Der Leuchtturm unter den Sternen / Annika & Peter Thor

Göteborg, 1917. Der Vater von Blenda (13) und Erik (10) ist verschollen, seit er vor etlichen Jahren nach Amerika auswanderte mit dem Ziel, seine Familie nachzuholen. Jetzt leben die beiden Kinder zusammen mit ihrer Mutter Tora, einer Wäscherin, in ärmlichen Verhältnissen in der schwedischen Stadt. Während der hochbegabte Erik sich an seinen Vater nicht mehr erinnern kann, schreibt Blenda ihm oft Briefe, die sie nie abschickt. Mutter Tora selbst schuftet in der Wäscherei und hat die Hoffnugn auf die Rückkehr ihres Mannes längst aufgegeben.

Als sich der Leuchtturmwärter Carl Nordsten für Tora zu interessieren beginnt, scheint es endlich eine Chance zu geben, aus dem rauen Alltag der Armut auszubrechen und den Kindern eine gesicherte Zukunft zu bieten. Tora ergreift sie und zieht mit Erik und der widerstrebenden Blenda auf die einsame Leuchtturminsel in den Schären. Doch der pflichtbewusste Carl erweist sich rasch als kleingeistiger, jähzorniger und freudloser Mensch, der weder Tora noch den Kindern irgendwelche Frreiheiten lässt.

Als er nach einem Wutausbruch verunfallt und sich das Bein bricht, muss Tora ihn an Land bringen: durch den am gleichen Tag aufziehenden Sturm müssen die Kinder plötzlich die Nacht allein auf der Insel verbringen und das Leuchtfeuer in Gang setzen. Dadurch retten sie meherer Schiffbrüchige Männer vor dem Tod und erfahren mehr über ihren Vater. Als Tora mit Carl zurückkehrt und es erneut zum Streit kommt, trifft sie eine Entscheidung …

Anika & Peter Thor ist mit „Der Leuchtturm unter den Sterne“ eine beeindruckende Geschichte über ein Familienschicksal am Anfang des 20. Jahrhunderts gelungen. Durch die zwischen den vier Protagonisten wechselnde Perspektive kann sich der Leser rasch in deren Lebens- und Empfindungswelt einfühlen. Atmosphärisch überzeugend vermitteln die Autoren ein Bild vom harten Leben einer vom Verlust des Vaters und der dadurch entstandenen Armut geprägten Arbeiterfamilie, der zu dieser Zeit nicht viele Möglichkeiten offenstanden, sich nach dem sozialen Absturz wieder zu etablieren. Dabei verstehen Per und Annika Thor es, eine historisch verwurzelte Geschichte spannend und authetisch zu erzaählen und damit sowohl junge als auch erwachsene Leser zu fesseln.

Ein spannendes und berührendes Buch für Leserinnen und Leser ab etwa 12 Jahren.

Die Vermessung des Körpers : warum unsere Haut sehen und die Nase durch die Zeit reisen kann / Clegg, Brian

Bücher üner den Körper vermitteln einem Wissen über den Körper. Sonst nichts. So sollte man meinen und zunächst lässt einen der Titel „Die Vermessung unseres Körpers“ genau das erwarten. Doch Brian Cleggs Buch geht weit darüber hinaus: er nimmt unseren Körper, seinen Aufbau, seine Entwicklung und seine Fähigkeiten zum Anlass, weit über unseren Körper hinaus zu blicken.

So führt er uns – buchstäblich aufgehängt an einem menschlichem Haar und seiner Struktur – zum Weiterlesen

9 Autos oder was deine Knochen tragen können / Margaret Hynes ; Andy Crisp (Ill.). – (Erstaunliche Fakten Mensch)

Unser Körper leistet ganz erstaunliche Dinge und kann dabei auch mit verblüffenden Zahlen aufwarten: im Laufe eines 70jährigen Lebens pumpt unser Herz zum Beispiel eine Blutmenge von 1,2 Millionen Ölfässern, die locker einen halben Supertanker füllen würde. Unser Nieren filtern täglich bis zu 180 Liter Flüssigkeit und das Gehirn verbraucht 20% des Sauerstoffs.

