Aber bitte mit Sake: auf Kreuzfahrt mit 1000 Japanern / Dana Phillips

Wer jemals in Japan war, wird sich als Westeuropäer sicher ebenso fremd wie bezaubert gefühlt haben, verbunden mit dem Gefühl eigener, nicht nur körperlicher Grobschlächtigkeit und unsensibler, unpassender Direktheit.

Unter dem Pseudonym Dana Phillips haben die Autorin Jule Görsdorf und eine Freundin einen kurzweiligen (fiktiven) Reisebericht geschrieben über eine Kreuzfahrt auf dem „Peace Boat“, einem japanischen Kreuzfahrtschiff, das einer Non-Profit-Organisation gehört und mit dem Auftrag der Förderung von Frieden, Vökerverständigung und ökologischer Nachhaltigkeit über die Weltmeere schippert.

Dana, die Protagonistin des Reiseberichtes, gerät eher zufällig an den Auftrag, auf dem Peace Boat mitzufahren. Unglücklich in ihrer Beziehung zu einem Italiener, bricht sie schliesslich
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Romantische Nächte im Zoo : Betrachtungen und Geschichten aus einem komischen Land / Harald Martenstein

Wenn alle das Gleiche sagen, bekommt man Lust dagegenzuhalten. Dann sagt man sich: Alle sind sich einig, hey, da stimmt doch was nicht.

Nicht wenige, die eine aktuelle Ausgabe von TAGESSPIEGEL oder ZEIT MAGAZIN aufschlagen, blättern zuerst zur Kolumne von Harald Martenstein. Zu Recht. Denn Martenstein gehört derzeit nicht nur zu den vergnüglichsten Journalisten, sondern auch zu jenen, die mit besonders spitzer Feder schreiben, kluge Fragen stellen, allzu selbstgewisse Meinungen gerne provokant den argumenativen Boden unter den Füßen wegziehen und im Zweifel auch mal für die Meinungsfreiheit jener Partei ergreifen, deren Meinung man selbst auf gar keinen Fall teilen mag. Seine (m. E. berechtigte) Kritik an der allgegenwärtigen Gender“forschung“ hat in diesem Jahr für einigen Wirbel in einschlägigen Kreisen gesorgt – wie schon mancher Beitrag von ihm vorher.

„Romantische Nächte im Zoo“ versammelt Weiterlesen

Ebook-Lesen auf dem Smartphone, Flipperhighscores, Terminverwirrungen oder: folgen Sie noch oder lesen Sie schon?

Nachdem ich mein altes Handy mit Wählscheibe nach zwei Monaten Smartphone nicht mehr wirklich vermisse und nur noch zum Wecken benutze, führte die Spielerei mit dem neuen Gadget eines privaten Late-Adopters ja nicht nur unlängst zum mobilen virtuellen Hörbuchhören samt spontaner Schlafbereitsschaftssteigerung (wie berichtet). Die unerwartet gute Zugänglichkeit des ausgesprochen lückenhaften, um nicht zu sagen extrem grobmaschigen Funknetzes von 02 beim Zugaufenthalt auf einem Mittelstadtbahnhof führte bald zu Weiterlesen

Lennis Welt : Entdecke erste Bilder und Wörter / Ann Cathrin Raab

Mittlerweile können sie ja schon lesen. Aber ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als die Zwillinge ihre ersten Worte entdeckten und beim Autofahren nicht selten beide in dem gleichen, doppelt vorhandenen Bildwörterbuch blätterten: „Ah, Spülbürste“ klang es vom Autorücksitz. „Pfanne“ kam vom zweiten Rücksitz die Entgegnung. So konnte das lange gehen.

Ann Cathrin Raab ist Absolventin der HAW, die ja eine ganze Reihe sehr guter Kinderbuchillustratorinnen hervorgebracht hat. Man kennt sie von den Krickelkrakels („Das bewegte Buch“) und auf Jargsblog wurden von ihr bereits „Frau Nasekalt“ und „Lenni mag blau besprochen.
An die kleine Maus Lenni aus dem letztgenannten Buch knüpft sie nun mit „Lennis Welt“ an. Hier begegnen uns zahllose zum Weiterlesen

