Moderne Zeiten / Regie: Charles Chaplin. Darst.: Charles Chaplin, Paulette Goddard,

Wer mich kennt, weiss, dass ich ein bekennender, ja leidenschaftlicher Verehrer von Charlie Chaplin und seiner Filmkunst bin. So war schon bei der Geburt der Zwillinge klar, dass irgendwann Chaplin zum Thema werden würde, was bei mir mit einer gewissen Vorfreude verbunden war, aber natürlich auch mit elterlichen Abwägungen, wann denn der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Schliesslich ist nichts schlimmer, als vom Vater in guter Absicht mit irgendwelchen Filmen und Musiken gequält zu werden, von denen man als Erwachsener dann garantiert nichts mehr wissen will.
Kurz gesagt: an Chaplins frühe Kurzfilme mit der Figur des Tramp hatten wir uns schon gewagt, so etwa an den Klassiker „Kid Auto Races at Venice“. Jetzt war Zeit für einen von Chaplins großen Filmen, und die Wahl traff nach dem mittäglichen Maiskolbenessen nicht ganz zufällig auf „Moderne Zeiten“.
Charlie, der Tramp, arbeitet zu Beginn des Films in einer gigantischen Fabrik am Fliessband. In der gigantischen Maschinerie werden absurde Arbeiten durchgeführt, überwacht per Kamera von einem auf Bildschirmen allgegenwärtigen Chef, der am liebsten noch die Pausen einsparen würde und sich zu diesem Zweck eine automatische Weiterlesen

Ruhepol : Roman / Amy Sackville. Aus dem Englischen von Eva Bonné

„Wenn er sich am Abend hinlegte, um zu träumen und seine Seele über das Eis fliegen zu lassen, strebte er ihr entgegen, denn sie erwartete ihn am Pol. Im Logbuch taucht ihr Name kein einziges Mal auf. Er brachte keinen langen Klagelieder über ihre Abwesenheit zu Papier, aber das Gefühl durchdringt seine Zeilen, so als hätte sie hinter ihm gestanden, wenn er am Schreibtisch saß, und ihm eine hand auf die Schulter gelegt, so als befänden sie sich daheim im Wohnzimmer und nicht in einem Kämmerlein am Rand der Zivilisation, am Ende der bekannten, kartographierten Welt“ (S. 109)

England, zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Polarforscher Edward Mackley bricht mit seinen Gefährten auf dem Schiff Persephone auf, um als erster Mensch den Nordpol zu erreichen. Zurück in England bleibt seine Frau Emily, die im Haus seines verheirateten Schwagers John auf die Rückkehr von Edward wartet. Doch der Forscher kehrt nicht zurück, sondern verschwindet in den Weiten der Arktis. Emily aber scheint nicht aufzugeben und wartet sechzig Jahre lang: erst kurz vor ihrem Tod erreicht sie zusammen mit seinem Tagebuch die Nachricht, dass Edwards Leiche im Permafrost gefunden wurde.
Über einhundert Jahre später lebt Edwards Großnichte Julia mit ihrem Mann Simon im alten Haus der Mackleys: fasziniert von der Geschichte Edwards und von Emilys lebenslangem Warten, sichtet sie an einem brütend heissen Augusttag die Weiterlesen

Ziegen : freundliche Querköpfe / Lutz Schiering

Eine Ziegenbuchrezension auf Jargsblog? Wandelt sich Jargsblog zum Nututierblog, zum Blog der Freunde von Capra aegagrus hircus, einer Gattung der Hornträger (Bovidae). Dies ist nicht unbedingt zu erwarten, aber ich muss zugeben, dass dieses wunderbare Buch über Ziegen in mir schon den vagen gedanken aufkommen liess, zum Ziegenhalter zu mutieren. Ein Gedanke, der vielleicht gar nicht so abgwegig ist, seit auf Initiative der besten Ehefrau von allen ein Islandpferd zur Familie gehört.
Zum Buch: Schiering unternimmt mit seinem Buch einen Parforceritt – nein, nicht auf der Ziege, sondern durch die Weiterlesen

Der Seidenfächer / Regie: Wayne Wang. Darst.: Gianna Jun ; Li Bing Bing ; Vivian Wu …

China, 19. Jahrhundert. Snow Flower und Lily wurden am gleichen Tag geboren und als siebenjährige Mädchen der brutalen Prozedur des Füßeabbindens unterzogen, um aös erwachsene Frauen die bei Männern begehrten „Lotosfüsse“ zu bekommen. Eine Heiratsvermittelin macht sie zu Laotongs, Schwestern im Geiste, und bringt ihnen die Geheimsprache der Laotongs bei. Als Snow Flower und Lily später durch Heirat voneinander getrennt in Isolation und Einsamkeit leben, tauschen sie sich über geheime Botschaften in den Falten von Seidenfächern aus. Ihre Freundschaft wird durch Unruhen, Krankheit und Tod auf eine harte Probe gestellt …
Shanghai, Anfang des 21. Jahrhunderts. Nina und Sophia sind seit der Kindheit beste Freundinnen, haben sich aber nach einem Streit lange nicht gesehen. Als Sophia nach einem Unfall Weiterlesen

Pampa Blues / Rolf Lappert

Später kommt Maslow mit zwei Flaschen Bier über den Platz und setzt sich neben mich. Eine Weile sitzen wir stumm da, trinken unser Bier und gucken in den Himmel. „Glaubst du eigentlich, dass dort oben irgendwo Leben ist?“, fragt Maslow schliesslich.
„Ich glaube nicht mal, dass hier unten Leben ist“, sagte ich. Maslow seufzt und schweigt dann wieder.

Der 16jährige Ben träumt von der ersten Liebe und von Afrika, hat es aber im wahren Leben nicht leicht. Das liegt nicht nur daran, dass sein abenteuerlicher Vater vor Zeiten bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam, seine als zweitklassige Jazzsängerin permanent tourende Mutter durch permanente Anwesenheit glänzt und er in dem winzige Provinznest Wingroden leben muss, in dem nur ein paar einsame bierselige Männer, Friseuse Anna und ein verrückter Tscheteschenienveteran wohnen: Ben hat ausserdem noch seinen senilen Großvater an der Backe, der alleine nicht mehr zurechtkommt.

