Die fliegenden Bücher des Mister Morris Lessmore / William Joyce & Joe Blum. Übersetzt von Hardy Krüger Jr.

Der Kurzfilm mit dem gleichen Titel, zu dem auch eine erfolgreiche interaktive E-Book-App erschien, bekam 2012 einen Oscar. Im gleichen Jahr erschien die Geschichte auch als konventionelles Buch.

Erzählt wird die Geschichte des jungen Morris Lessmore, der Weiterlesen

Schnitzeljagd : Geheimtipps für Schatzsucher / Benoît Delalandre ; Caroline Koehly und Mathieu Binand (Illustration)

Kindergeburtstage zu feiern ist ab einem bestimmten Alter, dass wir etwa um den siebten Geburtstag herum verortet haben, gar nicht mehr so leicht. Man kann es sich natürlich leicht machen und die ganze Feieraktion outsourcen: man erspart sich einen Teil der Organisation, hat Betreungsverstärkung und vor allem einen Plan, wie das Ganze abläuft und damit auch Beschäftigung für die Kinder. Da wir mittlerweile wegen der großen Freundeskreise zwei Zwillingssomerfeste feiern, haben wir das mit dem ersten Fest, zu dem Schulfreunde der beiden geladen waren, auch so gemacht: den Auftrag bekam die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald mit ihrem Standort im Niendorfer Gehege – eine etwa einstündige Rallye wurde verbunden mit abschliessendem Stockbrotgrillen an dem von mir entzündeten und bei Sommerhitze erfolgreich und schweisstreibend in Gang gehaltenen Feuer.

Der Nachteil ist natürlich, dass es Geld kostet – und dem Ganzen naturgemäß ein wenig der Charme des persönlichen Engagements abgeht. Da ist eine selbst geplante Schnitzeljagd Weiterlesen

Vorläufige Chronik des Himmels über Pildau : Roman / Max Scharnigg

„Es war dieser Sommer, der mir bis heute immer in den Sinn kommt, wenn jemand das Wort Sommer mit jener schwärmerischen Langsamkeit ausspricht, es war so eigentlich bis heute mein erster Sommer. Wenn man die Zeit noch nicht kennt, weil man keinen Kalender und keine Uhr lesen kann, hat man die allerbesten Voraussetzungen für einen richtigen Sommer, in dem sich irgendwann in den ersten Anfängen eines überhitzten Nachmittags und zwischen den winzigen Blütenblättern eines Gänseblümchens nichts mehr bewegt und das Flimmern über dem Dach der Scheune zu einem Flimmern der ganzen Welt wird. So ein Sommer war das.“ (S. 143)

Jasper Honigbrod wächst auf einem abgelegenen, nur über einen Feldweg erreichbaren Einsiedlerhof bei seinem Vater und seinem Großvater auf. Die seit Jahrzehnten stetig in den Himmel wachsende, jährlich zu längende Hofstange gehört zu den auffallensten Merkmalen auf dem Hof neben einem unsichtbaren, uralten Fisch. Der Großvater Ludwig kümmert sich um den Mangold und anderes Gemüse und entwickelt absurde, aber erfolgreiche Pflegemaßnahmen wie Mangoldstreicheln und Gemüseduschen: der Hof ist nahezu autark und die wenigen nötigen Geldeinnahmen kommen hauptsächlich aus den Lizenzeinnahmen für ein vor langer Zeit entwickeltes Erntegerät, den „Orginial Pildauer“. Der hochintelligente Vater Max widmet sich seinen Forschungen. Dann gibt es da noch die rätselhafte Lene-Mama, die immer mal wieder auftaucht und die gefährtin des Vaters zu sein scheint – und fern des Hofes den Blick auf die tief unten liegende Landstrasse als einzige, sich über die Jahre veränderndes Zeugnis der Außenwelt.

An eben dieser Landstrasse geschieht eines Tages ein Weiterlesen

Film am Mittwoch: Hans Rosling’s 200 Countries, 200 Years, 4 Minutes – The Joy of Stats – BBC Four

Ja, ich weiss: der Film am Mittwoch sollte eigentlich eine gewisse Buchaffinität besitzen. Auf den ersten Blick wird das hier nicht zu erkennen sein bis auf die vielleicht zu erwähnende Tatsache, dass ich ihn auf einer Weiterlesen

Weniger sind mehr / Maybebop

A-capella-Gesang hat ja seine ganz eigenen Reize und ist in den vergangenen Jahren auch im Popmusikbereich recht populär geworden. Manhattan Transfer wird auch heute noch vielen ein Begriff sein – und die in den 1980ern recht populären britischen Flying Picketts setzten seinerzeit Maßstäbe. In Deutschland kennt man vor allem Bands wie Basta, die Wiseguys, die Fuenf oder Ganz Schön Feist – oder auch die Prinzen, die nicht selten aber auch Instrumente einsetzen und daher nicht ganz der „reinen Lehre“ zugeordnet werden können.