Doch das Buch von Margaret Hynes geht weit über Rekorde hinaus: mit Weiterlesen

Der Mond flieht: eine Sommergeschichte / Rax Rinnekangas

Er nickte vor sich hin, wie von seinen eigenen Worten innerlich bewegt, dann runzelte er die Augenbrauen und sagte: ‚Lauri, ich kann dir alles anschaulich darstellen. Wenn zum Beispiel wir beide uns kennen würden und ich dich zu meinem Haus brächte, dann würdest du dort die Gegenstände und Bücher sehen, die du dir jetzt vorstellen kannst. Alles wäre genau gleich und gleichzeitig anders. Und weißt du, warum? weil die Wirklichkeit – die Gedanken, das Wissen, die Begriffe, die wir von uns haben – nichts anderes ist als die Summe unserer Vorstellungen. Mit ihnen konstruieren wir uns die anderen so, wie wir wollen, selbstsüchtig, ohne Wahlmöglichkeiten, und der erlebte Alltag ändert nichts daran. Und wir behandeln uns gegenseitig so, wie unser Geist uns schon behandelt hat.'(S. 114-115)

Latvala, ein kleines, sehr konservatives Dorf hoch im Norden Finnlands. Jedes Jahr verbringt der 13jährige Lauri den Sommer auf dem Bauernhof seines Onkels Eino, hilft bei der Arbeit und hat doch viel Zeit zum Spielen mit seiner Cousine Sonja und ihrem Bruder Leo. Doch dieses Jahr scheint alles anders. Obwohl die Kinder wie immer bei der Heuernte helfen, gleiten sie in den vielen freien Stunden ab in eine seltsame, utopische Traumwelt.

Die hochsommerliche Natur, Steine, eine große Fichte und der Fluss werden zum magischen Schauplatz – und die Kinder wandeln verzaubert und doch voller Angst durch eine Welt zwischen Kindheit und Erwachsensein, in der Sonja die schöne, wilde Anführerin ist in diesem von flimmernder Hitze und warmem Regen geprägten Sommer auf dem Land. Freiheit und Abenteuer verbindet die verschworene Gemeinschaft der drei Kinder an der Schwelle zum Erwachsensein stehenden Kinder und das Gefühl, verboten schönes Glück zu erleben. Die Jungs sind Weiterlesen

Irgendwo ganz anders : Roman / Jasper Fforde. – (Thursday Next 5)

Eine der Besonderheiten der BuchWelt bestand darin, dass die Bewohner, wenn sie nicht gerade gelesen wurden, meist ziemlich entspannt waren. Sie unterhielten sich, übten, tranken Kaffee, sahen beim Kricket zu oder spielten Mahjongg. Aber sobald sich ein Leser näherte, sprangen sie eilig an ihre Plätze und machten das, wofür sie da waren. Die Figuren spürten es aufgrund ihrer Erfahrung schon lange im Voraus, wenn ein Leser sich näherte […].
(S. 65)

Thursday Next, die gefeierte SpecOps-Agentin in der wirklichen und Jurisfiktionsmitarbeiterin in der BuchWelt, ist älter geworden und lebt mit ihrem Mann Landen und den drei Kindern Friday, Tuesday und Jenny zusammen. Beruflich hat sie sich umorientiert und betreibt mit Acme-Carpets einen nicht besonders erfolgreichen Betrieb für Fußbodenbeläge. Doch heimlich Weiterlesen

Die Muskeltiere : einer für alle, alle für einen / Ute Krause

Hamburg, nahe am Hafen. Eigentlich hatte Picandou bisher ein sorgloses Leben: er lebte unter der Kellertreppe von Herrn und Frau Fröhlichs Feinkostgeschäft, die von ihm natürlich nichts ahnten. Dort lebte es sich wunderbar, denn von den kleinen Leckereien, die Frau Fröhlich anbot, blieb abends immer etwas für ihn übrig. So hatte er sich über die Jahre zu einem recht ansehnlichen, um nicht zu sagen dicken Mäuserich entwickelt. Doch dann starb plötzlich Herr Fröhlich – und hinterließ Frau Fröhlich einen Haufen Schulden. Picandou fürchtete um sein behagliches Leben.

