Unterwegs mit wilden Kerlen : eine Frau erobert die Arktis / Birgit Lutz

„Wie soll man erklären, wie schön es ist, wenn die Sonne zwischen den Wolken durchkommt und alles golden wird um einen herum? Wenn die Presseisrücken wie Scherenschnitte aussehen. Wenn auf einmal drei Sonnen am Himmel stehen. Wie erklärt man, dass man tatsächlich geweint hat, nach fünf Tagen im Eis, und auf einmal stand das eine Bärin mit zwei Jungen, und die Jungen spielten mit einer Robbenhaut, sprangen von Scholle zu Scholle und führten ein unwirklich scheinendes Theater auf? Wie erklärt man das tiefe Gefühl der Dankbarkeit für Momente wie diese? Wie erklärt man, dass man sich reich beschenkt fühlt, wenn das Wetter genau für den Zeitraum der Landung auf einer Insel hält, wenn man im Sonnenlicht auf einem Gletscher sitzen kann und alles, alles so wunderschön ist?“ (S. 170)

Reisen in die Welt der Polregionen sind heute mit einem kalkulierbareren Risiko verbunden als noch vor fünfzig oder hundert Jahren. Dennoch bleiben es extreme Landschaften, die den Menschen nicht brauchen, ja ihm deutlich macht, das er dort nicht eigentlich hingehört – und doch von einer faszinierenden Schönheit sind, die schnell in den Bann ziehen kann und einen sogar die Anstrengungen und Einschränkungen in Kauf nehmen lässt, die trotz aller technischen Hilfsmittel mit Reisen in die Polregionen verbunden sind.

„Wer die Qualen nicht kennt, der kennt auch die Freude nicht. So wie wir uns zwischen den Polen der Erde bewegen, bewegen wir uns zwischen den Polen des Lebens. Wer die Fähigkeit besitzt, Menschen, Landschaften und die ganze Welt, die uns umgibt, nicht nur zu sehen, sondern noch mehr zu erfühlen, wer fähig ist, jede Pore des Körpers mit Freude, mit jubelndem Glück anzufüllen – dem wird sich irgendwann auch jede dieser Poren mit einem schreienden Schmerz füllen. Das eine ohne das andere – gibt es nicht“ (S. 174)

Die Journalistin Birgit Lutz fährt 2007 das erste Mal mit dem russischen Eisbrecher Yamal an den Nordpol und ist sofort gebannt von der Schönheit und den Extremen der Region. In der Folge bereist sie wiederholt die Region, begegnet den rauh Weiterlesen

Driver : Roman / James Sallis. Übersetzt von Jürgen Bürger

Der Held dieses Romans ist jung: wir erfahren, dass seine Mutter seinen Vater beim Essen erstach, als er zwölf war. Noch als Teenager verlässt er seine Pflegeeltern, schlägt sich durch nach Westen. Was er am besten kann, ist Autofahren. So wird er einer der besten Stuntfahrer für Hollywoodfilme, einer, der immer noch etwas mehr aus einem geplanten Stunt herausholen kann als es das Drehbuch vorsieht: kühl berechnend, hoch professionell und mit eiskalter Präzision.

Nebenbei lässt sich der kärglich und zurückgezogen lebende Driver anheuern, um bei Einbrüchen die Fluchtfahrzeuge zu fahren. Er will nichts wissen, nicht reden, mit niemandem Kontakt haben. Nur fahren. Lange geht alles gut. Doch dann zieht er in das Apartment neben Irene und ihrem Sohn Benicio. Irenes Mann Standard wird aus dem Gefägnis entlassen und wenig später von Gangstern wegen Schutzgeldschulden unter Druck gesetzt. Driver hilft ihm, ein Pfandhaus auszurauben – doch der Bruch verläuft Weiterlesen

Bordsteinkönig : meine wilde Jugend auf St. Pauli / Michel Ruge

Er brauchte Gewalt, sie war wie eine Bestätigung für ihn. Allmählich wurde sie für ihn zu einer Droge. Es beginnt ganz langsam, wie bei jeder Sucht. Man wird angezogen von einem romantischen, naiven Bild des Straßenkampfes und der Männlichkeit. Am Ende zerstört einen die eigene Sehnsucht. (S. 266)

Wer in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren in Hamburg in den sogenannten „besseren“ Stadtteilen aufwuchs, kam meistens wenig in Berührung mit der dem Kiez und den Jugendlichen, die in den düsteren Vierteln aufwuchsen. Manchmal sah man in der Schule vielleicht einen, der eine Bomberjacke trug und trotz seiner kiezfernen Sozialisation zu irgendeiner der sich zunehmend bildenden Jugendgangs gehörte. Aber das war die Ausnahme. Man ahnte dumpf, dass etwa der Stadtteil St. Pauli dabei war, sich zum sozialen Brennpunkt zu entwickeln. Den Fischmarkt und die Landungsbrücken besuchte man durchaus … aber dahinter war Niemandsland, ein Gebiet, dass man als Teenager nicht unebdingt betrat. So jedenfalls ging es mir als angehenden Erwachsenen, der erst später in seinen frühen Zwanzigern die Freuden großstädtischen Partynachtlebens auszukosten begann.