In den letzten Jahren ist zum Glück auch die 1992 gegründete Band „Maybebop“ bekannter geworden, die ich schon immer für besser hielt als die sehr populär, aber eben auch zuweilen recht seicht geworden Wise Guys. Die stark dem Weiterlesen

Little Miss Sunshine / Regie: Jonathan Dayton und Valerie Faris. Darst.: Abigail Breslin, Greg Kinnear, Toni Collette, Paul Dano, Steve Carell, Alan Arkin

USA, Albuquerque (New Mexiko): Familie Hoover lebt im tiefen Süden der Vereinigten Staaten. Vater Richard, ein Motivationstrainer, versucht verzweifelt, für sein erstes Buch („Neun-Stufen-Programm − wie man zu einem Gewinner wird“) einen Verlag zu finden. Mutter Sheryl beobachtet skeptisch die Bemühungen ihres übermotivierten Gatten, während ihr 15jähriger Sohn Dwayne beschlossen hat zu schweigen, bis die Air Force ihn als Testpiloten annimmt. Die pummelige Olive, seine kleine Schwester, träumt derweil vom Gewinn eines Schönheitswettbewerbs und wird darin durch ihren Trainer, Großvater Hoover, einen knorzigen unkonventionellen Mann, bestärkt. Komplettiert wird die Familie kurzfristig durch Sheryls homosexuellen, selbstmordgefährdeten Bruder Frank, einen der besten Proust-Experten Amerikas.

Als der eigentlich zweitplatzierten Olive überraschend der erste Platz im regionalen Vorentscheid zur „Little Miss Sunshine“ zufällt, eröffnet sich ihr die Chance, am Finale in Los Angeles teilzunehmen. Kurze zeit später ist die ganze Familie mit dem alten, sonnengelben VW Bus unterwegs in Richtung Westen auf einer Reise, die Weiterlesen

Über osteuropäische Hauptstädte, komplexe Auswertungsalgorithmen und die Frage, wer jetzt eigentlich das Buch gewonnen hat

Verlosungen haben ja so ihre ganz eigene Dynamik. Entweder wird einfach eingetütet und man zieht einen aus dem Beutel. oder man schaltet noch eine mehr oder weniger knifflige Frage vorweg, wie man sie gerne in Preisrätslen findet, für die man sich in der Regel zu schlau fühlt, weil eigentlich jeder die richtige Antwort kennt. Also etwa so etwas:

Wieviel Gramm sind 1 kg
a) 564
b) 1000
c) Zitrone

Oder man macht es sehr Weiterlesen

Der Tag, an dem Louis gefressen wurde / John Fardell

Louis und seine Schwester Sarah sind mit dem Fahrrad unterwegs. Da wird Louis mit einem Haps von einem Schluckster gefressen. Natürlich muss Sarah ihn sofort retten und radelt behände dem Schluckster hinterher. Doch leider wird der Schluckster von einem Grabscherix gefressen. Schnell baut sich Sarah ein von ihrem Rad angetriebenes Boot.

Doch als Sarah den Grabscherix eingeholt, wird der von einem Weiterlesen

Welttag des Buches: Gewinnen Sie das Buch aus dem Nicolai-Verlag?

Die Zusammenarbeit mit dem Nicolai-Verlag aus dem letzten Jahr zum 300. Jubiläum findet heute zum UNESCO-Welttag des Buches eine Fortsetzung: auf Jargsblog wird ein Exemplar des Romans „Czernin oder wie ich lernte, den Ersten Weltkrieg zu verstehen“ von Hans von Trotha verlost.

Ein Roman, dem in diesem Gedenkjahr an die Schrecken des 1. Weltkrieges eine Weiterlesen

Was können Sie tun für das Recht auf elektronisches Lesen?

Am 8. April waren E-Books und das Recht auf elektronisches Lesen ja schon mal Thema auf Jargsblog – mit einiger Resonanz, da vielen das Thema und seine Brisanz für eine informierte, offene und freie Gesellschaft offenbar gar nicht so recht bewußt ist.

In dem genannten Beitrag ging es um Schreiben an die zuständigen Abgeorbneten. Heute geht es um mehr, nämlich um Weiterlesen

Der Zauber der Wirklichkeit : die faszinierende Wahrheit hinter den Rätseln der Natur / Richard Dawkins. Illustriert von Dave McKean

„Vieles bleibt rästelhaft, und wahrscheinlich werden wir nie alle Geheimnisse unseres Universums lüften. Aber mit Hilfe der Wissenschaft können wir zumindest sinnvolle Fragen stellen und glaubwürdige Antworten erkennen, wenn wir sie finden. Wir haben es nicht nötig, uns haarsträubende Geschichten auszudenken: Der Spaß an echter wissenschaftlicher Forschung und Entdeckerfreude beflügelt unsere Phantasie; am Ende ist das spannender als jede Fantasy.“ (S. 200)

Oft wird ja Menschen mit einem durch die Naturwissenschaften fundierten Weltbild unterstellt, sie hätten eine auf physikalische, chemische und biologische Zusammenhänge reduzierte Sicht auf die Wirklichkeit, die nahezu emotionsfrei alles auf seine erklärbaren und noch zu erklärenden Bestandteile reduziere und im Menschen nur noch eine drüsengesteuerte DNA-Reproduktionseinheit sehen. Wissenschaft stellt sich in den Augen dener, die solche Vorwürfe formulieren, poesiefern und ohne jedes Gefühl für Schönheit dar: so wie einst Newton nach dem Zerlegen des Lichtes in seine Spaktralfarben vorgeworfen wurde, er hätte den Zauber des Regenbogens zerstört, wird die Wissenschaft gerne als keimfreie, emotionslose Zone nüchterner Analyse empfunden und dargestellt.

