie und verliert sich in Träumereien. Der Jurist Diego sitzt zur gleichen Zeit in einer Bar. Er, der sich mit seiner Freundin auseinandergelebt hat und trotzdem noch auf die Liebe hofft, steht kurz vor einem beruflichen Neuanfang und leidet auch als Erwachsener noch am Verlust seines Bruders durch Selbstmord und der Verzweiflung seiner Eltern.

Sowohl für Diego als auch für Olivia wird Weiterlesen

Genug gesagt / Regie & Drehbuch: Nicole Holofcener. Darst.: Julia Louis-Dreyfus, James Gandolfini, Catherine Keener, Tracey Fairaway, Toni Colette

Eva, eine alleinerziehende Masseurin, die ihre Dienste ambulant bei Hausbesuchen anbietet, deren Tochter demnächst wegen ihres Studiums ausziehen wird, ist zusammen mit ihrer Freundin und deren Mann Will zu einer Party in Pacific Palisades, einem wohlhabenden Teil von Los Angeles, eingeladen. Dort lernt sie die Schriftstellerin Marianne kennen – und will stellt sie seinen Freunden Jason und Albert, einem Filmarchivar vor.

Marianne wird kurze Zeit später Kundin bei Eva – und schnell freunden sich die beiden Frauen an. Zeitgleich erfährt Eva, dass der ebenfalls geschiedene Albert nach der Party nach ihrer Telefonnummer gefragt hat. Obwohl sie den korpulenten Albert eher unattraktiv findet, treffen sich beide kurz darauf zum Essen. Schnell findet sie Gefallen an Albert, der ebenfalls eine Tochter hat, die demnächst ausziehen wird, und fühlt sich von ihm und seinem Humor so angezogen, dass sie eine Beziehung beginnen.

Doch als Marianne von Weiterlesen

Wo soll ich suchen / Dota und die Stadtpiraten

Und bei Gewitter geh ich nicht baden.
Und bei Sturm schwimm ich nicht zu weit raus.
Und meide die Eichen und finde
den anderen unter den Gleichen.

Wo soll ich dich suchen? Wo soll ich dich suchen?

Da wo die feinen Bläschen aufsteigen?
Da wo die Vögel plötzlich aufgeflogen sind?
Da wo die Weiden sich übers Wasser neigen?
In den Wellentälern bei Wind?
Da wo der Wald am allertiefsten ist am Steilhang?
Beim südlichen Weg zu der Burg?
Am Himmelsstrand auf meinem Badetuch im warmen Gras?

Wo soll ich dich suchen?

Es gibt sie zum Glück immer wieder: Musik, die man fast beiläufig entdeckt in der ganzen Fülle dessen, was es heute so an Musik gibt, sich zunächst ohne große Erwartungen anhört, um dann überrascht innezuhalten und nach dem ersten Durchgang noch einmal genauer hinzuhören, Details zu entdecken, tiefer zu geniessen und sich zu freuen, dass man ganz offensichtlich auf eine musikalische Perle gestoßen ist – vielleicht gar eine, in denen ein feines lyrisches Ich durch sorgfältig gemachte Texte schimmert und einen nahezu direkt anzusprechen scheint. Wenn mir das passiert, neige ich ja bekanntermaßen zu akustischen Exzessen und das entsprechende Album wird zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit über die Ohrschnittstelle konsumiert.

So ging es mir auch mit dem Album „Wo soll ich suchen“ von Weiterlesen

Die Regeln des Sommers / Shaun Tan

Nie die Regeln verletzen. Schon gar nicht, wenn du sie nicht verstehst. (Zitat)

Die Geschichten von Shaun Tan, die sich im Grenzbereich zwischen Bilderbuch und Graphic Novel bewegen, sind für mich etwas absolut besonderes: der australische Illustrator und Schriftsteller schafft in seinen Werken eine ganz eigene Atmosphäre voller Widersprüche, Befremdungen und subtiler, nicht auf das offensichtliche zielender Anspielungen. In den von ihm geschaffenen Welten spiegelt sich die reale Welt der Menschen wie in einem seltsamen Zerrspiegel: sie sind gleichzeitig befremdend wie vertraut, verbinden auf verstörend-berührende Weise beruhigende und beunruhigende Elemente, universelle Emotionen mit scheinbar lokal verorteten Befindlichkeiten und Riten.