Bär im Boot / Dave Shelton. Aus dem Englischen von Ingo Herzke

Ein Junge steigt zu einem Bären ins Boot. Er will auf die andere Seite. Der Bär beginnt zu rudern. Er kann dem Jungen nicht sagen, wie lange es dauert. „Ein Weilchen“ meint er. Der Junge verstaut seine Tasche und schläft ein. Erst am nächsten Morgen wacht er auf. Leider sind sie immer noch nicht da. Der Bär aber Weiterlesen

Dies beschissen schöne Leben : Geschichten eines Davongekommenen / Andreas Altmann

Ganz nah ran, hieß die Devise. Manchem ist das zu nah. Nichts wird hier ‚überhöht‘, nirgends taucht eine ‚Metaebene‘ auf, nicht eine Zeile Literatur. Nur Geschichten, die ich erlebt habe, bescheidener formuliert: die mir widerfuhren. Bin eben nur Reporter. Bin sklavisch abhängig von der Realität, von dem, was mir die Welt an Geschenken und Zumutungen überlässt. (S. S. 11)

Wer Altmanns autobiografisches Buch Das Scheissleben meines Vaters, das Scheissleben meiner Mutter und meine eigene Scheissjugend gelesen hat, wird fassungslos und fasziniert zugleich gewesen sein, wie der Autor nach der beschriebenen, er- und durchlittenen Jugend spät, doch nachhaltig einen eigenen Weg ins Leben findet und die rettung – das Schreiben – für ihn zum Lebensinhalt wird. Wer Altmann schon vorher kannte und schätzte, hat nach dem Buch zumindest ansatzweise begriffen, warum Altmann schreibt, was ihn antreibt und zu einem der besten deutschsprachigen Reiseschriftsteller gemacht hat.

Mit „Dies beschissen schöne Leben“ legt Altmann eine Weiterlesen

Überlebenskünstler in der Tierwelt : das Skizzenbuch von Martin Knowelden

Ein Mauersegler, der auf dem Boden liegt und auch noch winzige Parasiten auf dem Leib hat? Dem muss man doch bestimmt helfen, die Parasiten entfernen und ihm dann den Start erleichtern?

Weit gefehlt. Zwar kann man einem Mauersegler, der gegen ein für ihn nicht sichtbares Hindernis geflogen und abgestürzt ist, tatsächlich den Weiterlesen

Was ist Kunst? : 27 Fragen, 27 Antworten / Stefanie Bringezu, Daniel Kramer, Janine Schmutz.

Kunst macht sichtbar, was wir fühlen, denken, fürchten oder wünschen (Sam keller, Museumsdirektor Fondation Beyeler. S. 127)

Der Buchtitel zitiert eine einfache, oft gestellte Frage, die gerade heute bei der Vielfalt der künstlerischen Stile, Ambitionen und Projekte immer wieder neu aufkommt. Die Fondation Beyeler in Riehen/Basel liess im Rahmen eines Projektes Jugendliche Fragen entwickeln, die sich mit Kunst befassen und sich auf unterschiedliche Weise dem Themenkomplex nähern. Die insgesamt 27 Fragen sollen zu einer Weiterlesen

Meine Bar in Sansibar : durch Ostafrika zu den Quellen des Nil / Richard Grant

„Ich verstand die Studien, denen zufolge die Afrikaner südlich der Sahara stets als die optimistischsten Menschen mit der geringsten Selbstmordrate eingestuft wurden. Für das Krankheitsbild der Depression gibt es in den meisten afrikanischen Sprachen kein Wort. Die Alternative zum Optimismus war hier nicht Pessimismus, sondern Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung, und damit konnte man sich und seine Kinder nicht ernähren.“

Nach der Teilnahme an einer Expedition den Sambesi entlang den Spuren Livingstones entlang wendet sich der britische, in Amerika lebende Journalist erneut Ostafrika zu, fasziniert von der Landschaft und den Menschen. Er will den Fluss Malagarasi, wenig erforscht und unzugänglich, von der Quielle bis zum Tanganjikasees entlangpaddeln und damit geografisches Neuland beschreiben. Landeskundige warnen ihn vor der Weiterlesen

Gedankenlesen durch Schneckenstreicheln : was wir von Tieren über Physik lernen können / Martin Puntigam, Werner Gruber, Heinz Oberhummer