Der britische Biologe Richard Dawkins hat sich bereits in früheren Bücher (s.a. „Der entzauberte Regenbogen“) dafür eingesetzt, die Posie und Schönheit von Erkenntnisse und Fragen der Wissenschaften sichtbarer zu machen. Mit „Der Zauber der Wirklichkeit“ hat er zusammen mit dem Illustrator Dave McKean ein geradezu Weiterlesen

Die Krone der Schöpfung : die grössten Irrtümer über uns Menschen / Gunter Müller

Man ist also selbst nur ein ehrfurchterregend-furchtbarer Zufall, den der kosmische Zufall gewählt hat – „survival of the luckiest“. Letztendlich ist die menschliche Existenz nicht mehr als eine Art Unfall, oder besser – ein Witz. (S. 84)

Selbstüberschätzung gehört zu den prägenden Wesensmerkmalen des Menschen. Wir halten uns gern für den Mittelpunkt des Universums, manche von uns gar als auserwählte Spitzenlebewesen eines angeblich allmächtigen Schöpfers. Schliesslich haben wir ja so einen klaren Verstand, stehen an der Spitze der Nahrungskette, sind das absolute Alphatier auf diesem Planeten?

Ist das wirklich so? Gunter Müller berichtet über zahllose Studien und Versuche, die uns Menschen in Weiterlesen

Das Leben des Brian oder: Monty Python’s Life of Brian / Regie: Terry Jones

„Ach, komm Brian. Lass uns zur Steinigung gehen.“ -„Zur Steinigung kannst du jeden Tag hingehen!“ (Filmzitat)

„Ich bin nicht der Messiahs! Würdet ihr mir bitte zuhören! Ich bin nicht der Messiahs! Versteht ihr das? Ganz, ganz ehrlich!“ – „Nur der wahrhaftige Messiahs leugnet seine Göttlichkeit!“ „Was? Ihr müsst mir doch „ne Chance lassen, da rauszukommen! Also gut: Ich bin der Messiahs!“ – „Er ist es! Er ist der Messiahs!“ (Filmzitat)

Man darf gespannt sein: im letzten Jahr wurde das Verfahren gegen die Bochumer Atheisten, die am Karfreitag „Das Leben des Brian“ öffentlich aufgeführt haben, ja eingestellt. Zur Erinnerung: der Gesetzgeber hat die Möglichkeit, an hohen Feiertagen die Aufführung von Filmen zu untersagen, die er für ungeeignet hält.

Sie tun es natürlich wieder – und da der zuständige städtische Dezernet die Einstellung des Verfahrens im letzten Jahr nicht als Freibrief verstanden wissen will, kann man wohl davon ausgehen, dass die durchaus als gezielte Provokation gedachte Aufführung abermals juristisches Geplänkel nach sich zieht in unserem vorgeblich säkularen Land. Diesmal wollen die zuständigen Behörden bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen – wünschen wir also dieser Initiative gegen religiöse Bevormundung die Aufmerksamkeit, die ihr zu recht zusteht und hoffen wir, dass die möglichen juristischen Folgen der Aufführung die Absurdität solcher Gesetze offensichtlich machen.

Worum geht es in dem Film? Brian, ein schlichtes und eher introvertiertes Gebüt, wird zur gleichen Zeit wie Jesus geboren. Er verliebt sich in die leidenschaftlich Weiterlesen

Persönlichkeitsrechte für Tiere : die nächste Stufe der moralischen Evolution / Karsten Brensing

„Was ist nun mit Kindern, die, bedingt durch eine Erbkrankheit, in ihrer Entwicklung gehemmt sind, niemals sprechen werden und sich auch nicht im Spiegel erkennen? Sind sie Menschen und haben sie Menschenrechte? Ja, natürlich! Doch warum sind wir so streng, wenn es darum geht, Tieren, die in den kognitiven Fähigkeiten weit über die eines Kleinkindes oder eines kognitiv behinderten Menschen hinausgehen, gewisse Rechte und Freiheiten zuzugestehen? (S. 197).“

Bereits Antoine F. Goetschel hatte sich ja in „Tiere klagen an“ auf sehr differenzierte Weise mit Tierschutz, dem Verhältnis Mensch und Tier und den Rechten von Tieren auseinandergesetzt. Der Meeresbiologie und Verhaltensforscher Karsten Brensing, der sich mit Delphinen beschäftigt und für die internationale Wal- und Delfinschutzorganisation WDC arbeitet, diskutiert in „Persönlichkeitsrechte für Tiere“ auf der Basis zahlloser wissenschaftlicher Untersuchungen den gegenwärtigen Stand der Forschung über das Bewusstsein von Tieren, ihre empathischen, kognitiven und soziokulturellen Fähigkeiten und leitet daraus weitgehende Weiterlesen

Ein Shelfie auf Jargsblog? Oder eine Vorschau auf den Welttag des Buches?