Auf Jargsblog begeistere er bereits mit „Die Fundsache“, den „Geschichten aus der Vorstadt des Universums“, „Ein neues Land“ und „Der rote Baum“. Mit „Die Regeln des Sommers“ erhielt ich zum Geburtstag jetzt ein neues Buch von ihm.

Es geht um Regeln. Niemand weiß, wer Weiterlesen

Artgerecht ist nur die Freiheit : eine Ethik für Tiere oder Warum wir umdenken müssen / Hilal Sezgin

Wir dürfen das Tier nicht von vornherein als „Nutztier“ ansehen und auf dieser Grundlage überlegen, wie wir ihm sein derzeit unzumutbares Los ein wenig erträglicher machen können. Sondern jedes Tier hat a priori das Recht auf den Vollzug seines eigenen Lebens. Wenn wir über Einschränkungen und Zumutungen, Wohl und Schutz sprechen, dürfen wir nicht vom „Nutztier“, sondern müssen vom freien Tier her denken. (S. 189)

Die Diskussionen um Tierrechte und eine Ethik für Tiere sind in den letzten Jahren – nicht nur aufgrund der üblichen Mißstände und Skandale in der Lebensmittel- und Agrarindustrie – immer wieder aufgeflammt und haben mittlerweile weite Teile der Gesellschaft erreicht. Dabei ist eine immer stärkere Ausdifferenzierung der verschiedenen Aspekte der Diskussion zu beobachten, verbunden mit einer größeten Argumentationsschärfe und einer umfassenderen Einbeziehung unterschiedlichster Tierarten vom Fisch über den Schimpansen bis hin zum sogenannten Nutz- oder Haustier.

Hilal Sezgin, die Philosophie studierte, als Buchautorin und Journalistin arbeitet und einen Gnadenhof in Norddeutschland betreibt, setzt sich in „Artgerecht ist nur die Freiheit“ auf sehr differenzierte Weise mit Weiterlesen

Kim & Struppi: Ferien in Nordkorea / Christian Eisert



[…] Nicht zu vergessen der schwarze Lautsprecher, der neueste Meldungen der Staatsführung, Aufforderungen zu fleissiger Arbeit und schöne Marschmusik am Morgen in die heimischen vier Wände brachte. Solche Lautsprecher hängen in fast allen nordkoreanischen Wohnungen und können von den Bewohnern weder an- noch ausgeschaltet werden. die Apparate sind auf den Staatssender geeicht. Eichbeamte überprüfen regelmäßig, ob manipuliert wurde. Auf das hören südkoreanischer sender steht die Todesstrafe. (S. 167)

Unzweifelthaft ist Nordkorea ein seltsames Land mit einem absurden Personenkult um den lebenden Diktator und seine toten Vorgänger, massiver Unterdrückung der Bevölkerung und einem durch selbst entwickelte Atomwaffen und eine verhältnismäßig große Armee aufgebauten Bedrohungszenario, dass zumindest für die Region nicht zu unterschätzen ist.

Der 1972 geborene TV-Autor und Satiriker Christian Eisert wuchs in der DDR auf und war als Kind fasziniert vom Foto einer bunten Wasserrutsche, die der damalige Diktator und Staatsgründer in einem Vergnügungspark errichten liess. Gut 25 Jahre später riest er an der Seite der Fotoreporterin Thanh Hoang nach Nordkorea – vorgeblich, um Weiterlesen

The Deep / Regie und Drehbuch: Baltasar Kormákur. Darst.: Ólafur Darri Ólafsson: […]

Heimaey (Westmännerinseln), Island, 1984. Gulli und fünf weitere Fischer fahren nach einer durchfeierten Nacht hinaus aufs Meer zum Fischefangen. Weit vor der Küste der Insel bleibt ihr Netz an einem Stein hängen und das Schiff kentert so schnell, dass kein Notruf mehr angesendet werden, geschweige denn das Rettungsboot klargenacht werden kann. Alle Männer landen in der mit 5 °C eiskalten See.

