Irgendwie hatten wir uns das anders vorgestellt : der Traum vom perfekten Urlaub / Martin Hecht

„Ob ein Urlaub gelingt oder nicht: am Ende liegt es nur an uns selbst. Der dreckigste Strand, die übelste Herberge und der mieseste Fraß im Restaurant können nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein gelungener Urlaub keineswegs von äußeren Faktoren abhängt. Es geht am Emde immer um ein Talent, eine erfüllte Zeit erleben zu können. […]. In jeder Urlaubsreise ist der Weg angelegt, wie wir diese innere Erfüllung finden könne. Denn freie Zeit motiviert uns immer, uns auf die Suche nach uns selbst zu begeben. Und fast immer ist es so: wer suchet, der findet. (S. 297)“

Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt: ich lese ja gerne Bücher über das Reisen und erwartete mehr oder weniger lediglich ein solides Buch über missglückte Reise und darüber, wie man es besser machen könnte. Im schlimmsten Fall hätte ich eines jener Bücher erwischt, die bissig über alle möglichen Dienstleistungen herziehen, nach dreissig Seiten jedoch unglaublich zu langweilen beginnen.

Doch das Buch von Martin Hecht erwies sich als weitaus mehr: es ist überaus Weiterlesen

Die allerbeste Prinzessin / Ursula Poznanski ; Sybille Hein

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Man kennt das ja. Es war einmal eine Prinzessin, die war schön und sollte heiraten … und dann kommt der Prinz, der schon Drachen getötet hat und ünerhaupt ein echter Kerl ist und nimmt sie zur Frau. Nicht so bei „Die allerbeste Prinzessin“!
Bianca, Violetta und Rosalind sind natürlich auch wunderschön, aber sonst so gar nicht, wie Prinzessinnen sind, den sie treiben mit ihren Streichen und Streitereien ihren Vater, den König, oft genug zur Weissglut. Der beschliesst: Prinzen müssen her und die beiden heiraten. Dann ist endlich Ruhe.

Doch trotz umfangreicher postalischer Werbemaßnahmen lässt sich kein Prinz blicken, entschuldigen sie sich alle mit dringen nötigen Schwertkämpfen, Drachenjagden und ähnlichem. Nur der langweilige Waldomir nicht. Doch bevor der kommt, geraten sich Weiterlesen

Die amerikanische Nacht / Marisha Pessl

„Als Künstler muss man sich doch fragen, wofür das alles gut sein soll. Wir leben länger, sitzen allein vor unseren Bildschirmen und bewegen uns in sozialen Netzwerken, und unsere Gefühle flachen immer mehr ab. Bald sind sie bloß noch ein Gezeitentümpel, dann noch ein Fingerhut von Wasser, dann ein mikrofeiner Tropfen. Es heisst, dass wir in den nächsten zwanzig Jahren mit Computerchips verschmelzen werden, um das Altern zu verhindern und unsterblich zu werden. Wer will den ewig leben, wenn er eine Maschine ist?“ (S. 80)

Es gibt Bücher, die entwickeln mit fortschreitender Lektüre einen ganz eigenen Sog, der einen nach und nach tief in die Geschichte hineinzieht und dazu bringt, trotz des durch über 700 Seiten bedingten Gewichtes das Buch nicht mehr aus der Hand legen zu wollen. So ging es mir mit Marisha Pessl Debütroman „Die alltägliche Physik des Unglücks“ – und so ging es mir erneut bei ihrem zweiten Roman, der mit dem ersten so gar nicht zu vergleichen ist.

Der abgehalfterte Enthüllungsournalist und ehemalige Kultautor Scott McGrath hat schon bessere Zeiten gesehen: vor Jahren bei den Recherchen zum geheimnisvollen, düsteren Filmemacher Stanislas Cordova spektakulär in die Irre geführt, muss er sich jetzt mit zweitklassigen Arbeiten über Wasser halten und überdies ertragen, dass er seine Tochter nach der Trennung von seiner Frau nur noch selten sieht.

Doch als die Leiche von Weiterlesen

Flavia de Luce : Schlussakkord für einen Mord / Alan Bradley

England, 1950er Jahre: Die 11jährige Flavia de Luce, experimentiertfreudige Amateurwissenschaftlerin und stets neugierige Hobbydetektivin hat bereits vier Verbrechen gegen alle Widerstände erfolgreich aufgeklärt. Aber das kleine Örtchen Bishop’s Lacey scheint nicht zur Ruhe zu kommen: bei der geplanten Exhumierung der Gebeine des Heiligen Tankred ist natürlich auch die stets neugierige Flavia dabei – und entdeckt prompt in der frisch geöffneten Kirchengruft die Weiterlesen

Das Lächeln meiner Mutter / Delphine de Vigan

Eines Morgens stand ich auf und dachte, ich müsse schreiben, selbst wenn ich mich dazu auf einem Stuhl festbinden müsste, und ich müsste weitersuchen, selbst in der Gewissheit, dass ich nie die Antwort finden würde. Dieses Buch wäre vielleicht genau das, der Bericht über diese Suche, der sein eigenes Entstehen enthält, seine erzählerischen Irrwege, steckengebliebenen Versuche. Aber es wäre dieser zögernde, unvollenedte Impuls von mir hin zu ihr. (S. 41)

Die französische Autorin Delphine de Vigan (auf Jargsblog: No und ich) findet eines Morgens ihre 61jährige Mutter tot in deren Wohnung. Schnell wird klar, dass diese sich das Leben genommen hat. Die Schriftstellerin geht zunächst wie betäubt ihren Verrichtungen nach, nimmt ohne bewusste Erinnerung den Prix des Libraires entgegen, schreibt ihr aktuelles Buch zuende. Doch dann Weiterlesen

Die wunderbare Reise durch die Nacht / Helme Heine

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Am Ende eines jeden Tages kommt irgendwann der Schlaf mit seiner Mondlaterne und macht den großen und kleinen Leuten die Augenlider müde, bis diese dann doch zufallen und Weiterlesen

Von Napoleon lernen, wie man sich vorm Abwasch drückt / Sebastian Schnoy

Wer wie ich das Glück hatte, Sebastian Schnoy einmal auf der Bühne zu erleben, wird beeindruckt gewesen sein von seiner Eloquenz, seinem scharfen Blick auch auf scheinbar Nebensächliches und seinem feinen Humor. wenig bekannt dürfte vielen sein, dass Schnoy von Hause aus Historiker ist, der erst nach dem Studium zum Kabarettisten wurde.

