Alle Welt : Das Landkartenbuch / Aleksandra Mizielinska und Daniel Mizielinski

Bekanntermaßen schätze ich schöne Bücher über andere Länder, lese gerne Reiseberichte und habe ein gewisses Faible für ansprechend gestaltete Landkarten und Atlanten. „Alle Welt“ von den beiden polnischen Buchgrafikern Aleksandra Mizielinska und Daniel Mizielinski fiel mir in der Bibliothek in die Hände – und ich mochte es nach dem Ausleihen bald nicht mehr loslassen, so sehr fesselte mich das in jeder Hinsicht schön gestaltete und gemachte Buch.

Insgesamt 51 Karten von allen Kontinenten und 51 Ländern, darauf über 4000 kleine Vignetten und Symbole, knapp erklärt mit eigens für das Buch entworfenen Schrifttypen, machen „Alle Welt“ zu einem wahren Stöber-Schatz durch die Vielfalt der Welt. Man mag kaum den Blick von den Buchseiten heben, staunt, wundert sich, ist amüsiert und beeindruckt zugleich: für die vorgestellten Länder und Regionen der Welt wurden typische Dinge, Menschen, Stile, Landschaftsformen, Tiere, Pflanzen und andere besondere Merkmale auf kleinen Miniaturen in das jeweilige, vereinfachte gestaltete topografische Umfeld gesetzt, so dass dem Betrachter eine optisch unterstützte Tour de Force durch die Besonderheiten unseres Planeten, seiner Bewohner und seiner sonstigen Merkwürdigkeiten möglich wird.

Beispiel Kanada: Da sehen wir eine Zuckerhütte in Kanada (Erläuterung: „Hier wird Ahornsiup gekocht“), daneben den Oka-Käse. von dem aus der Blick zu einer Landmarke namens „L’anse aux meadows“ schweift („Hier landeten um das Jahr 1000 die ersten isländisch-grönländischen Seefahrer in Nordamerika“). Eine Fingerlänge weiter erfahren wird, auf welcher Insel die Kinderbuchheldin „Anne auf Green Gables“ lebte („Prinz-Edward-Insel“), fliegen mit der Fingerkuppe über die Niagarafälle, sehen kurz darauf, wo die Irokesen lebten und landen vielleicht beim Flachs, der in Saskatchewan angebaut wird.

Die auf das Wesentliche reduzierten, schönen Darstellungen und die knappe, pointierte Beschriftung machen das Buch zu einer Mischung aus Wimmelbuch und erstem Atlas. Die Verbindung von grafisch hervorragender Umsetzung und einer schönen, auf festen Papier umgesetzten Buchgestaltung machen das Buch zu einem echten Hingucker für Kinder und für an schönen Büchern interessierte Erwachsene. Ab 8 Jahren und für alle ein echter Buchschatz mit guten Aussichten auf einen Platz bei Jargsblogs Beste 2014!

August in der Tonne: über Beeren, fliessendes Wasser an ungewöhnlichen Orten, Schadenfluten und warum man sich Jarg trotzdem als glücklichen Menschen vorstellen sollte

Sitzt Du im Loch hör auf zu graben!! (Martin Baltscheit: Der Tag, an dem die Musik verboten wurde)

Nein, natürlich kann der August nichts dafür. So ein Monat ist ja grundsätzlich schuldlos an menschlichem Unbill. Dennoch war spätestens ab Mitte letzter Woche klar, dass der Jahrgang 2014 dieses grundsätzlich für ein Sommerkind wie mich mit angenehmen Erwartungen und Erinnerungen verbundenen Monats insgesamt eher einen sauren Abgang haben würde.