Der Gedanke liegt nahe, auch auf Jargsblog einmal eines der beliebten Shelfies zu bringen, wie man sie derzeit in vielfältiger Auswahl des Öfteren auf dem wunderbaren Blog von Philea bewundern kann. Nur das dies kein wirkliches Shelfie ist, sondern mehr eine Ankündigung:

Am 23. April 2014, dem Welttag des Buches, wird auf Jargsblog ein Buch verlost, das freundlicherweise vom Nicolai Verlag Berlin für diesen Zweck zur Verfügung gestellt wird, der auch den Anstoss dazu gab.

Man darf also gespannt sein. Bleiben Sie dran, denn am Morgen des 23. April geht es los. Dann erfahren Sie nicht nur, um welches sehr lesenswerte Buch es geht, sondern auch, was Sie tun müssen, um an der Verlosung teilzunehmen. Also bleiben Sie dran …!

In der Wüste gibt es keine Osterhasen / Pepe Nero. Mit Illustrationen von Sybille Hein.

„Osterhasen sind ja nicht bescheuert“. Nein, die sind schlau. Deshalb verstecken sie in der Wüste auch keine Ostereier, denn es ist Weiterlesen

Urmel saust durch die Zeit / Max Kruse

„Ich finde es wichtig, dass die Kinder, das kennen lernen, was uns die Wissenschaft enthüllt. Wenn Sie so wollen, ist das ein aufklärerischer Impuls. Außerdem ist mir der Respekt gegenüber der Natur, den anderen Lebewesen ein großes Anliegen. Denn die Evolutionsgeschichte zeigt es deutlich: Der Mensch ist Teil der Natur und steht nicht über ihr; schließlich sind alle irdischen Lebewesen miteinander verwandt.“ (Max Kruse über „Urmel saust durch die Zeit„)

Es war ja klar. Professor Habakuk Tibatong baut einen Raumzeitgleiter – und das Urmel drückt natürlich einfach auf den Weiterlesen

Die tollkühne Rückkehr von JanBenMax / Zoran Drvenkar

Drei Tage waren JanBenMax verschwunden – und kehren zur Erleichterung ihrer Eltern und ihres Onkels heim. Doch sie haben sich verändert: Jan hat Weiterlesen

Die sanfte Entführung des Potsdamer Strumpfträgers / Christian Ritter

Es ist ja immer so eine Sache mit den Büchern, die in der Bibliothek meines Vertrauens unter Witz & Satire bzw. Humor firmieren: etliche Titel sind mir zu zeitgeistig, haben eine vergängliche Comedyattitüde oder sind gewollt komisch. Natürlich gibt es immer wieder Ausnahmen – und da ich in letzter Zeit sehr viele melancholische, zuweilen gar düstere Bücher gelesen habe, habe ich beherzt im besagten Bereich gesucht und mir letztlich aus der „Onleihe zwischen den Meeren“ das vorliegende Buch des Poetry-Slammers und Autors Christian Ritter gezogen. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Zur Geschichte: derr Mitdreissiger Paul wohnt seit etlichen Jahren draussen auf dem Land auf dem alten Bauernhof von Herrn Müller. Womit Herr Müller sein Geld verdient, weiss man ebenso wenig wie seinen Vornamen. Paul jedenfalls arbeitet seit achtzehn Jahren im Dorfsupermarkt als rechte Hand der Chefin, plaudert entspannt mit der bald achtzigjährigen Frau Rottenbauer, wenn die mit ihrem Klappstuhl vier Weiterlesen

Kann man E-Books kaufen? Und warum hat meine Bibliothek viele Bestseller nicht als E-Book?

Um es gleich am Anfang zu beantworten: so einfach ist es mit dem Kauf von E-Books nicht. Rein rechtlich betrachtet erwerben Sie als Privatnutzer, wenn Sie für ein E-Book bezahlen, nur Weiterlesen

Der vierte Versuch : Roman / Catherine O’Flynn

Birmingham, England. Frank Allcroft ist seit etlichen Jahren Moderator bei einem regionalen Fernsehsender in Birmingham. Als lokaler, relativ farbloser Anchorman der Nachrichtensendung mit zuverlässig schlechten Scherzen und einem Hang zu unpassenden Krawatten steht er immer noch im Schatten seines extrovertierten Vorgängers Phil, der es zu landesweiter Berühmtheit brachte, bis er bei einem rätselhaften Unfall starb.

Die Bauten von Franks Vater, einem früh gestorbenen Architekten, werden nach und nach abgerissen, was Franks kleine Tochter nicht wenig entsetzt und Frank zu einigermaßen hilflosen erklärungsversuchen ansetzen lässt. Franks Mutter hat sich rasch jeglicher Lebensfreude entledigt und fristet ihr Dasein als einer der jüngeren Bewohnerinnen in einem Seniorenheim. So reserviert sich Frank im Alltag gibt, so besorgt ist er um das Wohlergehen von Frau und Tochter. Frank, privat ein leiser Melancholiker, ist trotz seiner Berufes nicht zynisch oder abgestumpft geworden und bewahrt sich seine Sensibilität für die persönlichen Tragödien hinter den Nachrichten. Nicht selten ist er der einzige Trauergast bei der Beedrigung eines Menschen, über dessen einsamen Tod er kurz zuvor noch berichtet hat.