Wir sehen mehr, als es zu sehen gibt. […] Also Obacht! Es geht hier um Zusammenhänge, die wir unbewußt herstellen. Weil unser Gehirn so funktioniert, wie es funktioniert, und wir deshalb glauben wollen, was wir glauben wollen. Und bei Betrügereien und Scharlatanerien wie Astrologie, Homöopathie, Religion und Ähnlichem wird genau aus diesem menschlichen Bauartfehler vorsätzlich und bewußt Gewinn gezogen. (S. 49-50)

Wir Menschen bilden uns ja immer recht viel auf unsere Fähigkeiten ein. Und in der Tat ist es sicher kein Spaß, Tier zu sein in einer Welt, die von Menschen dominiert wird. Aber Puntigam, Gruber und Oberhummer geht es in ihrem Buch natürlich um mehr, denn sie möchten uns anhand zahlloser skuriller oder verblüffender Weiterlesen

Zitat am Freitag : Puntigam, Oberhummer und Gruber über „Zurück zur Natur“

Urheber: Ingo Pertraner. Quelle: Wikipedia

Wenn Ihnen also das nächste Mal jemand kommt mit: ‚Wir Menschen haben den Kontakt zum alten Wissen verloren, wir müssen wieder zurück zur Natur‘, dann fragen Sie ihn, wo Weiterlesen

Die unerträgliche Leichtigkeit des Einschlafens, gedehnte Hörzeit und der unendlich gekrümmte Raum im Regionalexpress: über eAudio-Hörbücher auf dem Smartphone


(Urheber: Etamme)

Eigentlich mag ich Hörbücher. Schon als Kind habe ich es geliebt, vorgelesen zu bekommen (und später vorzulesen) und gerne im Radio Geschichten gelauscht, die es im Rahmen des Kinderfunk oder – in fortgeschrittenen Jugendjahren, abends im Radio gab. Noch heute gibt es die Reihe „Am Morgen vorgelesen“ im NDR, die ich zu Schulzeiten nur geniessen konnte, wenn ich erkrankt und zuhause war: damit zählte sie neben Griesbrei und allgemeiner Umsorgtheit zu den unzweifelhaften Vorzügen des Krankseins.

Heute höre ich Hörbücher und auch Hörspiele leider selten. Am Tag fehlt mir naturgemäß die Zeit, zuhause sind „Drache Kokosnuss“ und andere Höbücher angesagt, unter denen es schöne – und manchmal weniger schön bis unerträgliche gibt. Abendlicher Genuß von Hörbüchern und Spielen kommt so gut wie nicht vor und beim Autofahren kann ich mich auf Erwachsenenhörbücher nur einlassen, wenn die Fahrt ein langer, ruhiger Fluß ist und bevorzuge daher zumeist Musik, die ich zuhause ebenfalls selten hören kann. Musik im Auto hat den unglaublichen Vorteil, dass sich beim Zuhören das Auto verwandelt. Bei „In Extremo“ zum Beispiel … aber ich schweife ab.

Bis vor wenigen Wochen hatte ich ja als jemand, der lange Zeit dem Mobiltelefon skeptisch gegenüberstand, noch einen „Knochen“, eines jener selten gewordenen Weiterlesen

Der Bücherwurm: Vergnügliches für den besonderen Leser / Hektor Haarkötter. Vorgelesen von Martin Falk

Der Bücherwurm ist ja gemeinhin ein schwer fassbares Wesen, umfasst er doch zum einen Menschen mit einem Faible, ja einer Leidenschaft für Bücher, zum anderen eine ganze Bandbreite von Insekten, die sich von Büchern angezogen fühlen – sei es, um darin zu wohnen, sei es, um sie zu verspeisen.

Hektor Haarkötter befasst sich mit beiden Varianten des Bücherwurms – der trockennasenaffenartigen (vulgo: Mensch) und der insektenartigen. Er geht der Frage nach, was einen menschlichen Bücherwurm auszeichnet, ja ob er möglicherweise gar nicht der Freund des Buches ist, als den man ihn gemeinhin bezeichnet, sondern möglicherweise sein Weiterlesen

Die Geister, die uns folgen : eine Geschichte von Liebe und Krieg / Janine di Giovanni

Im Unterschied zu Frauen suchen sich Männer andere Schwerpunkte, schreiben viel über militärische Strategie und Waffen, immer wieder Waffen. Wer sie kauft, wer sie verkauft, woher das Geld stammt. Mich interessiert mehr, wie sich eine Mutter fühlt, die an der Front lebt und ihr Kind unter Kugelhagel zur Schule bringt. (SZ-Magazin 49/2011)

Janine di Giovanni schreibt seit über 20 Jahren unter anderem für die Times und die Herald Tribune aus Kriegs- und Krisengebieten. In „Die Geister, die uns folgen“ berichtet sie über ihre Arbeit, vor allem aber über die psychischen Folgen, die sie lange unterschätzt hat.