Dabei fing alles so vielversprechend an an jenem ersten Tag des Monats: mit dem noch zu patentierenden Brombeerhaken und mit der – nervige Bremsen und Waldspaziergänger fernhaltenden – Schutzkleidung gerüstet, konnte ich im Schwabenurlaub in meiner hohenlohischen Beerenbonanza, diesem Shangri-La des modernen Weiterlesen

Journeyman : 1 Mann, 5 Kontinente und jede Menge Jobs / Fabian Sixtus Körner

Fabian Sixtus Körner ist studierter Innenarchitekt sowie Fotograf und Designer. Er beschliesst mit 29 Jahren, auf die Walz zu gehen, seine Kenntnisse und Fähigkeiten gegen Kost und Logis anzubieten und setzt sich dabei ein Zeitlimit von zwei Jahren. Kein Limit setzt er sich bezüglich der Geographie: er will dorthin reisen, wo sich ihm Arbeit bietet, dabei möglichst alle Kontinente bereisen und nur für die Flugtickets Geld ausgeben.

Was man eigentlich nur aus dem Handwerk und dann auch mit einer gewissen regionalen Begrenzung kennt, entwickelt sich bei Körner zu einer Tour de Force um den Globus. Mit 255 € auf dem Konto steigt er mit einem großen Rucksack, Laptop und Fotoausrüstung ins Flugzeug. So geht über sechzig Stationen unter anderem nach Shanghai und Koala Lumpur, nach Addis Abeba und Kopenhagen, nach Brisbane und Bangalore, San Francisco, Havanna, Santo Domingo und das berüchtigte Medellín. Schon bald beginnt sich sein Reisetagebuch zu füllen, ergänzt von einem regelmäßig gefüllten Youtube-Kanal.

Dabei hat er vorab nie Weiterlesen

Bibliomania : Es lebe das Buch! / zusammengestellt von Steven Gilbar

Bücher mit Listen haben ja etwas: so wie in Lexika kann ich stundenlang darin stöbern und dabei en passant nützliches und unnützes Wissen aufsaugen. Spätestens seit den Samelsurien von Schott haben Listen ja auch in Buchform eine gewisse Verbreitung gefunden, so dass immer mal wieder etwas Neues auf den Markt kommt. Das vorliegende Buch ist zwar 2006 unter einem anderen Titel bei Diogenes erschienen, zeigt sich aber in der vorliegenden Ausgabe erweitert, überarbeitet und in attraktiver Gestaltung.

Gilbars Zusammenstellung ist ein Weiterlesen

Das Beste überhaupt : Meerschwein sein / Lorenz Pauli & Kathrin Schärer

Miro ist ein Meerschwein unter lauter anderen Meerschweinen. Er ist weder besonders groß noch besonders klein, weder besonders schnell kann er Lieder pfeifen. Bald ist wieder Wahl zum Meerschwein des Jahres. Alle müssen dahin auf einem langen und beschwerlichen Weg. Gloss zeigt dabei, wie weit sie springen kann, Pfulme kennt eine Abkürzung und Litze besiegt auf Kosten von ein paar Zähnchen den Jaguar.

Endlich sind sie da nach einem mühsamen Weg. Und Weiterlesen

Zitat am Freitag: Modersohn-Becker über das Glück

Ja, so sind die meisten Menschen. Die Unglücksfälle schreiben sie sich ins Gedächtnis und memorisieren sie fleißig; aber das Glück, das viele Glück, beachten sie nicht… arme, arme Welt.

Paula Modersohn-Becker, deutsche Malerin (1876-1907)

Aus: Paula Modersohn-Becker, Briefe, 19. Februar 1899

Lost Places : Roman / Johannes Groschupf

Die 17 jährigen Schüler Chris, Moe, Kaya, Steven und Lennart sind Urban Explorers: gemeinsam erkunden sie vorwiegend in der Nacht verlassene Gebäide, sogenannte Lost Places: ob Krankenhäuser, Fabriken oder alte Kliniken – die Jugendlichen sind fasziniert von den verfallenden Gebäuden und der sich in ihrem Verfall oft spiegelnden Geschichte. Doch in einer Nacht ist alles anders: die fünf Freunde erkunden nach einer durchfeierten Nacht eine alte Fabrik und entdecken dort Weiterlesen

Get Happy / Pink Martini

Zwei brennende Fragen stellen sich mir nach dem Genuss dieser CD: zum einen, wie mir die Musik von Pink Martini so lange entgehen konnte und zum anderen, weshalb aus Portland, Oregon so viel gute Musik kommt. Die erste Frage kann ich nicht wirkich beantworten, denn offenbar lagen Pink Martini bisher unter meinem Wahrnehmungsradar für besondere Musik, das ich jetzt natürlich nachjustiert habe. Die zweite Frage beantwortet sich von selbst: aus Portland, Oregon hat eine rege Independent-Szene, zur der Größen wie der späte Elliott Smith, John McEntire, The Decemberists, The Gossip mit Beth Ditto, Modest Mouse oder Portugal. The Men zählen.