Mit „Von Napoleon lernen, wie man sich vorm Abwasch drückt“ legt er nun eine Geschichte Europas vor, die übliche Elemente der Geschichteschreibung wie Kriege und Krönungen Weiterlesen

Das ist nicht mein Hut / Jon Klassen

So ein kleiner frecher Fisch kann schon mal auf Ideen kommen. Zum Beispiel, dem großen schlafenden Fisch den Hut zu stehlen. Das wird der bestimmt nicht bemerken. Denn der große Fisch schläft ja und wird bestimmt nicht an den Hut denken, wenn er aufwacht. Und woher sollte er wissen, dass der Weiterlesen

So : Roman / Norbert Zähringer

Der junge Bankangestellte Cordt Gummer wird befördert zum Leiter einer Zweigstelle: allerdings liegt die im Niemandsland einer Industriebrache im Osten Berlins und ist in einem Container untergebracht. Leider läuft das Geschäft gar nicht gut, und die einzige Angestellte ist auch bald fort. Damit er nicht mehr Weiterlesen

Jungs sind eben so! / Jean-François Dumont

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Jungs sind doof. Thomas ist auch eine Junge, und die rennen herum, spielen Fußball, rempeln mit Absicht und sind überhaupt nicht nett. Das nervt natürlich. Und dann tritt man als Mädchen schon mal zu. Was auch blöd ist, weil Jungs dann hinter einem her laufen und ganz schön schnell rennen können …

Die festgefahrene Ansicht über Jungs gerät in Weiterlesen

Sydney Bridge Upside Down : Roman / David Ballantyne

Neuseeland, 1950er Jahre. Calliope Bay ist ein kleiner, abgelegener Ort an der Küste, der schon bessere Zeiten gesehen hat. Seit der Schlachthof geschlossen ist, stirbt der wirtschaftlich ausgeblutete Ort langsam aus. Zu den wenigen Highlights zählt die Ankunft eines Schiffes, das Fracht und selten Besucher nach Calliope Bay bringt. Allgegenwärtig scheint der schweigsame, etwas unheimliche Sam Phelbs, der sein alterschwaches Pferd namens „Sydney Bridge Upside Down“ zur Erledigung kleiner und großer Aufträge durch den Ort treibt.

In Calliope lebt auch der 13jährige Harry. Zusammen mit seinem Vater, der ein Bein verloren hat, und seinem Bruder wartet er in diesem Sommer auf die Rückkehr seiner Mutter, die in die Stadt gezogen ist. Zusammen mit einigen der wenigen Kinder verbringt Harry seine Zeit an der Steilküste und – verbotenerweise – im verlassenen Schlachthof mit seiner unheimlichen, an das massenhafte Töten unzähliger Tiere erinnernden Ausstrahlung.

Doch dann kommt Harrys ältere und wunderschöne Cousine Caroline mit dem Schiff an. Für Harry, der Weiterlesen

Der Atem der Welt : Roman / Carol Birch

„Mein Herz klopfte laut und ängstlich in meinem Ohr, das ich ins Kissen gedrückt hatte. So lange ich lebe, werde ich nicht weise sein. Werde niemals verstehen, warum es so geschah, wie es geschah, niemals verstehen, wohin sie gegangen sind, all jene Gesichter, die ich so deutlich in der Dunkelheit sehe. Es gibt keine dritte Möglichkeit, sondern schlicht und einfach nur: Leben oder Sterben. Jeder Augenblick eine Blase, die platzt. Geh weiter, einen Schritt und noch einen, immer weiter, auf einem Regenbogen aus Trittsteinen, jeder platzt leise, wenn Dein Fuß ihn berührt und weiterläuft. Bis ein Schritt nur leere Luft trifft. Bis dieser Schritt erfolgt, leb!“ (S. 373)

London in den 1850er Jahren. In den heruntergekommenen Docklands herrschen üble Zustände, sind die Menschen getrieben von Armut, Hunger und Gewalt. Jaffy wächst dort in äußerst armen Verhältnissen heran. Als 8jähriger begegnet er fasziniert und furchtlos auf offener Straße einem entlaufenen Tiger, der ihn im Maul davonträgt. Gerettet durch den Tierhändler Charles Jamrach, wird er von diesem angestellt und heuert als Heranwachsender zusammen mit seinem besten Freund Tim auf einem Walfänger an, um einen echten Drachen zu fangen. Zusammen erleben sie das rauhe Leben auf See und bereisen den Indischen Ozean.

Doch auf dem Rückweg von der erfolgreichen Reise Weiterlesen

Alle im Wunderland : Verteidigung des gewöhnlichen Lebens / Matthias C. Müller

„Wie auf einmal die Straße – in einem Coup der frühen Tage – wieder zu einem begehrenswerten Ort, zu einem Platz im Sinne der Lichtung wurde! Lichtung in der Zeit. Kinder spielten wieder Murmeln, hüpften Seil und gingen auf Stelzen“.
(Botho Strauß, Vom Aufenthalt, a.a.O., S. 44)

Eine Streitschrift für das „gewöhnliche Leben“? Eine Buch, in dem der negativ besetzte Begriff „Spiesser“ einmal positiv gewendet und dem allgemein als langweilig empfundenen Alltag Glückspotentiale zugeschrieben werden? In Zeiten der Selbstoptimierung, des allgemeinen Starkultes, des Arbeitens von einem Projekt zum nächsten und der gesamtgesellschaftlich verankerten Haltung, immer das Maximum aus allem und vor allem aus sich selbst herausholen zu wollen, in einer Zeit, in der so lange gesucht wird, bis endlich der Weiterlesen

Gemordet wird immer / Tessa Korber

Lange ist Viktor Anders im Ausland gewesen, hat sich unter anderem als Surflehrer, Kaufhausdetektiv, Kellner und Hausmeister bei einem Zen-Meister durchgeschlagen. Nach dem Tod seiner Eltern kehrt er heim, um als Erbe in das Bestattungsunternehmen Anders einzutreten. Sehr zum Mißfallen von Miteigentümer und Onkel Wolfgang, der Viktor die Eignung dafür abspricht.