Der ehemalige Golfprofi Maslow aber glaubt an Wingrodens goldene Zukunft und plant, den Ort mit Weiterlesen

Was weg is, is weg / Regie u. Drehb.: Christian Lerch. Darst.: Florian Brückner ; Mathias Kellner ; Maximilian Brückner …

Bayern, mitten in der Provinz. Seit 1968 liegt der Onkel der Bauernjungs Lukas, Hansi und Paul im Koma: der geniale Tüftler Paul hat leider bei der Inbetriebnahme seiner neusten Maschine, des „Pursogators“, einen Stromschlag erlitten. Zwanzig Jahre später pfegt die Bäuerin immer noch ihren Bruder, hadert der Bauer mit seinen Söhnen und einer möglichen russischen Invasion. Die Brüder sind erwachsen geworden: Hansi dampft hektisch als Versicherungsvertreter mit fettem BMW und zeittypischer Männerfrisur durch die Gegend, Umweltschützer Lukas macht sich bereit, auf einem Greenpeaceschiff anzuheuern und Paul, so beleibt wie unterbelichtet, arbeitet beim chronisch unterfinanzierten Dorfmetzger und Gastwirt Franz.
Leider wird es nichts mit Lukas Abreise: Franz ist bankrott und nimmt einen Besuch von Hansi zum Anlass, sich den Weiterlesen

Gott gibt es wohl nicht / Patrick Lindenfors. Illustriert von Vanja Schelin. Übersetzt von Rainer Lippold

Kinder kommen ohne Glauben, ohne Religion auf die Welt. Ob sie einen Glauben haben oder haben müssen, hängt meistens von ihren Eltern ab und nicht von einer eigenständigen Abwägung und Entscheidung durch die Kinder selbst. Der schwedische Evolutionsbiologe und Atheist Patrick Lindenfors nimmt diese Gedanken zum Ausgangspunkt seiner Reflexionen über Religion, Glaube und Götter.

Differenziert legt er dar, weshalb Gott und Götter eine Erfindung menschlicher Phantasie sind und nicht an Götter zu glauben keinesfalls ebenso ein Glaube ist wie Weiterlesen

Wo bitte geht’s zu Gott?, fragte das kleine Ferkel: Ein Buch für alle, die sich nichts vormachen lassen / Michael Schmidt-Salomon

Passend zum Karfreitag, einem wunderbaren Tag, um einmal wieder „Das Leben des Brian“ zu sehen („Zur Tür raus, jeder nur ein Kreuz, linke Reihe anstellen“), sei auf dieses Kinderbuch hingewiesen, dass seinerzeit für einigen Wirbel sorgte und auf Bestreben des Bundesfamilienministeriums sogar auf den Index sollte (was glücklicherweise nicht gelang).
Ferkel und Igel, beide frei von jeglichem religiösem Glauben, geht es richtig gut – bis eines Tages jemand ein Plakat aufhängt mit der Behauptung: „Wer Gott nicht kennt, dem fehlt etwas!“. Also machen sich Ferkel und Igel auf den Weg, um Gott zu suchen.
In der Folge lernen sie die Weiterlesen

Der Tod von Sweet Mister / Daniel Woodrell. Übersetzt von Peter Torberg

USA. Ozark-Plateau im Süden Missouris. Shug Akins wächst unter bedrückenden Verhältnissen auf: seine etwa dreissigjährige, schöne Mutter Glenda ist Alkoholikerin und lässt sich von Shugs vermeintlichem, oft für Wochen abwesendem Vater Red tyrannisieren. Red ist ein gewalttätiger Kleinkrimineller, der mit seinem Kumpel Basil auf Raubzug geht und Shug stets nur „Fettsack“ nennt. Red und Basil zwingen Shug zu Einbrüchen mit dem Ziel, als Drogen verwertbare Medikamente zu besorgen.
Shug, ein einsamer Außenseiter, von der Mutter „Sweet Mister“ genannt, steht an der Schwelle zum Erwachsenwerden und beginnender innerer Reflexion über seine von Armut und Gewalt geprägte Umwelt: die Raubzüge mit Red und Basil zwingen ihn nicht nur zum Lügen, sondern schüren auch seinen Widerstand gegen die Despotie Reds. Da erscheint plötzlich der Weiterlesen

Der beste Sänger der Welt / Eva Eriksson ; Ulf Nilsson (Ill.). Übersetzt von Ole Könnecke

Ein sechsjähriger Junge. Er singt für sein Leben gern. Am liebsten für seinen kleinen Bruder. Nur wenn zu viele Menschen zusehen, möchte der Junge nicht so gerne singen. Wie zum Beispiel bei der Schulvorstellung. Die Lehrerin findet einen Kompromiss – und der Junge soll einfach das Ende der Vorstellung verkünden. Im Maulwurfskostüm, denn ein anderes war nicht mehr übrig.
Je näher die Stunde des Auftritts kommt, desto Weiterlesen

Winters Knochen / Daniel Woodrell. Übersetzt von Peter Torberg

USA, Missouri, Ozark-Plateau. Ein Provinzkaff im Süden im tiefsten Winter. Ree Dolly ist 16 Jahre alt und lebt mit ihrer tiefdepressiven Mutter und den den beiden jüngeren Brüdern unter prekären Verhältnissen in einem kleinen Haus: das Geld langt hinten und vorne nicht, es fehlt an Essen und Wärme. Jessup Dolly, ihr Vater und weithin bekannter Meth-Kocher, stets in krumme Geschäfte verwickelt, hat das Haus als Kaution verpfändet und sich aus dem Staub gemacht. Wenn Ree ihn nicht innerhalb von einer Woche findet, werdem sie und ihre Familie alles verlieren.
Ree macht sich Weiterlesen

Meine geheime Autobiographie / Mark Twain. Übersetzt von Hans-Christian Oeser

„Was für einen winzigen Bruchteil des Lebens machen die Taten und Worte eines Menschen aus. Sein wirkliches Leben findet in seinem Kopf statt und ist niemandem bekannt außer ihm“ (Mark Twain, Meine geheime Biographie. Aufbau Verlag, 2012. – S. 45)

„Was einen innerlich am meisten beschäftigt, sollte das sein, worüber man schreibt“ (S. 145)