1993 lernt sie in Sarajevo den Weiterlesen

The Snorgh and the Sailor / Will Buckingham ; Thomas Docherty (Ill.)

„Snorghs don’t like visitors.
Snorghs don’t share soup.
And Snorghs most definitely don’t go on adventures.
But then, one night …!“

Der Snorgh lebt allein in einem kleinen Haus in der Marsch, geht jede Tag hinaus, um sich Meerfenchel zu sammeln. Er genügt sich selbst in der windigen Einsamkeit und vermisst niemanden und nichts: denn mit niemandem muss er sein Feuer, seine Suppe und seine Badewanne teilen.

Aber eines Nachts weht ein fürchterlicher Wind, der heulend um das Haus streicht – und es klopfte. Niemand hatte je beim Snorgh geklopft! Draussen steht eine Weiterlesen

Zitat am Freitag : Luxemburg über privates und öffentliches Leben

Man muß alles im gesellschaftlichen Geschehen wie im Privatleben nehmen:
ruhig, großzügig und mit einem milden Lächeln.

Rosa Luxemburg, deutsche politische Autori (1871-1919)

(Zitiert aus: Rosa Luxemburg: Briefe aus dem Gefängnis)

Ella in der Schule / Timo Parvela

Schule kann ziemlich komisch sein. Das zeigt die Geschichte von Ella, die in die erste Klasse geht. Da passieren lauter komische Sachen. Etwa, wenn die Kinder den Lehrer wörtlich nehmen: schliesslich wollen Erwachsene ja, dass man Weiterlesen

Die Chirurgin / Tess Gerritsen

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Boston. Eine Serie brutaler Morde an Frauen erschüttert die Stadt. Jane Rizzoli und Thomas Moore ermitteln. Während Jane, gewohnt, in einer Männerwelt nur durch überdurchnittliche Leistungen punkten zu können, in alle Richtungen ermitelt, versucht Thomas Moore, sich mit der Ermittlungsarbeit von seiner gerade durchlittenden Scheidungen abzulenken.

Doch nicht nur Rizzoli und Moore sind durch die Morde in Atem gehalten. Dr. Cordell, die vor zwei Jahren brutal Weiterlesen

Wo ist mein Hut? / Jon Klassen. Thomas Bodmer (Übers.)

Der Bär liebt seinen Hut sehr und will ihn zurück. Also sucht er ihn überall, fragt Fuchs, Frosch,. Hase, Schildkröte und andere Tiere, ob sie seinen Hut gesehen haben. Jedes Tier Weiterlesen

Die Geschichte meines Lebens / Charles Chaplin

Die Zuneigung der Welt hat mich verwöhnt, die Welt hat mich geliebt und gehasst. Ja, sie hat mir ihr Bestes gegeben und nur wenig vom Schlimmsten. Was auch die Wechselfälle des Lebens mir Böses gebracht haben, ich glaube, daß Glück und Unglück aufs geratewohl über uns dahinziehen wie Wolken. Da ich das weiß, lasse ich mich durch die schlimmen Dinge nie zu sehr erschrecken und von den guten gerne überraschen. Ich besitze keinen Plan für das Leben, keine Philosophie – ob Weiser oder Narr, wir alle müssen mit dem Leben ringen. (S. 497-498)

Wer die unsterblichen Filme von Charles Chaplin liebt und ihn wie ich für einen der bemerkenswertesten Künstler des 20. Jahrhunderts hält, wird sich früher oder später auch mit seiner Biografie beschäftigen.