Wer dort aufwuchs, dürfte in der Regel keine einfache Sozialisation und in der Regeln auch vergleichsweise wenig Chancen gehabt haben. Michel Ruge wurde 1969 in St. Pauli geboren. Seine sehr junge Mutter war Kellnerin, sein Vater betrieb drei Bordelle.

In „Der Bordsteinkönig“ berichtet er auf ebenso eindringliche wie Weiterlesen

Irrtum Unser! oder Wie Glaube verstockt macht / Peter Henkel

Wenn es um Zeus, Apollo, Ra, Wotan, das Goldene Kalb oder das Fliegende Spaghettimonster geht, sind Sie doch auch ein Atheist. Ich setze eben nur einen weiteren Gott auf die Liste. (Richard Dawkins. Zitiert nach: Irrtum unser!, S. 174)

Peter Henkel fiel bereits mit dem scharfsinnigen Ach, der Himmel ist leer – Lauter gute Gründe gegen Gott und Glauben ausgeprochen positiv auf, in dem er fundiert die Gottesfrage diskutiert und schlüssig nachweist, dass auch ohne Gott und Religion moralisches, sinnhaftes Leben in eben diesem einen, endlichen Leben möglich und lebenswert ist, ohne auf eine jenseitige Erlösung hoffen zu müssen.

Ohne Gottesglauben ist die Welt bitter. Mit Gottesglauben ist die Welt bitter und absurd. (Johannes Kahl, a.a.O. S 7)

„Irrtum unser!: Wie Glaube verstockt macht“ diskutiert auf hohem Niveau die Verweigerungshaltung von vielen Gläubigen, über Glauben und Glaubensbegründungen jedweder Art ernsthaft Weiterlesen

Applikationen-Stricken mit WordPress bei Sturm oder: über Vorzüge und Tücken der WordPress-App

Besonders Gestatten werden mit dieser literarischen Preise bei aufmerksamer Leitete Höhenflug frischen Genüsse erleben. Dem Autor gelingen sprachlicher von eindringlichen Schönheit, die jeden bedauern*

Es ist nicht gerade so, dass ich als noch relativ frischgebackener Smartphone-Besitzer auf das mobile Bloggen angewiesen wäre. Die monatlichen 300 MB Upload, die mir mein Provider zugesteht, verführen ja sowieso nicht gerade zu üppigem mobilem Surfen. Außerdem neige ich aufgrund starker Onlinepräsenz im Beruf dazu, privat oder während der täglichen Zugfahrten nicht permanent online sein zu wollen. Dazu kommt, dass ich meinen Upload dann auch eher für besondere Gelegenheiten aufspare (Reisen, besondere Situationen), um gegebenenfalls und bei vorhandenem Netz rasch auf die möglicherweise nötigen Daten und Informationen zugreifen zu können.

Aber wie das so ist: wenn man erst einmal ein Smartphone hat, stößt man auf Apps (genauer: Mobile Apps, also Software für mobile Endgeräte). Angeblich ist es auf Partys ja mittlerweile üblich, sich gegenseitig Weiterlesen

Norwegen : Nördlich und südlich des Polarkreises

Wer Sehnsuchtsorte oder -landschaften hat, die er gerne einmal besuchen würde, vor langer Zeit besucht hat oder immer wieder gerne aufsucht, schaut sich nicht selten gerne Bildbände darüber an und reist so, unterstützt durch begleitenden Text, mit den Augen. Natürlich kann auch ein gut geschriebener Text so eine innere Reise ermöglichen oder – wie in diesem Fall – ein gut gemachtes Hörbuch.

Das Hörbuch „Norwegen“ aus dem Verlag der Frankfurter Allgemeinen versammelt mehrere Reportagen aus dem Land der Miternachtssonne. Gleich der erste Beitrag führt zunächst auf die Suche nach Selma, einem Weiterlesen

Frauen und Kinder zuerst : die gefährlichsten Reisen der Welt! / Carl Hoffman. Übersetzt von Ingo Wagener

In jenem Augenblick befand ich mich nirgendwo und doch überall, allein und fremd, verunsichert in einem Strom nicht enden wollender Bewegung. Das hier war Reisen in seiner unwirtlichsten Form, es legte alles bloß und entledigte mich meiner letzten Gefühle von Angst und Unsicherheit. Wenn man reist, glaubt man, sein altes Selbst hinter sich lassen zu können. Aber Hunger, Erschöpfung und die körperlichen Unannehmlichkeiten, die das Leben auf einem Bussitz mit sich bringen, dienen dazu, sein wahres Ich zu erleben – vor sich selber kann man sich nicht verstecken.“ (S. 55)

Wenn man an das Reisen denkt, denkt man an Touristen in mehr oder weniger bequemen Flugzeugen, in Busse, Autos oder Schiffen, die zu touristisch interessanten Orten gefahren werden oder in ihr Standhotel. Vielleicht noch an Geschäftsreisende in der Businessclass. Manchmal liest man etwas über den Untergang einer Fähre in Bangla-Desh oder den Absturz eines heruntergekommenen Flugzeuges in Südamerika oder waghalsig überladene Minibusse in Afrika und verbucht das ganze als exotisch: gefährlich klingt es, aber es betrifft uns nicht.