Angenommen, Sie müssten jemandem Ihr Leben erzählen: auf welche Art und Weise würden Sie das tun? Klassisch in chronolgischer Reihenfolge? In strikter Auswahl nur der wesentlichen und gegebenenfalls vorzeigbaren Lebenstationen, Begegnungen, Erlebnisse? Würden Sie Dinge auslassen – und wenn ja, warum? Gäbe es Dinge, die Sie für zu banal erachten würden, um von Ihnen zu erzählen – und woran bemessen Sie diese Banalität?
Vom eigenen Leben zu erzählen dürfte auch heute im Zeitalter der permanenten Selbstbespiegelung nicht einfacher sein als vor einhundert Jahren, erzwingt doch eine solche Erzählung immer eine Reduktion auf das vermeintlich Wesentliche, dass aber zu gegebenen Augenblicken sowohl vom Erzähler als auch vom Zuhörer jeweils unterschiedlich in seiner Bedeutung für das jeweilige Leben bewertet werden dürfte. Dazu kommt, dass die Erinnerung oft trügerisch ist, wir dazu neigen, Dinge auszublenden, zu vermischen oder in größere Entferungen voneinander zu stellen. Fraglich ist auch, ob wir es immer ehrlich mit uns meinen würden, wenn wir aus unserem Leben erzählen ; vielleicht, weil es Dinge gibt, die uns, vielleicht, weil es Dinge gibt, die andere, noch lebende Menschen in einem seltsamen Licht erscheinen lassen mögen.

Mark Twain hat es sich nicht leicht gemacht mit seiner Autobiographie, einem Projekt, dass ihn viele Jahre mit wechselnder Intensität und Intension beschäftigt hat. Grundsätzlich hatte er Weiterlesen

Artikelstau : Lawinengefahr auf Jargsblog?

Entgegen anders lautenden Vermutungen ist es nicht zu beefürchten, dass ich auf Jargsblog die gewohnte Schlagzahl erhöhen und mehr Artikel als gewöhnlich und auch noch zu anderen Wochentagen posten werde. Wie es manchmal so ist, wenn man aufgrund bevorstehender anderer Aktivitäten Postings auf Halde produziert, kam es zu einem kleinen Stau Weiterlesen

Verfressen, sauschnell, unkaputtbar : das phantastische Leben der Kakerlaken / Hannes Sprado

Vielleicht ist es Ihnen auch schon so ergangen wie mir in einem heruntergekommenen brasilianischen Hotel vor etlichen Jahren: nachts spazierte munter eine kleine Schaar Kakerlaken unter dem Türspalt hindurch ins Zimmer. Der Kakerlakenstosstrupp wollte wohl mal routinemäßig checken, ob der neue Gast irgendwelche verwertbaren Substanzen in ihr Revier eingeschleppt hat. In dieser nacht habe ich jedenfalls nicht gut geschlafen …
Auch wenn man Kakerlaken gemeinhin mit Ekel und Abscheu begegnet und dies auch nicht ohne Grund, bleibt doch etwas Faszinierendes an diesen Tierchen, die seit etwa Weiterlesen

Steht im Wald ein kleines Haus / Jutta Bauer

Da schaut es nun zum Fenster seines Hauses heraus: das Reh. Da plötzlich kommt ein kleiner Hase angerannt, klopft an und ruft:

Hilfe, Hilfe, große Not!
Bald schießt mich der Jäger tot!

Natürlich nimmt das Reh den Hasen auf und schon bald sitzen sie am Weiterlesen

Und wieder Februar : Roman / Lisa Moore. Aus dem Englischen von Kathrin Razum

Was Helen bei Müdigkeit überkommt, ist eine Art Nebel. Ein Tag am Strand nach einer langen Fahrt. Wie das Licht auf das gelbe Gras fiel; die Ränder der Halme schimmerten wie Stahl. Das Ende einer Jahreszeit. Dunst hing über den Brechern. Im Wind der Geruch, mal wahrnehmnbar, mal nicht, von etwas Totem. Die ablaufende Gischt, gelblich gefärbt, dick wie Schlagsahne. Diese Jeans, die Cal trug.
Wir waren jung, denkt Helen. Das klare, kalte Meer strudelte heran und zog sich wieder zurück, schloss sich wie Ketten um Cals nackte Knöchel. Und er bückte sich, tauchte die Hand ein und steckte sich den Finger in den Mun
d“ (S. 135-136)

Kanada, Neufundland. Die hochschwangere Helen hat 1982 ihren Mann Cal beim Untergang der Bohrinsel Ocean Ranger verloren. Niemand von der Besatzung der Bohrinsel überlebte. Helen muss nun ihre vier Kinder allein großziehen, was ihr nach einem Jahr tiefer Trauer und Depression auch gelingt. Dabei Weiterlesen

Latte Igel / Sebastian Lybeck. Mit Bildern von Karin Lechler. Aus dem Schwed. v. Ilse Czigens u. Herta Weber-Stumfohl.

Ich kann mich nicht bewußt erinnern, ob die Ende der 1950er, Anfang der 1960er erstmals in Deutschland veröffentlichten seither immer wieder neu aufgelegten Abenteuer von Latte Igel mich in meiner Kindheit bereits begleitet haben. Möglich wäre es, und der kleine Held dieser Abenteuer erscheint mir auch auf seltsame Weise vertraut. Aber die Erinnerung ist eine trügerische Sache.
Wie auch immer es sich damit verhält: mittlerweile gibt es auch ein neues Abenteuer mit Latte Igel, für das der 1929 geborene schwedischsprachige, doch finnische Autor Sebastian Lybeck zusammen mit Daniel Napp verantwortlich zeichnet. Daher wurde es mittlerweile mit fortgeschrittenem (Vor)Lesealter der Zwillinge Zeit für Latte Igel, auch bei uns zu Gast zu sein – und zwar mit dem Sammelband, der „Latte Igel und der Wasserstein“ und „Latte Igel reist zu den Lofoten“ enthält und von Karin Lechler sparsam, doch mit freundlichem Strich illustriert wurde.