Viktor setzt sich durch, zieht in die Wohnung seiner Eltern und arbeitet fortan mit im Familienbetrieb, zu dem neben Onkel Wolfgang und der behäbigen Tante Hedwig mit ihrer ewigen Schürze auch der kosmetisch begabte autistische Cousin Tobias beitragen. Dann aber entdeckt er bei einem Mißgeschick mit seiner ersten Leiche eine Weiterlesen

Die große Wörterfabrik / Adnès de Lestrade ; Valeria Docampo

Es ist ein seltsames Land, in dem Paul lebt. Die Menschen reden dort so gut wie nie und man muss Wörter kaufen und runterschlucken, bevor man sie aussprechen kann. Wörter werden Weiterlesen

Ich werde dich so glücklich machen : Roman / Anne B. Ragde

„Er hätte gern die Arme um sie gelegt, tat es aber nicht. Er dachte daran, wie seltsam es doch sei, hier zu stehen und sich so nach ihr zu sehnen, und dabei war sie nur einen Meter von ihm entfernt. Das Ausgussbecken war gefüllt mit Kartoffelschalen und den Resten der Zwiebel, unter dem Tisch lagen Haare herum, und der Aschenbecher war überfüllt.“ (S. 83)

Ein Neubaublock in Trondheim, Norwegen Anfang der 1960er Jahre in Zeiten wachsenen Wohlstandes: ganz normale Leute wohnen hier, deren Leben in unspektakulären Bahnen zu verlaufen scheint und deren Geschichten in „Ich werde dich so glücklich machen“ miteinander vernetzt sind.

Im ersten Teil erhalten wir Weiterlesen

Die Geschichte der Skelette: oder warum alle mit allen verwandt sind / Jean-Baptiste de Panafieu ; Patrick Gies

Skelette sind nicht nur ein Ding gewordenes „Memento mori“, die uns an unsere eigene Vergänglichkeit erinnern, sondern weitaus mehr: sie erinnern uns an unsere eigene, weit zurückreichende Geschichte, die uns mit allen anderen Wirbeltieren verbindet und darüber hinaus reicht bis in die weit zurückliegende Zeit, als das Leben auf diesem Planeten seinen Anfang nahm. $00 Millionen Jahre weit reicht die Geschichte der Wirbeltiere zurück und damit in eine Zeit, als der erste Fisch lebte, von dem aus sich der Stammbau der Tiere entwickelte, die einen biegsame Rückenstab namens „Chorda“, die Wirbelsäule, haben.

Verschiedene Vertreter rezenter Chorda- oder Wirbeltiere stellen Jean-Baptiste de Panafieu und der Fotograf Patrick Gies in „Die Geschichte der Skelette“ vor. Sie verfolgen ihre Thematik anhand Weiterlesen

Ture bläst es fort / Anna-Clara und Thomas Tidholm. Aus dem Schwedischen von Anu Stohner.

Ture hat ein kleines Haus, schön eingerichtet, mit einer Blume namens Lisa und einem Hund, der Hallo heisst. Mit dem macht er einen einen Spaziergang zwischen Gras und Wolken. Doch dann Weiterlesen

Raketenmänner / Frank Goosen

Er stand vor der Haustür und hatte den Schlüssel bereits in der Hand, als er es sich anders überlegt. Er ging durch den schmalen Durchgang neben dem Haus in den Garten. Im Schutz der Dukelheit erreichte er die Strickleiter und kletterte nach oben ins Baumhaus. Er setzte sich so, dass er einen guten Blick auf das Geschehen in Küche und Wohnzimmer hatte. Seine Frau schnitt Brötchen auf, seine Söhne nahmen Wurst und Käse aus dem Kühlschrank und brachten beides zum Esstisch. Sie stellten Gläser und Teller auf den Tisch, während seine Frau Tomaten und Gurken in Scheiben schnitt.
Das hier, dachte Frohnberg, ist meine Zeit, das sind die besten Jahre meines Lebens. (s. 177)

Verlorene Träume, alte Freundschaften und spontane Entschlüsse, die einen aus dem vertrauten Leben katapultieren, seltsame Begegnungen, anachronistische Lebensentscheidungen, Treue und Rivalität, Kränkung und das Alter. Die Männer, deren Leben in diesem Buch auf subtile Weise miteinander verwoben sind, gehören nicht zu den Überfliegern, auch wenn sie auf die eine oder andere Weise Erfolge haben oder hatten, Familien gründeten, ihre Leben leben und sich mittendrin dabei ertappen, aus sich herauszutreten und ihr Leben vom Rande her zu betrachten. Bei Ritter führt das zu einer spontanen Entscheidung, die ihn (WEITER GEHT ES HIER) Weiterlesen

Dunkles Verhängnis / James Sallis

„Die Welt ist so sehr voller Worte. Und doch bleibt so vieles, was wirklich wichtig ist, für immer unausgesprochen.“(S. 116)

„Wie selten wir tatsächlich bewußte Entscheidungen treffen, ja wie selten wir uns überhaupt vor eine Entscheidung gestellt sehen. So vieles ist bereits festgelegt: durch unsere DNA, das soziale Umfeld, das Klima, durch unsere Erziehung und den Einfluß der Menschen, mit denen wir es zu tun haben. Und ein großer Teil des Rests ist purer Zufall – wohin die Strömung uns trägt.“ (S. 80)

Vermutlich ist es eher ungewöhnlich und in den meisten Fällen nicht ratsam, den letzten Teil einer Trilogie zuerst zu lesen. In diesem Fall führte mich der Zufall (das Buch war gerade in der Onleihe der Bibliothek meines Vertrauens verfügbar) dennoch dazu, den dritten Schritt vor dem ersten zu tun, da ich derzeit alles von James Sallis und vergleichbaren Autoren verschlinge. Und ich habe es nicht bereut.