Was man sich meistens klar macht ist die Tatsache, dass ein Großteil der Menschheit nicht in sicheren Verkehrsmitteln reist, weil es keine anderen Möglichkeiten gibt. Entweder ist das sichrere, gut gewartete und von gut ausgebildeten Menschen bewegte Verkehrsmittel zu teuer – oder es ist schlichtweg in dieser Region nicht verfügbar.

Der amerikanische Reisejournalist Carl Hoffman (National Geographic Traveler und Wired) macht sich auf die Reise um die Welt in den gefährlichsten Verkehrsmitteln. Er besteigt marode Weiterlesen

Die Nacht der sieben Wünsche / Marjaleena Lembcke. Heike Ellermann [Ill.]

Bald wird Kolja sieben Jahre alt. In der Nacht vor seinem Geburtstag will er sich für jedes Lebensjahr etwas wünschen, weil Sieben ja auch eine Glückszahl ist. Also wünscht er sich, dass seine gestresste Mutter sich irgendwo mal richtig ausruhen kann, sein Vater so Weiterlesen

Wenn ich Dich umarme, hab keine Angst : eine wahre Geschichte / Fulvio Ervas

Die ganze Welt dringt ungehindert in Andrea ein, wie ein bergab rollender Stein, wie eine Lawine. Andrea hat keine Abwehr, keine Barriere, er saugt alles auf wie ein Schwamm, und man braucht ihn nur anzuschauen, um zu verstehen, dass er ein ganz eigenes, inniges verhältnis zur Realtiät hat. Wenn er spricht, drückt er sich zusammenhanglos mit abgehackten Worten aus: „daheim“, „unterwegs“, „das grüne“. Seine Antworten klingen mechanisch, sie nehmen einen Teil der Frage wieder auf.
Was er durchsickern lässt, ist ein Konzentrat. Er ist ein Alchemist, der Worte destilliert. Man muss nur lernen, sie zu hören. (S. 21)

Als Francos Sohn Andrea drei Jahre alt ist, ändert sich für die Eltern alles: denn bei Andrea wird Autismus diagnostiziert. Für die Eltern ein Schock, der große Unsicherheiten auslöst, wie man am besten mit dem Kind umgeht, und auch eine Kette verschiedener, weitestgehend erfolgloser therapeutischer und medizinscher Ansätze zur Folge hat, um Andrea auf seinem Weg zu helfen.

Der Hausarzt bringt es es auf den Punkt: „Das Leben ist unvollkommen, aber es Weiterlesen

Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa / Regie: Lasse Hallström. Darst.: Johnny Depp ; Leonardo DiCaprio ; Juliette Lewis …

null

Endora, eine typische amerikanische Provinzstadt in Iowa. Auf dem jungen Gilbert Grape lastet nach dem Freitad des Vaters die ganze Verantwortung für die Familie: seine extrem übergewichtige, depressive Mutter hat das Haus seit sieben Jahren nicht mehr verlassen, die ältere Schwester Amy, die die Mutterrolle übernommen hat, die pubertierende Ellen und den geistig behinderten, 17jährigen Arnie. Alle wohnen in einem heruntergekommenen Farmhaus.

Gilbert hält das einsturzgefährdete Haus in Schuss und kümmert sich um Arnie, beaufsichtigt ihn im Alltag und bei seinem unentbehrliches Baderitual – und muss dessen permanenten Versuche, den Wasserrturm zu besteigen, verhindern. Wenig Zeit bleibt da Gilbert Grape für sein eigenes Leben: er arbeitet nebenbei in einem Lebensmittelgeschäft, hat nur zwei Freunde aus dem Ort und ausserdem eine Affäre mit der wesentlich älteren, verheirateten Betty.

Wie jedes Jahr wartet er mit Arnie auf den Höhepunkt des Sommers: die Einfahrt einer Caravane von Wohnwagen, die in Endora einen Zwischenstop einlegen. Dabei lernt er
Weiterlesen

Die Bayou-Trilogie / David Woodrell

Immer wieder verschlägt es mich zu Autoren, die sich mit der Kehrseite des amerikanischen Traums auseinandersetzen, darunter Schriftsteller aus dem Umfeld der Southern Gothic (William Gay oder Cormack McCarthy) oder Autoren, die ihre Plots dezidiert im Millieu des ‚American White Trash‘ anlegen, wie etwa Willy Vlautin oder David Woodrell. Zumeist ist in diesen Büchern wenig bis keine Hoffnung, geht es düster und gewalttätig zu unter Protagonisten, die sich ohne Chance auf den gesellschaftlichen Aufstieg durch ein von Beginn an auf schmalen Wegen laufendes Leben kämpfen, stets auf der Suche nach Krümeln vom großen Kuchen. Es sind in der Regel Hinterwäldler, Alkoholiger, Spielernaturen, heruntergekommene „Working Poor“, traurige Figuren, die sich maßlos selbst überschätzen und nicht selten mit einem trotzigen Stolz auf ihre angeblich überlegene Hautfarbe der Karotte nachjagen, die sie nie erwischen werden.