In so einem kreativ-alternativen Umfeld ist es vielleicht Weiterlesen

Das Geheimnis der Bäume / Regie & Drehb.: Luc Jacquet. Darst.: Francis Hallé. Sprecher: Bruno Ganz

Tiere und Menschen beherrschen den Raum – Bäume beherrschen die Zeit(Filmzitat)

Die Unbeweglichkeit der Bäume macht sie für uns nicht selten zu zwar eindrucksvollen, aber auf den ersten Blick recht einfachen Lebewesen. Tatsächlich aber verfügen Bäume über eine ganze Reihe von Fähigkeiten, auf Reize aus ihrer Umwelt zu reagieren und das Fortbestehen ihrer Art zu sichern. Der Dokumentarfilm „Das Geheimnis der Bäume“ entstand nach einer Idee des franzöischen Botanikers Francis Hallé und wurde von Luc Jacquet („Die Reise der Pinguine“) in enger Kooperation mit ihm in Szene gesetzt.

Francis Hallé (*1938) entführt uns auf eine magische, faszinierende Reise durch Weiterlesen

Spuren : eine Reise durch Australien / Robyn Davidson

Wenn die Menschen anfangen würden, ihre Phantasien zu leben, wenn sie sich weigern würden, die sinnlose Langeweile hinzunehmen, die ihnen als das Normale angeboten wird, könnte man sie nicht mehr so leicht unter Kontrolle halten. (S. 272-273)

Alice Springs, Australien, in den 1970er Jahren. Die junge Robyn Davidson ist mit einem Ziel ins rauhe Alice Springs gezogen: sie will die Wüste mit Kamelen durchqueren. Das ist ihr – vielleicht naiver – Lebenstraum, der ihrem Dasein neuen Sinn geben soll, und dafür nimmt sie einiges in Kauf: einen Job in der Kneipe, die Schindereien durch Kurt, einen Anbieter von Kameltouren, bei dem sie zwei Jahre schuftet und vieles über Kamele erfährt und ihre zum Teil üblen Unterkünfte bis hin zu einem halbverfallenen Haus.

Endlich, mit siebenundzwanzig Jahren, bricht sie mit ihrem Weiterlesen

Der Beerenmann: von überfälligen Urlauben, den Gefahren des Früchtesammelns, abendlichen Jäger- und Sammlervisionen und den erstaunlichen Fähigkeiten von Dihydrogeniumoxid

Nach einem sowohl beruflich als auch privat ausgesprochen angefüllten, durchaus aber auch erfüllten ersten Halbjahr arbeitete Jarg ab Anfang Juli nur noch auf den Urlaub hin. Dienstlich wurden sämtliche noch zu regelnden Dinge abgeschlossen oder zur Übergabe an die Stellvertretung aufbereitet, daheim alle Antennen auf Urlaub ausgerichtet mit dem Erwerb fehlender oder defekter Ferienausrüstungs-Gegenstände (Sturmfeuerzeug fürs küstennahe Grillen! Neue Outdoorjacke!! Ersatzsatteltaschenpackriemen!!!) und der sorgfältigen Auswahl urlaubsgeeigneter Bücher (Reise- und Expeditionsberichte und der wunderbare neue Roman von Jan Christophersen). Aus monatelanger Hochspannung auf Null fallend, schleppte Jarg mit letzter Kraft am Vorabend des Reisebeginns einen Berg scheinbar urlaubsnotwendiger Familienhabseligkeiten in den Wunderminivan, der seltsamerweise wieder in der Lage war, alles klaglos zu schlucken und trotzdem noch Platz für die Familie bot: ganz offensichtlich handelte es sich um ein Fahrzeug mit magischen Fähigkeiten, da es Weiterlesen

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty / Regie: Ben Stiller. Darst.: Ben Stiller, Kristen Wiig, Shirley MacLaine, Adam Scott [u.a.]