Zum Inhalt: wir begleiten Turner, einen ehemaligen Polizisten und Therapeuten, der eine dunkle Vergangenheit als Ex-Sträfling hinter sich hat, durch die Kleinstadt in Tennessee, in der er lebt. Zwei Jahre sind vergangen, seit seine Freundin Val vor seinen Augen erschossen wurde, und noch immer trauert er. Doch mit dem Mordverdacht gegen Weiterlesen

Otto der Bücherbär / Katie Cleminson

Otto liebt es, wenn Kinder das Buch lesen, in dem er abgebildet ist. Eines Tages aber findet er das Haus verlassen vor – bis auf die große Umzugskiste, in der er und sein Buch vergessen wurden.
Doch Otto ist mutig und zieht in die Stadt hinaus auf dem Weg nach einem neuen Zuhause. Schnell ist er müde, erschöpft und einsam, vermisst sein Buch und wünscht sich heim. Doch dann Weiterlesen

Das Handwerk des Teufels : Roman / Donald Ray Pollock

USA, Ohio, in den 1950er und 1960er Jahren. Nach „Knockenstiff“ entführt uns Pollock erneut in den „Bible Belt“ der USA, nach Ohio und lässt auch den Ort des Vorgängerromans wieder vorkommen.

Der junge Arvin wächst in einer Welt voller Gewalt, Korruption und religiösem Fanatismus auf. Sein Vater, ein spät religiös erweckter Weltkriegsveteran, versucht vergeblich, durch Blutopfer und Weiterlesen

Im Jahr des Tigerochsen / Christian Y. Schmidt

Christian Y. Schmid, der in China wohnende, mit einer Chinesin verheiratete Ex-Titanic-Redakteur hat schon zweimal in Buchform über China berichtet (vergl.: „Allein unter 1,3 Milliarden„) und dabei neben journalistischer Distanz und Akribie auch bewiesen, dass er spannend und – wo angebracht – humorvoll schreiben kann. Mit „Im Jahr des Tigerochsen“ legt er ein weiteres Buch über das fernöstliche Riesenland vor.

Nach Jahren in China hat er mittlerweile einen eigenen Blick für landestypische Eigenheiten entwickelt, manche Verhaltensweisen angenommen, manche westlichen Betrachtungen über China einem kritischen Urteil unterzogen und sie nicht selten revidiert. „Im Jahr des Tigerochsen“ beruht überwiegend aus Kolumnen, die in der „taz“ erschienen sind. Der Autor reflektiert darin nicht nur über seine Erfahrungen in Peking, sondern geht auch spezifischen Fragestellungen nach, denen er im Laufe seiner chinesischen jahre begegnet ist und die zu klären er etliche Reisen auf sich nimmt.

So geht er der Frage nach den prügelnden Chinesinnen und der auf den ersten Blick nicht erkennbaren Verbindung zum Weiterlesen

Der große Bluff: Irrwege und Lügen der Alternativmedizin / Theodor Much

So zahlreich wie die pseudomedizinischen Heilungsverfahren sind die Bücher darüber: ob Homöopathie oder Bachblüten, Osteopathie, Kinesiologie, Antroposophische Medizin oder Bioenergetik, ob Geistheilung oder Quantenmedizin – vielfältig sind die Bezeichnungen für esoterische Heilverfahren, die als sogenannte Alternativmedizin Zuspruch nicht nur bei leichtgläubigen Patienten, sondern auch bei manchem Arzt und Apotheker finden. Natürlich spiegelt sich das nicht nur in Angeboten auf dem Gesundheitsmarkt, in Apotheken, Supermärkten und Drogerien wieder, sondern auch in den Regalen der Buchhandlungen und Bibliotheken.

Dabei geht es vor allem um eines: Profit. Denn paramedizinische Heilverfahren haben bis heute keinen Nachweis ihrer Wirksamkeit erbringen können, der über Placeboeffekte hinausginge. Mit dem platten „Wer heilt, hat recht“ wird ihre Wirksameit behauptet und den Patienten mit der irreführenden Behauptung, die als „Schulmedizin“ verunglimpfte, auf wissenschaftlicher Basis arbeitende Medizin kuriere nur an Symptomen und althergebrachtes, angeblich ganzheitliches Wissen böte einfache Lösungen für jede Krankheit: dabei hat die Menschheit in den letzten 150 Jahren auf dem Gebiet der Medizin gerade durch Wissenschaftlichkeit und Aufklärung immense Fortschritte gemacht und einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass die meisten Menschen heute ein hohes Alter erreichen können.

Theodor Much beleuchtet in seinem Buch nahezu sämtliche derzeit vermarkteten esotersichen Heilverfahren, stellt ihre leeren Versprechen vor, beleuchtet die oft Weiterlesen

Das mutige Buch / Moni Port

Wir alle haben Angst. Erwachsene, Kinder, Tiere. Angst zum Beispiel vor der Dunkelheit, vor Ameisen, Gewitter, vor der Schule, dem Sterben, dem Tod, vor Aufzügen, Monstern, vor dem Fliegen, dem Alleinsein oder vor dem Elfmeter beim Fußball. Als Erwachsene lernen wir, unsere Angst zu verdrängen oder zu rationalisieren – doch sie ist trotzdem da. Jeder hat sie und sie kann sehr wichtig sein.

Kindern begegenet die Angst nicht selten viel offener, unmittelbarer und beeindruckender. Plötzlich hat eines Angst vor dem Einschlafen, ein anderes vor der Spritze beim Arzt. Moni Port nimmt in „Das mutige Buch“ die Ängste kleiner und großer Leute ernst und packt sie in Weiterlesen

Knockemstiff / Donald Ray Pollock

Das gilt doch für die meisten von uns; unser Leben zu vergessen ist das Beste, was wir zustande bringen. (S. 140)

In Knockemstiff entführt uns der amerikanische Autor Donald Ray Pollock, selbst aus einer unterprivilegierten Familie kommend, in die archaische Welt eines Provinzörtchens in Ohio. Dort begegnen wir Menschen, die auf der anderen Seite des amerikanischen Traums leben, zerrissen zwischen aussichtlosen Träumen und einer deprimierenden, nicht selten von Weiterlesen

Die Insel / Marije & Ronald Tolman

Wir sind ihm bereits in „Das Baumhaus““ begegnet: dem Eisbären, dem wir auch in diesem Buch begegnen.