Im ersten Abenteuer „Latte Igel und der Wasserstein“ muss Latte Igel seinen Weiterlesen

Dark Star / Regie: John Carpenter. Darst.: Brian Marelle ; Cal Kuniholm ; Dre Pahich …

„Sprich mit der Bombe.“ – „Aber ich habe schon mit ihr gesprochen, Sir. Und Pinback spricht gerade in diesem Augenblick mit ihr.“ – „Nein, nein, Doolittle, sprich du mit ihr. Lehre sie Phänemenologie, Doolittle.“ – „Sir?“ – „Phä-no-me-no-logie!“ (Filmzitat)

Irgend jemand muss es ja machen: zum Beispiel instabile Planeten sprengen, die der Kolonisierung ferner Sonnensysteme im Weg stehen könnten. Das schon reichlich in die Jahre gekommene Raumschiff „Dark Star“ ist mit seiner ursprünglich fünfköpfigen, voneinander subtil genervten und schon reichlich derangierten Besatzung seit zwanzig Jahren unterwegs, um den Weg für die Menschheit frei zu machen. Die Schlafkojen und sämtliche Klopapierrollen sind durch einen Asteroidensturm zerstört worden und der bei einem Kurzschluss getötete Captain wurde eingefroren. Talby hat sich von der Mannschaft in die Beobachtungskuppel abgesetzt und philosophiert gelegentlich mit dem leidenschaftlichen Surfer und Ersatzcaptain Lt. Doolittle über die perfekte Welle. Boiler schmökt derweil Zigarren und veranstaltet illegale Schiessübungen an Bord. Segeant Pinback, der eigentlich Bill Frugge heisst und durch ein Versehen an Bord ist, kümmert sich derweil um Weiterlesen

Wunder der Prärie / Regie: James Algar

Die Naturfilme von James Algar, im Rahmen von Disneys Reihe True-Life Adventures gedreht, zählten in den 1970er Jahren zu den immer wiederkehrenden Dokumentarfilmen in dem damals noch rein öffentlich-rechtlichen Fernsehen mit seinen drei Programmen. Auch meine Familie saß regelmäßig vor dem Fernsehen, wenn einer dieser in den 1950er Jahren gedrehten, mehrfach unter anderem auch mit Oscars ausgezeichneten Filme gesendet wurde.
„Wunder der Prärie“ kam 1954 in die amerikanischen Kinos und wurde in den weiten Ebenen des Weiterlesen

Wir haben es satt! : Warum Tiere keine Lebensmittel sind / hrsg. v. Iris Radisch, Eberhard Rathgeb

„Denken Sie manchmal über den Wert eines Tierlebens nach – falls dieser Wert überhaupt existiert? Denken Sie auch darüber nach, dass diese Tiere leiden müssen – falls sie denn leiden? Und welche ethischen Grundsätze erlauben es Ihnen, das Fleisch dieser Tiere nicht nur zu essen, sondern sogar zu genießen […]? Falls Sie aber schon meine Einwände nicht verstehen und die vorangegangene Überlegung eher für eine törichte Nabelschau halten, wo seheh Sie die innere Berechtigung für diese Gleichgültigkeit? Genauer gesagt, ist Ihre Weigerung, darüber nachzudenken, das Resultat eigenen Denkens oder nur der schlichte Unwille, darüber nachzudenken?“ (aus David Foster Wallace: Am Beispiel des Hummers. -Zitiert nach: Wir haben es satt!, S. 186)

Die Frage, ob man Fleisch essen solle, ob es rechtens ist, ein Tier seines Lebens zu berauben, ist uralt. Iris Radisch udn Eberhard Rathgeb haben sich zu einer Zeit, in der Vegetarismus und der Verzicht auf Fleisch längst gesellschaftsfähig, sich die Verbrechen an Tieren aber keineswegs gemindert haben, ein Buch geschrieben, dass sich gegen den Fleischverzehr wendet und über viele mit dem Töten und Verzehren von Tieren verbundene Fragen reflektiert (wie viele andere) und gleichzeitig ihr Thema geschickt mit Weiterlesen

Lesen auf dem E-Book-Reader 2: der 49-Prozent-Twain und der Unsinn von Lesechallenges und Rekord-SUBs

Ich lese normalerweise nicht gegen die Zeit und gestehe jedem Buch die Stunden zu, die es braucht, um ihm gerecht zu werden. Bei den über 1100 Seiten, die Mark Twains „Geheime Auitobiografoe“ auch in der elektronischen Ausgabe umfasst und die es in zwei Wochen zu bewältigen gilt, komme ich natürlich auch an meine Grenzen, zumal ich immer noch fremdgehe mit anderen Büchern, gelegentlich auch dieser Blog und seine Leserinnen und Leser nach Aufmerksamkeit verlangen und ich außerdem auch noch über so etwas wie zeitlich limitierende dienstliche Verpflichtungen verfüge.
Allerdings stellt sich natürlich bei einem Anmerkungsapparat von gut 400 Seiten wesentliche Fragen, ob ich nicht mittlerweile schon eher bei einem 80-Prozent-Twain bin. Möglich. Ich werde es nicht weiterverfolgen.

Ebensowenig habe ich vor, in Zukunft bei irgendwelchen Weiterlesen

Fips der kleine Nasenbär / Sybille Hein

„Weil Fips, der kleine Nasenbär,
furchtbar gern ein Flugtier wär,
sammelt er schon lange Zeit
für ein buntes Federkleid“

Es gibt einige Illustratorinnen und Illustratoren von (Kinder)Büchern, die ich besonders schätze: zu ihnen zählt Sybille Hein, die einen ganz eigenen Stil entwickelt hat und dazu auch noch sprachlich ansprechende Worte findet. Deshalb freue ich mich über jedes neue Buch von oder mit ihr – so wie über dieses und seine gereimte, bebilderte Geschichte:
Fips, der kleine Nasenbär aus dem Zoo, hat nur einen großen Traum: fliegen zu können. Dafür Weiterlesen

Lesen auf dem E-Book-Reader 1: Umblätter-Awards und andere unerwartete Auszeichnungen

„Meine geheime Autobiographie“ von Mark Twain lese ich mittlerweile seit Sonntag – mit einem gewissen Druck, weil ich für den aus der Onleihe heruntergeladenen umfangreichen Titel nur vierzehn Tage Zeit habe und in dieser Zeit natürlich auch erste Vorbereitungen für die vorgesehene Rezension stattfinden sollen.
Noch sieht es ganz gut aus – aber die Zeit wird knapp und auf dem Kongress in Leipzig wird wenig Zeit sein, nebenbei zu lesen.