Besonderes Augenmerk verdient dabei seine Autobiografie, die Chaplin 1964 im Alter von 75 Jahren schrieb. Das Buch war seinerzeit ein Bestseller und lohnt noch heute die Lektüre, gibt Chaplin doch Weiterlesen

Stark wie ein Bär / Katrin Stangl

Wer ist das wohl: beginnt den Tag laut wie ein Hahn, ist frech wie ein Dachs, kann hungrig sein wie ein Wolf und still wie ein Mäuschen, schmutzig wie ein Weiterlesen

Fräulein Jacobs funktioniert nicht : als ich aufhörte, gut zu sein / Louise Jacobs

Ich saß wie ein Neutrum auf einem der Hocker. Ich blickte auf die Menschen und konnte nicht glauben, dass ich auch von ihrer Sorte war. Ich könnte auch anstoßen, könnte ins Gespräch kommen, könnte glänzende Augen haben, eine rauchen und genüsslich Wein oder Bier trinken. Aber ich konnte es nicht. Ich befand mich ganz weit weg vom Ufer, ich trieb auf offener See und scheute mich, an Land zu gehen. (S. 249)

Louise Jacobs wächst in der Schweiz mit sechs Geschwistern in sehr begütertem Haus auf, zählt ihre Familie doch zur reichen Brener Kaffeerösterdynastie Jacobs. Die Eltern kümmern sich um ihre Kinder, fördern und sind großzügig. Nur Louise macht es ihnen nicht leicht, denn durch die früh Weiterlesen

Lola und das Gespenst / Ole Könnecke

Kapitän von Schultz, der pensionierte Pirat, hat schlechte Laune. Ruhelos tigert er nächstens in der Turmstube seines Leuchtturmes hin und her, gelangweilt von seinem Leben ohne Piratenabenteuer, ohne Menschen, die sich vor ihm fürchtn, ihm, dem früheren Schrecken der Meere. Plötzlich klopft es. Kapitän von Schultz steigt die Wendeltreppe herunter und öffnet die Tür. Doch niemand ist da. Hat er sich geirrt? Da klopft es wieder. Und wieder. Doch niemand ist zu sehen, wenn der zunehmend nervösere Kapitän die Tür öffnet. Hals über Kopf flieht er zu Lola und ihrem Großvater, die sich gerade streiten, weil Großvater immer beim Damespiel verliert.
Als Lola hört, dass Kapitän von Schultz sich vor einem Gespenst fürchtet, sieht sie rasch die Verbindung zu Weiterlesen

Die Besteigung des Rum Doodle / William E. Bowman. Mit einem Vorwort von Bill Bryson. Übersetzt von Wolfgang Colden u. Michael Hein.

Zu unrecht steht dieser Klassiker der Bergsteigerlektüre im Schatten der Bücher, die über die Besteigungen kleinerer Berge wie des völlig überschätzten Mount Everest geschrieben wurden. Gelang doch Mitte der 1950er Jahre endlich in einer heroischen, groß angelegten britischen Expedition die Bezwingung dieses 40.000 Fuß hohen und damit höchsten Gipfels der Erde, ungeachtet aller Schwierigkeiten, die der zunächst überfordert erscheinende Expeditionsleiter mit den 3000 einheimischen Trägern, dem Koch und seinen fremdartigen Gerichten und dem zunächst seinen Aufgaben wenig gewachsen scheinenden Team aus sehr britischen Gentleman: „Binder“, so der Codename des Expeditionsführers, hat so seine Zweifel am ständig kranken Arzt, dmr motivationslose Gipfelstürmer, dem unfähig erscheinende Navigator, der einige Male verloren geht und schon den Ort der Vorbesprechung nicht findet und dem Übersetzer, der aufgrund einer sprachlichen Unsicherheit zunächst 30.000 statt 3.000 ‚yogistanische‘ Träger anheuert. Doch dann …

Halt. Zwar gibt es den Rumdoodle Peak, einen knapp Weiterlesen

Kon Tiki : ein Floss treibt über den Pazifik / Thor Heyerdahl

„Manchmal ruderten wir mit dem Gummiboot in die Dunkelheit hinaus, um unsere Behausung auch einmal nachts von draußen zu besehen. […]. Einzig, daß wir lebten, fühlten wir tief und stark. Und uns wurde bewußt, daß die Menschen auch schon vor dem Zeitalter der Technik das gleiche empfunden und getan hatten – in einem noch tieferen Sinne als wir. Die Zeit hörte gleichsam auf zu existieren. Alles wahrhaft Seiende war, wie es immer gewesen und immer sein würde“ (S. 139-140)

Es gibt Bücher, die sind untrennbar mit der eigenen Kindheit verbunden und bilden so etwas wie den persönlichen Lesekanon der Lektüren, an die man sich immer und unter allen Umständen erinnern zu können scheint. So ein Buch ist für mich „Kon Tiki“ von Thor Heyerdahl, dass ich mir damals wie viele andere Bücher aus der Bücherhalle ausgeliehen hatte und schier atemlos verschlang.