Walter Mitty (Ben Stiller), ein notorischer Einzelgänger, arbeitet im Fotoarchiv des Magazins LIFE. Immer wieder taucht er aus der Gegenwart ab und verliert sich in abenteuerlichen und romantischen Träumen, in denen er unglaubliche Dinge vollbringt. Heimlich ist er in seine Kollegin Cheryl Melhoff (Kristen Wiig) verliebt.

Von einem Tag auf den anderen wird LIFE aufgekauft. Die Investoren wollen die Printausgabe einstellen und das Magazin komplett ins Internet überführen. Auf dem Titelbild der letzten gedruckten Ausgabe soll ein bestimmtes Bild des legendären LIFE-Fotografen Sean O’Connell (Sean Penn) erscheinen. Doch Walter muss seinen nervigen arroganten Chef Ted Henricks (Adam Scott) immer wieder vertrösten, bis dieser ihm ein Ultimatum stellt. Als Walter mit Hilfe von Cheryl in den Fotos von Weiterlesen

All is lost / Regie & Drehb.: J. C. Chandor. Darst.: Robert Redford. Musik. Alex Ebert.

Mitten auf dem Indischen Ozean. Ein vom Schiff gestürzter 40ft-Container treibt langsam durch die sanfte Dünung, während eine Stimme aus dem Off den Abschiedsbrief eines Mannes an seine Hinterbliebenen vorliest. Nach diesem Prolog erfolgt die Rückblende um acht Tage: ein namenloser alter Segler wird auf seinem Segelboot plötzlich aus dem Schlaf gerissen, als es plötzlich rummst und Weiterlesen

Der Schatz auf Pagensand / Uwe Timm

Das Motiv der Schatzsuche prägt etliche Kinder-und Jugendromane, verbinden sich damit doch Assoziationen von Abenteuer, Gefahr, Geheimnis und freundschaftlichem Zusammenhalt, nicht selten in Kombination mit Elementen von Verrat, Betrug und Ruchlosigkeit, denen die Hauptpersonen trotz ihres Alters in der Regel kindliche Phantasie und Kreativität, Witz und jene unerschuetterliche hartnaeckigkeit entgegensetzen, die ein Ziel verfolgende Kinder auszeichnet. So ist es bei modernen Interpretationen dieses Motivs von Seeräubermoses bis …, von der Klassiker wie der Schatzinsel oder …. ganz zu schweigen.

Uwe Timms Abenteuer spielt im Jahr 1954 in Hamburg. Benno, Georg, Jan und Jutta, alle um die 11 Jahre alt, stehen kurz vor Ende des Schuljahres. Der aufgeweckte, intelligente Benno, der aus einfachen Verhältnissen stammt, hat Probleme mit der Rechtschreibung, wird von seinem Deutschlehrer fies gemobbt und das Gymnasium verlassen müssen. Georg , Jan und Jutta sind zunächst skeptisch, als er ihnen vorschlägt, auf einer Elbinsel nach Störtebekers Schatz zu suchen. Doch Benno, der alles zu dem Thema gelesen und sogar im Staatsarchiv recherchiert hat, überzeugt die drei: sie legen ihr Taschengeld zusammen und Weiterlesen

Garp und wie er die Welt sah / Regie: George R. Hill. Darst.: Robin Williams ; Glenn Close ; Mary Beth Hurt …

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Der Film schildert die Lebensgeschichte des Schriftstellers T. S. Garp (Robin Williams). Seine Mutter Jenny Fields (Glenn Close) wollte zwar ein Kind, aber keinen Mann und besorgt sich während des Zweiten Weltkrieges den Samen von einem kurze Zeit später sterbenden Soldaten namens Technical Sergeant Garp, von dem sie sich in einem letzten, Beischlaf schwängern lässt. Als sie schwanger wird, gibt sie ihrem Sohn den namen T. S. Garp.