Da liest er eine bewußtlose Ratte von der Straße, die sich Weiterlesen

Die Welt in einer Sekunde : Planeta Tangerina / Isabel Minhós Martins ; Bernardo Carvalho

Kindern den Blick für die Welt zu entdecken gehört zu den schönsten Leistungen, zu denen Bücher fähig sind. „Die Welt in einer Sekunde“ setzt be dem Gedanken an, was alles passiert in einer Sekunde, in der zum Beispiel jemand eine Seite des Buches umblättert. So blättert man sich durch – von knappen Sätzen begleitet – und sieht ein Containerschiff im Sturm, einen steckenbleibenden Weiterlesen

Spuren : Lass alles hinter Dir / Regie: John Curran. Darst.: Mia Wasikowska ; Adam Driver [u.a.].

Alice Springs, Australien, in den 1970er Jahren. Die junge Robyn Davidson (Mia Wasikowska) hat über zwei Jahre hart geschuftet, um sich ihren Lebenstraum erfüllen zu können: sie will die Wüste mit Kamelen durchqueren. Dazu schuftet sie hart in einer Kneipe und bei einem jähzornigen Kameltourenanbieter. Endlich bricht sie mit ihrem Weiterlesen

Tote Vögel singen nicht : Roman (Flavia De Luce 6) / Alan Bradley

Als wäre der drohende Verlust von Bradshaw nicht schon genug für die Familie de Luce, steht jetzt auch noch ein besonderes Ereignis ins Haus: Flavias seit Jahren im tibetischen Gebirge verschollene Mutter kehrt heim. Doch die Rückkehr der aus einer Gletscherspalte geborgenen Leiche löst einige Unruhe in Bishop’s Lacey aus: das halbe Dorf wartet am Bahnhof auf die Ankunft des Sonderzuges und selbst Winston Churchill ist gekommen und macht merkwürdige Bemerkungen zu Flavia über Fasanensandwiches. Dann ist da noch dieser merkwürdige Mann, der Flavia ein seltsame Botschaft zuflüstert und kurz darauf unter den ausfahrenden Zug gerät. War es Mord?

Flavia hat nicht viel Zeit, den Tod des Mannes zu untersuchen und über seine Nachricht nachzudenken, denn Weiterlesen

Letters of Note – Briefe, die die Welt bedeuten

Wir leben in flüchtigen Zeiten: Menschen kommunizieren in Windeseile per E-Mail, SMS oder WhatsApp, liken sich auf Facebook, vervollkommnen die Kunst, in 120 Zeichen alles (oder nichts) zu sagen und sind scheinbar permanent online, verfügbar und live dabei. Fraglich ist, was davon bleibt. Alles, mag der kritische Datenschützer sagen, denn wir hinterlassen unzählige digitale Spuren, denen man oft sehr lange folgen kann ; nichts, könnte eine schwerer philosophische Einwand sein, denn durch die schiere Masse geht alles im Rauschen unter. Auch technisch gesehen stellt sich die Frage, ob man in einhundert oder zweihundert Jahren noch in der Lage sein wird, im „Netz“ die eine besondere E-Mail eines Autors an seinen Verleger oder eines Kindes an einen Astronauten zu finden, die so besonders ist, dass sie sich aus der Masse des Kommunizierten heraushebt.

Ein Grund, weshalb Briefe besonders sind und für zumindest jene, die wie ich noch in analogen Zeiten aufgewachsen sind, manifestierte Aussagen bedeuten: etwas, dass niedergeschrieben, abgeschickt und nicht mehr revidierbar ist, dass eine Wirkung hat und etwas behauptet von dem, was gesagt wurde. Anders als beispielsweise ein Beitrag auf Twitter, den ich löschen, oder ein Posting auf Facebook, dass ich nachträglich bis zur Unkenntlichkeit verändern und bearbeiten kann.