Die hohe Lesegeschwindigkeit (nein, im Gehen lese ich noch nicht) führt dann aber offenbar zu seltsamen Weiterlesen

Der E-Book-Reader ist da : über elektronisches Lesen, Urlaubsdownloads und sinkendes Ansehen

Die dienstlich bedingte kleine E-Book-Reader-Testreihe hatte den Vorteil, auch privat recht schnell zur Auswahl des augenscheinlich derzeit optimalsten Gerätes zu kommen. Ich konnte alle Geräte intensiv testen und mir so neben den in Elektronikgeschäften begutachteten Geräten eine kleine persönliche Marktübersicht verschaffen. Jetzt ist mein favorisiertes Gerät nach etlichen Wochen Wartezeit endlich da: es ist der Weiterlesen

Wie soll ich leben? oder Das Leben Montaignes in einer Frage und zwanzig Antworten / Sarah Bakewell. Aus dem Englischen von Rita Seuß

„Wir bestehen alle nur aus buntscheckigen Fetzen, die so locker und lose aneinanderhängen, dass jeder von ihnen jeden Augenblick flattert, wie er will“ (aus: Montaigne: Essais. Ziziert nach Bakewell, Sarah: Wie soll ich leben?, S. 312).

Bei der Lektüre der letzten Monate ist mir Montaigne immer wieder begegnet, etwa in Stephen Greenblatts fulminantem Buch „Die Wende : wie die Renaissance begann“. Doch noch immer habe ich die Essais von ihm noch nicht gelesen, obwohl ich das sichere Gefühl habe, dass sie eine unvergessliche Lektüre bereiten werden.
Sarah Bakewell hat sich Montaigne und damit den Essais auf ungewöhnliche Weise angenähert und macht damit einmal mehr Lust, diesen von jeder Generation neu und anders für sich entdeckten Autor und sein berühmtes Werk endlich zu lesen. Dabei gelingt es ihr auf bemerkenswerte Weise, den Leser intensiv und plastisch in das Leben Montaignes und in seine Zeit zu entführen und gleichzeitig in die Essais einzuführen, in ihre Entstehungsgeschichte, ihre verschiedenen, umfänglich wachsenden Ausgaben, die Verleger und Herausgeberkontroversen in den Jahrhunderten nach Montaignes Tod sowie ihre Rezeption bis in die heutige Zeit.
Gerade beim säkularen Skeptiker und Humanisten Montaigne ist das Werk von seinem Leben und seiner für seine Zeit besonderen Art, die Welt zu betrachten, kaum zu trennen. Die Essais, die zugleich einer neuen Literaturgattung ihren Namen gaben, sind geprägt von Weiterlesen

In Hamburg lebten zwei Ameisen und weitere Gedichte von Joachim Ringelnatz / Illustriert von Christine Sormann

Wer Jarg näher kennt, weiß, dass er Ringelnatz und seine Gedichte (und auch seine vielen unbekannte Prosa) sehr schätzt. Viele von ihnen sind bereits moderne Klassiker und werden mit jeder Generation neu entdeckt. Natürlich greift Jarg daheim bei Gedichtbedarf gerne zur schönen, rot gebundenen Werkausgabe von Ringelnatz oder zur Gesamtausgabe seiner Gedichte (beide erschienen bei Diogenes) oder nimmt sich die alte, kleine, fein illustrierte Auswahl aus dem Karl H. Henssel-Verlag mit auf die Zugfahrt. Aber es geht für Einsteiger auch anders:
Einen ersten, ansprechend und humorvoll von Weiterlesen

It’s „My Life“? Entspannung nach dem Blogcrash – aber dieses Lied!!

Nein, dies wird kein Beitrag über Dr. Albans zwanzig Jahre alten Eurodance-Hit „It’s my life“, auch wenn ich ab einem gewissen Punkt zur Zeit selten ausgeführter wochenendnächtlicher Tanzlaune durchaus nicht davon abzuhalten bin, auch DANACH zu tanzen.

Aber gestern bekam ich diesen Song nicht mehr aus dem müden Hirn – und das kam so: plötzlich zerlegte sich vor den Augen erstaunter Blogbesucher mein bisheriges und durchaus bewährtes WordPress-Theme „Freshy“, zog seine Weiterlesen

Oberst von Huhn bittet zu Tisch : Speisedeutsch für Anfänger / Axel Hacke

„5 Minuten vor dem Ende der kochenden Zeit, Fügen Sie die Erbsen und den schwarzen Pfeffer, Decke mit einer Serviette hinzu, und reisen Sie nach 20 Minuten ab“. (Axel Hacke: Oberst von Huhn bittet zu Tisch, S. 105)

Nein, ich war im Vollbeitz meiner geistigen Kräfte, als ich dieses Zitat abschreib. Und: nein, Dienstag ist eigentlich kein Tag, an dem auf Jargsblog regelmäßig neue Beiträge erscheinen und wird auf zukünftig keiner sein. Aber um mich von akuten buchbedingten Zwerchfellschmerzen abzulenken, muss dieser Beitrag heute sein.
Sprachkritische Bücher zum Thema Deutsch können leicht sehr oberlehrerhaft daherkommen und neben dem humorigen Ausbreiten sprachlicher Lapsūs ölige Besserwisserei ausbreiten. Das ist hier anders, denn Axel Haxcke stellt seinen speisedeutschen Fundsachen aus aller Welt eindeutig den Weiterlesen

Masala Highway : Abenteuer Alltag in Indien / Gabriel A. Neumann

Die kleine Testreihe mit E-Book-Readern in Verbindung mit der Onleihe führt mich gegenwärtig zu Büchern, an denen ich bisher vorbeigegangen bin bzw. die meinem nach Besonderheiten auf dem Buchmarkt suchenden Auge entgangen sind. So lud ich mir im Januar das Buch „Masala Highway“ von Gabriel A. Neumann auf den Kobo Mini, später auf den Kobo Glo – und war beeindruckt.
„Masala“ hat er sein Buch genannt und so nennen sich indische Gewürzmischungen, die es in einer Vielzahl von regionalen und persönlichen Varianten in diesem riesigen Land gibt, dessen Kultur der unseren auf den ersten Blick ziemlich fremd erscheinen mag. Neumann zeichnet allein sich aufgrund der Tatsache, dass er bisher mehr als zehn Jahre in Indien verbracht hat, als ausgesprochen Weiterlesen