Woodrells Romane „Winters Knochen“ und „Der Tod von Sweet Mister“ waren bereits Thema auf Jargsblog. In der hier vorgestellten Bayou-Trilogie, auf die ich in der Onleihe der öffentlichen Bibliotheken gestoßen bin, sind drei bereits in den 90ern auf Deutsch erschienene Romane versammelt, die sich mehr oder weniger um den aus niedriger sozialer Schichte stammenden Polizisten Rene Shade drehen und von Woodrell als Country-Noir-Krimis bezeichnet wurden.

In „Cajun Blues“ (Orig.: Under the Bright Lights) wird ein in der Lokalpoitik engagierter Farbiger ermordet. Shade vermutet hinter dem Mord mehr als Weiterlesen

Synecdoche New York / Regie und Drehb.: Charlie Kaufman. Kamera: Frederick Elmes. Musik: Jon Brion. Darst.: Philip Seymour Hoffman ; Samantha Morton ; Michelle Williams …

null

„Eine Synecdoche … bezeichnet die Ersetzung eines Wortes durch einen Begriff aus demselben Begriffsfeld. So kann ein Wort durch einen Begriff mit engerer oder weiterer Bedeutung [1], einen Ober- oder Unterbegriff ersetzt werden“ (Wikipedia)

Theaterregisseur Caden Cotard lebt mit seiner Frau, der Malerin Adele und seiner Tochter Olive in einer Kleinstadt. Gerade hat er mit großem Erfolg „Der Tod eines Handlungsreisenden inszeniert, da beginnt nach einem Unfall im Bad mit einer Erkrankung der Augen eine merkwürdige Serie neurologischer Auffälligkeiten. sein Verfall beschleunigt sich zusehends. Seine Ehe kriselt und seine Frau verlässt ihn samt Tochter Richtung Berlin.

Anfangs scheint Cotard seine Lebenskrise mit Weiterlesen

Africa Overland : 60000 Kilometer Abenteuer / Christoph & Chiho Bangert

Es gibt die unterschiedlichsten Motivationen dafür, nach und in Afika zu reisen und das auch noch über viele Monate: die Flucht vor dem Alltag und anderem Unbill kann dafür ebenso entscheidend sein wie die Suche nach einer Zeit des anderen Lebens, in reiheit, Selbstbestimmung, vielleicht sogar verbunden mit einer anderen Form von Glück.

Für den zu Beginn seiner Reise 29jährigen erfolgreichen Fotojournalisten Christoph Bangert war das vorherrschende Motiv die Flucht aus seinem Alltag: viele Monate Aufenthalt in Kriegs- und Krisengebieten und das permanente Herumreisen hatten ihn an die Grenzen gebracht und machten einen Ausstieg nötig. Einen Ausstieg, der für den tourenerfahrenen, mit seiner japanischen Freundin Chiho in New York lebenden Bangert mit der Suche nach Abenteuer verbunden war. Das kann man gerade auch als Europäer kritisch sehen – und Bangert ist Weiterlesen

Schlaf gut, Paulchen! / David Melling. Deutsch von Mirjam Pressler

Paulchen, der Bär, darf beim Hasen übernachten, packt eilig und aufgeregt seine Sachen und macht sich auf den Weg. Doch dann begegnen ihm Schafe, die auch gerne in der Höhle übernachten wollen. Unklar ist, ob darin genug Platz ist. Tatsächlich muss der Hase eine neue, größere Höhle graben. Doch dann, als sich alle gerade hineingequetscht und zurechtgekuschelt haben und der Hase endlich mit dem Vorlesen der Gute-Nacht-Geschichte anfangen Weiterlesen

Die Kuh, die mal niesen musste / James Flora. Übers. von Saskia Heinz

„Ich wette, ihr habt noch nie eine Kuh gesehen, die ein Loch ins Schulgebäude geniest hat. Unsere Kuh hat genau das getan. Unsere alte Flora hat so kräftig geniest, dass die Rathausmauern eingestürzt sind und die Zoogatter aufgeflogen sind.“

Fletcher, Bruder des Erzählers, bringt jeden morgen die Kuh Flora zum Fluß, damit sie einen schluck Wasser trinken kann. Aber eines Morgens vergisst Fletcher angesichts eines hoppelnden Kaninchens, dem er hinterherjagd, die Kuh. Die bleibt so lange im kalten Wasser stehen, dass sie sich Weiterlesen