Der britische Autor und Blogger Shaun Usher hat auf Weiterlesen

Totenreich und Hölle (Ein Gastbeitrag im Rahmen von 5 Jahre Jargsblog)

Wohin auch immer wir reisen, wir suchen, wovon wir träumten, und finden doch stets nur uns
(Günter Kunert)

Da uns Buchfeen jede Vorstellung einer Hölle fehlt, finden wir es spannend, wie die Menschen von diesem imaginären Ort besessen waren und sind. “Masochistische Gedankengifte!”, meinte Siri. Erstaunlich ist, wie die Hölle als kalt und dann als brennend heiß gesehen wurde. Aber in einem Ort, dessen Vorstellung über Jahrhunderte der Disziplinierung der armen Christenmenschen diente, kann man eben alles hineinsehen, die Hauptsache war, er ließ den Sünder erschauern.

KÄLTE

Der älteste überlieferte „Reisebericht“ vom Norden stammt von dem Geografen Pytheas von Massilia (das heutige Marseille). Pytheas (380-310 BC) brillierte als Beobachter, der als erster feststellte, dass die Gezeiten vom Lauf des Monds abhängen, außerdem geht die Astronavigation auf ihn zurück. Er prägte nicht nur den Begriff „Ultima Thule“, sondern gab zudem vor, auf seinen Reisen diesen Ort gesehen zu haben. Freilich stellt sich die Frage wie bei allen Reisenden bis hin zu Marco Polo, welche Reisen er gemeint hat – die inneren oder die äußeren? Wie weit Pytheas in den Norden kam, weiß niemand. Sicher ist, dass er die Antike am Norden interessierte. Gebildete kannten damals den Arktoi, den Eisbären, dessen vage Vorstellung man wie die Götter an den Himmel projizierte. Es bürgerte sich ein, das Land unter dem Sternbild des Bären „Arktis“ zu nennen. Sie galt als letzter Außenposten vor dem Abbruch der Welt ins Nichts, wo bekanntlich die Schiffe herunterfallen, wenn sie weitersegelten, nachdem der unselige Kapitän seine Kleider in Panik zerfetzte und sich den Bart ausriss, wie es in arabischen Erzählungen beschrieben wird (z.B. in der Geschichte von Sindbad). Hier fällt der Seefahrer ins Totenreich, das nach antiker Vorstellung ein Ort des kalten Nebels ist, eine eisige Hölle.

Das geologische Ende Europas, die 7 Inseln vor Nord-Spitzbergen

Charakteristisch für das frühe Bild des Nordens ist, dass das Unbekannte eine Projektionsfläche darstellt, auf der sich Inhalte unbewusster Ängste darstellen. Im Unbewussten sedimentieren Vorstellungen, die zu Weiterlesen

Die letzte Drachentöterin : Roman / Jasper Fforde

Das ist der transitorische Elch«, sagte ich und warf einen Blick auf die Post. »Eine Illusion, die lange vor meiner Zeit mal jemand als Scherz hinterlassen hat. Er bewegt sich irgendwie durchs Haus und taucht mal hier und mal da auf, bei diesem, mal bei jenem. Wir hoffen, dass er bald verschwindet.

Jennifer Strange ist bald 16 Jahre alt, hat als Findelkind mit beschränkten Rechten in den Ununited Kingdoms noch nicht viel Freiheit und leitet derzeit Kazam, eine Agentur zur Vermittlung von Zauberern. Doch was einst ein ehrbares Handwerk mächtiger Magier war, ist mittlerweile zu einem reinen Dienstleistungsgewerbe verkommen, verfügen doch Zauberer seit langem nicht mehr über die Kräfte früherer Zeiten: heutzutage müssen sie zufrieden sein, wenn sie innerhalb eines Tages bei einem Haus die Leitungen auswechseln dürfen oder Pizza auf dem fliegenden Teppich ausfliegen. Wenn … denn die Zauberer werden wenig gebucht und müssen um ihre Existenz fürchten und hausen obendrein in einem völlig heruntergekommenen Gebäude.