Wieder begleiten wir den Eisbären – ganz ohne Worte – bei seinen Abenteuern, die diesmal Weiterlesen

Alle lieben Paulchen / David Melling. Deutsch von Mirjam Pressler

An diesem wunderschönen Tag hat Paulchen nur einen Gedanken: hinausgehen und mit Freunden spielen. Aber er findet niemanden. Bis er plötzlich auf Flossie das Schaf stösst, das Verstecken gespielt hat und jetzt seinen Freund, das kleine Schaf sucht. Natürlich macht sich Paulchen mit Flossie auf die Suche, doch Weiterlesen

Wer will ein billiges Nashorn? / Shel Silverstein. Deutsch von Harry Rowohlt

So ein Nashorn ist unerhört praktisch und nützlich: man kann es als Kleiderständer verwenden, als Lampenschirm oder als Rückenkratzer. Es frisst Weiterlesen

Faszination Menschenfresser : erstaunliche Geschichten über die gefährlichsten Tiere der Welt / Mario Ludwig

Auf den ersten Blick hält man das hier besprochene Buch aufgrund des Titels zunächst eher für einen oberflächlichen Reisser, wird aber rasch eines Besseren belehrt. Mario Ludwig widmet sich den großen rezenten Prädatoren: Tiger, Löwe, Leopard, Hyäne, Grizzly und Wolf finden neben Pottwalen und Orcas ebenso seine Aufmerksamkeit wie Krokodil, Komodowaran, Anakonda, weißer Hai, Piranha und – der Menschen selbst und der bei ihm gelegentlich vormommende Kannibalismus.

Dabei geht er etlichen realen Ereignissen ebenso akribisch nach wie er viele Mythen entlarvt. Schnell wird klar, dass Tiger zwar durchaus gefährlich sein können, die größte Gefahr für uns Menschen aber nicht von jenen Raubtieren ausgehen, die an der Spitze der Nahrungskette stehen, sondern von Weiterlesen

Living in Japan / Photos Reto Guntli. Text Alex Kerr und Kathy Arlyn Sokol

Wohnungen und Häuser bieten dem Menschen nicht nur Schutz vor der Aussenwelt, vor Wetter und anderem natürlichen oder gar menschlichen Unbill, sondern definieren auch Grenzen und mögliche Öffnungen zwischen dem einzelnen Menschen und seiner Umwelt, schaffen Raum für Begegnung und Rückzug und können die Art beeinflußen, wie wir auf die Welt und auf uns selbst blicken.

Japan und seine Bauten haben großen Einfluss auf die Entwicklung der westlichen Architektur ab Ende des neunzehnten Jahrhunderts gehabt: die sachliche, reduzierte Gestaltung, die Verbindung von Raum und Natur und der gerasterte Aufbau faszinierten und faszinieren viele Architekten. In „Living in Japan“, einem neu aufgelegten Fotoband von Reto Guntli mit deutschen, englischen und französischen Texten, begegnen wir japanischer Wohnarchitektur im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne.

Die opulenten Bilder entführen uns in Weiterlesen

In Bedrängnis : Roman / Richard Hughes. Deutsch von Michael Walter

„Das heißt, sie waren allein bis auf die Delphine. Denn als der Vordersteven des Schiffs das violette Glas durchschnitt, pflügte er glitzernde, schneeweiße Schaumberge auf; und etwas Schöneres als die tief im Inneren des Glases tanzenden Delphine hatte ich noch nie gesehen. Ein Dutzend Tiere, mächtig, viel größer als ein Mensch, am Rücken olivbraun, die Flanken und der Bauch von einem leuchtenden Blassgrün; ihre Form: Gestalt gewordene Geschwindigkeit. Die spitze Schnauze vor der wulstigen Stirn teilte das Wasser perfekt, und hinter der rudernden Schwanzflosse schloss es sich wieder, so als sei nichts gewesen. Meistens tanzten sie paarweise, glitten vor dem Steven hin- und her wie Schlittschuhläufer, dann kreuzten sie – einer oben, einer unten – übereinander hinweg, drehten sich um die eigene Achse, ein silbrig grünlicher Blitz tief unter Wasser, stiegen nach oben, bis ihre Rückenflosse die Luft wie eine weiße Feder durchtrennte, schnellten hoch wie kraftstrotzende Meerjungfrauen, haltlos vor Glück, warfen sich im Sprung auf den Rücken bald zu zweit, manchmal zu dritt, zu viert oder auch zu fünft. Plötzlich schossen zwei davon und verließen das Schiff; aus dem Nichts tauchten zwei neue auf, kreuzten den Bug und gesellten sich zu dem himmlischen Wasserspiel“. (S. 25)

Der Kampf des Menschen gegen die Gewalten der Natur ist ein immer wiederkehrendes Thema in der Literatur: die Bandbreite reicht dabei vom Weiterlesen

Die Geparden der Kalahari / Matto Barfuss

Kurz nach dem auch hier vorgestellten „Serengeti“-Film entdeckte ich das Buch des Kunstmalers und Fotografen Matto Barfuss, der in den Medien oft als „Gepardenmann“ bezeichnet wird und sich als Tierschützer, Tierfilmer und Autor einen Namen gemacht hat.

„Die Geparden der Kalahari“ ist Ergebnis einer Reise in verschiedene Gebiete dieser riesigen Gebiete: Barfuss beobachtete eine Gepardin mit fünf Jungen im Okavango-Delta, eine weitere Gepardin, die in den Salzpfannen unter Schwertsbedingungen ihre zwei Jungen durchzubringen, sowie zwei Gepardenbrüder, die zusammen jagen.