Eines Tages berichtet er über den Tod von Weiterlesen

Europa Report / Regie: Sebastian Cordero. Darst.: Sharlto Copley, Michael Niquist ; Anamaria Marinca …

„Verglichen mit dem Wissen, das es noch zu entdecken gilt – was bedeutet da dein Leben?“ (Zitat aus dem Film)

Science-Fiction ist ein besonderes Filmgenre, das leider nicht selten langweiligen Stereotypen folgt und eine einfache, holzschnittartige Geschichte um den Kampf zwischen Gut und Böse mit viel unrealistischer Weltraumballerei verbindet. In den besten Momenten findet diese Variante zu epischem Charakter und bietet gute Unterhaltung ohne allzuviel Tiefgang (wie bei Star Wars) oder mutiert zum zukunftsgewandten Abenteuer (Star Trek). Dann gibt es da eine Unzahl wilder Ballerfilme mit latexbekleideten Helden und Schurken, Verschnitte mit anderen Genres wie Horror oder esoterisch verquasten Quark wie „The Fountain“. Und es gibt köstliche Satiren wie „Dark Star“, „Space Balls“ oder „Mars Attacks“.

Aber es gibt da noch den anderen Science-Fiction-Film, der mehr in die Tiefe geht und das Genre dafür nutzt, sich in Verbindung mit zukünftigen Technologien, mit dem Menschen, seiner Ausgesetztheit, seinem Wissensdrang, seinen Sehnsüchten und seinen Ängsten auseinanderzusetzen und die Rolle des Menschen zu reflektieren: von dieser Variante wurden hier zuletzt „Love“, „Moon“ und „Monsters“ vorgestellt. Filme wie diesen:

Im Jahr 2061 bricht das technisch hochgerüstete, mit allem Komfort ausgestattete Raumschiff „Europe One“ mit Weiterlesen

Die Stein-Strategie : von der Kunst, nicht zu handeln / Holm Friebe

„Viele kamen allmählich zu der Überzeugung, einen großen Fehler gemacht zu haben, als sie von den Bäumen heruntergekommen waren. Und einige sagten, schon die Bäume seien ein Holzweg gewesen, die Ozeane hätte man niemals verlassen dürfen“ (Douglas Adams: Per Anhalter durch die Galaxis.“ Zitiert nach: Holm Friebe: Die Stein-Strategie, S. 158)

Unsere Zeit postuliert den permanenten Wandel auf allen Ebenen. Ob in Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft: wer sich nicht bewegt, hat verloren und dem aktiven Macher gehört die Stunde. Aber ist das wirklich der richtige Weg? Müssen wir immer Handeln, immer aktiv eingreifen, stets den Fortschritt im Auge haben, um als Menschen glücklich zu sein, ein sinnvolles Leben zu leben und als Menschheit insgesamt voranzukommen? Alle stehen permanent unter Strom und der Burn-out (den man vor 100 Jahren Neurasthenie nannte) feiert fröhliche Urstände. Dabei zeigt uns doch schon die statistische Analyse typischen Torhüterverhaltens im Fußball, dass es im Zweifel beim Elfmeter besser ist, einfach stehen zu bleiben, statt in die linke oder rechte Torecke zu hechten.

Holm Friebe legt mit seinem überaus klug aufgebauten Buch „Die Stein-Strategie“ den Finger in die Wunden, die unser täglicher Aktionismus mittlerweile schlägt: ein Aktionismus, der vom Weiterlesen

Onkel Oswald und der Sudankäfer / Roald Dahl

Der Erzähler bekommt eine Lieferung merkwürdiger Holzkisten und entdeckt darin die Tagebücher seines verblichenden Onkels Oswald, eines reichen Lebemannes und berüchtigten Frauenverführers. Posthum veröffentlicht er zwei der Tagebücher – und wird nach dem zweiten Band überrannt von Anfragen und Angeboten: denn Onkel Oswald war der Entdecker eines Parfums von wahrhaft gigantischer aphrodisischer Potenz war, dass jeden Mann sofort willenlos und leidenschaftlich einer Frau verfallen liess, die danach duftete. Alle Welt scheint nach diesem Parfum zu fragen und dem Erzähler werden höchste Summen geboten für eine Substanz, von der er tatsächlich nicht ein Tröpfchen besaß.

Der Erzähler wagt es Jahre nach diesen dramatischen Folgen der Publikation, einen weiteren Band zu veröffentlichen: wohl ahnt er, dass die damit verbundenen Enthüllungen viele Freunde und Familienangehörige erschüttern könnten, schätz aber ihren wissenschaftlichen und historischen Wert wesentlich und die daraus folgende Notwendigkeit der Veröffentlichung höher ein.