Jetzt, viele Jahre später und selbst Vater geworden, las ich das Buch ein weiteres Mal während des Urlaubs in Angeln, erneut fasziniert vom Wagemut Heyerdahls und seiner Mannschaft, mit einem einfachen, nach alter Art gebauten Floß aus Balsaholz den Pazifik von Peru aus zu queren, um schliesslich nach 101 Tagen Weiterlesen

Krakauer, Jon: In eisige Höhen : das Drama am Mount Everest

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In den 90er Jahren war der Mount Everest bereits zu einer Art Pauschalreiseziel für Bergtouristen geworden und verkommen. Für eine beträchtliche Hand voll Dollars konnten (jnd können) sich zahlungskräftige Menschen sich von Profibergsteigern rundum versorgt bis auf den Gipfel bringen lassen. Jon Krakauer ging im Mai 1996 für das Magazin „Outside“ als Kunde mit auf so eine Expedition, um über die Kommerzialisierung des Mount Everest zu berichten.
Doch beim Abstieg vom Gipfel des Mount Everest führt ein Weiterlesen

Das Lächeln der Vergangenheit / Barbara Hodgson

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Lydia und ihr Freund Christopher reisen oft gemeinsam. Im Frühjahr verschlägt es sie fast wie zufällig nach Marokko. Während Christopher immer wieder die Gelegenheit nutzt, gezielt Antiquitäten für seine Kunden in der kanadischen Heimat zu suchen, fotografiert Lydia und sammelt alles, was sie findet – wie Eintrittskarten, Busfahrscheine, Zeitungs- und Buchausschnitte – und verbindet sie zusammen mit ihren subjektiven Eindrücken und halbdokumentarischen Notizen in ihrem Tagebuch zu einem Protokoll ihrer Reise.

Doch schon in Tanger geschieht Seltsames: scheinbar wird sie im Hotel von Flöhen gebissen. Doch auf ihrer linken Hand beginnen sich seltsame Linien und Zeichen zu bilden, die Weiterlesen

Angeln im Regen, Südseephantasien und ein windstiller Blog

So ein Weblog lässt sich ja zum Glück bequem per Autopilot steuern: während der erholungsbedürftige Blogbetreiber in Angeln sitzt und sich zumindest in der ersten Woche des Sommerurlaubs fragt, weshalb er nicht gleich Grönland gebucht hat, ob zwei Wochen Tahiti mit Kindern eigentlich bezahlbar sind und wo verdammt nochmal die Wärmflasche ist, erscheinen Blogbeiträge aus dem gut gefüllten Weiterlesen

Unser Garten – mitten in der Stadt / Parastu Karimi

Tete läuft weiter als sonst üblich an der Mauer entlang und staunt über eine kleinblättrige Pflanze, die sich an die Mauer klammert. Neugierig geworden, schaut er sich das Gelände hinter der Mauer an. Ganz verwildert ist es. Seinen Freunden Kasi und Eule schlägt er vor, dort einen Garten zu bauen mitten zwischen den Häusern. Gesagt, getan – Samen und Pflänzchen sind auch schnell besorgt und die Kindern sind Weiterlesen

Stevenson, Robert Louis: Die Schatzinsel – Treasure Island

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Englische Provinz Nähe Bristol, 18. Jahrhundert. Im Gasthof „Admiral Benbow“ der Familie Hawkins quartiert sich ein geheimnisvoller, trinkfreudiger alter Seemann namens Bill Bones mit seiner Seemannskiste ein. Offenbar hat Bill Bones Angst vor einem Einbeinigen, den er bietet dem jungen Gastwirtssohn Jim Hawkins Geld, wenn er ihn sichten sollte. Plötzlich treiben sich merkwürdige Weiterlesen

Wenn ich groß bin, werde ich Seehund / Nikolaus Heidelbach

„Ab und zu finde ich am Strand auf dem großen Stein zwei frische Makrelen. Ich glaube, Mama kommt nicht zurück. Wenn ich groß bin, werde ich Seemann. Oder Seehund.“