Gebrauchsanweisung für die Welt / Andreas Altmann

„Reisen verblödet. Das ist so wahr wie das Gegenteil. Weil so mancher darauf besteht, nur das zu sehen, was er bereits weiß. Zu wissen glaubt. er umrundet zehn Mal den Globus und landet immer wieder als derselbe Ignorant, als der er vor Urzeiten von Bord gegangen war. Das ist wie mit einem Kind, das zur Schule geht. Passt es nicht auf, wird es nichts lernen. Nie. Nicht anders der Erwachsene, der die Welt besucht. Er muss es achtsam tun, erpicht, er muss hungern und dürsten nach Wissen und Weisheit, nach allem, was herzugeben sie bereit ist. Hinschauen reicht nicht. Wie das (wache) Kind muss er fragen, fragen, fragen. Tut er das hartnäckig genug, wird er begreifen, dass wir – er und die vielen anderen – uns ziemlich ähneln. Und: dass wir uns gleichzeitig gewaltig voneinander unterscheiden. Das macht den Reichtum der Welt aus.“

Nicht selten findet man unter den „Gebrauchsanweisungen“ aus dem Piper-Verlag wahre reiseliterarische Preziosen: so eine ist die „Gebrauchsanweisung für die Welt“ von Andreas Altmann, die man jedem in die Hand drücken sollte, der sich aufmacht, unseren blauen Planeten zu bereisen und zu entdecken.
Altmann schreibt über den Weiterlesen

Mein glückliches Leben / Rose Lagercrantz ; Eva Eriksson (Illustratorin) ; Angelika Kutsch (Übersetzerin)

Bilder der schwedischen Kinderbuchillustratiorin Eva Eriksson, die auch einige der auf Jargsblog vorgestellten Bücher illustriert hat, haben ein ganz besonderes Flair: ein Blick genügte, und ich musste in der Bibliothek nach diesem Buch greifen und es für die Zwillinge ausleihen.
Worum geht es: Dunne hat es eigentlich gut – und zählt beim Einschlafen, wie oft sie glücklich war. Ihre Gedanken gehen weit zurück zur Einschlung in die erste Klasse, zu ihrer Freundin Ella Frida, die sie dort kennenlernte und den Spaß, den sie miteinander hatten. Doch dann zog Ella Frida weg, und für Dunne war Weiterlesen

The Hunter / Regie: Daniel Nettheim. Darst.: Willem Dafoe ; Frances O’Connor ; Sam Neill …

Er gilt seit 1936 als ausgestorben: der Beutelwolf oder auch tasmanische Tiger. Doch immer wieder gibt es Gerüchte von der Sichtung eines Tasmanischen Tigers. An der wertvollen DNA eines solchen Tieres hat das Biotech-Unternehmen Red Leaf großes Interesse und ist bereit, einen hohen Preis dafür zu zahlen: der einzelgängerische und wortkarge Jäger Martin David erhält von Red Leaf den Auftrag, einen Tasmanischen Tiger zu fangen, zu töten und seine DNA exklusiv für Red Leaf zu sichern.

David gibt sich als Wissenschaftler mit dem Forschungsgebiet Beutelteufel aus. Er findet Unterkunft bei Lucy, die mit ihrer Tochter und ihrem Sohn in einem Haus nahe der Wildnis whnt. Lucy ist zutiefst unglücklich, verbringt ihre Tage im Bett und ist medikamentenabhängig, seit ihr Mann Jarrah in der Wildnis spurlos verschollen ist, und überlässt Sass und Bike weitestgehend sich selbst. Nur der Wildführer Jack Mindy, der David auch auf seinem ersten Weg in die Wildnis begleitet, scheint sich um Lucy und ihre Kinder zu sorgen.

David sind Lucy und die Kinder zunächst gleichgültig, will er sich doch ausschließlich auf seinen Auftrag konzentrieren. Doch seine Suche nach dem Tasmanischen Tiger, die in die Einsamkeit der wilden tasmanischen Berge führt, lenktt ihn auf Weiterlesen

Tiere klagen an / Antoine F. Goetschel

In den vergangenen dreissig Jahren hat sich durchaus für Tiere etwas bewegt: sie gelten rechtlich seit 1990 nicht mehr als „Sachen“, der Tierschutz selbst ist seit 2002 als Staatsziel in Artikel 20 a verankert. Auch Haltungsbedingungen geraten immer wieder in den Blick des Gesetzgebers – doch auf Druck von einflussreichen Lobbyverbänden kommt es meistens nur zu minimalen Verbesserungen für die betroffenen Tiere. Gleiches gilt für die Grenzen, die Züchtern und ihren Interessen im Tierschutz formal gesetzt werden, jedoch kaum jemals zu Anwendung kommen. Daher scheinen sich viele erreichte Fortschritte bei genauer Betrachtung eher als Lippenbekenntnisse zu entpuppen: im Verhältnis von Zier und Mensch ist also noch einiges zu klären und neu zu bewerten.

Der 1958 geborene schweizer Jurist Antoine F. Goetschel war von 2007 bis 2010 Tieranwalt in Zürich und hat in dieser Funktion die Rechte von Tieren vor Gericht vertreten. Die Schweiz ist bisher das einzige Land der Welt, in dem die Würde des Tieres Verfassungsrang hat.

Goetschel beleuchtet in seinem Buch zwar immer wieder rechtliche Fragen zum Thema Tierschutz, geht jedoch weit darüber hinaus, setzt er sich doch vor allem mit ethischen Fragen auseinander, die sich im Verhältnis Mensch-Tier stellen. Nach einer kurzen Begründung, warum er rechtliche Regelungen im Bereich des Tierschutzes für immens wichtig hält, beschäftigt er sich mit einzelnen Aspekten seines Themas:

Zunächst widmet er sich dem Wert, den Menschen Tieren zumessen, der regional und kulturell höchst unterschiedlich vorgenommenen Abgrenzung zwischen Schoßtier und Nutztier sowie dem in Form von Weiterlesen

Eistau : Roman / Ilija Trojanow

„Wieso hinterlässt alles, was wir tun, einen Abdruck (es braucht hundert Jahre, bis ein Fußabdruck in der Antarktis verschwindet), wieso können wir nicht wie Vögel in der Luft spurlos durch den Augenblick gleiten?“ (S. 76)

Der Glaziologe Zeno sieht sich mit Mitte fünfzig dem Scheitern seiner Lebensaufgabe gegenüber: der Gletscher, dem er über viele Jahre sein Forscherleben gewidmet hat, ist nahezu verschwunden und sein Sterbeprozeß aufgrund des fortschreitenden Klimawandels nicht mehr aufzuhalten. Verzweifelt zieht sich Zeno aus dem Forscherleben zurück, gibt sein bisheriges Leben auf und geht auf das Angebot ein, alljährlich in den südlichen Sommermonaten Kreuzfahrttouristen mit Wissen um die Eiswelt der Antarktis zu bereichern.