Dann heisst es auch noch, das der letzte Drache durch Weiterlesen

Das Z zerplatzt / Chris van Allsburg. Deutsche Verse von Ebi Naumann

Was vom Caslon-Ensemble auf der Alphabet-Bühne hier in sechsundzwanzig überaus spannenden Akten aufgeführt wird, ist einmalig, gewagt und so noch nie dagewesen. Ein hohes Risiko geht das Enselmble ein und zeigt sich ihm mehr als gewachsen. Allein der dramatische Beginn raubt Weiterlesen

Es ist was faul : Roman / Jasper Fforde (Thursday Next 4)

Ich bin ja üblicherweise kein Leser von Romanreihen. Bei der Thursday-Next-Reihe von Jasper Fforde hat es mich aber voll erwischt und ich kann seit dem ersten Band nicht aufhören, mich lesend durch die Folgebände zu fräsen.

Im vierten Band der Reihe kehrt Thursday Next mit ihrem mittlerweile zweijährigen Sohn Friday aus der Buchwelt in die Realität zurück. Allerdings hat sie noch Hamlet dabei, den Dänenprinzen, was Folgen nicht nur im solchermaßen verlassenen Drama, sondern auch in der Realität haben wird. Denn es sind keine guten Zeiten für Dänen: Yorrick Kaine, der Dikator zu werden trachtet, schiebt die Ursache für alles Unbill im Land den Dänen zu und hofft, damit an die Macht zu kommen.

Nur ein sehr unwahrscheinlicher Sieg der Swindon Mallets bei der Krocket-Meisterschaft SuperHoop scheint eine Weiterlesen

Der Yark / Bertrand Santini. Illustrationen von Laurent Gapaillard

Geschwätzig, gefräßig, launisch, ängstlich, nichtsnutzig und faul wie sie sind, kann man aus Kindern zwar ein gutes Gulasch bereiten, aber sonst sind sie zu nichts nütze. (Zitat)

Man hat es ja nicht immer leicht als Monster. Auch und gerade dann, wenn man ein schreckliches Monster ist wie der fürchterliche Yark, kann es einem ganz schön die Laune verhageln: denn der Yark ernährt sich von braven Kindern. Die aber sind mittlerweile Mangelware und von den bösen und ungezogenen Kindern wird Weiterlesen

Topas / Regie: Alfred Hitchcock. Darsteller: Frederick Stafford, Dany Robin, John Vernon, Karin Dor, John Forsythe, Michel Piccoli …

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Kopenhagen, 1962, kurz vor der Kubakrise. Der hochrangige sowjetische Agent Boris Kuzenov läuft mit Frau und Tochter zu den Amerikanern über. Er bestätigt das Gerücht, dass Kuba Unterstützung durch russisches Militär erhält. Unklar lässt er, ob bereits Atomraketen auf Kuba eingerichtet wurden und wofür der Codename „Topas“ steht. Michael Nordstrom und sein französischer Kollege André Devereaux sollen für Klarheit sorgen.

Während eines privaten Aufenthaltes mit seiner Familie in New York wird Devereaux von Nordstrom überredet, sich Weiterlesen

Tierisch zahlreich / Nadia Budde

Die Nullachtfünfzehn-Qualle im Sand verschwindet
und der Einsiedlder-Krebs sich einsam an Gewichten schindet …

Die Verse von Nadia Budde in ihrem herrlich schrägen Bilderbuch, in dem zahllose Tiere vom Vierpunktaaskäfer bis zum Neunauge verschiedensten Sportarten nachgehen, führen uns durch einen absurden Zoo sportelnder Tiere: von der Nullachtfünfzehn-Qualle beim Sandtauchen bis zum Weiterlesen