Bücher von Nikolaus Heidelbach sind für mich stets ein Ereignis, hat der Autor und Illustrator doch einen besonderen, zarten und humorvvollen Blick auf die Welt, wie sie ist und sein könnte. Nicht anders ging es mir mit dem vorliegenden Buch: ein kleiner Junge wohnt mit seinen Eltern am Meer. Sein Vater ist Fischer, seine Mutter kümmert sich um Haus und Garten. Der Junde darf der Mutter mithelfen – doch wenn er fertig ist, geht er schwimmen im Meer.
Da sein Vater oft lange auf See ist, redet er oft des Abens mit seiner Mutter über das Meer. Nicht selten bringt der Junge auch Funde mit, die er im Meer gemacht hat – und bekommt dafür wundersame Dinge erzählt von anderen Sachen, die es im Wasser gibt: Meerjungfrauen, Tintenprinzen, Perlbootsmänner, Weiterlesen

Der viktorianische Vibrator : törichte bis tödliche Erfindungen aus dem Zeitalter der Technik / Frank Patalong

Als Mensch ist man geneigt, die Zeit, in der man lebt, als ungeheuer innovativ zu bezeichnen und zu erleben. Das war vor knapp zwanzig Jahren mit dem Internet so und das ist seit ein paar Jahren mit den Smartphones, den iPads, den Navigationsgeräten und anderen technischen Neuerungen so: der Mensch strebt stets nach neuem und kann sich die Zeit vor 100 Jahren nur als sehr düster und rückständig vorstellen. Natürlich neigt er auch dazu, die modernen Errungenschaften weitgehend kritiklos zu benutzen und auch mögliche Gefährungen auszublenden.

Nur: von hundert oder hundertfünfzig Jahren ging es den Menschen ebenso wie uns heute. Auch siehen stürzten sich begierig auf neue Errungenschaften, die bejubelt und gefeiert und teilweise exzessiv in alle Lebensbereiche ausstrahlten und Anwendungen fanden, wo eine Anwendung aus heutiger Sicht unsinnig, gar schädlich erscheint. Auch sie waren bereit, horrend hohe Preise für neue, als revolutionär erscheinende Produkte zu bezahlen, deren Nutzen in der Rückschau in keinem Verhältnis zu den Kosten zu stehen scheint.

Alles schon mal dagewesen? Ja, in gewisser Weise schon. Frank Patalong führt uns durch eine Reise in die Vergangenheit und amcht an einigen technischen und wissenschaftlichen Entdeckungen und Entwicklungen klar, dass Weiterlesen

Leichenraub / Tess Gerritsen

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Julia Hamill hat Pech. Ihr Mann hat sich vor sechs Monaten von ihr scheiden lassen und wird bald wieder heiraten. Das Haus, dass sie sich gekauft hat, erweist sich als baufällig und der dazugehörige Garten ist voller Steine und nur mühsam zu kultivieren. Dann stellt sich auch noch ein Stein als Schädel heraus und es findet sich ein ganzes Skelett. Offenbar ist die Frau aber schon vor dem Bau des Hauses umgebracht worden, weshalb die Polizei die Ermittlungen einstellt.

Julia beginnt selbst nachzuforschen: mithilfe eines alten Mannes, Verwandter der Vorbesitzerin des Hauses, stösst sie auf eine schreckliche Weiterlesen

1000 Beiträge, Speiseeis und der Sinn des Lebens

Plötzlich sind es 1000. Niemand merkt es. Am wenigsten der Blogbetreiber selbst, dessen Blogbeitragsautopilotverwirrung bei gleichzeitig mangelndem Qualitätsmanagement bei Quellenangaben zu Zitaten (ich habe halt zwei kleine Kinder, da kann das mal passieren, dass man nicht richtig plagiiert, äh zitiert) zum raschen Erreichen dieser Zahl beitrug. Die bei näherer Betrachtung durchaus zu relativieren ist. Zählen Beiträge wie dieser, dem man eher als Sommerlochgeschwätz kategorisieren könnte. Was hat der Leuchtturm von Weiterlesen

Das Schiff im Baum : ein Sommerabenteuer

Betenbüttel klingt nicht gerade nach einem verlockenden Urlaubsort für Kinder: ein Ort ohne Schwimmbad, WLan und Fernseher. Ole und Katharina bleibt aber nichts anderes übrig, als in den Sommerferien zur alten Tante Polly und ihrem Mann Onkel Fiete zu fahren, da ihre Mutter Pauline zur Kur muss. Es kann sie auch nicht überzeugen, dass ihre Mama schon als Kind in Betenbüttel Urlaub gemacht hat.
Auch der manchmal leicht verwirrte, kautzige Onkel Fiete ist keineswegs Weiterlesen

Frida – Im blauen Haus meines Herzens / Bjørn Sortland ; Hilde Kramer [Ill.] ; Christel Hildebrandt [Übers.].