Garp wächst in dem Internat auf, in dem seine Mutter als Krankenschwester arbeitet. Als Teenager ist aus ihm ein guter Läufer und Ringer geworden – doch er entschliesst sich, Weiterlesen

Im Café der möglichen Träume / Paola Calvetti

Von einem Augenblick zum anderen ändert sich für die 33jährige Olivia alles: ihr Arbeitgeber entlässt sie überraschend und so findet sie sich kurze Zeit später mit einem Pappkarton ihrer dientlichen habseligkeiten in der Bar Tabacchi wieder, reflektiert über ihr Leben, ihre Familie und verliert sich in Träumereien. Der Jurist Diego sitzt zur gleichen Zeit in einer Bar. Er, der sich mit seiner Freundin auseinandergelebt hat und trotzdem noch auf die Liebe hofft, steht kurz vor einem beruflichen Neuanfang und leidet auch als Erwachsener noch am Verlust seines Bruders durch Selbstmord und der Verzweiflung seiner Eltern.

Sowohl für Diego als auch für Olivia wird Weiterlesen

Heart of Memphis / Robin McKelle & The Flytones

Die 38jährige Robin McKelle, die in der 2000er Jahren mit Bigband-Jazz und später mit Jazz und Soul-Jazz erste Erfolge hatte und bereits früh mit Sarah Vaughn und Ella Fitzgerald verglichen wurde, war bisher an meiner Ohrschnittstelle völlig vorbeigegangen. Mit dem 2014er Album „Heart of Memphis“, das menühaft in „Apetizers“, „Main Course“ und „Desserts“ gegliedert ist, geriet sie nun endlich spät, aber nicht zu spät auch auf mein Medienradar: was für eine ohrkulinarische Entdeckung!

Das Album, dass bis auf zwei Coverversionen („Please don’t let me be misunderstood“ und „Forgetting you“) aus eigenen Songs besteht, widmet sich ganz dem Weiterlesen

Eltern : ein Film von Robert Thalheim / Darst.: Christiane Paul, Charly Hübner, Parashiva Dragus […]

Berlin: die Krankenhausärztin Christine und der Schauspieler Konrad leben mit ihren Töchtern Emma (5) und Käthe (10) in einem Berliner Altbau. Jahrelang hat Konrad sich um Haushalt und Kinder gekümmert: seinen Wiedereinstieg ins Theater haben die beiden gut geplant: bereits in den Herbstferien wird ein Au-Pair-Mädchen kommen und sich dann rasch komplett um alles kümmern, während Christine und Konrad arbeiten.

Was beide nicht vorausgesehen haben: das Au-pair-Mädchen ist Weiterlesen

Osman, der Angler / Anne Hofmann

Es ist nicht leicht mit Osman. Da warten die hungrigen Möwen und warten und helfen auch ein wenig nach in der Hoffnung, dass der angelnde Osman auch für sie ein wenig Fisch hat. Doch was die Möwen auch tun, Osman Weiterlesen

Runaway Girl

„Du könntest alles ergreifen, was du jemals wolltest. Trotzdem … Du wirst niemals genug ergreifen.“ (Filmzitat)

Eine Kleinstadt in Nebraska. Nick und Tammy haben Probleme mit Alkohol – und streiten sich ständig. Das macht das Leben für die 13jährige Luli nicht eben leicht. Zu ihrem 13. Geburtstag bekommt sie einen .45 Smith & Wesson-Trommelrevolver geschenkt und wird sich am nächsten Morgen – mit der Waffe allein vor dem Spiegel posierend – ihrer Weiblichkeit bewußt. Als sie entdeckt, dass ihre Mutter ein Verhältnis mit einem dicklichen Immobilienmakler hat, für diesen die Familie aufgibt und ihr Vater auf die Nachricht hin wortlos wegfährt, trifft Luli eine Entscheidung.