Sein Buch ist eine außergewöhnliche Mischung aus zum Teil spektakulär nahen Fotos, photorealistisch anmutenden Grafiken und den Reiseberichten selbst: Barfuss nimmt Weiterlesen

„Puh!“ sagte der kleine Bär / Thomas Winding ; Ole Könnecke

Erwachsene Bären haben immer was zu tun und natürlich muss immer alles sofort passieren: sie stellen zum Beispiel Möbel um, was gar nicht so einfach ist, wenn hinterher alles richtig stehen soll. Und natürlich sind sie dabei furchtbar beschäftigt und im Stress und haben gar keine Zeit für den kleinen Bären, der Weiterlesen

Driver 2 / James Sallis. Übersetzt von Jürgen Bürger und Kathrin Bielfeldt

„Unsere Augen prallen an den Oberflächen ab, wir können weder weit noch tief sehen. Wir treffen Entscheidungen aufgrund des jämmerlichen bisschens, dass wir wissen, darüber, wer wir sind, und das gibt uns Stabilität. Dann halten wir die Luft an und erwarten, dass der Himmel jeden Moment aufreißt. Jeder von uns macht das […]. Nicht nur du …“ (S. 130)

Düster und melancholisch ist das Menschenbild sowohl im klassischeh Film Noir als auch in seinen literarischen Entsprechungen. In „Driver“ erlebten wir den Weg des gleichnamigen, sehr zurückhaltend auftretenden Protagonisten, der nach einem gescheiterten Überfall, an dem er als Fahrer teilnahm, plötzlich zur Zielscheibe der Mafia wird und den Spieß umdreht, bis er am Ende den Drahtzieher ausfindig gemacht hat.

Nun lebt er, mittlerweile über dreissig Jahre alt, unter einem anderen Namen an einem anderem Ort. Langsam geraten die Ereignisse, die ihn hierhin gebracht haben, ausseinem Blickfeld. Doch dann kommen an einem Samstagmorgen plötzlich zwei Männer und versuchen, ihn Weiterlesen

Homes on the move : Mobile Architektur / Donato Nappo & Stefania Vairelli

Nein, dies ist kein Buch über Wohnmobile, auch wenn ich zugeben muss, dass ich es vor allem aufgrund des VW Bus T2 auf dem Titelbild gelesen habe: das ist ein Fahrzeug, das bei mir unweigerlich Erinnerungen an Fahrten durch den Süden Brasiliens auslöst, nach Sao Francisco do Sul, St. Catarina, Florianopolis, am Steuer unser brasilianischer Freund, auf den Sitzen unsere und seine Familie. Seither träume ich manchmal davon, so einen Bus zu besitzen, was natürlich vollkommen irrwitzig ist, da ich von Autoschrauberei absolut nichts verstehe und es gerade mal für Tanken und das Auffüllen des Scheibenwischerwassers reicht. Aber genug der Abschweifung …

„Mobile Homes“ beschäftigt sich hauptsächlich mit Häusern und Wohnungen, die Weiterlesen

Die unheimliche Bibliothek / Haruki Murakami. Kai Menschik [Illustration]. Ursula Gräfe [Übersetzung].

„Natürlich war die Leihfrist nicht überschritten. Ich hielt sie immer auf den Tag und die Stunde genau ein. Schon weil meine Mutter mich städnig darauf hinwies. Es war wie bei einem Schäfer. Passte er nicht ordentlich auf seine Schafe auf, gingen sie verloren. Ich hütete die Bücher wie ein Schäfer die Schafe.“ (S. 5)

Bibliotheken sind ja Orte, wo die Erscheinungen der Welt auf unterschiedliche Weise zusammenlaufen und sich kreuzen können. Nicht umsonst kommen Bibliotheken in der fantastischen Literatur, in Dystopien und Science-Fiction immer wieder gerne vor: dabei stehen sie nicht symbolisch für Orte des Wissens und des Gedächtnisses, sondern auch für Orte voller Geschichten, voller Fantasie.

In „Die unheimliche Bibliothek“ begleiten wir einen Jungen, der eigentlich nur wie so oft seine Bücher in der Bibliothek abgeben will, um auf keinen Fall die Leihfristen zu überschreiten. Er gibt die Bücher ab und fragt nach einem Buch. Die Frau an der Rückgabe schickt ihn in Raum 107: dieser liegt im Keller, den der Junge bisher noch nie gesehen hat.

In Raum 107 begegnet er einem Weiterlesen

Superwurm / Axel Scheffler ; Julia Donaldson. Übers. von Salah Naoura



Ein Käfer fällt ins Wasser rein,
wird es wohl sein Ende sein?
Kein Problem, wir brauchen nur
Superwurm mit Angelschnur.

Zum Glück haben Scheffler und Donaldson nicht den Fehler anderer Autorinnen und Autoren gemacht, aus ihrem „Grüffelo“ eine multimedial verwurstete Kinderbuchfigur mit zahhlosen Folgegeschichten in allen Formaten zu machen. So bleibt der Zauber erhalten.
Aber Scheffler und Donaldson finden – zum Glück – auch immer wieder Gelegenheit zur Zusammenarbeit. So zum Beispiel für „Superwurm“.

Würtme sind ja eigentlich sehr zarte, gefährdete Geschöpfe. Aber Superwurm ist Weiterlesen

Willkommen auf Skios / Michael Frayn. Aus dem Englischen von Anette Grube

Alljährlich lädt die opulent ausgestattete Fred-Toppler-Stiftung alles, was Rang, Namen, Geld oder zumindest gute Verbindungen hat, in ihr luxuriöses Ressort auf der griechischen Insel Skios ein. Als Höhepunkt des mehrtägigen Events gilt der Vortrag einer berühmten Persönlichkeit. In diesem Jahr bereitet sich Dr. Morman Wilfred, ein international hochgeschätzter und vielgefragter Experte in den besten Jahren, für quantitative Wissenschaftsforschung, darauf vor, auf Skios eine Variante seines schon oft gehaltenen Vortrags zu halten.