Unverbissen vegetarisch : der lockere Einstieg in ein fleischloses Leben / Claudia Klinger

Mag sein, dass der „Veggie-Day“, den die GRÜNEN kurz vor der Wahl propagiert haben, zu provokativ für manche Fleischesser war und die Partei einige Stimmen gekostet hat. Das ändert aber nichts daran, dass es prinzipiell gut wäre, wenn in breiten Kreisen der bevölkerung mehr Reflexion über das eigene Ernährungsverhalten vorhanden wäre – sowohl im Bezug auf die Gesundheit als auch in Verbindung mit den ökologischen, ökonomischen und ethischen Folgen, die der eigene Ernährungsstil im Allgemeinen und der hohe Fleischkonsum in den Industrienationen im Besonderen zur Folge hat.

Claudia Klinger, bis 2010 durchaus überzeugte Fleischesserin, stiess kurz nach dem Gammelfleichskandal über die Haltungsbedingungen von Tieren im besagten Jahr auf das Buch „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer, das bis in die Leitmedien hinein für Diskussionen sorgte. Sie begann, sich über Weiterlesen

Der Bote : ein Science-Fiction-Krimi aus der guten alten Zeit / Dieter Paul Rudolph

Abends jedoch, nach dem Tagwerk, da grabe ich mich durch die Bücher. Allen sieht man die Katastrophe an, durch die sie gegangen sein müssen, gereinigt sind sie wohl, aber die Spuren ihres erbärmlich gefristeten Daseins haben sich ins Papier gebrannt. Es gibt kein System in dieser Bibliothek, sie ist das Werk des Zufalls. Ganz eigentümlich steht alles nebeneinandr. Wie man einen Rechner mit einer digitalen Kamera verbindet. Warum der Mensch ein Wesen ohne freien Willen ist, oder aber eines, das für alles, was es tut, selber verantwortich zeichnet.Womit sich die Geschwindigkeit eines Motorrades erhöhen lässt, dass in der Bademode einteilig angesagt sei – wer sagt so etwas an? Nebst reizvollen Fotografien sträflich vernachlässigter Modells. (S. 192)

Die derzeit beliebten Genremixturen, die aus verschiedenen Sujets eine Art literarisches Crossover machen, sind oft nicht meine Sache, weshalb ich solchen Büchern oft mit erheblicher Skepsis, um nicht zu sagen Ablehnung begegne. Entweder lese ich einen soliden Krimi oder eine Science-Fiction-Geschichte oder einen gut gemachten Familienroman.

Was macht dieses Buch des deutschen Autors und Literaturwissenschaftlers Dieter Paul Rudolph so anders? Rudolph setzt in „Der Bote“ einen Kriminalfall um den Mord an einem Weiterlesen

Opas Eisberg : auf Spurensuche durch Grönland / Stephan Orth

„Für uns war Grönland eine Offenbarung. […]. Und zu dem, was uns, oder wenigstens mir da offenbar wurde, gehört die klare Erkenntnis, dass wir, die wir uns als Kulturträger für weise halten, mit unserem Prinzip des ‚Immer schneller‘ und ‚Immer mehr‘ zu Narren geworden sind. Dadurch, dass es zehnmal geschwinder geht, dass wir an einem Tag zehnmal so viel hören, sehen und treiben können, meinen wir wohl den Lebensinhalt zu verzehnfachen. Wenn nun aber der Eindruck im gleichen Masse dürftig wird, als er flüchtiger ist? Was ist da gewonnen? […] Wenn die Eindrücke, die auf uns eindringen, zehnmal schneller daherstürmen, so wird dafür ihre Wirkung um das zehnmalzehnfache geringer. Und das Ergebnis ist dies, dass, je hastiger wir leben, um so ärmer werden.“ (Alfred de Quervain, Ergebnisse der deutsch-schweizerischen Grönlandexpedition 1912-1913. Zürich 1920. Zitiert nach Stephan Orth, Opas Eisberg. – 2013. S. 196)

In vielen Familien gibt es Dinge, die mit Erinnerungen aufgeladen sind, von Generation zu Generation mit ihren Geschichten weitergegeben werden und manchmal um eine Geschiche reicher werden. Seltener finden sich Gegenstände, die mehr sind, in denen sich die Vergangenheiten der Familie ebenso spiegeln wie die Zeitläufte. Manchmal aber überstrahlen die in einem Gegenstand konservieren Zeitläufte sogar ein wenig die Erinnerungen an längst verblichene Familienmitglieder. Der Zauber aber liegt immer in der besonderen Qualität des Gegenstandes und nicht in der Masse an Dingen, die wir aus vergangenen Familienzeiten horten.