Trotzdem Gulli versucht, den Weiterlesen

Mir fehlt ein Tag zwischen Sonntag und Montag / Katrin Bauerfeind

Viele Eltern kennen das vielleicht: abends ist man so geschafft, dass man aus der vom Stadtbibliotheksbesuch mitgebrachten DVD-Auswahl konsequent alles aussortiert, was länger ist als 90 Minuten. Das ist schade, denn dadurch verpasst man einige ausgesprochen sehenswerte Filme – und auch so manche interessante Fernsehsendung, die dieses arg auf den Hund gekommene Medium durchaus zu bieten hat. Wie zum Beispiel das öfter gegen 21.30 Uhr auf 3Sat zu sehende Magazin Bauerfeind von Katrin Bauerfeind – eine Zeit, bei der wir durchaus schon intensiv an die Zahnbürste denken, wenn wir nicht einen der 90minütigen Filme ausgesucht haben und in den letzten 15 Minuten stecken.

Was hat nun dieser fehelnde Tag damit zu tun? Viel, denn Weiterlesen

Gebrauchsanweisung für Brasilien / Peter Burghardt

Es ist schon eine Weile her, dass ich das letzte Mal in Brasilien war. Aber die Faszination für dieses Land hat mich nach einigen Reisen dorthin nie ganz losgelassen: zu intensiv waren die Eindrücke und Erfahrungen mit Land und Leuten. Deshalb geraten Brasilien auch immer wieder in den Wahrnehmungsbereich meines Medienradars – was dann zur Lektüre von Büchern wie diesem führt.

Peter Burghardt hat geraume Zeit für die Süddeutsche Zeitung aus Lateinamerika berichtet und ist nach seinen ersten besuchen in Brasilien in den 1980er Jahren immer wieder in das Land zurückgekehrt. In „Gebrauchsanweisung für Brasilien“ zeigt er kenntnisreich viele Aspekte und Facetten dieses Landes, das sich in den letzten dreissig Jahren enorm verändert hat. Die brasilianische Mentalität mit all Weiterlesen

65 Jahre Grundgesetz – eine Feierei mit Navid Kermani

Eine Rede, auf die man nicht oft genug hinweisen kann …

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GG1Wir nehmen das ja so hin, dieses Grundgesetz. Und wir nehmen das manchmal gar nicht so ernst, so zum Beispiel den schönen Paragrafen 16, der eigentlich einmal schlicht hieß  Politisch Verfolgte genießen Asylrecht. Das haben 1993 deutsche Politiker unter weitgehender Zustimmung des deutschen Volkes durch einen Wust von hässlichen Zusätzen ausgehebelt. Nur so kann es sein, dass das reichste Land der EU die wenigsten Flüchtlinge aufnimmt. Egal ob es sich um solche handelt, die übers Mittelmeer nach Lampedusa flüchten, oder die vielen syrischen Flüchtlinge, die eher in der ach so bösen Türkei Zuflucht finden, als bei uns.

Aber damit wollte ich gar nicht anfangen. Eigentlich wollte ich so anfangen:
Gestern vor 65 Jahren trat das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in Kraft – und bis heute ist es ein, wenn auch an einigen Stellen notwendig geänderter (aus 2 mach 1), an andere Stelle (s.o. § 16) schwer vergewaltigter, aber doch grundlegender Text…

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Die Märchentante, der Sultan, mein Harem und ich / Helge Timmerberg

Reichtum ist auch nur ein Sandkasten auf dem Spielplatz unserer Träume, und das Wesen der Träume ist, dass wir sie verliren, wenn sie in Erfüllung gehen. (S. 251)

Als junger Mann erfährt Helge Timmerberg von einem nur lose überlieferten Märchen namens „Die Perlenkaravane“ und ist fasziniert sowohl von der Geschichte als auch von der scheinbaren Entdeckerin, Elsa Sophia von Kamphoevener, die nach eigenen Angaben in jungen Jahren als Mann verkleidet durch das osmanische Reich zog und vom Märchenerzähler Mazarlyk-dji Fehim Bey den Titel eines Maddah (Märchenerzählers) erhielt. Er und zwei seiner Freunde sind wie elektrisiert und planen fortan über viele Jahre einen Film über Kamhoevener und das Märchen, für den sie sogar namhafte Filmschaffende begeistern und Geld an Land ziehen können.

Fast dreissig Jahre wird Timmerberg auch und immer wieder in Sachen Kamphoevener reisen und sich dabei nicht nur Weiterlesen