Doch Wilfred hat Pech: am Flughafen der Insel verschwindet Weiterlesen

So komme ich in die Hölle / Jörg Schneider

Natürlich kann man nicht abstreiten, dass Glaube vielen Millionen Menschen ein Gefühl von Sicherheit, Geborgenheit, Trost und Hoffnung vermittelt. Aber allein der bloße Glaube daran macht die Hypothese, dass tatsächlich irgendwo ein Gott existiert, der sich schon um einen kümmern wird, nicht zwingend glaubhafter. Wenn man daran glauben würde, dass im eigenen Garten ein wertvoller Piratenschatz versteckt wäre, gäbe einem das sicherlich auch ein gewisses Gefühl von Sicherheit und Hoffnung. Dummerweise gibt es aber nichts, was diesen Glauben, sei es an einen Gott oder eben an einen Piratenschatz im Garten, auch nur annähernd rechtfertigen würde. Gottes Existenz „beweist“ lediglich ein heiliges Buch, von dem allen Ernstes behauptet wird, dass dessen Inhalt nach den höchstpersönlichen Vorgaben des Schöpfers des Universums zusammengetragen und niedergeschrieben wurde. Vor einem Gericht – es sei denn dem jüngsten – käme man damit wahrscheinlich nicht durch. (S. 206

Der Markt für Reiseführer ist unüberschaubar groß, aber einer für den Weg in die ewige Verdamnis fehlte bisher. Zum Glück füllt Jörg Schneider mit „So komme ich in die Hölle“ etliche Wissenslücken zu diesem Themen, Wissenslücken, die sich ja leider sehr oft gerade bei Gläubigen finden lassen. Endlich erfahren wir, wie fest man beim Steinigen werfen darf, warum Gott kein Hippie ist und warum es für christliche Gläubige (was wenige befolgen) laut Bibel unabdingbar ist, sich „Quasten an den Zipfeln ihrer Kleider […] und blaue Schnüre auf die Quasten an die Zipfel“ machen zu lassen.

Ausgesprochen bibelkundig zeigt Schneider (unter anderem Autor für Titanic, taz, Eulenspiegel und Frankfuerter Rundschau), die Absurdität biblischer Regeln und Weiterlesen

Drei Freunde : Gemeinsam sind sie stark / Nicholas Oldland

Nach der Elch jetzt endlich mutiger ist und sich etwas traut (s. Trau Dich, du Elch!, will er mit seinen Freunden Bär und Biber eine Kanutour machen, obwohl die drei eigentlich selten einer Meinung sind.

So fahren sie los an einem schönen sonnigen Tag – und kentern rasch, den alle drei wollen gleichzeitig Weiterlesen

Der fliegende Jakob / Philip Waechter

Er war noch ganz klein, da konnte er schon fliegen. Für Jakobs Eltern war das zunächst sehr ungewohnt, doch bald gewöhnten sie sich daran und es erwies sich nicht selten als ungemein praktisch (zum Beispiel beim Äpfelpflücken).

Als es eines Tages in den Urlaub ans Meer gehen soll, will Jakob natürlich selber fliegen und startet, nachdem das Flugzeug seiner Eltern auch gestartet ist. Er vertreibt sich die Flugzeit und die Pausen mit Zählen, bis er schliesslich mit 83 Vögeln gen Süden fliegt. Das ist sehr schön.

Doch als sie ihre Mittagspause machen, fällt Jakob ein Weiterlesen

Anhängerkupplung gesucht : man braucht andere, um voranzukommen / Tjerk Ridder mit Peter Bijl. Mit einem Vorwort von Herman van Veen

Es ist ganz sicher ein Klischee, dass Niederländer grundsätzlich nur mit Wohnwagen verreisen. Wie jedes Klischee enthält es ein Körnchen Wahrheit und lässt sich natürlich auch gnadenlos übertreiben.

Das Letztgenannte hat der Liedermacher und Theaterkünstler Tjerk Ridder gemacht, der sich mit einem Wohnwagen durch Weiterlesen

Orbis Abenteuer : ein kleiner Roboter büxt aus / Thomas Christos ; Barbara Scholz (Illustration)

Roboter üben ja insbesondere auf kleine Jungs eine unwiderstehliche Faszination aus. So geht es auch Linus, als er Orbi findet und versteckt, einen Roboter, der unglaublich viel weiss und sogar sprechen kann. Orbi ist Weiterlesen

Die Tierfamilie / Randall Jarrell. Buchschmuck von Maurice Sendak. Aus dem Englischen von Henning Ahrens

Ein Jäger wohnt in einer Blockhütte am Wald, unweit des Meeres. Er lebt dort gerne, hat aber in seiner Einsamkeit Sehnsucht nach jemand anderem, mit dem er sein Leben teilen kann.

Eines Tages hört er am Meeresufer eine Meerjungfrau singen. Wenn er näher kommt, verstummt sie und ist bald fort. Wieder und wieder hört der Jäger sie und kommt ihr doch nicht nahe. Doch dann Weiterlesen

Kanada / Richard Ford. Aus dem Englischen von Frank Heibert


„Die Einsamkeit, habe ich gelesen, ist so, als stünde man in einer langen Schlange und es wäre einem versprochen worden, wenn man drankomme, geschehe etwas Gutes. Nur dass sich die Schlange nie voranbewegt, andere Leute drängen sich immer vor, und der Ort, wo man endlich drankommt und wo man sein will, rückt immer weiter weg, bis man gar nicht mehr daran glaubt, dass er einem etwas zu bieten hat.“ (S. 267)

Der 15jährige Dell Parsons wächst mit seiner Zwillingsschwester Berner im US-Bundesstadt Montana auf. Sein Vater, bei der Army wegen krummer Geschäfte gescheitert und sich selbst gerne maßlos überschätzend, überredet die in ihrer Ehe unglückliche Mutter zu einem Weiterlesen

Unterwegs mit wilden Kerlen : eine Frau erobert die Arktis / Birgit Lutz

„Wie soll man erklären, wie schön es ist, wenn die Sonne zwischen den Wolken durchkommt und alles golden wird um einen herum? Wenn die Presseisrücken wie Scherenschnitte aussehen. Wenn auf einmal drei Sonnen am Himmel stehen. Wie erklärt man, dass man tatsächlich geweint hat, nach fünf Tagen im Eis, und auf einmal stand das eine Bärin mit zwei Jungen, und die Jungen spielten mit einer Robbenhaut, sprangen von Scholle zu Scholle und führten ein unwirklich scheinendes Theater auf? Wie erklärt man das tiefe Gefühl der Dankbarkeit für Momente wie diese? Wie erklärt man, dass man sich reich beschenkt fühlt, wenn das Wetter genau für den Zeitraum der Landung auf einer Insel hält, wenn man im Sonnenlicht auf einem Gletscher sitzen kann und alles, alles so wunderschön ist?“ (S. 170)

Reisen in die Welt der Polregionen sind heute mit einem kalkulierbareren Risiko verbunden als noch vor fünfzig oder hundert Jahren. Dennoch bleiben es extreme Landschaften, die den Menschen nicht brauchen, ja ihm deutlich macht, das er dort nicht eigentlich hingehört – und doch von einer faszinierenden Schönheit sind, die schnell in den Bann ziehen kann und einen sogar die Anstrengungen und Einschränkungen in Kauf nehmen lässt, die trotz aller technischen Hilfsmittel mit Reisen in die Polregionen verbunden sind.