Viele Jahre liegt es da, „in Büchlein in tarnfarbengrauem Leineneinband, direkt neben der Urne, direkt neben Opa“. Dann, 49 Jahre nach dessen Tod, nimmt der Weiterlesen

Zitat am Freitag: De Quervain über Lebensintensität

Dadurch, dass es zehnmal geschwinder geht, dass wir an einem Tag zehnmal so viel hören, sehen und treiben können, meinen wir wohl den Lebensinhalt zu verzehnfachen. Wenn nun aber der Eindruck im gleichen Masse dürftig wird, als er flüchtiger ist? Was ist da gewonnen? […] Wenn die Eindrücke, die auf uns eindringen, zehnmal schneller daherstürmen, so wird dafür ihre Wirkung um das zehnmalzehnfache geringer. Und das Ergebnis ist dies, dass, je hastiger wir leben, um so ärmer werden.“

Alfred de Quervain, Schweizer Geophysiker und Arktisforscher (1879-1927)

(Quelle: Alfred de Quervain, Ergebnisse der deutsch-schweizerischen Grönlandexpedition 1912-1913. Zürich 1920. Zitiert nach Stephan Orth, Opas Eisberg. – 2013. S. 196. Zur Buchbesprechung zum letztgenannten Titel bitte HIER klicken)

Eine brasilianische Favela, eine außergewöhnliche Frau und ihre Lebensaufgabe : Crowdfunding-Kampagne für ein Buch

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Slums, unter elenden Bedingungen und oft mit wenig Hoffnung auf Veränderung. So in auch Brasilien, wo etwa in einer Megacity wie Sao Paulo über drei Millionen Menschen unter unwürdigen Bedingungen in Favelas leben und oft keine Chance haben, dem „Teufelskreis aus Armut, schlechter Ausbildung, Arbeitslosigkeit, Krankheit, Kriminalität, Gewalt und Drogen„(Quelle: Monteazul.de) zu entkommen.

Die heute 75jährige Ute Craemer gründet 1979 zusammen mit Weiterlesen

Das Grüffelokind / Regie: Johannes Weiland ; Uwe Heidschötter. Nach dem Buch von Axel Scheffler und Julia Donaldson

Zum Glück machen Axel Scheffler und Julia Donaldson nicht den Fehler, ihren wunderbaren Grüffelo und sein „Grüffelokind“ mit all zuu vielen medialen Abzweigungen und Zusatzprodukten zu versehen. So bleiben einem diese beiden Figuren weiterhin liebenswert, bewegen sie sich unverbraucht durch das eigene mediale Gedächtnis.

Deshalb ist nach der Verfilmung des „Grüffelo“ die Verfilung des zweiten Bilderbuches „Das Grüffelokind sehr empfehlenswert.

„Wie jedes Kind, so ist auch da Grüffelokind neugierig: Trotz der Warnung des Vaters, dass im Wald die grosse böse Maus wohnt, die Grüffelokinder frisst, bricht es auf und Weiterlesen

Ungleiche Freunde : Wundersame Geschichten aus dem Tierreich / Jennifer S. Holland

Betrachtet man das Titelbild des hier vorgestellten Buches und hat man zugleich im Bewußtsein, dass es von einer amerikanischen Autorin geschrieben wurde, könnte man leicht auf den Gedanken kommen, dass einen im Inneren des Buches Kitsch erwarten würde, Projektionen menschlicher Emotionen auf hübsche Tierbilder und entsprechende Geschichten süsslicher Art.

Wohltuenderweise ist das Gegenteil der Fall. Jennifer S. Holland stellt in „Ungleiche Freunde“ in knapp 50 kurzen, prägnanten Berichten ungewöhnliche Freundschaften zwischen Tieren vor, die unterschiedlicher nicht sein können: Zierkarpfen (Koi) und Hund, Nilpferd und Schildkröte, Nashorn, Warzenschwein und Weiterlesen

Unsere schönen neuen Kleider : gegen eine marktkonforme Demokratie – für demokratiekonforme Märkte / Ingo Schulze

Wir leben ja in einer Demokratie und das ist eine parlamentarische Demokratie und deshalb ist das Budgetrecht ein Kernrecht des Parlaments und insofern werden wir Wege finden, wie die parlamentarische Mitbestimmung so gestaltet wird, dass sie trotzdem auch marktkonform ist (Angela Merkel in einer Rede 2011).

Mit den Worten, die ich benutze, mit der von mir gesprochenen und geschriebenen Sprache fallen Vorentscheidungen in meinem Fühlen, Denken und Handeln. Das Bild, das ich mir von mir selbst un der Welt mache, hängt auch davon ab, welche Worte ich wähle, welche Bedeutung ich diesen Worten als Einzelner gebe und welche Bedeutung als die gesellschaft als Ganzes ihnen gibt. (Ingo Schule, a.a.O. S. 47)

Ingo Schulze sah sich bei Lesungen im Ausland immer wieder kritischen Fragen zur Rolle der Deutschen in der europäischen Finazkrise ausgesetzt. Beispielhaft zitiert er im Vorwort zum hier besprochenen Buch die Frage eines jungen Portugisesen, ob jetzt die Deutschen mit dem Euro und unserer starken Exportwirtschaft schaffen würden, was wir mit unseren Panzern damals nicht gaschafft hätten. Schulze antwortete darauf reflexhaft, indem er Partei für sein eigenens Land ergriff, erkannte jedoch im losbrechenden Weiterlesen

Ich will meine Mami! / Martin Waddel, Patrick Benson, Rolf Inhauser (Übers.)