Eigentlich ist Zeno beglückt, seinem Weiterlesen

Bühne frei für Papa Bär! / Benjamin Chaud

Während Papa Bär schon Winterschlaf hält, folgt der kleine Bär mit der Hoffnung auf Honig einer verspäteten Biene. Natürlich bemerkt Papa Bär das Fehlen des kleinen Bären, sucht ihm und gelangt auf sein er Fährte durch den Wald bis in die laute, verqualmte Stadt. Schiesslich sucht Papa Bär ihn im Weiterlesen

Ist schon in Ordnung / Per Petterson

„‚Lest das hier, Jungs, dann versteht ihr vielleicht besser, was es heißt, für ein Ziel zu kämpfen!‘ Arvid stöhnte, aber ich habe das Buch gelesen, lese es jetzt zum dritten Mal. Es heißt ‚Martin Eden‘ und ist von Jack London. Ich hatte ‚Der Ruf der Wildnis‘ und ‚Der Seewolf‘ gelesen, fast alle, die ich kenne, habe diese Bücher gelesen, aber nur Arvid und ich kennen ‚Martin Eden‘, und wir geben es nicht aus der Hand.
Das Buch hat etwas, die Schinderei hat etwas, und nachdem ich es gelesen hatte, wusste ich sofort, dass ich Schriftsteller werden wollte, und wenn es mir nicht gelingen würde, wäre ich ein unglücklicher Mensch.“
(Per Petterson: Ist schon in Ordnung. – S. 48-49)

Oslo, Norwegen in der 1970er Jahren. Der 18jährige Audun Sletten wohnt mit seiner gleichgültig ihr Leben lebenden Mutter in einem Arbeiterviertel und trägt nebenher Zeitungen aus. Sein alkoholkranker, prügelnder Vater hat die Familie verlassen, Auduns Bruder Egil starb bei einem Autounfall und seine Schwester Kari ist längst mit ihrem halodrihaften Freund zusammengezogen und hat ein Kind mit ihm. Audun selbst verbirgt seine Weiterlesen

Vindings Spiel : Roman / Ketil Bjørnstad

„Mittagessen im Grünen. Eine stille Mahlzeit, als seien wir alle müde. Wir sind die einzige Familie, die sich hierher verirrt, zwischen Erlengebüsch, Birken und hohen Fichten. Die anderen sind nach Bogstad gefahren oder zum Østervannet, den großen Seen. Aber hier ist der Platz der Familie Vinding, wo man seine Ruhe hat, wo man am helllichten Tag Wein trinken kann, ohne dass es jemanden kümmert. Der Wind redet für uns. Und das Rauschen des Wasserfalls. Ich habe den Fluss nie so reißend erlebt. Ich sage es Mutter. Sie nickt, ohne sich zum Fluss umzudrehen, wie es jeder andere getan hätte.“ (Zitat aus: Vindings Spiel v. Ketil Bjørnstad)

Bjørnstad ist eine Geschichte gelungen, die ihre Weiterlesen

Vindings Spiel : Roman / Ketil Bjørnstad

„Mittagessen im Grünen. Eine stille Mahlzeit, als seien wir alle müde. Wir sind die einzige Familie, die sich hierher verirrt, zwischen Erlengebüsch, Birken und hohen Fichten. Die anderen sind nach Bogstad gefahren oder zum Østervannet, den großen Seen. Aber hier ist der Platz der Familie Vinding, wo man seine Ruhe hat, wo man am helllichten Tag Wein trinken kann, ohne dass es jemanden kümmert. Der Wind redet für uns. Und das Rauschen des Wasserfalls. Ich habe den Fluss nie so reißend erlebt. Ich sage es Mutter. Sie nickt, ohne sich zum Fluss umzudrehen, wie es jeder andere getan hätte.“ (Zitat aus: Vindings Spiel v. Ketil Bjørnstad)

Norwegen, in den 1960er Jahren. Familie Vinding geht an einem Sonntag zum Picknick an den Stausee. Die Ehe der Eltern ist schwer zerrüttet und es ist spürbar, dass sie auch durch sonntägliche Ausflüge nicht zu retten sein wird. Doch dieser Sonntag bringt eine dramatische Wende – und alles ändert sich für den 15jährigen Aksel Vinding, seinen Vater und seine ältere Schwester, als seine angetrunkene Mutter vor seinen Augen Weiterlesen

Tatsache Evolution / Ulrich Kutschera

„Nichts in der Biologie ergibt einen Sinn, außer im Lichte der Evolution“ (Theodosius Dobzhansky, zitiert nach a.a.O., E-Book-Ausgabe, S. 376)

Während meiner Testreihe zu E-Book-Readern entdeckte ich in der „Onleihe zwischen den Meeren“ das lesenswerte Buch „Tatsache Evolution“ von Ulrich Kutschera, dessen gehaltvoller Lektüre ich mich nicht mehr entziehen konnte:
Die Bedeutung von Charles Darwin für die Befreiung der Wissenschaft von theologischen Fesseln und für die Begründung der modernen synthetische Evolutionstheorie kann heute gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die Evolution wird in der seriösen Wissenschaft aufrgund der evidenten Belege heute als Tatsache betrachtet und die synthetische Evolutionstheorie als Weiterentwicklung und Korrektur der Ansätze für Darwin und anderen zur Erklärung der Entstehung und laufenden Entwicklung des Lebens kontinuierlich verbessert, ausdifferenziert und ergänzt:

„Heute stehen folgende auf Darwins Thesen-System basierende Befunde fest. Alle Organismen entwickelten sich im Zuge realhistorischer Abstammungsprozesse (Evolution) aus bakteriellen Ur-Formen; der Artenwandel vollzog sich in der Regel graduell, obwohl es im Verlauf der Erdgeschichte Evolutions-Schübe gegeben hat. […] Die von Darwin (1859/1872) postulierte Vervielfachung der Arten im Verlauf der Erdgeschichte (Diversifikation) ist. z. B. bei den Trilobiten, Käfern, Säugetieren und Blütenpflanzen eindeutig belegt und die von Darwin und Wallace (1858) erstmals im Detail vorgestellte natürliche Selektion hat alle diese Evolutionsprozesse in entscheidendem Maße vorangebracht.“ (a.a.O., S. 373)

Kutschera weist aber auch auf die neuesten Erkenntnisse etwa der Makroevolution oder von Konstantin Mereschkowsky begründeten Symbiogenese hin. Am Beispiel u.a. des Elefantenzahns weist er nach, dass die Natur mitnichten perfekt entwickelte Organismen hervorbringt und stellt der irrationalen Lehre vom Intelligent Design (Kreationismus) zusätzlich die erdrückenden Belege für die realhistorischen Prozesse der Evolution entgegen. Ausführlich geht er auf die verschiedenen Erdzeitalter, auf Evolutionsschübe und der Einfluss einer dynamischen Erde auf die Ausformung und Entwicklung von Lebensformen ein.