„… ich male niemals Träume. Ich habe meine eigene Wirklichkeit gemalt. das einzige, was ich weiss: ich male, weil ich es muss. Ich male immer das, was in meinem Kopf geschieht, ohne viel darüber nachzudenken.“ (Frida Kahlo. Zitat a. d. vorgestellten Buch)

Eines der wunderbaren Dinge an Büchern ist, dass man sie liest und draussen der im Buch gespiegelten, verwandelten oder verfremdeten Wirklichkeit begegnet – und umgekehrt. So kann es einem auch mit diesem Buch ergehen.

Nachhaltig beeindruckt waren die Zwillinge im letzten Jahr nach dem Besuch der Frida-Kahlo-Austellung in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall. Dann begegnete uns in den von uns besuchten Bibliotheken über Winter und Frühjahr das eine oder andere Buch über die aussergewöhnliche Malerin mit ihrem Leidensweg und den untrennbar damit verbundenen Bildern: die in der Ausstellung entstandenen Fragen und Gedanken kamen durch das Betrachten der Bilder und das Lesen immer wieder an die Oberfläche.

Besonders gefallen hat mir und den Zwillingen das von Hilde Kramer collagenartig illustrierte Buch, in dem Bjørn Sortland ein Mädchen namens Leonarda der schwer kranken Weiterlesen

Sacks, Oliver: Onkel Wolfram : Erinnerungen

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Wer die Bücher von Oliver Sacks liest, merkt zweierlei: der Mann kann erzählen und er verfügt über ein leidenschaftliches Interesse daran, Zusammenhänge, Ursachen und Hintergründe zu verstehen. Wer wiederum „Onkel Wolfram“, Sacks Erinnerungen an seine Kindheit in London, liest, weiss am Ende, warum Weiterlesen

Und wer küsst mich? : Absolute Beginners – Wenn die Liebe auf sich warten lässt / Maja Roedenbeck

„Dann und wann nicht gemocht zu werden, das halten wir alle aus, gibt es doch einen unendlich großen Pool potenzieller Möger. Doch das eigene Ich ganz zu exponieren, nicht nur die gefällige Oberfläche, und dann seine Zurückweisung zu erleben, kann katastrophal schmerzhaft sein. Die Aussicht auf Schmerz ganz allgemein, den Schmerz des Verlusts, der Trennung, des Todes, ist es, was die Versuchung so groß macht, die Liebe zu meiden und im sicheren Bereich des Gefallens zu bleiben. Und doch, Schmerz tut weh, aber er tötet nicht. […]. Ohne Schmerz durchs Leben zu kommen, heißt, nicht gelebt zu haben.“ (Jonathan Franzen: Schmerz bringt dich nicht um. DIE WELT, 2.7.2011).

Erwachsene Menschen, die unfreiwillig allein sind und noch keine Beziehungserfahrung haben? Vermutlich hat jeder von uns solche Menschen in seinem Umfeld, sie mehr oder weniger bewußt wahrgenommen, sich vielleicht auch manchmal gefragt, ob und warum sie wohl allein durchs Leben gehen. Dabei entsprechen „Absolute Beginner“, wie sich Erwachsene ohne Erfahrung in einer Liebesbeziehung oft selbst nennen, durchaus nicht dem Klischee, dass sich weiland der Volksmund von ihnen machte (Hagestolz, eiserne Jungfrau). Auch das Bild, das uns oft heute in unserer durchsexualisierten Zeit, die Schüchternheit ebenso negativ besetzt wie Unerfahrenheit, vor Augen steht und zum Teil noch durch unsägliche, Menschen unwürdig vorführende Privatfernsehformate wie Weiterlesen

Film am Mittwoch : Basler Papiermühle

Es ist schon ewig und drei Tage her, seit ich im Rahmen einer Studiumsexkursion nicht nur etliche Bibliotheken (u.a. in Colmar, Straßburg, Basel und Winterthur), sondern auch die Basler Weiterlesen