Kurze Zeit darauf verlässt sie in lasziver Kleidung, mit wenig Gepäck und dem Revolver das Haus und beschliesst, nach Las Vegas zu trampen und dort ihr Glück zu machen. Auf dem Weg dorthin gerät sie Weiterlesen

Genug gesagt / Regie & Drehbuch: Nicole Holofcener. Darst.: Julia Louis-Dreyfus, James Gandolfini, Catherine Keener, Tracey Fairaway, Toni Colette

Eva, eine alleinerziehende Masseurin, die ihre Dienste ambulant bei Hausbesuchen anbietet, deren Tochter demnächst wegen ihres Studiums ausziehen wird, ist zusammen mit ihrer Freundin und deren Mann Will zu einer Party in Pacific Palisades, einem wohlhabenden Teil von Los Angeles, eingeladen. Dort lernt sie die Schriftstellerin Marianne kennen – und will stellt sie seinen Freunden Jason und Albert, einem Filmarchivar vor.

Marianne wird kurze Zeit später Kundin bei Eva – und schnell freunden sich die beiden Frauen an. Zeitgleich erfährt Eva, dass der ebenfalls geschiedene Albert nach der Party nach ihrer Telefonnummer gefragt hat. Obwohl sie den korpulenten Albert eher unattraktiv findet, treffen sich beide kurz darauf zum Essen. Schnell findet sie Gefallen an Albert, der ebenfalls eine Tochter hat, die demnächst ausziehen wird, und fühlt sich von ihm und seinem Humor so angezogen, dass sie eine Beziehung beginnen.

Doch als Marianne von Weiterlesen

Fatzversion des Film am Mittwoch: The world’s largest floating library

Ärgerlich, aber das passiert: man bloggt abends mit dem neuen Android-Tablet, das man gerade für jemanden einrichtet – und schon geht es schief und der geplante Beitrag erscheint ohne Weiterlesen

Eine Reise, ein Buch : wie man einem Krokodil entkommt (und eine Französin küsst) / Nigel Holmes

Vielleicht wäre mein Leben anders verlaufen, wenn ich damals gewusst hätte, wie man eine Australierin küsst – und das auch noch in Berlin? Wer weiß das schon? Anders heisst ja auch nicht unbedingt besser und in Australien drohen ja auch so manche Gefahren in Form von Würfelquallen und giftigen Kröten. Fest steht jedenfalls, dass man sich nicht nur aufs Küssen, sondern vor allem auch auf das Reisen stets gut vorbereiten sollte und es immer gut ist, auf lokale Unabwägbarkeiten vorbereitet zu sein.

Da kann es nicht schaden, zu Nigel Holmes „Eine Reise, ein Buch“ zu greifen: auf prägnante Art liefert er Weiterlesen

Von Meerjungfrauen, Kapitänen & fliegenden Fischen : Geschichten & Gedichte rund ums Wasser / herausgegeben von Renate Raecke mit Bildern von Stefanie Harjes

Wasser hat auch in unserer Zeit nichts von seiner Anziehungskraft verloren: Menschen zieht es zum Wasser hin, sind fasziniert von seiner Kraft, seinen bekannten Eigenschaften, Extremen und Bewohnern, seinen verborgenen Geheimnissen und den altbekannten und neuen Geschichten. Die Literatur für alle Altersgruppen ist voll von Anspielungen auf das Wasser, von Erzählungen, die am Wasser spielen, mit dem Wasser verbunden sind oder sich mit seinen metaphorischen Eigenschaften beschäftigt.

Renate Raecke fischt mit „Von Meerjungfrauen, Kapitänen & fliegenden Fischen“ tief im Meer der Literatur und präsentiert uns einen Weiterlesen

Lucia und der Sex / Regie: Julio Medem. Darst.: Paz Vega, Tristán Ulloa, Najwa Nimri […].

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Die Kellnerin Lucia zieht sich nach dem offensichtlich tödlichen Unfall ihres Freundes und Schriftstellers Lorenzo aus Madrid auf die Baleareninsel Formentera zurück, um zur Ruhe zu kommen. Sie kommt im Haus von Elena unter. Elena hat ihre Tochter Luna verloren und kann seither nicht mehr weinen. Bei ihrem Liebhaber Carlos versucht sie den Schmerz des Verlustes zu betäuben. Doch bald entdeckt Lucia, das Carlos der Weiterlesen

Großstadttiere / Nadia Budde

In den Städten ohne große Gewässer ist es oft nicht lustig. Die Großstadtmöwe gibt sich deshalb besonders viel Mühe. Täglich findet ihre Vorstellung statt. Laut umkreischt sie die städtischen Mülldeponien, so dass man meinen könnte, ein Strand sei in der Nähe. (Zizat)