»Zu Zeiten Darwins war die Evolution eine Hypothese. Heute kann sie als erwiesen betrachtet werden.« (Theodosius Dobzhansky, a.a.O., S.

Trotz des immensen Fachwissens, das sich hinter Kutscheras Zeilen spüren lässt, gelingt es ihm, sein Thema anregend und mit wissenschaftshistorischen Reminiszenzen angereichert zu vermitteln. Dabei setzt er den Fokus auf Charles Darwin und seine Forschungen, zieht aber den Bogen über die Aktualisierungen bzw. Bestätigungen seiner Theorien, die Ansätze anderer Wissenschaftler bis hin zum heutzutage schier unüberschaubaren, weil stark ausdifferenzierten Forschungsgebiet der Evolutionsbiologie.
»Zu Zeiten Darwins war die Evolution eine Hypothese. Heute kann sie als erwiesen betrachtet werden.« Theodosius Dobzhansky
Ein Sachbuch für den interessierten Laien, das anregt, sich mit dem faszinierenden Thema Evolution und der Geschichte unseres Lebens und unserer individuellen biologischen Existenz zu beschäftigen, die mehrere Milliarden Jahre alt ist.

Die Bernsteinstrasse : verborgene Handelswege zwischen Ostsee und Nil / Gisela Graichen ; Alexander Hesse

Globalisierung ist ja bekanntermaßen ein alter Hut und kein Phänomen des sogenannten Anthropozäns, also der Zeit seit 1800 n.u.Z.. Bereits im Mittelalter und in der frühen Neuzeit reichten die Handelswege weit über Ländergrenzen und Kontinente hinweg und auch für die Zeit der Römer, Griechen oder Ägypter sind durch archäologische Funde und schriftliche Überlieferungen weite Handelswege dokumentiert. Überraschend aber dürfte für viele sein, dass es bereits in vor- und frühgeschichtlicher Zeit Handelsverbindungen gab, die vom noch relativ unzivilierten Norden Europas bis hinein nach Weiterlesen

Taste the Waste : Warum schmeissen wir unser Essen auf den Müll? / Valentin Thun

null

Einen der beeindruckensten Filme, die 2012 auf DVD erschienen sind, habe ich bisher unterschlagen, da er im Ordner für Entwürfe stecken geblieben ist: „Taste the waste“ (Regie: Valentin Thun) dokumentiert den Umgang der modernen Industriegesellschaften mit Lebensmitteln und die weltweite Verschwendung von Lebensmitteln durch Verbraucher, Industrie und Handel: 90 Millionen Tonnen Lebensmittel werden allein in der EU jedes Jahr in den Müll geworfen.

Am Beginn begleitet der Film zwei „Mülltaucher“ und Weiterlesen

The longest way : 4646 Kilometer zu Fuß durch China / Christoph Rehage

„Wenn ich zu Fuß unterwegs bin, habe ich das Gefühl, nicht fehl am Platz zu sein. Es ist, als ob jeder Ort am Weg, den ich mir erlaufen habe, ein bisschen zu mir gehören würde, und ich fühle mich nicht ganz fremd. Das ist vielleicht das Schönste daran“ (The longest way, S. 253)

Der 1981 geborene Christoph Rehage, der in München Sinologie studiert hat und in Peking an der Filmhochschule seinen Abschluss in Kameraführung, beschließt 2007, von Peking aus bis zu seinem Heimatort Bad Nenndorf zu Fuß zu laufen: am Morgen seines 26. Geburtstages startet er. Er möchte auf seinem Weg den Menschen und Kulturen Asiens auf eine möglichst bodenständige Art begegnen und sich zugleich während des langen Marsches überlegen, wie sein Leben nach der Rückkehr nach Deutschland machen. Er nennt sich dabei meist Leike, was soviel heißt wie „Eroberer des Donners“. Stets dabei in seinen Gedanken sind seine Gefühle für Juli, einer Chinesin aus Sichuan, und die Ungewissheit, die über der Beziehung der beiden schwebt …
Rehages Lauf durch China, den er nach 4646 wechselhaften Kilometern unterbrach und Weiterlesen

Im Kielwasser : Roman / Per Petterson

„Und er sagte: ‚Schliesst die Augen, atmet die Luft ganz tief ein und laßt sie langsam wieder raus, ihr werdet sehen, das hilft‘. Und wir taten es im Chor, atmeten tief und laut japsend ein, und es wurde ganz still im Wald um uns herum, alles hielt die Luft an, wenn wir die Kuft anhielten, und als wir sie wieder herausließen, kamein Windstoß und nahm uns auf und trug uns mehrere Jahre fort, bis er nichts mehr tragen konnte. Und ich fragte mich nie, weshalb, sah nie zurück, um herauszufinden, ob er noch dastand, doch jetzt setze ich mich auf, an diesem Berghang noröstlich von Oslo, die Füße gegen den Stamm einer Fichte gestemmt, damit ich nicht wegrutsche, und atme tief ein, halte die Luft lang an und lasse sie langsam wieder heraus … “ (a.a.O., S. 69)

Kennen Sie das? Sie haben ein Buch von einem Autor gelesen und fühlen sich von seiner Art, eine Geschichte zu erzählen, so angezogen, dass Sie wie im Rausch weitere von ihm lesen möchten. So geht es mir derzeit mit Per Petterson, der mich bereits mit „Sehnsucht nach Sibirien“ und „Pferde stehlen“ in seinen Bann schlug und mich jetzt mit dem von Ina Kronenberger ins Deutsche übertragenenen Roman „Im Kielwasser“ erneut schwer beeindruckt und tief berührt hat.
Zur Geschichte: Norwegen, in den 1990er Jahren. Der 43jährige, relativ erfolglose, heruntergekommene und dem Alkohol ergebene Schriftsteller Arvid verlor vor sechs Jahren bei einem Schiffsbrand seinen Weiterlesen