Gastbeitrag: Hans Fallada – Eine Liebeserklärung

Ein Gastbeitrag zur „5 Jahre Jargsblog“ von Heike Pohl (Textwerk)

Lieber Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzen,

es hat eine ganze Weile gedauert, bis unser beider Wege einander kreuzten. Zu verdanken habe ich diese Zufallsbekanntschaft
dem Aufbau Verlag und der Wiederentdeckung Ihres wunderbaren Romans „Jeder stirbt für sich allein“. Namentlich sind Sie mir freilich längst zuvor begegnet und ich wünschte, Ihr bewegender und zugleich beängstigender Roman würde zur Pflichtlektüre an deutschen Schulen.

Sie haben, wie ich lesen darf, ein recht bewegtes Leben hinter sich, waren morphium- und alkoholabhängig, haben mit Weiterlesen

Im Brunnen der Manuskripte : Roman / Jasper Fforde. – (Thursday Next 3)

Thursday Next, erschöpft davon, die Welt der Literatur gegen alles mögliche Unbill verteidigen zu müssen, entschliesst sich zu einer Auszeit und taucht mit Hilfe des Figurenaustausch-Programms ab in den Weiterlesen

5 Jahre Jargsblog – ein Spiel und ein Zeitvertreib?

Auf Jargsblog stehend selbstredend auch in Zukunft Bücher für Erwachsene und Kinder sowie Filme und Musik im Mittelpunkt. Was aber wenige wissen: ich spiele auch. Sogar sehr gerne. Natürlich kommen für mich Weiterlesen

Die sind doch alle doof! : eine Geschichte unter Freunden / Kaia, Bendik und Trond Braenne. Per Dybvig

Die Elster beschliesst, ihr Nest umzubauen und zupft etliche Zweiglein und Stöckchen aus ihrem Nest, um sie zunächst unten am Baum abzulegen. Dort entdeckt das Huhn in dem Haufen ein besonders schönes Stöckchen, nimmt es mit und legt es vor seinem Stall ab, um in Ruhe drinnen zu überlegen, was es mit dem Stöckchen machen könnte.

Doch dann kommt das Pferd. Ihm gefällt das Stöckchen sehr. Es nimmt das Stöckchen mit und weiß sicher, dass ihm noch einfallen wird, was es damit machen könnte. Doch nachdem es das Stöckchen vor dem Weiterlesen

Der Seewolf / Jack London. Gelesen von Sebastian Koch

Manchmal fehlt einem der Durchblick im Leben: dann hilft meistens Innehalten, ein gutes Gespräch oder Abwarten. Bei einer Bindehautentzündung sieht das anders aus: der Durchblick fehlt und man nichts machen, weil die Augen schmerzen. Da bleibt manchmal nur der Griff zum Hörbuch, damit man wenigstens Unterhaltung hat, wenn man schon langweilig mit geschlossenen Augen im Dunkeln herumliegt, nur unterbrochen von steigend von Erfolg gekrönten Zielversuchen mit den verordneten Augentropfen.

Also blinzelte ich mich flugs nach dem Besuch beim Augenarzt zur Onleihe durch und lud mir rasch ein möglichts langes Hörbuch auf das Smartphone, wohl wissend, dass ich beim Hören wie üblich immer wieder Einschlafen und sich damit effektiv die Hördauer deutlich verlängern würde.. Die Wahl fiel auf den Klassiker „Der Seewolf“ von Jack London. Das Original las ich vor Unzeiten und habe als Kind meiner Zeit natürlich auch die klassische Verfilmung mit Raimund Harmstorf gesehen.