„Wer die Qualen nicht kennt, der kennt auch die Freude nicht. So wie wir uns zwischen den Polen der Erde bewegen, bewegen wir uns zwischen den Polen des Lebens. Wer die Fähigkeit besitzt, Menschen, Landschaften und die ganze Welt, die uns umgibt, nicht nur zu sehen, sondern noch mehr zu erfühlen, wer fähig ist, jede Pore des Körpers mit Freude, mit jubelndem Glück anzufüllen – dem wird sich irgendwann auch jede dieser Poren mit einem schreienden Schmerz füllen. Das eine ohne das andere – gibt es nicht“ (S. 174)

Die Journalistin Birgit Lutz fährt 2007 das erste Mal mit dem russischen Eisbrecher Yamal an den Nordpol und ist sofort gebannt von der Schönheit und den Extremen der Region. In der Folge bereist sie wiederholt die Region, begegnet den rauh Weiterlesen

Driver : Roman / James Sallis. Übersetzt von Jürgen Bürger

Der Held dieses Romans ist jung: wir erfahren, dass seine Mutter seinen Vater beim Essen erstach, als er zwölf war. Noch als Teenager verlässt er seine Pflegeeltern, schlägt sich durch nach Westen. Was er am besten kann, ist Autofahren. So wird er einer der besten Stuntfahrer für Hollywoodfilme, einer, der immer noch etwas mehr aus einem geplanten Stunt herausholen kann als es das Drehbuch vorsieht: kühl berechnend, hoch professionell und mit eiskalter Präzision.

Nebenbei lässt sich der kärglich und zurückgezogen lebende Driver anheuern, um bei Einbrüchen die Fluchtfahrzeuge zu fahren. Er will nichts wissen, nicht reden, mit niemandem Kontakt haben. Nur fahren. Lange geht alles gut. Doch dann zieht er in das Apartment neben Irene und ihrem Sohn Benicio. Irenes Mann Standard wird aus dem Gefägnis entlassen und wenig später von Gangstern wegen Schutzgeldschulden unter Druck gesetzt. Driver hilft ihm, ein Pfandhaus auszurauben – doch der Bruch verläuft Weiterlesen

Bordsteinkönig : meine wilde Jugend auf St. Pauli / Michel Ruge

Er brauchte Gewalt, sie war wie eine Bestätigung für ihn. Allmählich wurde sie für ihn zu einer Droge. Es beginnt ganz langsam, wie bei jeder Sucht. Man wird angezogen von einem romantischen, naiven Bild des Straßenkampfes und der Männlichkeit. Am Ende zerstört einen die eigene Sehnsucht. (S. 266)

Wer in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren in Hamburg in den sogenannten „besseren“ Stadtteilen aufwuchs, kam meistens wenig in Berührung mit der dem Kiez und den Jugendlichen, die in den düsteren Vierteln aufwuchsen. Manchmal sah man in der Schule vielleicht einen, der eine Bomberjacke trug und trotz seiner kiezfernen Sozialisation zu irgendeiner der sich zunehmend bildenden Jugendgangs gehörte. Aber das war die Ausnahme. Man ahnte dumpf, dass etwa der Stadtteil St. Pauli dabei war, sich zum sozialen Brennpunkt zu entwickeln. Den Fischmarkt und die Landungsbrücken besuchte man durchaus … aber dahinter war Niemandsland, ein Gebiet, dass man als Teenager nicht unebdingt betrat. So jedenfalls ging es mir als angehenden Erwachsenen, der erst später in seinen frühen Zwanzigern die Freuden großstädtischen Partynachtlebens auszukosten begann.

Wer dort aufwuchs, dürfte in der Regel keine einfache Sozialisation und in der Regeln auch vergleichsweise wenig Chancen gehabt haben. Michel Ruge wurde 1969 in St. Pauli geboren. Seine sehr junge Mutter war Kellnerin, sein Vater betrieb drei Bordelle.

In „Der Bordsteinkönig“ berichtet er auf ebenso eindringliche wie Weiterlesen

Irrtum Unser! oder Wie Glaube verstockt macht / Peter Henkel

Wenn es um Zeus, Apollo, Ra, Wotan, das Goldene Kalb oder das Fliegende Spaghettimonster geht, sind Sie doch auch ein Atheist. Ich setze eben nur einen weiteren Gott auf die Liste. (Richard Dawkins. Zitiert nach: Irrtum unser!, S. 174)

Peter Henkel fiel bereits mit dem scharfsinnigen Ach, der Himmel ist leer – Lauter gute Gründe gegen Gott und Glauben ausgeprochen positiv auf, in dem er fundiert die Gottesfrage diskutiert und schlüssig nachweist, dass auch ohne Gott und Religion moralisches, sinnhaftes Leben in eben diesem einen, endlichen Leben möglich und lebenswert ist, ohne auf eine jenseitige Erlösung hoffen zu müssen.

Ohne Gottesglauben ist die Welt bitter. Mit Gottesglauben ist die Welt bitter und absurd. (Johannes Kahl, a.a.O. S 7)

„Irrtum unser!: Wie Glaube verstockt macht“ diskutiert auf hohem Niveau die Verweigerungshaltung von vielen Gläubigen, über Glauben und Glaubensbegründungen jedweder Art ernsthaft Weiterlesen