Tatsächlich nämlich ist sein Onkel Weiterlesen

Die Kinder des Monsieur Mathieu / Regie: Christophe Barratier. Darst.: Gérard Jugnot ; François Berléand ; Kad Merad …

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Vorgeschichte: der erfolgreiche Dirigient Pierre Morhange fliegt von New York nach Frankreich, um seine Mutter zu beerdigen. Danach trifft er Pépinot, mit der als Kind ein berüchtigtes Internat für schwer erziehbare Jugendliche besucht hat. Von ihm erhält er das Tagebuch ihres ehemaligen Lehrers und Aufsehers Clément Mathieu, der 1949 als erfolgloser Musiker an dem Internat ein Auskommen sucht.
Als Clément Mathieu 1949 an das Internat kommt, steht es Weiterlesen

Die tollkühnen Abenteuer von JanBenMax / Zoran Dvrenkar

Immer wieder Mittwochs geschieht es: Mutter fällt ganz plötzlich ein, dass sie jetzt unbedingt wegmuss. Dann kommt die alte Frau Metzler von oben, um auf die Brüder Jan, Ben und Max aufzupassen. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn nach dem üblichen Weiterlesen

Erobern Steine den Planeten?

Bei diesem Sonnenwetter bleibt in meinem verspäteten Frühlingsurlaub leider keine Zeit für das Lesen von Büchern und das Verfassen von Rezensionen. Dabei sind die tägliche Tour zur Schule und zurück, Vorbereitungen für das Mittagessen und andere Haushaltstätigkeiten nicht unbedingt die wesentlichen zeitbindenden Faktoren. Überraschenderweise ist es der unspekatulär erwscheinende Entschluss, den Balkonbelag zu sanieren, der gegen den erklärten Protest des männlichen Zwillings überfällig ist, hat sich doch in der geliebten zeh Jahre alten Beplankung mittlerweile allen Ölungen zum Trotz allerlei holzzersetzendes organisches Material angesiedelt.

Eine unscheinbare Entscheidung mit weitreichenden Folgen. Denn sowohl die Entsorgung der alten Beplankung bei dem neuen, komplett anders anzufahrenden Recyclinghof als auch das Besorgen der neuen Balkonbeläge wuchsen sich zu einer wahren homerischen Odyssee durch den flächendeckend mit Baustellenengpässen durchsetzten Westen der Stadt aus. Aber wie schon Odysseus weiland auf seiner nicht enden wollenden Reise eine Erfahrung nach der anderen sammelte, konnte ich mich – glücklich die Weiterlesen

Tage des letzten Schnees : Roman. (Ein Kimmo-Joentaa-Roman ; 5) / Jan Costin Wagner

„Sie begann abzuräumen, zuerst den unberührten Teller, der vor einem unbesetzten Stuhl stand. Dann alles andere. Lasse Ekholm saß wie erstarrt, und Joentaa stand auf und begann, beim Abräumen zu helfen. Er erinnerte sich an den Tag nach Sannas Tod. Er hatte ähnlich gehandelt und vermutlich ähnlich empfunden.
Er hatte Sanna sterben sehen, in der Nacht, aber nicht begriffen, dass es wirklcih passiert war. Am Morgen danach hatte er auf dem Steg am See gelegen und war eingeschlafen, in einem Moment, in dem er glaubte, nie mehr schlafen zu können. Und dann war er zur Arbeit gegangen, hatte normale Dinge getan, normale Worte gewechselt, obwohl nichts mehr normal gewesen war, und dann war er in eine Ermittlung abgeglitten, die eine Art Linderung gebracht hatte, weil sie sich ebenso surreal angefühlt hatte wie der Gedanke an Sannas Tod“. (S. 83-84)

Kimmo Joentaa, der melancholisch-deppressive Kommissar im finnischen Turku, den wir zuletzt in „Das Licht in einem dunklen Haus“ erlebt haben, lebt weiterhin in seinem einsamen Haus am See, beglückt, wenn die Frau, die er liebt und die sich Larissa nennt, unvermittelt bei ihm auftaucht nach langen Wochen oder Monaten unerklärter Abwesenheit.

Es ist Mai, es hat geschneit und Joentaa muss in zwei Fällen ermitteln: zum einen bei einem schweren Unfall mit Fahrerflucht, dem ein 11jähriges Mädchen zum Opfer fiel. Zum anderen im Fall der zwei Toten, die wie Weiterlesen

Open Range : Weites Land / Regie: Kevin Costner. Darst.: Kevin Costner ; Robert Duvall ; Annette Bening ; Michael Gambon ; Michael Jeter

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Freegrazer sind Cowboys ohne Land, die ihre Rinderherden über nicht eingezäuntes, freies Weideland treiben. Boss Spearman (Robert Duvall) ist ein solcher Freegazer, und zusammen mit Kriegsveteran Charley Waite (Kevin Costner), dem starken, aber sanften Mose und dem jungen Grünschnabel Button treiben sie gemeinsam ihre Rinder über das Land und halten bei allem zusammen, was sich ihnen an Unbill in den Weg stellt.

Doch als sie Harmonville erreichen, scheint es vorbei zu sein mit der friedlichen Reise. Das Dorf und seine eingeschüchterten Bewohner werden von dem herrschsüchtigen und brutalen Rancher Denton Baxter und seinen Leuten kontrolliert, dem die Freegrazer ein Dorn im Auge sind. Als Spearman nicht auf seine Auffoderung reagiert, das freie Weideland zu verlassen, Weiterlesen

Fuchs ganz nah : die Geschichte einer Freundschaft / Klaus Echle ; Anna Rummel

Füchse habe ich schon immer als schöne und faszinierende Tiere empfunden und mich immer gefreut, wenn ich in freier Wildbahn mal eines der scheuen Tiere entdecken konnte. Füchse sind ja mittlerweile nicht nur in Wald und Flur, sondern auch in den Städten anzutreffen, da das Nahrungsangebot dort für sie oft reichhaltiger und attraktiver ist als in der durch die Landwirtschaft verkargten Landschaft ausserhalb menschlicher Ansiedlungen.