Worum geht es: der sensible Schriftsteller Humphrey van Weyden ist auf dem Weg nach San Francisco, als er bei der Kollision der Fähre mit einem anderen Schiff über Bord geht. Gerettet wird er von der Besatzung des Robbenfängers „Ghost“, der unter dem Kommando des brutalen Weiterlesen

In einem anderen Buch : Roman / Jasper Fforde. – (Thursday Next 2)

Thursday Next sieht sich schon bald nach dem Sieg über Acheron Hades, der mit einer Änderung des Schlusses verbundenen Rettung von Jane Eyre und der Hochzeit mit Landen (s. „Der Fall Jane Eyre“) vor ganz neue Probleme gestellt: ihre Berühmtheit erfordert eine Unzahl von Fernsehinterviews, bei denen sie aber eigentlich nichts sagen darf, ihr Arbeitgeber lässt sie beschatten und ihr fällt beinahe ein Hispano Suiza auf den Kopf. Aber es kommt noch schlimmer: ihr dauerzeitreisender Weiterlesen

Die Auslöschung : Roman / Jeff Vandermeer. – (Southern-Reach-Trilogie 1)

Namen gehörten in die Welt, aus der wir gekommen waren; in Area X hatten wir alle nur eine Funktion.

Ein Forschungsteam mit vier Frauen betritt im Auftrag der Regierungsorganisation Southern Reach die sogenannte Area X, ein geheimnisvolles Gebiet, dass seit einem nicht näher bestimmten Ereignis von einer unsichtbaren Grenze umgeben scheint: die Informationen sind spärlich, aber die Natur soll sich in dem Gebiet auf ebenso Weiterlesen

5 Jahre Jargsblog: eine kurze Bilanz und eine Ankündigung

Exakt vor fünf Jahren am 6. Februar 2010 ging Jargsblog mit seiner ersten Buchrezensiononline: Zeit, eine kurze Bilanz zu ziehen.

Eigentlich ist Jargsblog ein Ableger: schließlich begann ich im Winter 2009/2010 auf Anregung eines ebenfalls buchaffinen, mittlerweile nach Brisbane ausgewanderten Freundes zunächst für meinen Literaturlesekreis zu bloggen, der sich alle paar Wochen eines neuen Buches annimmt, es liest und darüber gemeinsam diskutiert. Was zunächst enthusiastisch aufgenommen wurde, entwickelte sich mangels ausreichenden Atems meiner auserkorenen Mitblogger rasch zur One-Man-Show, die mittlerweile ein recht kümmerliches Dasein am Rande der Bloggergalaxis führt und vermutlich recht bald von einem Schwarzen Loch verschluckt wird.

Also entschied ich mich zu einem zweiten Projekt, um Weiterlesen

Wenn die Nacht zum Tag wird : Tiere in ihren Lebensräumen / Julia Wauters

Die Nacht und die frühen Morgenstunden haben wohl auf allen Kontinenten und in allen Lebensräumen einen ganz besonderen Zauber. Während in der Nacht nur wenige Tiere wach sind, belebt es sich zum Tag hin mehr und mehr. In „Wenn die Nacht zum Tag wird“, sieht man diesen Übergang von der Dunkelheit zum Tag in der afrikanischen Savane, der russischen Taiga, im Amazonas-Regenwald, in der Tiefsee und bei uns um die Ecke.

Dabei begnet man Weiterlesen

Durch frühen Morgennebel : Roman / Manuel Niedermeier

Clemens ist Fotograf aus Leidenschaft und hat diese Passion bereits als Kind für sich entdeckt: stets sucht er Aufnahmen zu machen, die mehr zeigen als das eigentliche Motiv, den eigentlichen Moment. An Bord eines Forschungsschiffes, das mit einem jungen Forscherteam in der Barentssee unterwegs ist, freundet er sich mit dem wortkargen John an, der über Belugawale forscht. Die Enge an Bord, Schlafmangel, die Kälte und zwischenmenschliche Probleme führen Weiterlesen

Der Fall Jane Eyre (Thursday Next 1) : Roman / Jasper Fforde

Eine Alternativwelt, mitten in den 1980er Jahren: seit 131 Jahren stehen sich Russland und England im Krimkrieg gegenüber, ohne dass es Aussicht auf Frieden gibt. Großbritanniens ist geteilt und eine Republik mit lebenslangem Präsidialamt, Wales unabhängig. Gereist wird meist mit Eisenbahn oder Luftschiff, interkontinental per Tunnel durch die Erde und Flugzeuge mit Düsenantrieb sind nie über erste Prototypen hinausgekommen. Vampire und andere Unwesen sind ein ständiges Ärgernis für die Bevölkerung.