Eulen sind ja sehr schlau. Und sie denken viel. So wie Sebu und Leah und Flo, die mit der Eulenmutter in einem Baumloch wohnen. In einer Nacht wachen sie auf und Weiterlesen

Drachen, Doppelgänger und Dämonen / Oliver Sacks

Eine Halluzination ist eine rein sensorische Bewusstseinsform, eine ebenso wahrhaftige Sinneswahrnehmung, wie sie in Gegenwart eines realen Objektes stattfindet. Nur dass das Objekt zufällig nicht da ist. (Willam James, Principles of Psychology. Zitiert nach Oliver Sacks, a.a.O., S.9)

Sie haben Halluzinationen und reden nicht darüber? Vielleicht sollten Sie das tun, denn es gibt erheblich mehr Menschen, die Halluzinationen haben, als man denkt – und es sind nicht nur Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen. Mancher wird gar als psychisch krank behandelt und leidet tatsächlich „nur“ an einer Hirnschädigung, die für die Stimmen, die er hört, eine plausible Erklärung liefert.

Oliver Sacks, der 1933 in London geborene und in New York arbeitende Neurologe, hat mich schon oft mit seinen Büchern begeistern können. Mit „Drachen, Doppelgänger und Dämonen“ legt er nun ein Buch über Halluzinationen vor, ihn dem er nicht nur die Abgrenzung zu tatsächlichen Erfahrungen und Träumen vornimmt, sondern sich vor allem verschiedensten Ausprägungen von Halluzinationen als auch den ihnen zugrunde liegenden Ursachen widmet. Sacks bietet auch hier wieder die gewohnte und geschätzte Mischung aus Fallgeschichten und fundierten wissenschaftlichen Informationen. Dabei schlägt er auch einen Bogen zur Vergangenheit, zu historischen Beschreibungen, Erklärungsansätzen und Vorstellungen.

Die Bandbreite der vorgestellten, vorwiegend visuellen Halluzinationserlebnisse ist breit und reicht von Halluzinationen unter Weiterlesen

Der Hase mit den Bernsteinaugen : das verborgene Erbe der Familie Ephrussi / Edmund de Waal

Das letzte Mal, dass die Netsuke in solch geselliger Runde herumgereicht wurden, war in Paris, Edmond de Goncourt, egas und Renoir taten das in Charles Ephrussis Salon, eingerichtet im damals üblichen guten Geschmack, ein Dialog zwischen einem erotisierten Anderen und der neuen Kunst.
Nun, wieder daheim in Japan, sind die Netsuke eine Erinnerung an Gespräche mit den Großeltern über Kalligraphie, über Poesie oder den shamisen. Für Iggies japanische Gäste gehören sie zu einer versunkenen Welt, die durch die Düsternis der Nachkriegszeit noch trüber wirkt. Schaut an, scheinen die Netsuke vorwurfsvoll zu sagen, welchen Reichtum an Zeit es gegeben hat. (S. 306)

Es ist so eine Sache mit den Dingen, die wir besitzen und die doch nicht selten, im Übermaß angehäuft, eher uns besitzen, uns belasten und so eine bisweilen erdrückende Macht über uns ausüben können. Kann man sich nicht von ihnen trennen, so sind sie in der Lage, einem mühelos die Luft abzuschnüren, einen einzuengen und das eigene Wohnumfeld zu einem Hort von Weiterlesen

Wipfelwärts und Wurzelwärts / Tobias Kreitschi

Ein Buch mit einem ganzen Baum darin hat man auch nicht so oft. Dieses hier spielt hoch im Norden, wo es Elche gibt. Dort sind auch Wichte mit gestrickten Weiterlesen

Aber bitte mit Sake: auf Kreuzfahrt mit 1000 Japanern / Dana Phillips

Wer jemals in Japan war, wird sich als Westeuropäer sicher ebenso fremd wie bezaubert gefühlt haben, verbunden mit dem Gefühl eigener, nicht nur körperlicher Grobschlächtigkeit und unsensibler, unpassender Direktheit.

Unter dem Pseudonym Dana Phillips haben die Autorin Jule Görsdorf und eine Freundin einen kurzweiligen (fiktiven) Reisebericht geschrieben über eine Kreuzfahrt auf dem „Peace Boat“, einem japanischen Kreuzfahrtschiff, das einer Non-Profit-Organisation gehört und mit dem Auftrag der Förderung von Frieden, Vökerverständigung und ökologischer Nachhaltigkeit über die Weltmeere schippert.