Die Forstwirtin Anna Rummel wird an einem schönen Maiabend auf ihrem Hochsitz von einem Weiterlesen

Der Himmel über Greene Harbour : Roman / Nick Dybek

„Es regnete im Herbst, im Winter und im Frühling. Der Himmel hob und senkte sich; der Ozean zog sich zurück und rauschte heran, aber bis zu jenem Sommer, in dem ich vierzehn Jahre alt wurde, blieb Loyality Island so, wie es war.“ (S.12)

Die gesamte Existenz der Menschen in Loyalty Island auf der Olympic-Halbinsel im Nordwesten der USA hängt seit vielen Jahrzehnten unabdingbar vom Fischereiunternehmen der Familie Gaunt ab: alljährlich, wenn der Sommer vorbei ist, fahren die Männer für Monate tausende Meilen nach Norden in die arktische See, um zu fischen, und lassen ihre Familien zurück.

Auch der 14jährige Cal sieht seinen Vater dann für lange Zeit nicht, da er noch zu jung ist, um mit hinauszufahren. Doch er ist erwachsen genug um zu wissen, dass der gesamte Ort an dem Betrieb der Gaunts hängt. Auch spürt er, dass es um die Ehe seiner Eltern nicht besonders gut bestellt ist: ständiger Streitpunkt zwischen seinen Eltern ist, ob auch er mit auf See fahren darf, was seine Mutter strikt ablehnt. Sie, eine lebenslustige Frau, die vor vielen Jahren wegen Cals wortkargem Vater Henry aus Kalifornien herzog, ist erkennbar unglücklich mit ihrem Leben und zieht sich oft in einen eigens von seinem Vater eingerichteten Kellerraum zurück, in dem sie ihre geliebten Platten hört, ab und zu vom alten John Gaunt beuscht wird und zu vergessen versucht.

Doch in diesem Sommer Weiterlesen

Irgendwie hatten wir uns das anders vorgestellt : der Traum vom perfekten Urlaub / Martin Hecht

„Ob ein Urlaub gelingt oder nicht: am Ende liegt es nur an uns selbst. Der dreckigste Strand, die übelste Herberge und der mieseste Fraß im Restaurant können nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein gelungener Urlaub keineswegs von äußeren Faktoren abhängt. Es geht am Emde immer um ein Talent, eine erfüllte Zeit erleben zu können. […]. In jeder Urlaubsreise ist der Weg angelegt, wie wir diese innere Erfüllung finden könne. Denn freie Zeit motiviert uns immer, uns auf die Suche nach uns selbst zu begeben. Und fast immer ist es so: wer suchet, der findet. (S. 297)“

Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt: ich lese ja gerne Bücher über das Reisen und erwartete mehr oder weniger lediglich ein solides Buch über missglückte Reise und darüber, wie man es besser machen könnte. Im schlimmsten Fall hätte ich eines jener Bücher erwischt, die bissig über alle möglichen Dienstleistungen herziehen, nach dreissig Seiten jedoch unglaublich zu langweilen beginnen.

Doch das Buch von Martin Hecht erwies sich als weitaus mehr: es ist überaus Weiterlesen

Gibt das Blasen an den Füßen?

Gänzlich unerwartet entschlief heute Nacht unser Wlan-Zugang und war trotz intensivmedizinischer Wiederbelebungsmaßnahmen wie Steckerziehen, Reset oder sanftem Streicheln über das Netzteil nicht wieder zum Leben zu bringen. Auch Drohungen und unflätige Flüche nutzten nichts.

Wir trauern zusammen mit Weiterlesen

Zitat am Freitag: Humboldt über den Sinn der Wissenschaft

„In einem Zeitalter, wo man Früchte oft vor der Blüte erwartet und vieles darum zu verachten scheint, weil es nicht unmittelbar Wunden heilt, den Acker düngt, oder Mühlräder treibt, […] vergißt man, daß Weiterlesen

Die gelbflügelige Grabwespe : ein elektroakustisches Hörbuch / Jean-Henri Fabre. Vorgelesen von Gert Heidenreich

Hörbücher gehören ja eher selten zu meinem Beutespektrum bei Bibliotheks- und Buchhandlungsbesuchen. Dennoch findet gelegentlich eines den Weg in meine Kopfhörer. Dieses Hörbuch aber ist etwas ganz besonderes, denn es wurde mir zur echten Entdeckung eines Autors und Forschers, von dem ich zwar wusste und dessen Bücher mir vor vielen Jahren von einem geschätzten Freund und Kollgenen geschenkt wurden, die ich bisher aber nicht gelesen habe.