In dieser Welt spielt Literatur eine große Rolle, gilt als nationaler Schatz. So ist Beschäftigung mit Literatur ein Massenphänomen, kommt es nicht nur zu verbalen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern verschiedener Literaturrichtungen oder -theorien. Literarische Figuren gelangen in die Wirklichkeit – und auch die Welt der Weiterlesen

Höchste Zeit, Herold! / Anke Kuhl

„Der Weg zum Kind ist wild und weit.
Dem Herold bleibt nur wenig zeit:
„Soll Urselchen nicht warten,
muss ich jetzt auf die Reise gehen
und 13 Prüfungen bestehen.
Ich werd mal besser starten.“

Der Herold ist ein wahrer Held, der allen Gefahren trotz. Doch die Aufgabe, ein toller Papa zu sein und seinem Töchterchen zum Weiterlesen

An guten Tagen fahren wir rückwärts : Roman / Alex Shearer

Wir stolpern in die Welt, ohne eine andere Wahl zu haben. Wir lieben die, die wir antreffen – Eltern und Geschwister. Irgendwie müssen wir sie einfach lieben, wir können nichts dagegen machen. Vielleicht passen sie gar nicht zu uns oder sind nicht nach unserem Geschmack oder inkompatibel oder komplett falsch. Am Ende hassen wir sie vielleicht sogar oder sind ihnen böse. Aber nie endgültig, nie ohne Aussicht auf eine mögliche Vergebung und Wiedervereinigung. Zuerst lieben wir, wen wir lieben müssen. Dann werden wir erwachsen und lieben, wen wir lieben wollen. Aber wir bleiben trotzdem gefangen wie ein Fisch, der einen haken verschluckt hat. Fast unser ganzes Leben lang können wir flussabwärts schwimmen und werden doch wieder zurück in die Vergangenheit gezogen, in unsere Kindheit, hin zu unserem schutzlosen Ich. Und dann werden wir an Land gezogen. (S. 138)

Früher war Louis, der große Bruder von Alex, immer der Stärkere, Schlauere. Bevorzugt vom Vater, schien ihm alles zu gelingen, war er schneller, gewitzter und stets vorne dran. Er war zur Stelle, wenn Alex Hilfe brauchte … und sie nicht gerade miteinander stritten.

Jetzt ist Louis, der vor 30 Jahren nach Australien auswanderte, schwer krank: ein Weiterlesen

Ende / Regie: Jorge Torregrossa. Darst.: Maribel Verdú ; Daniel Grao [u.a.]

Nach 25 Jahren trifft sich eine Gruppe von Freunden wieder, alle mittlerweile Mitte Vierzig, desillusioniert und mit den üblichen Lebensversehrheiten und Erfahrungen dieses Alters, die das Wiedersehen nicht unbedingt einfach machen. Geplant ist ein Wochenende in einer abgelegenen Berghütte, die vor einem Vierteljahrhundert Schauplatz der letzten Zusammenkunft war. Nach und nach und zum Teil in Begleitung treffen sie ein – bis auf den einen, der dieses Treffen organisiert hat.

In der ersten Nacht beobachten sie ein seltsames Himmelsphänomen am Nachthimmel. Überrascht und zunehmend beunruhigt stellen sie kurz darauf fest, dass Weiterlesen

In eigener Sache: ein Dankeschön und ein aufgelöster Kommentarstau

Vielen, vielen Dank für die vielen freundlichen Kommentare zu dem Artikel „Ein weiter Weg zur Antwort: in eigener Sache“ und die Nachfragen auf verschiedensten Wegen, die er ausgelöst hat. Das tat und tut sehr gut.

Ich hoffe, diesem meinem Blog und seinen Weiterlesen