Es ist ja bekannt: unter dem Pflaster liegt der Strand und die Wildnis ist Weiterlesen

Rio Bravo / Nighthawks

Mit „Rio Bravo“ legt die 1998 gegründete deutsche NuJazz-Formation Nighthawks (benannt nach dem gleichnamigen Bild von Edward Hopper) ihr mittlerweile sechstes Studio-Album vor. Schon mit dem ersten Song fühlt man sich unmittelbar in Weiterlesen

Wo soll ich suchen / Dota und die Stadtpiraten

Und bei Gewitter geh ich nicht baden.
Und bei Sturm schwimm ich nicht zu weit raus.
Und meide die Eichen und finde
den anderen unter den Gleichen.

Wo soll ich dich suchen? Wo soll ich dich suchen?

Da wo die feinen Bläschen aufsteigen?
Da wo die Vögel plötzlich aufgeflogen sind?
Da wo die Weiden sich übers Wasser neigen?
In den Wellentälern bei Wind?
Da wo der Wald am allertiefsten ist am Steilhang?
Beim südlichen Weg zu der Burg?
Am Himmelsstrand auf meinem Badetuch im warmen Gras?

Wo soll ich dich suchen?

Es gibt sie zum Glück immer wieder: Musik, die man fast beiläufig entdeckt in der ganzen Fülle dessen, was es heute so an Musik gibt, sich zunächst ohne große Erwartungen anhört, um dann überrascht innezuhalten und nach dem ersten Durchgang noch einmal genauer hinzuhören, Details zu entdecken, tiefer zu geniessen und sich zu freuen, dass man ganz offensichtlich auf eine musikalische Perle gestoßen ist – vielleicht gar eine, in denen ein feines lyrisches Ich durch sorgfältig gemachte Texte schimmert und einen nahezu direkt anzusprechen scheint. Wenn mir das passiert, neige ich ja bekanntermaßen zu akustischen Exzessen und das entsprechende Album wird zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit über die Ohrschnittstelle konsumiert.

So ging es mir auch mit dem Album „Wo soll ich suchen“ von Weiterlesen

Road to Perdition / Regie: Sam Mende. Darst.: Tom Hanks, Jude Law, Paul Newman […].

„This is a life we chose, a life we lead, and there is only one guarantee: None of us will see heaven“.

USA, Winter 1931 in der Zeit der großen Depression. In der Kleinstadt Rock Island hat der alternde irische Gangsterboss John Rooney (Paul Newman) das Sagen. Seine rechte Hand, ist Michael „Mike“ Sullivan (Tom Hanks), den er mehr liebt als seinen unfähigen Sohn Connor (Daniel Craig). Mike Sullivan setzt Rooneys Interessen notfalls mit tödlicher Gewalt durch, da er Rooney seit langem verpflichtet ist: seine Frau und seine beiden Söhne aber lässt der Profikiller über den wahren Inhalt seiner Arbeit im Ungewissen, da er unbedingt verhindern möchte, dass seine Söhne den gleichen Weg des Unrechts gehen wie er. Eines Tages wird sein 13jähriger Sohn Michael Zeuge eines Weiterlesen

Urlaub vom Leben / Regie: Neele Leana Vollmar. Darst.: Gustav Peter Wöhler ; Petra Zieser ; Meret Becker […]

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Ich weiss nicht, ob ich glücklich bin. Jedenfalls habe ich noch nie über diese Frage genauer nachgedacht. Ich habe eine Familie, ein Haus, einen Job. Was will man mehr? So heißt es doch immer.