Der französische Naturwissenschaftler, Dichter und SchriftstellerJean-Henri Fabre wurde 1823 geboren und gilt als einer der ersten Verhaltensforscher, der seinen Schwerpunkt vor allem auf Insekten legte, in seinem Fach einen Ruf als begnadeter Pädogoge hatte, etliche populärwissenschaftliche Sachbücher für Jugendliche schrieb und aufgrund seiner auch sprachlich-literarisch ansprechenden Schreibweise 1912 für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen wurde. Die Werke des genau beobachtenden und beschreibenden Forschers wurden in viele Sprachen übersetzt und sind auch heute noch erhältlich. Er starb hochbetagt 1915.

In „Die gelbflügelige Grabwespe“ geht es im Wesentlichen nur um Weiterlesen

Weglaufen beim Zuhören? Über Hörbücher, Lauftraining und vergessene Zeit.

Bekanntermaßen sind Hörbücher (im Gegensatz zu Hörspielen) ja nicht so ganz meine Welt: ich brauche meistens doppelt so lang, weil ich dabei gerne einschlafe (für weitergehende Informationen hier klicken), was zudem deutlich die Gefahr erhöht, mit dem Zug an meiner jeweiligen persönlichen Endhaltestelle vorbeizufahren oder gar – Horrorvorstellung jedes Pendlers – auf dem Abstellgleis zu landen. Beim zweiwöchentlichen Bügeln meiner Hemdenausstattung kommt Hörbuchhören ebenfalls nicht in Frage, weil aus dem CD-Spieler in dem einen Zwillingskinderzimmer bereits „Star Wars – Die dunkle Bedrohung“ und aus dem anderen die kürzlich von meiner Tochter in meinem CD-Regal entdeckten „Gesänge von Buckelwalen“ zu hören sind.

Hörbuchhören beim Duschen scheidet ebenfalls aus, weil ich bekennender Kurzkaltduscher bin (irgendwie muss der Sommerurlaub ja finanziert werden) und im Auto geht es auch nicht, weil es meistens meine Frau hat, um damit zur Arbeit oder zum Pferd zu fahren und ich auch nicht einfach mal so nur wegen der schönen Stimme von Gerd Heidenreich nach Berlin und zurück fahren will. Beim gelegentlichen Kochen für die Kinder ist es ebenfalls unmöglich, konzentiert zuzuhören, weil es erstens schnell gehen muss und zweitens immer wieder eingeworfene skeptische Kommentare der Kinder („Was ist das Grüne?“ … „Riecht gut, schade, dass ich sowas nicht esse!“ … „Ich will Müsli!“) ebenfalls nicht hörförderlich sind.

Trotzdem ich zumindest im Winterhalbjahr, wenn mich mein Lauf-Rundkurs aufgrund der Dunkelheit nur mehrfach um den Zoo führt, gelegentlich beim Joggen Musik höre, bin ich bisher auch nicht auf die Idee gekommen, einmal beim Laufen einem Hörbuch zu lauschen. Wenn ich die große Runde durch den nahen Wald laufe, verzichte ich sowieso grundsätzlich auf die Mitnahme des MP3-Players, weil ich dann lieber offene Ohren für die Natur um mich herum habe.

Doch jetzt ist es doch passiert: ich habe mir bei einem abendlichen Lauf um den Zoo ein Hörbuch auf die Ohrschnittstelle gelegt. Prompt bin glatt zwanzig Minuten länger gelaufen als geplant und vorgesehen, weil es so unglaublich spannend war, dass ich nicht aufhören konnte. Bedeutet das jetzt, dass

a) Hörbücher bald zu den Dopingmittel zu rechnen sind?
b) der nächste Hamburg-Marathon für mich problemlos zu bewältigen ist und ich mich schon mal für den Iron-Man auf Hawai im Oktober bewerben kann?
c) ich mir niemals die komplette Lesung von Herman Melvilles „Moby Dick“ beim Laufen anhören sollte, weil ich dann vermutlich nicht mehr nach Hause komme, sondern irgendwann Tage später erschöpft und verwirrt in München aufgegriffen werde und auf die Frage, wer ich bin, nur noch „Nennt mich Ismael!“ stammeln kann?

Man weiß es einfach nicht. Vielleicht lag es auch am Thema des Hörbuches, nämlich der „gelbflügeligen Grabwespe“. Oder an Gerd Heidenreich. Vielleicht beeindrucken mich Erzählungen über gelbflügelige Grabwespen, die Gerd Heidenreich heissen – pardon: von ihm vorgelesen werden – derart, dass ich – ähnlich emsig wie dieses Tier gräbt – nicht mehr aufhören kan zu laufen. Zum Glück für mich: unaufhörliches Graben wäre nicht so gut gewesen in Anbetracht der naheliegenden U-Bahn-Schächte.

Fest steht, dass die Schilderungen Jean-Henri Fabres über das erwähnte Insekt, die Gerd Heidenreich gewohnt schön vorliest, mich dermaßen beeindruckt haben, dass an dieser Stelle in Kürze die Rezension zu diesem dopingverdächtig beeindruckenden Hörbuch zu finden sein wird und ich beim nächsten Laufen „Der heilige Pillendreher“ (gleicher Autor, gleicher Vorleser) auf die Ohrschnittstelle lege. Hauptsache, ich schiebe danach nicht völlig versunken rückwärts Autos durch die Gegend und vergrabe sie im Garten.

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