Dana, die Protagonistin des Reiseberichtes, gerät eher zufällig an den Auftrag, auf dem Peace Boat mitzufahren. Unglücklich in ihrer Beziehung zu einem Italiener, bricht sie schliesslich
Weiterlesen

Romantische Nächte im Zoo : Betrachtungen und Geschichten aus einem komischen Land / Harald Martenstein

Wenn alle das Gleiche sagen, bekommt man Lust dagegenzuhalten. Dann sagt man sich: Alle sind sich einig, hey, da stimmt doch was nicht.

Nicht wenige, die eine aktuelle Ausgabe von TAGESSPIEGEL oder ZEIT MAGAZIN aufschlagen, blättern zuerst zur Kolumne von Harald Martenstein. Zu Recht. Denn Martenstein gehört derzeit nicht nur zu den vergnüglichsten Journalisten, sondern auch zu jenen, die mit besonders spitzer Feder schreiben, kluge Fragen stellen, allzu selbstgewisse Meinungen gerne provokant den argumenativen Boden unter den Füßen wegziehen und im Zweifel auch mal für die Meinungsfreiheit jener Partei ergreifen, deren Meinung man selbst auf gar keinen Fall teilen mag. Seine (m. E. berechtigte) Kritik an der allgegenwärtigen Gender“forschung“ hat in diesem Jahr für einigen Wirbel in einschlägigen Kreisen gesorgt – wie schon mancher Beitrag von ihm vorher.

„Romantische Nächte im Zoo“ versammelt Weiterlesen

Ebook-Lesen auf dem Smartphone, Flipperhighscores, Terminverwirrungen oder: folgen Sie noch oder lesen Sie schon?

Nachdem ich mein altes Handy mit Wählscheibe nach zwei Monaten Smartphone nicht mehr wirklich vermisse und nur noch zum Wecken benutze, führte die Spielerei mit dem neuen Gadget eines privaten Late-Adopters ja nicht nur unlängst zum mobilen virtuellen Hörbuchhören samt spontaner Schlafbereitsschaftssteigerung (wie berichtet). Die unerwartet gute Zugänglichkeit des ausgesprochen lückenhaften, um nicht zu sagen extrem grobmaschigen Funknetzes von 02 beim Zugaufenthalt auf einem Mittelstadtbahnhof führte bald zu Weiterlesen

Lennis Welt : Entdecke erste Bilder und Wörter / Ann Cathrin Raab

Mittlerweile können sie ja schon lesen. Aber ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als die Zwillinge ihre ersten Worte entdeckten und beim Autofahren nicht selten beide in dem gleichen, doppelt vorhandenen Bildwörterbuch blätterten: „Ah, Spülbürste“ klang es vom Autorücksitz. „Pfanne“ kam vom zweiten Rücksitz die Entgegnung. So konnte das lange gehen.

Ann Cathrin Raab ist Absolventin der HAW, die ja eine ganze Reihe sehr guter Kinderbuchillustratorinnen hervorgebracht hat. Man kennt sie von den Krickelkrakels („Das bewegte Buch“) und auf Jargsblog wurden von ihr bereits „Frau Nasekalt“ und „Lenni mag blau besprochen.
An die kleine Maus Lenni aus dem letztgenannten Buch knüpft sie nun mit „Lennis Welt“ an. Hier begegnen uns zahllose zum Weiterlesen

Bär im Boot / Dave Shelton. Aus dem Englischen von Ingo Herzke

Ein Junge steigt zu einem Bären ins Boot. Er will auf die andere Seite. Der Bär beginnt zu rudern. Er kann dem Jungen nicht sagen, wie lange es dauert. „Ein Weilchen“ meint er. Der Junge verstaut seine Tasche und schläft ein. Erst am nächsten Morgen wacht er auf. Leider sind sie immer noch nicht da. Der Bär aber Weiterlesen

Dies beschissen schöne Leben : Geschichten eines Davongekommenen / Andreas Altmann

Ganz nah ran, hieß die Devise. Manchem ist das zu nah. Nichts wird hier ‚überhöht‘, nirgends taucht eine ‚Metaebene‘ auf, nicht eine Zeile Literatur. Nur Geschichten, die ich erlebt habe, bescheidener formuliert: die mir widerfuhren. Bin eben nur Reporter. Bin sklavisch abhängig von der Realität, von dem, was mir die Welt an Geschenken und Zumutungen überlässt. (S. S. 11)

Wer Altmanns autobiografisches Buch Das Scheissleben meines Vaters, das Scheissleben meiner Mutter und meine eigene Scheissjugend gelesen hat, wird fassungslos und fasziniert zugleich gewesen sein, wie der Autor nach der beschriebenen, er- und durchlittenen Jugend spät, doch nachhaltig einen eigenen Weg ins Leben findet und die rettung – das Schreiben – für ihn zum Lebensinhalt wird. Wer Altmann schon vorher kannte und schätzte, hat nach dem Buch zumindest ansatzweise begriffen, warum Altmann schreibt, was ihn antreibt und zu einem der besten deutschsprachigen Reiseschriftsteller gemacht hat.

Mit „Dies beschissen schöne Leben“ legt Altmann eine Weiterlesen