Rolf Köster (Gustav Peter Wöhler) ist Kassierer in einer Bankfiliale und verbringt seine Arbeitstage hinter einer Glasscheibe. Er hat eine schweigsame Tochter, die ihre Gedanken nur ihrem Tagebuch anvertraut, einen Sohn, der immer gegen Wände rennt und deshalb stets einen Helm trägt. Seine Frau scheint ganz im Familienalltag aufzugehen. Köster hat alles, hält sich im Hintergrund und denkt nicht mehr über das Leben nach. Doch er beginnt zu zweifeln. Als ihm ohne erkennbaren Grund öfter auf der Arbeit schlecht wird, gibt Weiterlesen

Die Regeln des Sommers / Shaun Tan

Nie die Regeln verletzen. Schon gar nicht, wenn du sie nicht verstehst. (Zitat)

Die Geschichten von Shaun Tan, die sich im Grenzbereich zwischen Bilderbuch und Graphic Novel bewegen, sind für mich etwas absolut besonderes: der australische Illustrator und Schriftsteller schafft in seinen Werken eine ganz eigene Atmosphäre voller Widersprüche, Befremdungen und subtiler, nicht auf das offensichtliche zielender Anspielungen. In den von ihm geschaffenen Welten spiegelt sich die reale Welt der Menschen wie in einem seltsamen Zerrspiegel: sie sind gleichzeitig befremdend wie vertraut, verbinden auf verstörend-berührende Weise beruhigende und beunruhigende Elemente, universelle Emotionen mit scheinbar lokal verorteten Befindlichkeiten und Riten.

Auf Jargsblog begeistere er bereits mit „Die Fundsache“, den „Geschichten aus der Vorstadt des Universums“, „Ein neues Land“ und „Der rote Baum“. Mit „Die Regeln des Sommers“ erhielt ich zum Geburtstag jetzt ein neues Buch von ihm.

Es geht um Regeln. Niemand weiß, wer Weiterlesen

Léon und Louise : Roman / Alex Capus

Die schönsten Liebesromane sind ja oft nicht jene, in denen sofort klar ist, dass die Liebenden am Ende zueinander finden und glücklich bis an das Ende ihrer Zeiten leben. Schon Gabriel García Márquez hat mit Florentiono und Ariza ein solches Paar geschaffen. Nicht selten enden die schönsten Liebesgeschichte ja auch tragisch bis hin zum Tod, wie wir ihn bei Romeo und Julia erleben.

Nun will ich nicht unebdingt Alex Capus, den Autor von Léon und Louise, gleich in eine Reihe mit unerreichbaren Größen wie García Márquez oder Shakespeare stellen. Dennoch: er schafft mit dem titelgebenden Paar genau die beschriebene Konste4llation einer großen Liebe, die nicht oder zumindest nicht sofort zu ihrer Erfüllung kommt, sich ihr gar jahrelang entzieht.

Der junge, siebzehnjährige Léon, im Ersten Weltkrieg als Funker an einer atlantiknahen französischen Bahnstation eingesetzt, begegnet Weiterlesen

Artgerecht ist nur die Freiheit : eine Ethik für Tiere oder Warum wir umdenken müssen / Hilal Sezgin

Wir dürfen das Tier nicht von vornherein als „Nutztier“ ansehen und auf dieser Grundlage überlegen, wie wir ihm sein derzeit unzumutbares Los ein wenig erträglicher machen können. Sondern jedes Tier hat a priori das Recht auf den Vollzug seines eigenen Lebens. Wenn wir über Einschränkungen und Zumutungen, Wohl und Schutz sprechen, dürfen wir nicht vom „Nutztier“, sondern müssen vom freien Tier her denken. (S. 189)

Die Diskussionen um Tierrechte und eine Ethik für Tiere sind in den letzten Jahren – nicht nur aufgrund der üblichen Mißstände und Skandale in der Lebensmittel- und Agrarindustrie – immer wieder aufgeflammt und haben mittlerweile weite Teile der Gesellschaft erreicht. Dabei ist eine immer stärkere Ausdifferenzierung der verschiedenen Aspekte der Diskussion zu beobachten, verbunden mit einer größeten Argumentationsschärfe und einer umfassenderen Einbeziehung unterschiedlichster Tierarten vom Fisch über den Schimpansen bis hin zum sogenannten Nutz- oder Haustier.

Hilal Sezgin, die Philosophie studierte, als Buchautorin und Journalistin arbeitet und einen Gnadenhof in Norddeutschland betreibt, setzt sich in „Artgerecht ist nur die Freiheit“ auf sehr differenzierte Weise mit Weiterlesen